Gesucht: Ein Designer

Wenn der Materie selbstordnende Kräfte innewohnen würden, würde das Leben zwangsläufig immer dann entstehen, wenn die Bestandteile in den richtigen Verhältnissen verfügbar wären. Aber dem ist nicht so. Im Gegenteil: Sogar wenn man bloß zufällige Mischungen von Aminosäuren oder Nukleotiden erhalten wollte, müßte man dem Versuch ein hohes Maß an Information beisteuern.

Was bedeutet es, wenn wir sagen, man müßte Information beisteuern? Bei der Forschung nach den Ursprüngen des Lebens würde eine echte Simulation von Möglichkeiten und Kräften ein Experiment sein, bei dem die Bestandteile einfach in einen Bottich gegeben und dann zusammengemischt werden. Aber das tut niemand, weil dabei nichts herauskommt. Einige Produkte würden sich vielleicht bilden, aber genau wie in der Natur bald wieder zerfallen.

Stattdessen muß der Wissenschaftler sein Experiment ständig in die gewünschte Richtung "lenken", auch wenn er bloß zufällige Mischungen von Aminosäuren oder Nukleotiden erhalten will. Zunächst beginnt er mit reinen Zutaten (in einer natürlichen Situation wären keine reinen Chemikalien verfügbar). Nicht nur das, er beginnt mit bestimmten Verhältnissen der Chemikalien, und das läßt das Zünglein an der Waage zu den gewünschten Reaktionen ausschlagen.

Desweiteren isoliert er die Produkte nach jeder Stufe und entfernt sie aus dem Reaktionsgebiet, damit sie nicht wieder in ihre Ursprungsbestandteile zerfallen. Er reinigt die Produkte, verändert die Konzentrationen, ändert Temperaturen - alle diese Dinge geben den Ausschlag zugunsten bestimmter stattfindender Reaktionen. Auf diese Art "manipuliert" der Wissenschaftler sein Material auf den chemischen Bahnen, die zum Erreichen des gewünschten Resultats nötig sind.

Wenn er die Bedingungen kontrolliert, welche die Reaktion in die gewünschte Richtung lenken, übt der Wissenschaftler auf das Experiment einen Zwang aus. Er begrenzt die "Wahlmöglichkeiten" auf jedem Schritt des Weges. So kann man sagen, er fügt Informationen hinzu. Um dorthin zu kommen, auch nur die geringsten Resultate zu erzielen - welche noch weit von lebender DNS oder Proteinen entfernt sind -, mußten die Wissenschaftler bis jetzt in das Experiment bedeutende Mengen von Informationsspritzen setzen.

Was können wir daraus schlußfolgern? Ich meine, daß wir nun wieder beim Argument der Erschaffung in einer durchdachten Form sind. Mit den Einblicken in die Informationstheorie brauchen wir nicht länger mit "Ordnung" im allgemeinen Sinn argumentieren. Ordnung mit geringem Informationsinhalt (die erste Art) entsteht durch natürliche Prozesse. Aber es gibt keinen überzeugenden Beweis dafür, daß Ordnung mit hohem Informationsinhalt (die zweite Art) durch natürliche Prozesse entstehen kann.

Es sollte gesagt werden, daß Wissenschaftler zum Leben geeignete Proteine künstlich herstellen können, wenn sie wollen (z.B. Insulin für medizinische Zwecke). Aber sie tun das nicht, indem sie Zufälle vortäuschen. Nur durch große Beeinflussung des Experiments können sie Proteine herstellen, wie jene, die in lebenden Dingen gefunden werden. Nur durch die Zugabe von viel Informationen erhalten sie Moleküle, die viele Informationen tragen.

Das Gegenwärtige als Schlüssel zur Vergangenheit

Ein Protein oder ein DNS-Molekül herzustellen, ist wie der Bau und das Programmieren eines Computers. Der einzige Weg, den wir kennen, um solch eine Ordnung herzustellen, ist der der menschlichen Intelligenz. Wenn wir spekulieren wollen, wie die ursprünglichen Moleküle entstanden sind, um das Leben zu tragen, wäre die wahrscheinlichste Vorstellung die, daß zur damaligen Zeit eine andere Art von Intelligenz anwesend war. Mit anderen Worten, wir haben den Kreis geschlossen, und sind wieder beim Designargument.

Diese Art von Folgerung ist exakt die gleiche, die wir ständig in der Wissenschaft benutzen. Sie wird das Prinzip der Uniformität genannt. Wenn wir ähnliche Auswirkungen bemerken, schließen wir auf ähnliche Ursachen. Diese Idee ist oft in dem Spruch enthalten: "Das Gegenwärtige ist der Schlüssel zur Vergangenheit." Das Designargument ist wirklich ein besonderer Fall des Prinzips der Gleichförmigkeit.

Wenn ein Archäologe zum Beispiel einen frühgeschichtlichen Fund macht, erkennt er dessen Ähnlichkeit mit modernen menschlichen Funden. Er schließt ganz richtig darauf, daß er von menschlichen Wesen gemacht wurde. Auch wenn er diese menschlichen Wesen selbst nicht gesehen hat, schließt er daraus, daß sie existiert haben müssen.

Ein anderes Beispiel: Wenn ein Astronom eine Radiosendung aus dem Weltall auffangen würde, würde er daraus sofort schließen, daß sie von einem intelligenten Wesen geschickt wurde. Auch wenn er niemals ein außerirdisches Wesen gesehen hat, erkennt er, daß diese Art von Signalen nur von einem intelligenten Wesen stammen können.

Auf die gleiche Art erkennen wir, daß die Struktur des Proteins oder der DNS einen hohen Informationsinhalt besitzt. Wir erkennen die Ähnlichkeit mit der Information, die von menschlicher Intelligenz hervorgebracht wurde (so wie Gedichte oder Computerprogramme). Desweiteren kennen wir keine weitere Informationsquelle - Bestrebungen, informationstragende Moleküle durch Zufall oder natürliche Kräfte herzustellen, sind gescheitert. Darum können wir wohl darauf schließen, daß die Informationsquelle auf der molekularen Ebene ebenfalls ein intelligentes Wesen war. Obwohl wir weder den Schöpfer gesehen haben, noch die Schöpfung beobachteten, erkennen wir die Art der Ordnung, die nur von einem intelligenten Wesen stammt.

Beachte, daß das Argument der Erschaffung nicht ausschließlich zu dem Gott der Bibel führt. Es führt zu einem intelligenten Schöpfer, aber definiert nicht, welchen. Der Schöpfer könnte der Gott einer anderen Religion sein - oder sogar ein übermenschliches Wesen irgendwo im Weltraum, ähnlich dem kosmischen Schöpfungsglauben von Sir Fred Hoyle. (Natürlich schiebt das den eigentlichen Ursprung des Lebens nur eine Stufe zurück, und wir würden fragen, wer jenes Wesen geschaffen hat und dann, wer dessen Schöpfer geschaffen hat und so weiter, bis wir zu einem überragenden und selbstverursachten Wesen kommen, welches alles angefangen hat.)

Das Designargument zeigt jedoch erfolgreich, daß die Existenz eines biblischen Gottes plausibel ist. Es zeigt, daß der Gott der christlichen Lehre eine plausible Erklärung für die Entstehung des Lebens ist. Das ist mehr als das, was man von jedem naturwissenschaftlichen Bericht über die Entstehung des Lebens sagen kann.


Quelle: "Bible Science Newsletter", Juli 1986