Wahrer christlicher Charakter entwickelt sich nicht über Nacht

Dr. Price fordert 100-prozentige Hingabe

Zeitungsartikel "Wahrer Charakter wächst nicht über Nacht"VICTORIA DAILY TIMES (FREITAG, 13. APRIL 1923)

Gestern Abend in der Metropolitankirche nahm Pastor Dr. C. S. Price das folgende Gleichnis zum Hauptthema seiner evangelistischen Predigt: das Formen eines Tongefäßes auf der Töpferscheibe und sein endgültiger Stärketest im Brennofen. Der Evangelist wählte als seinen Text diese Worte von Jeremia: “Und ich ging hinab in des Töpfers Haus, und siehe, er arbeitete eben auf der Scheibe. Und der Topf, den er aus dem Ton machte, missriet ihm unter den Händen. Da machte er einen anderen Topf daraus, wie es ihm gefiel.”

Das Wort als Licht

Dr. Price lenkte die Aufmerksamkeit der Zuhörer darauf, wie oft die Worte: “Und das Wort des Herrn geschah zu...” in der Bibel vorkommen. Er stellte fest, daß Gott zu den Menschen füher durch verschiedene Manifestationen und auf vielerlei Arten und Weisen sprach. Das Wort Gottes sei heute genauso kostbar wie in den frühen Tagen der Weltgeschichte. Es sei immer noch ein Licht, um die Dunkelheit zu erleuchten, und die Bibel beweise sich letztlich immer noch als der einzig sichere Führer und Lehrmeister. Echter Glaube an die Bibel bewirke wahre Zufriendenheit.

Der Evangelist sagte: “’Und des Herrn Wort geschah zu Jeremia,’ ist nur eines der vielen Beispiele in der Bibel, die zeigen, dass niemand die Fülle von Gottes Wort verstehen kann, außer er macht selbst aktiv daran, das Verständnis zu suchen. “Der Schlüssel, der dein Schicksal aufschließt, ist eindeutig nicht in den Händen seiner Majestät, des Teufels, aber auch nicht in der Hand des Allmächtigen Gottes. Du alleine triffst diese Entscheidung. Dein Wille ist ausschlaggebend. Wenn du es vorziehst, verloren zu werden, kann dich nichts im Himmel davor zurückhalten; wenn du dich dafür entscheidest, gerettet zu werden, kann keine Macht in der Hölle sagen: ‘du nicht.’”

In der Töpferei

Auf seine Textstelle zurückkommend, bat Dr. Price seine Zuhörer sich vorzustellen, ihm auf einer Tour durch eine Töpferei zu folgen. Als erstes komme man zu einem schmutzigen Klumpen Ton, der gerade erst aus dem Boden herausgeholt wurde. Er habe noch allen Dreck und Schmutz dran kleben. Dieser Klumpen Ton liege auf der Werkbank, welcher der Prediger mit der “Trauerbank” verglich, und warte auf das erste Bearbeiten des Töpfers. Der Meistertöpfer beseitige zuerst den Schmutz und Dreck der Missetaten auf der “Trauerbank” , als Vorbereitung zur weiteren Bearbeitung, um dann schließlich das Endprodukt wahren Christentums herzustellen. Diejenigen, die dächten, sie seien nicht gut genug, um zu Christus zu kommen und warteten, bis sie besser wären, kämen niemals, erklärte der Prediger. “Wir Christen sollten dieser zerbrochenen, von Sünde verdammten Welt das Allheilmittel gegen allen Übels, die Liebe Gottes, anbieten.”

Dr. Price kam nun zum nächsten Schritt in seinem Bild des Töpfers, und zwar zum Säubern und Weichmachen des Tonklumpens. Er sprach sich sehr eindeutig gegen die Art von Errettung aus, die nur intellektuell an Gott glaubt, und betonte die Notwendigkeit, nicht nur an Gott zu glauben, sondern Seine Gnade zu erlangen. “Ich bedaure zutiefst die oberflächliche Art, wie einige unserer Bekehrungen stattfinden. Diejenigen, die Christus suchen, sollen auf ihren Knien verharren, bis sie die selige Gewissheit erlangt haben, daß ‘Jesus dir, und du Ihm gehörst.’”

Während des Reinigungs- und Weichmachungsverfahrens der Errettung habe er Männer erlebt, die aus niedrigem Ton geschaffen waren mit einem Herzen aus Stein, welche sich aber zu Jesus durch weinten. Der Töpfer habe nach diesem Reinigungs- und Weichmachungsverfahren etwas im Ton zurückgelassen – eine größere Stabilität und Formbarkeit. “Der Herr versprach dir niemals Immunität von Versuchungen oder Freisein von Schwierigkeiten und Herzensleid. Er hat dir jedoch Gnade und Kraft versprochen, daß du der Versuchung widerstehen kannst, wenn sie dich angreift, und wenn du in arger Not bist und die Nacht dunkel scheint, dann wird dich der Herr tragen, wenn du nur den Weg zu Ihm kennst,” fuhr der Sprecher weiter fort.

Die Meisterhand finde beim Bearbeiten des menschlichen Tonklumpens verschiedene Unreinheiten wie Neid, Bosheit und Eifersucht, und während Er knete, teste Er ihn mit verschiedenen Prüfungen. So wie der Test für einen Soldaten nicht bei einer Parade, wenn alle Fahnen wehen, geschehe, sondern in der Stunde des Kampfes, so komme auch der Test für einen wahren Christen nicht, wenn der Himmel blau ist und der Ruf “Alles in Ordnung” ertönt, sondern wenn Sorgen und heiße Tränen kämen und der Teufel von allen Seiten angreife.

Die Werkbank der christlichen Erfahrung

“Diese Prüfungen werden an der sogenannten Werkbank der christlichen Erfahrung erschaffen,” erklärte Dr. Price. Indem er seine Parabel weiterführte, illustrierte er, wie Ton geformt wird, und betonte, dass der Tonklumpen sich nicht die Form aussuchen könne, wie die Hand des Töpfers ihn forme. “Die Hände des Meistertöpfers wählen die einen als Missionare, andere als Missionsarbeiter und wieder andere als Evangelisten aus. Wer z.B. als Helfer in einem Lebensmittelgeschäft oder als Bauer berufen wurde, kann genauso Gottes Wahl sein wie diejenigen, die als Evangelisten berufen wurden, und sie können in diesen Berufen genauso gut zur Ehre Gottes arbeiten.”

Wenn der Ton nun endlich geschmeidig wurde und keine Klumpen mehr hatte, ist sein Zustand vergleichbar mit dem Mann, der ernsthaft sagen kann: “Herr, ich gehöre Dir, mach’ mit mir, was Du möchtest.” Durch Beten und Warten vor dem Herrn nahm der Ton sehr rasch die gewünschte Form an. Dr. Price illustrierte das folgendermaßen: “Ich glaube, daß Gott zu einem Menschen, der seine Ohren weit genug aufmacht, sprechen kann, so daß er diese ‘kleine, leise Stimme’ hören kann. Wenn der Töpfermechanismus ordentlich funktioniert und und man die Resultate davon sieht, dann lies in deiner Bibel und verbringe Zeit im Gebet. Laß dich nicht vom Thema ablenken. Sei ein ausgeglichener Christ. Paß` in die Form hinein, die Gott für dich gemacht hat. Schau nicht herum und sage: ‘Ich möchte wie Schwester Schmidt sein.’”

Der Rückfällige

In seiner Parabel verglich der Evangelist nun das Anhalten der Töpferscheibe, wegen verborgener Mängel, mit der göttlichen Hand, welche “uns manchmal offenbart, daß etwas in uns ist, das dort nicht sein sollte.” Es wird keine Gnade geben, solange diese versteckten Unreinheiten da sind. Viele Menschen sind rückfällig geworden, weil sie nicht den Schmutz ihrer Ungerechtigkeit entfernt haben. Denk nicht, daß du in einer Woche oder einem Monats Gnade erlangen wirst.” “Wahrer christlicher Charakter entwickelt sich nicht über Nacht,” sagte Dr. Price.

Er zitierte den Fall des Apostels Petrus, um zu zeigen, daß drei Jahre in den Händen des Herrn, Petrus nur zu einem Zustand gehoben hatten, wo es “zu viel von Petrus und nicht genug vom Herrn gab.” So wie Ton im Feuer gehärtet werden muß, um widerstandsfähig zu sein, so ist die Taufe in Christus notwendig, um die Prüfungen zu bestehen, die zeigen, wer ein wahrer Christ ist. Unter diesem Einfluß werden die Gefäße – vergleichbar mit Leuten, die durch die Hände des Meistertöpfers und nicht durch eigene Werke geformt wurden - benutzt, um einer durstigen Welt das Wasser des Lebens zu bringen. Abschließend forderte Dr. Price seine Zuhörerschaft auf, für “eine 100-prozentige Hingabe” zu beten.

Der Evangelist kündigte an, daß er heute Abend eine Gebetsversammlung für Kranke halten werde.“Ich werde mit Öl salben und das Gebet des Glaubens sprechen, welches Krebsgeschwüre und Tumore wegnehmen wird. Ich bin kein ‘göttlicher Heiler’ und behaupte auch nicht von mir, daß ich die Gabe der Heilung besitze. Wenn ihr besondere Manifestationen von mir erwartet, werdet ihr enttäuscht werden. Ich erhebe jedoch den Anspruch, daß ich das Wort Gottes recht gut kenne und Glauben an Gott habe. Ihr und euer Glaube an Jesus Christus alleine kann die Heilung eurer Krankheiten bewirken.”