Unsere zerbrechliche Demokratie

"Sind wir nicht gezwungen zu folgern, daß das Christentum, trotz der Fehler und Schwächen seiner Nachfolger, die einzige Kraft ist, die erfolgreich die Menschen sich gegenseitig vom Halse hält? Und die Notwendigkeit des Christentums schließt die Notwendigkeit der Schöpfung mit ein."

Welche dieser zwei Sichtweisen hat unser eigenes kulturelles Erbe geformt? Aufgrund seiner Wurzeln im christlichen Glauben wurde der Westen weitgehend von seiner konservativen Sicht der Realität geformt. Nehmen Sie zum Beispiel unsere Vorstellung vom Staat. Zwei der wichtigsten Erkenntnisse, die die modernen Demokratien geformt haben, waren die Rechtsstaatlichkeit und die begrenzte Staatsgewalt.

Die Herrscher beherrschen

In den meisten Gesellschaften wird das Gesetz nur als ein Mittel aufgefaßt, durch das die Regierung die Leute dazu bringt, zu tun, was sie will. Das Gesetz ist ein Machtwerkzeug. Es legt lediglich fest, was die Herrschenden wollen. Und was sie heute wollen, kann von dem verschieden sein, was sie morgen wollen. Der Staat ist absolut: was er für legal erklärt, ist auch das, was richtig ist - es gibt keinen höheren Beurteilungsmaßstab.

Das Christentum gab Anlaß zu der Überzeugung, daß es ein Gesetz gibt, das höher ist als irgendein von menschlichen Herrschern ausgedachtes, nämlich das Gesetz Gottes. Dieses alles überragende Gesetz beherrscht sogar den Herrscher. Es ist ihm nicht erlaubt, Gesetze nach eigenem Gutdünken zu erlassen. Er muß Gesetze erlassen, die das zum Ausdruck bringen, was nach Gottes Maßstab richtig ist. Und wenn er in dieser Hinsicht versagt, gibt dies dem Volk einen Grund, ihn in Frage zu stellen. Der Staat ist nicht absolut.

Nur ein Glaubenssystem, das Anspruch auf einen höheren Ursprung, ein höheres Schicksal und ein höheres Gesetz für die Menschheit erhebt, kann einem absoluten Staat entgegentreten. Nur ein solches System kann wahre Menschenrechte festlegen, die Vorrang vor dem Staat haben und von ihm unabhängig sind. Die Gründerväter Amerikas verstanden dies, als sie die großartige Redewendung "gewisse unveräußerliche Rechte" in die Unabhängigkeitserklärung schrieben. "Wer gibt uns diese Rechte?", fragt Francis Schaeffer. Der Staat? Dann sind sie nicht unveräußerlich, denn was der Staat gibt, kann er auch wieder nehmen. Die Gründer verstanden, daß es da jemanden geben muß, der dem Staat überlegen ist und diese Rechte garantiert, damit sie wirklich unveräußerlich sind. Daher bestanden sie darauf, daß die fundamentalen Menschenrechte den Menschen "von ihrem Schöpfer" gegeben wurden. Der Staat erkennt lediglich Rechte an, die schon kraft der Schöpfung existieren.

Vielen von uns ist nicht klar, wie selten dieses Verständnis in unserer Welt heutzutage ist - und, als ein Resultat davon, wie selten die Rechtsstaatlichkeit ist. Zum Beispiel wurde während der 70er Jahre eine diplomatische Konferenz unter der Schirmherrschaft des Internationalen Rot-Kreuz-Komitees abgehalten, um ein internationales Gesetz gegen Terrorismus zu entwerfen. Der Unterschied zwischen dem im Westen gültigen Gesetzeskonzept und den Gesetzeskonzepten im Rest der Welt wurde bald deutlich und ließ die Gespräche scheitern. Die westlichen Abgesandten setzten voraus, daß das Gesetz eine Prinzipsache sei: es ist allen Parteien übergeordnet und kann nicht geändert werden, um sich den Interessen der Machthabenden oder anderen Interessengruppen anzupassen. Die Teilnehmer der sozialistischen und kommunistischen Länder sowie die meisten Teilnehmer aus Ländern der Dritten Welt waren nicht nur anderer Ansicht, sondern sie konnten solch eine Vorstellung nicht einmal verstehen. Wie Douglas Feith berichtet, ist das Gesetz für sie ein Mittel, um die Interessen der Machthaber zu vertreten (oder, im Falle einer "Befreiungsbewegung", um die Interessen derjenigen, die die Macht übernehmen wollen, zu unterstützen). In Feiths Worten: "In den meisten Teilen außerhalb der westlichen Welt setzt das Gesetz die Regierungen nicht unter Druck; oft dient es den herrschenden Parteien lediglich als Mittel, ihre Gegner zu unterdrücken."

Wenn wir die großen menschlichen Freiheiten, die wir im Westen besitzen, erhalten wollen, müssen wir erkennen, wie kostbar und zerbrechlich sie in Wirklichkeit sind. Die Rechtsstaatlichkeit ist ein einzigartiges und kostbares Erbe, das uns im Westen vor der Unterdrückung durch einen willkürlichen und absoluten Staat schützt. Und dieses Erbe beruht auf einer biblischen Grundlage. Wenn der biblische Glaube seinen Stand in unserer Kultur verliert, was wird dann mit den Freiheiten geschehen, an die wir uns gewöhnt haben?

Der begrenzte Staat

Aus konservativer Sicht hat der Staat (wie alle anderen Institutionen) spezifische Aufgaben innerhalb der Gesellschaft wahrzunehmen. Dazu zählen vorrangig der innere Schutz seiner Bürger (durch Unterhalten einer Polizei), die nationale Verteidigung (durch Unterhalten einer Armee) und gewisse öffentliche Dienstleistungen (z.B. der Bau von Autobahnen). Zu sagen, daß der Staat ganz bestimmte Funktionen hat, schließt ein, daß er diese und keine anderen hat. Er darf keine Funktionen an sich reißen, die anderen Institutionen in der Gesellschaft eigen sind.

Er darf z.B. nicht die Funktionen der Wirtschaft übernehmen, wie es in sozialistischen Ländern geschieht, wo der Staat Löhne und Preise festsetzt und entscheidet, wie die Güter verteilt werden. Er darf nicht die Funktionen der Kirche übernehmen, wie er es in Nazi-Deutschland tat (in der Nazi-Partei schuf Hitler eine ketzerische Parodie auf das Christentum mit einem Nazi-Glaubensbekenntnis, einem Hochzeitsdienst und Sakramenten). Er darf nicht die Funktionen der Familie übernehmen, wie er es in den kommunistischen Ländern tut, wo die Kinder von klein auf in staatlich geleiteten Tagesheimen in der kommunistischen Ideologie trainiert werden und es den Eltern verboten ist, ihnen ihre eigenen religiösen Glaubensüberzeugungen zu vermitteln. Kurzgefaßt, die Familie, die Kirche, die Schulen, die freien Verbände und die Geschäftswelt haben alle ihre eigenen ihnen innewohnenden Funktionen, welche der Staat nicht übernehmen darf.

Dies bedeutet, daß der Staat begrenzt ist. Diese Auffassung des Staates hat seine Wurzeln in der Schöpfungslehre - gerade so wie Gott verschiedene "Typen" innerhalb der biologischen Welt schuf (die nicht, wie in der evolutionistischen Auffassung, ineinander übergehen), so schuf Er auch verschiedene Strukturen für das menschliche Zusammenleben. Die größte Freiheit entsteht dann, wenn die Macht in der Gesellschaft auf die verschiedenen Strukturen verteilt und dadurch dezentralisiert wird.

Die Sicht des begrenzten Staates hat seine Wurzeln auch in der Lehre über Sünde. Sie wurde durch die Grundwahrheit geformt, daß niemandem zu viel Macht anvertraut werden sollte, da alle Menschen sündig sind. Stattdessen sollte die Macht auf verschiedene Gruppen aufgeteilt werden, um sich so nicht auf eine Person oder Gruppe zu konzentrieren. "Absolute Macht korrumpiert absolut" ist eine biblisch fundierte Ansicht. Sogar die Macht verschiedener Gruppen innerhalb der Regierung wird durch eine Gewaltenteilung, durch Kontrolle und Ausgeglichenheit begrenzt. Das Mißtrauen gegenüber Macht führte die Gründerväter dazu, die Regierung in drei Zweige aufzugliedern: einen judikativen, einen legislativen und einen exekutiven Zweig.

Die Einschränkung der Regierungsmacht hat zu echter Freiheit in anderen Bereichen der Gesellschaft geführt. Sie hat große Kreativität und Erfindungsreichtum auf wirtschaftlichem, kulturellem, religiösem und intellektuellem Gebiet angeregt. Oft setzen wir unsere Regierungsform als selbstverständlich voraus, so als ob sie ein natürliches Produkt der menschlichen Gesellschaft sei. Aber sie ist weder natürlich noch sehr verbreitet in der Welt. Es ist kein Zufall, daß das größte Aufblühen von Kultur und Industrie, das die Welt je gesehen hat, im christianisierten Europa und ihren kulturellen "Ablegern" Nordamerika und Australien stattfand.

Die Notwendigkeit des Christentums

Es ist keine kulturelle Engstirnigkeit zu sagen, daß der Westen einzigartig sei. Wir sagen nicht, daß wir ein von Natur aus besseres Volk wären. Dieselben Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit und der eingeschränkten Regierungsgewalt - mit dem daraus resultierenden freien Austausch von Gütern und Gedanken - kann genauso von nichtwestlichen Ländern übernommen werden. Dies ist tatsächlich geschehen, und sie haben dort genauso effektiv die Freiheit unterstützt und für Wohlstandswachstum gesorgt wie im Westen. Sehen Sie auf den überraschenden Fortschritt der sogenannten asiatischen Schwellenländer, die den Westen in der Ausübung des freien Handels fast überholt haben: Japan, Singapur, Südkorea und Taiwan. Aus völliger Armut und Kriegsverwüstung sind diese Nationen in wenigen Jahrzehnten zu den erfolgreichsten in der Welt geworden.

Wir haben auch das Gegenteil gesehen. Nationen, die einmal stark und erfolgreich waren, haben sich in diesem Jahrhundert unter Unterdrückung und Armut gebeugt. Eines der auffälligsten Merkmale unseres Jahrhunderts war das Aufkommen des modernen Totalitarismus, besonders des Nazismus und Kommunismus.

Es hat schon immer Diktatoren und Tyrannen gegeben. Aber niemals zuvor haben wir gesehen, wie Regierungen so systematisch unterdrückt haben und in ihrer Ausbreitung so unerbittlich waren.

Das 20. Jahrhundert hat gesehen, wie der Glaube an Gott verfällt, und damit verbunden, wie Menschen kommen, die keine Gottesfurcht haben. Sie glauben, daß sie sich nicht an einen absoluten Verhaltenskodex zu halten brauchen. In einem Artikel mit dem Titel "Die Notwendigkeit des Christentums" listet der frühere Sozialist Paul Johnson die Konsequenzen der, wie er es nennt, Entchristianisierung der Welt auf.

Es begann in Rußland. Lenin haßte das Christentum und betrachtete es als Feind. Der einzig wahre Verhaltensmaßstab war das, was er "revolutionäres Bewußtsein" nannte - also alles, was der Verbreitung der kommunistischen Partei diente. Kurz, Leninismus repräsentiert das, was wir die liberale Sicht genannt haben: Es gibt keine übergeordneten Maßstäbe, alles ist in ständigem Wechsel begriffen, und diejenigen, die an der Spitze der Veränderung stehen, geben den Ton an. Johnson fragt: "Ist es dann ein Wunder, daß dieses Monster fünf Millionen seiner eigenen Landsleute getötet hat oder hat verhungern lassen, und daß sein Nachfolger, Stalin - der sein Wesen erbte - weitere 20 Millionen hinrichten ließ?"

Der Prozeß der Entchristianisierung bewegte sich weiter nach Deutschland - obwohl er dort gnädigerweise zeitlich begrenzt war. Hitler haßte das Christentum mit einer Leidenschaft, die der Lenins gleichkam. Kurz nachdem er 1933 an die Macht kam, sagte er, er habe die Absicht, "das Christentum bis auf die Wurzeln auszurotten". Wie dies zu verwirklichen sein würde, war unwesentlich: Christentum könnte mit Gewalt vernichtet oder "wie ein fauliges Glied der Verrottung überlassen" werden. Wie auch immer, die Massen würden "niemals wieder" Christen sein.

Sollte es uns überraschen, daß diese zwei Männer, die sich der Vernichtung des christlichen Glaubens und der christlichen Ethik widmeten, zwei der schrecklichsten Regierungsformen aufgerichtet haben, die die Geschichte je gekannt hat? Hat die Welt jemals zuvor solch einen Horror wie Auschwitz oder den Archipel Gulag gesehen? Johnson sagt, daß wir hier "die ersten bitteren Früchte einer entchristianisierten Welt" sehen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg schreitet der Prozeß der Entchristianisierung in der ganzen Welt voran, Hand in Hand mit dem Auseinanderbrechen der großen europäischen Königreiche. Diesen Königreichen war es nicht immer gelungen, wahrhaft christliche Gesellschaften aufzubauen, aber sie brachten der Welt eine christliche Ethik und christliche Ideale der Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit. Beachten Sie einige Beispiele, die Johnson zitiert.

Kuba war bis 1959 ein weitgehend christliches Land. Es gab zwar politische Korruption, aber auch bemerkenswerte persönliche Freiheit, und es besaß einen der höchsten Lebensstandards in Lateinamerika. Heute, bemerkt Johnson, ist Kuba ein entchristianisierter, marxistisch-totalitärer Staat. Es ist zu einem der ärmsten Länder der Halbkugel geworden. Es geht ihm schlechter als vielen seiner Nachbarn, auf die es einst herabgeschaut hat. Es ginge ihm noch schlechter, wenn die Sowjetunion nicht massive Unterstützung leisten würde. Diese Hilfe ist jedoch fast ausschließlich militärischer Natur. Trotz seiner verarmten Bevölkerung unterstützt Kuba größere Militärtruppen als irgendein anderes lateinamerikanisches Land (es exportiert sogar Soldaten in andere Länder wie Angola, um dort die marxistischen Diktaturen zu unterstützen). Das Gefängnissystem in Kuba ist nach dem Muster des sowjetischen Gulag aufgebaut. Wenn Sie eine erschütternde Darstellung lesen wollen, lesen Sie "Against All Hope" ("Entgegen aller Hoffnung"), die Gefängnismemoiren von Armando Valladares.

Der Verlust der politischen Freiheiten in kommunistischen Ländern wird oft mit dem Argument gerechtfertigt, daß die erzwungene Umverteilung des Wohlstandes wenigstens die Armut abschaffe. Aber unglücklicherweise ist das nicht wahr. Jedes Land, das ein kommunistisches Wirtschaftssystem angenommen hat, ist ärmer geworden, und die armen Leute besaßen weniger anstatt mehr. Michael Novak stellt dazu passend fest, daß Dostojewskis Großinquisitor falsche Entscheidungsalternativen anbot, als er sagte, wir müßten zwischen Brot und Freiheit wählen. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Wir können nicht Brot haben, ohne daß wir Freiheit besitzen.

Nehmen wir ein anderes Beispiel. Vietnam ist jetzt der militaristischste Staat der Erde. Im Verhältnis zur Bevölkerung sind mehr Männer im Wehrdienst als in irgendeinem anderen Land der Welt (Kuba steht an zweiter Stelle). Einst war Vietnam unter dem Schutz Frankreichs, einer großen christlichen Macht, wenigstens im Süden fast ganz christianisiert. Wie in Kuba gab es dort Korruption, aber es gab auch einen hohen Freiheitsgrad und wachsenden Wohlstand. Seit 1975 - als die Vereinigten Staaten das Land verließen - und die nordvietnamesischen Kommunisten ohne Widerstand in Saigon einmarschierten, ist Vietnam vollständiger stalinisiert worden als andere Länder, in denen der Kommunismus viel länger geherrscht hat (z.B. Osteuropa). Das vietnamesische Regime hält die Bevölkerung in Furcht und Armut und benutzt dafür die üblichen Werkzeuge der Unterdrückung: Konzentrationslager, politische Polizei, Nachbarschaftszellgruppen. Wenn Sie einen Bericht aus erster Hand lesen wollen, lesen Sie "The Vietnamese Gulag" ("Der vietnamesische Gulag") von Doan Van Toai und David Chanoff.

Angola und Mosambique waren einst die Juwelen des portugiesischen Reiches. Obwohl man sie kaum als moderne Demokratien bezeichnen konnte, brachte die christliche Kultur, die von den Portugiesen eingeführt worden war, die Rechtsstaatlichkeit und grundlegende christliche Ethik mit sich. Die portugiesischen Rechtsgrundsätze sind nun von marxistischen Ein-Parteien-Diktaturen, Hungersnöten und Hungertod abgelöst worden. Beide Länder werden durch den Bürgerkrieg zugrunde gerichtet, da beachtliche Teile der Bevölkerung die Waffen aufnehmen, um zu verhindern, daß ihnen der Marxismus oder, wie es auf moderne Weise genannt wird, der "Afrikanische Sozialismus" aufgezwungen wird.

Am erschütterndsten von allen ist vielleicht Äthiopien, das einzige afrikanische Land, das sein Christentum vom Altertum her bewahrt hat. So wie Johnson es beschreibt, gab es beachtliche Freiheit und einigen Fortschritt unter dem alten Kaiser, Haile Selassi, bis die Sowjets 1974 veranlaßten, ihn zu ersticken und durch eine marxistische Marionettenregierung zu ersetzen. Heute, etwas mehr als ein Jahrzehnt später, ist Äthiopien mit Bürgerkriegen und äußeren Kriegen geschlagen. Es leidet an der schlimmsten Hungersnot seiner Geschichte. Diese wurde zumindest teilweise durch bewußte Entscheidungen seitens der marxistischen Herrscher herbeigeführt. (Darin folgten sie der Tradition Lenins und Stalins, die Hunger als Waffe zur Vernichtung ihrer Gegner benutzt haben). Sowjetische Luftwaffe wird eingesetzt, um die Flüchtlinge aus den von der Hungersnot betroffenen Gegenden zu bombardieren.

Der Kommunismus kann nicht für alle Schreckensmeldungen, die wir heutzutage hören, verantwortlich gemacht werden. Einige resultieren aus der Rückkehr zum prämodernen Heidentum: Idi Amin, der Uganda acht Jahre lang in Terror stürzte, war der moslemische Sohn einer Hexe aus Lugbara und praktizierte offensichtlich rituellen Kannibalismus. Dennoch kann gesagt werden, daß Liberalismus im weitesten Sinne, so wie wir hier davon gesprochen haben, der Hauptgrund für das Elend des 20. Jahrhundert ist: die Ablehnung Gottes und die Ablehnung übergeordneter Verhaltensnormen sowie die Idealisierung der Rasse, "des Volks" oder geschichtlicher Kräfte als Rechtfertigung jeglicher Aktion, egal wie barbarisch.

Baut die Mauern der Stadt auf

Was können wir aus diesem traurigen Vortrag über Unterdrückung und Elend lernen? Paul Johnson folgert daraus: Die Geschichte lehrt, daß das Christentum notwendig ist, um Bosheit und Tyrannei fernzuhalten. Der Rückzug des Christentums in unserem Jahrhundert ließ es zu, daß furchtbare Vorkommnisse, physischer sowie ideologischer Natur, hereinbrachen und das zurückgelassene Vakuum füllten. "Sind wir nicht gezwungen, daraus zu schließen", fragt Johnson, "daß das Christentum, trotz des Versagens und der Schwäche seiner Nachfolger, die einzige Kraft ist, die erfolgreich die Menschen davon abhält, sich an die Gurgel zu gehen?"

Es ist keine Sache des Glaubens, sondern eine empirische Verallgemeinerung: um eine menschliche Gesellschaft zu konstruieren, ist es notwendig, sich an übergeordnete Normen zu halten, die nicht nur das Volk, sondern auch die Herrscher einschränken. Es ist notwendig, die "unveränderlichen Eigenschaften" der menschlichen Natur und Gesellschaft zu respektieren, welche dem Bemühen Grenzen setzen, den Menschen nach dem Bilde irgendeiner Ideologie neu zu schaffen. Kurz, es ist nötig, sich an die Sichtweise zu halten, die Einschränkung vertritt - das, was wir als konservative Sichtweise bezeichnet haben.

Der Liberalismus behauptet, daß der Mensch nicht durch übergeordnete Normen oder geschaffene Strukturen eingeschränkt ist. Obwohl er die menschliche Freiheit betont, hat er in der modernen Welt immer wieder zu Unterdrückung geführt. Im Vergleich zu seinen Auswirkungen in anderen Gebieten ist der Liberalismus, den wir im Westen antreffen, unbedeutend. Dennoch wirkt er aus den gleichen grundlegenden Glaubensüberzeugungen heraus. Der Unterschied liegt darin, daß er hier durch das christliche Erbe, das wir immer noch genießen, eingeschränkt wird. Was aber wird geschehen, wenn dieses christliche Erbe ausgehöhlt ist? Was wird zwischen uns und dem Abgrund stehen?

Die Notwendigkeit des Christentums schließt die Notwendigkeit der Schöpfung mit ein. Denn die Schöpfung ist die Grundlage für viele Bereiche der christlichen Lehre. Weil Gott uns geschaffen hat, sind wir an ein göttliches Gesetz gebunden. Dies gibt uns einen unveränderlichen Maßstab, nach dem wir alle weltlichen Regierungen beurteilen können. Weil Gott uns mit einem bestimmten Wesen geschaffen hat, können wir allen Bemühungen widerstehen, uns in den Neuen Menschen des Kommunismus oder irgendeines anderen "ismus" umzuformen. Schöpfung contra Evolution ist nicht allein eine wissenschaftliche Frage, die für Ingenieure und Biologen von Bedeutung ist. Es ist eine entscheidende Lehre, die den Kern unseres alltäglichen Lebens untermauert.

Quelle: "Creation Science Newsletter", December 1987