Östliche Orthodoxie: Das Spiegelbild des heidnischen Romanismus

Obwohl oft erwähnt wird, daß die Östliche Orthodoxe Kirche eine einzelne Institution ist, so ist sie vielmehr eine zusammengeschlossene Gruppe von Kirchen mit 150 bis 200 Millionen Mitgliedern.

Das Orthodoxe Gefüge besteht aus dem ehemaligem Patriarchat von Konstantinopel, Alexandria, Antiochien und Jerusalem und zusätzlich den nationalen Kirchen von Rußland, Georgien, Serbien (Jugoslavien), Rom, Bulgarien, Zypern, dem Sinai, Griechenland, Albanien, Polen, der Tschechoslowakai, Estland, Finnland, Lettland und Litauen.

Jede einzelne von diesen Kirchengruppen wird von einem Vorsteher geführt, verschiedentlich als Patriarch, Erzbischof oder Metropolit bekannt. Ihm sind die örtlichen Bischöfe der einzelnen Gemeinden unterstellt. Von diesen werden die Mitglieder eines bischöflichen Rates oder Konzils gewählt. Neue Bischöfe werden von der Synode ernannt oder "eingesegnet".

Alle Gruppen betrachten Konstantinopel als den historischen Ursprung dieser Bewegung, und der Patriarch von Konstantinopel wird von den Häuptern der anderen Gruppen als "Erster unter Gleichen" verehrt.Wie auch immer, er regiert nicht über sie als ein "höchster Papst" mit der unangezweifelten Autorität, welche der Papst in Römischen Katholizismus inne hat.

Die Zuständigkeit der einzelnen orthodoxen Gruppen ist im allgemeinen auf die nationalen Grenzen der Länder begrenzt, in welchen sie arbeiten.Wenn du in der Zeitung über die "Östliche Kirche" ließt, so kann das vielleicht eine der östlichen Orthodoxen Gruppe betreffen oder vielleicht auch nicht.

Zweigstellen des römischen Katholizismus, welche sich im Osten befinden, werden oft als "Östlicher Ritus" erwähnt. Dies sind gewöhnlich ehemalige orthodoxe Gruppen, welche jedoch sind zur vollständigen Gemeinschaft mit dem Papst in Rom zurückgekehrt .

Gegenwärtig ist eine dieser Gruppen in der Ukraine, genannt die Uniates, weil sie offiziell mit Rom verbunden sind, Mittelpunkt einer Auseinandersetzung zwischen dem Papst und den neuen Führern des Sowjetischen Commonwealth.

Der Papst setzt die Führer unter Druck, Gebäude und Privilegien für die Uniates zurückzugeben, welche sie vor der kommunistischen Herrschaft besaßen.Die meisten der neuen Führer sind jedoch Orthodoxe und sind über die Existenz einer konkurrierenden geistlichen Kraft, welche loyal zu einem fremden Führer ist, verärgert.

Oft arbeiten diese östlichen Katholiken mit einer Mischung aus orthodoxer und römischer Liturgie und Tradition.

Andere Gruppen sind die katholischen Armenier und die katholisch-kaldäischen Kopten und Äthiopier, Maroniten (bekannt aus dem jüngsten Zivilkrieg im Libanon, wo sie gegen die moslemischen Schiiten kämpfen) und die katholischen Syrer.

Es gibt sogar andere "östliche" Gemeindegruppen, welche weder an die Orthodoxen noch an die römischen Katholiken angegliedert sind. Dazu gehören Nestorianer, Armenier, Kopten, Äthiopier und die syrischen Jakobiter.

Die östliche orthodoxe Kirche basiert ihren Asnpruch auf Orthodoxie auf das strikte Vertrauen auf die ersten sieben Ökumenischen Konzile vom 4. bis hindurch zum 8. Jahrhundert und die Lehre der "Väter", die in diesen Jahrhunderten lebten.

Die Trennung zwischen Ost und West fiel mit dem Zerbröckeln der politischen Einheit von Rom zusammen.

Nach dem ersten offiziellen Bruch mit Rom im neunten Jahrhundert wurden die östlichen und westlichen Kirchen erneut vereinigt bis 1054, wo sie sich zum zweiten Mal trennten.

Seitdem sind die östlichen und westlichen Kirchen erbitterte Feinde geblieben. Unzählige Versuche, ihre Differenzen zu überbrücken, sind gescheitert.

Ihre Meinungsverschiedenheit konzentriert sich auf die Weige-rung der orthodoxen Kirche, die höchste Autorität des römischen Papstes anzuerkennen. Obwohl sie willens ist, den Papst zu verehren, halten die Orthodoxen daran fest, daß auch ihre Bischöfe Nachfolger von Petrus sind.

Östliche orthodoxe Anbetung ist schwer mit uralten Riten und Traditionen beladen.

Wie der römische Katholizismus beinhaltet ihre Doktrin Sakramente, Gebete für die Toten und das Akzeptieren der Apokryphen als Bestandteil der Bibel.

Das Orthodoxentum lehnt die Anbetung von Statuen aus dem Grund ab, daß sie der heidnischen Götzenanbetung zu ähnlich ist, aber dennoch "verehren" sie Ikonen (dreidimensionale Bilder) in einer sehr ähnlichen Art und Weise. Gemäß dem Evangelischen Wörterbuch der Theologie "kanalisiert das Bild die Gegenwart der dargestellten Person auf den Betrachter" (Seite 805).

Weitere Lehren sind teilweise die gleichen wie im Romanismus. Zum Beispiel glauben die Orthodoxen an die fortwährende Jungfräulichkeit von Maria und ihr sündenloses Leben, stellen aber ihre unbefleckte Empfängnis und ihre körperliche Himmelfahrt in Frage.

Das Orthodoxentum stimmt weiterhin mit der zentralen Götzenanbetung des Katholizismus überein: der Anbetung der "realen Gegenwart" von Christus während der Eucharistie. Wie auch immer, sie sind in bezug auf die Art und Weise, wie diese "Transsubstantiation" stattfindet, anderer Meinung.

Ein anderer Punkt der Meinungsverschiedenheit zwischen orthodoxer und römischer Kirche ist, daß jede sich selbst als die einzig wahre, katholische und apostolische Kirche sieht. Jede sieht die andere als Ketzer an. Beide Gruppen plazieren kirchliche Traditionen auf gleiche Ebene mit der Bibel als die höchste geistliche Autorität.

Während hauptsächlich Protestanten immer näher und näher um das ökumenische Netz des Vatikans schwirren, verhält sich die östliche Orthodoxe Kirche hart widerstrebend gegenüber den Annäherungsversuchen des Papstes.Der kürzlich abgehaltenen ökumenischen Konferenz von Billy Graham in Moskau waren die Orthodoxen wahrnehmbar ferngeblieben.

Sicherlich haben sich die östliche Orthodoxe Kirche und Rom getrennt, aber diese Trennung ist ganz und gar nicht endgültig.

Aber solange jede hartnäckig das exklusive Innehaben der Wahrheit beansprucht und von der anderen behauptet, im Irrtum zu sein, erscheint eine vollständige Versöhnung unwahrscheinlich.Wie auch immer, es wird interessant sein, den neuen Patriarchen Bartholomäus zu beobachten, welcher im letzten November in Konstantinopel (Istanbul) inthronisiert wurde. Bartholomäus der Zweite ist ein bekanntes Gesicht in Rom, hat an der Universität im Vatikan graduiert und als ein patriarchalischer Verbindungsmann dem Vatikan gedient.

von D. Guide

Quelle: "Battle Cry", Januar/Februar 1992