Schriftgemäßes Christentum – John Wesley

"Sie wurden alle mit dem Heiligen Geist erfüllt"                             (APOSTELGESCHICHTE 4:31)

  1. Dieselbe Formulierung erscheint im 2. Kapitel, wo wir lesen: "Als der Tag der Pfingsten erfüllt war, waren sie alle" (die Apostel mit den Frauen und die Mutter von Jesus und Seine Brüder) "einmütig beieinander, und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie eines gewaltigen Windes. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeglichen unter ihnen. Und sie wurden alle voll des Heiligen Geistes." Eine sofortige Folge davon war, daß sie "in anderen Zungen zu sprechen begannen"; und zwar so, daß sowohl Parther als auch Meder, Elamiter und die anderen Fremden "zusammenkamen, da diese Stimme geschah, und ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache die großen Taten Gottes reden" (APOSTELGESCHICHTE 2:1-11).
  2. In diesem Kapitel lesen wir: als die Apostel und Brüder beteten und Gott priesen, "erbebte die Stätte, da sie versammelt waren; und sie wurden alle des Heiligen Geistes voll." Weder finden wir hier irgendeine sichtbare Erscheinung, wie es bei früherer Gelegenheit war, noch werden wir darüber informiert, daß die außergewöhnlichen Gaben des Heiligen Geistes allen gegeben wurden oder nur einigen von ihnen; wie die Gaben "der Heilung, Wunder zu tun, der Prophetie, der Geisterunterscheidung, mancherlei Zungenrede und die Zungen auszulegen" (1. KORINTHER 12:9-10).
  3. Ob diese Gaben des Heiligen Geistes geschaffen wurden, um durch alle Zeiten hindurch in den Gemeinden zu bleiben und ob sie nun zur nahenden Ankunft der "Wiederherstellung aller Dinge" wiedereingeführt werden oder nicht, sind Fragen, bei denen es nicht sinnvoll ist, darüber zu entscheiden. Aber es ist notwendig zu beachten, daß Gott sie sogar zu den Anfangszeiten der Kirche mit sparsamer Hand verteilte. Waren dennoch alle Propheten? Konnten sie alle Wunder tun? Hatten alle die Gabe der Heilung? Sprachen sie alle in Zungen? Nein, in keiner Weise. Vermutlich nicht einer unter Tausend. Möglicherweise keiner außer den Lehrern in der Kirche, und nur einige von diesen (1. KORINTHER 12:28-30). Deshalb war es für einen höheren Zweck, daß "sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt wurden."
  4. Dies sollte ihnen geben, wovon niemand sagen kann, daß es nicht grundlegend für alle Christen aller Zeiten ist: Christi Sinn, die Früchte des Heiligen Geistes, ohne die jemand nicht Sein ist, sollte sie mit "Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Gütigkeit" (GALATER 5:22-24) füllen, sie mit Glaube (vielleicht hier mit Treue wiederzugeben), mit Sanftmut und Mäßigkeit ausrüsten und sie befähigen, das Fleisch mit seinen Lüsten zu kreuzigen.

zu Punkt 2: Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, daß diese außergewöhnlichen Gaben des Heiligen Geistes für mehr als 2 oder 3 Jahrhunderte in der Kirche üblich waren. Der Grund lag nicht daran, daß sie keinen Anlaß hatten, da die ganze Welt christlich geworden war. Der wirkliche Grund dafür war, daß "die Liebe vieler", beinahe aller - sogenannten - Christen, "zunehmend kalt" geworden war. Das war die wirkliche Ursache dafür, warum die außergewöhnlichen Gaben des Heiligen Geistes nicht länger in der christlichen Kirche zu finden waren; weil die Christen wieder zu Heiden geworden waren und nur eine tote Form übriggelassen hatten.

zu Punkt 3: Es ist nicht möglich, eine fest abgrenzende Linie zwischen den außergewöhnlichen und den gewöhnlichen Gaben des Geistes zu ziehen. Die ersten sind gelegentlich und besonders; die zweiten sind allgemein für alle Gläubigen. Aber es ist nicht wahr, daß die ersteren nach den ersten 3 Jahrhunderten nicht mehr verteilt wurden. Kein Beobachter ausländischer Missionen wird leugnen, daß sie immer noch vergeben werden, wo es notwendig ist. Und die Wichtigeren - das Wort der Weisheit, das Wort des Wissens, Herzensglaube, Prophezeiung (z. B. die Gabe, inspiriert zu predigen, die nicht notwendigerweise das Voraussagen der Zukunft einschließt), sind heute genauso üblich, wie in der ursprünglichen Kirche. Wesley geht auf dieses Thema ausführlicher in Predigt 89 "Der bessere Weg" ein.

Quelle: The Standard Sermons of John Wesley, E.H. Sugden, Vol. I


Aggressives Christentum

Vorwort

Die in dieser kleinen Ausgabe enthaltenen Reden wurden während einer Reihe von Gottesdiensten in West End von London im Sommer 1880 gehalten. Ich habe reichlich Beweis dafür, daß sie damals vom Herrn benutzt wurden, und deswegen habe ich ihrer Wiedergabe auf diese Weise zugestimmt, in der Hoffnung, daß Er durch sie noch immer zu vielen Seelen sprechen möge.

Ich bedaure nur, daß dringende öffentliche Verpflichtungen verhindert haben, daß die in Kurzschrift verfaßten Notizen des Schreibers nicht mehr so gründlich durchgesehen werden konnten, wie ich es mir vielleicht gewünscht hätte, vor allem, da sie Berichte von ihrerseits größtenteils unüberlegten Äußerungen sind.

Catherine Booth

London, Dezember 1880


Anpassung der Maßnahmen (S.54, 55)

... die reinen Prinzipien des Neuen Testaments. Wenn ich sie nicht dadurch beweisen und verteidigen kann, werde ich sie für immer aufgeben, und ich bin keinen Formen oder Maßstäben verbunden. Zu vielen von ihnen bin ich durch die Notwendigkeit der Sache getrieben worden. Gott hat mich dazu gebracht, wie wenn Er mich mit einem Bajonett bedroht hätte, genau wie Er mich mit der Wolkensäule geleitet hat, und wenn ich mein Widerstreben und all meine eigenen herkömmlichen Vorstellungen, mit denen ich wie andere Leute erzogen wurde, den reinen, unverhüllten Prinzipien des Neuen Testaments Auge in Auge gegenüberstellte, habe ich überhaupt nichts gefunden, auf dem ich stehen konnte! Ich finde die Dinge hier bei weitem extravaganter und extremer, als alles, was wir tun – wenn wir es vorsichtig betrachten.

Hier ist das Prinzip niedergelegt, daß du deine Maßnahmen den Bedürfnissen der Leute anpassen mußt, denen du dienst; du mußt ihnen das Evangelium auf solche Arten und Gewohnheiten zu denken und sich auszudrücken und sich zu verhalten näherbringen, daß du bei ihnen das ZUHÖREN erreichst: Du mußt in anderen Zungen sprechen – geh und predige es ihnen auf eine solche Weise, daß sie es sich ansehen und zuhören werden! Oh! in dieser Lektion lesen wir, welch schöne Freiheit von allen festgesetzten Formen und Regeln es gab! Welche Freiheit für die strömende Frische, Enthusiasmus und Liebe der Neubekehrten! Was für ein Spielraum für die verschiedenen Manifestationen desselben Geistes. Nichts war geschnitten oder getrocknet. Nichts war vorgeordnet. Es war dem Wirken des Geistes überlassen, und das Argument, daß das mißbraucht worden ist, ist kein Argument dagegen, denn sonst könnte man über jedes Privileg diskutieren.

Hier gibt es ausreichend Beweis dafür, daß diese Neubekehrten, ein jeder von ihnen, die Möglichkeit hatte, für Jesus Zeugnis zu geben, die Möglichkeit und den Spielraum, die strömenden Äußerungen seiner Seele von sich zu geben und anderen Leuten davon zu erzählen, wie er gerettet wurde, oder von der Erfahrung, die der Heilige Geist in ihm bewirkt hat. Und sieh dir das Ergebnis an! "Käme dann ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von ihnen allen ins Gericht genommen und von allen überführt; das Verborgene seines Herzens würde offenbar, und so würde er auf sein Angesicht fallen, Gott anbeten und bekennen, daß Gott wahrhaftig in euch ist." Welch unfreundliche Dinge wurden über die Heilsarmee gesagt, weil Leute unter der überführenden Kraft des Geistes in unseren Versammlungen auf ihr Gesicht fielen, aber du siehst, daß das apostolisch ist! Und, oh Freunde, welch ein herrlicher Dienst würde das sein! Du sagst, das würde so seltsam aussehen. Wirklich schade. Wirklich schade, daß diese natürliche, leichte, häusliche und vertraute Art des Zeugnisses und des Bezeugens von göttlichen Dingen seltsam geworden sein soll.

Mag es nicht vielleicht so sein, weil die Erfahrung, die das verursacht, seltsam geworden ist? Mag es nicht vielleicht sein, daß kein Verlangen zu bezeugen mehr besteht, weil es so wenig zu bezeugen gibt? Mag es nicht sein, daß sich der Heilige Geist durch die Zunge äußern möchte, weil weniger davon in der Seele ist? Oh! sollten wir dann nicht schleunigst zu jenen Tagen der Einfachheit und Kraft zurückkehren? Sollten wir nicht dafür beten, daß wir vom Traditionalismus und Routinismus befreit werden, mit welchem uns Satan erfolgreich in den Schlaf gelullt hat? Ich frage jede gerettete Person - erinnerst du dich nicht an die strömende Liebe und den Enthusiasmus deiner zuerst gefundenen Freiheit? Wie du dich danach gesehnt hast, allen davon zu erzählen, und wenn du dich in solchen Verhältnissen wie die korinthischen Bekehrten befunden hättest, wie gerne hättest du bezeugt, was Jesus für dich getan hat. Es war nur das Unterdrücken, Untenhalten, und letztlich, fürchte ich, beinahe das Auslöschung der Kraft des Heiligen Geistes.