Erweckung auf den Hebriden

Das Erdbeben, das die Insel Lewis nie vergessen wird

Karte von SchottlandEine Karte der Hebriden Verwirrt und frustriert in Arbeit und Zeugnis als Christ, lag ich um fünf Uhr morgens in meinem Studierzimmer auf meinem Angesicht und betete. Die vergangenen 17 Jahre hatte ich in einer unfruchtbaren Wüste verbracht, aber an jenem Morgen lernte ich die wiederherstellende Kraft des Blutes Jesu Christi kennen. Während ich betete, erkannte ich, daß Gott für reine Hände und ein reines Herz Vorsorge getroffen hatte.

In einem gewissen geringen Maße muß die Erweckung auf Skye und später auf Lewis mit der Erfahrung jenes Morgens in Verbindung gebracht werden. Aber wie begann es? Was war es, das mich in eine volle Erkenntnis der herrlichen Befreiung im Heiligen Geist hineinführte? Ich antworte mit einem Wort, eine Taufe von Gott. Ihr ging ein geistlicher Hunger voraus, ein Sehnen danach, daß Gott etwas tun würde.

Genau damit begann auch die Erweckung auf Lewis. Sie fing nicht dadurch an, daß ich dort hinging. Gott handelte und handelte mächtig, bevor ich jemals daran dachte, Lewis zu besuchen. Einer Anzahl Männer und zwei älteren Frauen auf der Insel wurde die verzweifelte Not ihrer Gemeinde bewußt. Als alles menschliche Bemühen versagt hatte, spürten sie, daß ihre einzige Hilfsquelle die war, auf Gott zurückzugreifen. So traten sie in einen feierlichen Bund ein, nicht ruhen noch vom Gebet ablassen zu wollen, bis Gott "Jerusalem" zu einem Lobpreis auf der Insel gemacht hätte.

Gemäß dem mir vom Pastor der Gemeinde gegebenen Bericht hätte man Männer vorgefunden, die die ganze Nacht hindurch in dem Vertrauen warteten, daß Gott im Begriff war, Seine Kraft zu offenbaren. Man hätte drei Nächte pro Woche zwei ältere Schwestern auf ihrem Angesicht vor dem Torffeuer gesehen, wobei sie eine Verheißung - ich betone: eine einzige Verheißung - geltend machten: "Ich will Wasser ausgießen auf den, der durstig ist, und Fluten auf das trockene Land." Sie erklärten, dies wäre eine Verheißung eines bündnishaltenden Gottes, der immer Seinen Bundesverpflichtungen treu sein müßte.

So warteten sie, und die Monate vergingen, und nichts geschah. Dann las eines Morgens im Jahre 1949 ein junger Mann bei einer Zusammenkunft den bekannten Abschnitt aus PSALM 24: "Wer wird auf den Berg des Herrn gehen? Oder wer wird an seiner heiligen Stätte stehen? Der reine Hände hat und ein reines Herz ... der wird den Segen vom Herrn empfangen." Auf seine betenden Gefährten blickend, sagte er auf Gälisch: "Brüder, es kommt mir einfach wie ein gefühlvoller Betrug vor, zu beten, wie wir beten, zu warten, wie wir hier warten, wenn wir selbst nicht in rechter Beziehung zu Gott stehen." Und dann betete er: "Sind meine Hände rein, ist mein Herz rein?"

Weiter kam er nicht. In jenem Moment kam auf die betenden Männer eine Erkenntnis Gottes, ein Bewußtsein Seiner Gegenwart, das sie aus dem Bereich des Gewöhnlichen in den Bereich des Außergewöhnlichen erhob. Drei von ihnen fielen gebrochen zu Boden. In einem Augenblick wußten sie, daß sie sich nun nicht im Bereich des Natürlichen, sondern auf der Ebene des Übernatürlichen bewegten. Die Erweckung war gekommen, und die Kraft, die in jener Scheune freigesetzt wurde, erschütterte die gesamte Gemeinde von Lewis.

Diese wenigen Männer und die zwei älteren Frauen entdeckten die tiefe Wahrheit, daß eine gottgesandte Erweckung immer mit Heiligkeit und wahrer neutestamentlicher Absonderung verbunden sein muß. Ja, die Erweckung war unterwegs, Gott würde geehrt werden; sie sollten Menschen so übernatürlich verändert sehen, daß Heiligkeit jeden Teil ihres Wesens, Leib, Seele und Geist, kennzeichnen würde. Das war die Wahrheit, die von ihnen Besitz ergriff und die Leute von Lewis und Harris bewegte. Es gab einen Hunger, einen Schrei nach Gnade.

Oh, daß eine Taufe der Ehrlichkeit geschähe, eine besitzergreifende Aufrichtigkeit, die uns dazu bringen wird, mit den Männern von Barvas auszurufen: "Ist mein Herz rein, sind meine Hände rein?" Dieser große Segen ist eine menschliche Notwendigkeit. Heiligung ist: Christus auf dem Thron. Wenn das Geheimnis von Heiligkeit in dem vollständigen Erfülltsein der Seele mit dem Leben Christi besteht; wenn die Taufe mit dem Heiligen Geist letztlich eine Offenbarung Jesu ist; wenn die Schönheit des christlichen Charakters vom Innewohnen Seiner Persönlichkeit in mir kommt, dann ist gewiß die große Not der christlichen Kirche heute ein reines Herz.

Duncan Campbell Erweckung ist: eine Gemeinschaft erfüllt von Gott. Das ist der Unterschied zwischen Erweckung und erfolgreicher Evangelisation. Gott ist in Seinem Handeln unter Menschen souverän, und nicht eine neue Technik im Bereich der Evangelisation ist erforderlich, nicht ein neuer Zugang zur Wahrheit, nicht besseres Organisieren, sondern eine Taufe der Reinigung, die uns zu geeigneten Gefäßen macht, die Gott gebrauchen kann. Diese herrliche, mächtige und vollständige Befreiung kommt nicht durch irgendeine Anstrengung unsererseits zustande, sondern durch die übernatürliche Kraft des Heiligen Geistes. Nichts ist klarer als Gottes Verheißung zu diesem Punkt.

Ich könnte euch gerade jetzt zu dem Dorf auf Lewis bringen, wo ein junger Mann diese große Entdeckung machte. Er war draußen auf den Hügeln und kämpfte mit der Verderbtheit seiner eigenen Natur. Er war seit sechs Monaten bekehrt und fand sich plötzlich die Frage stellen: "Kann Christus nichts Besseres tun als dies?"

Habt ihr jemals so gefragt?

In jenem Augenblick sprach ein Schriftvers zu ihm: "... das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, macht uns rein von aller Sünde." Und in jenem Moment wurde der junge Mann aus seiner Position der Niederlage und Frustration herausgehoben, um in Gottes Heiligtum zu stehen. Wenn der Jüngste Tag kommt, wird man, glaube ich, sehen, daß mehr Menschen durch die Gebete und das Leben dieses jungen Mannes zu Christus kamen als durch die Anstrengungen aller Pastoren in Lewis, mich eingeschlossen.

Wir waren in einem Dorf, wo die Verhältnisse wirklich schwierig waren. Ein gewisser Teil der christlichen Gemeinschaft widerstand mit der Begründung, daß ich nicht die Wahrheit lehrte. Der Widerstand war so erfolgreich, daß nur sieben Personen aus diesem Gemeinwesen sich den Zusammenkünften in der Pfarrkirche näherten. Am Ende eines Gottesdienstes sagte der Versammlungsleiter der Gemeinde, in der ich diente, zu mir: "Herr Campbell, wir treffen uns heute abend im Bauernhaus; wir werden die Nacht im Gebet verbringen."

So trafen wir uns. Etwa dreißig von uns waren da, und das Gebet begann. Während die Stunden vergingen, fand ich mich selbst kämpfen und nirgendwo weiterkommen. Nach Mitternacht wandte ich mich an einen jungen Mann und sagte: "Ich fühle mich von Gott geleitet, dich zu bitten, daß du betest." Dieser liebe Mann stand auf und sagte: "Herr, Du hast eine Verheißung gegeben, wirst Du sie erfüllen? Du hast gesagt, Du würdest Wasser auf das Durstige und Fluten auf das trockene Land ausgießen. Wenn ich mein eigenes Herz kenne, weiß ich, wo ich stehe, und ich sage Dir jetzt, daß ich durstig bin, oh, ich dürste nach einer Offenbarung des Mannes zu Deiner Rechten." Dann sagte er: "Herr, bevor ich mich hinsetze, möchte ich Dir sagen, daß Deine Ehre auf dem Spiel steht."

Glaubt es oder glaubt es nicht - und ihr könnt dies, falls ihr möchtet, nachprüfen - das Haus zitterte wie ein Blatt, das Geschirr klapperte auf der Anrichte, und ein Ältester, der neben mir stand, bemerkte: "Herr Campbell, ein Erdbeben." Ich sagte: "Ja" und erteilte unverzüglich den Segen. Wir gingen hinaus und fanden die Gemeinde wach mit einem Bewußtsein Gottes. Männer und Frauen trugen Hocker und Stühle herbei und fragten: "Gibt es Platz für uns in der Kirche?"

Der Erweckungssegen war gekommen. Auf dem Kamm ihrer Woge wurden Männer und Frauen in das Reich Gottes gespült. Oh, daß Gott es wieder täte!

Duncan Campbell

Quelle: "Der Auftrag" 11/84