Die Handschriften vom Toten Meer

Vor 40 Jahren wurden die "Handschriften vom Toten Meer" entdeckt

Es war im Frühjahr 1947. In der judäischen Wüste, nicht weit vom Nordwestufer des Toten Meeres und den Ruinen von Qumran, hütete der 15jährige Mohammed adh-Dhib die Schafe seines Vaters. Aus Langeweile warf er Steine in die Höhlenlöcher, die es zu Tausenden in den Steilhängen am Toten Meer gibt. Als er wieder einen Stein in ein Höhlenloch warf, klirrte es. Er vermutete einen Schatz darin. Am nächsten Morgen stieg er mit seinem Freund in die Höhle. Sie brachten ein paar Tonkrüge und alte stinkende Lederrollen ans Tageslicht. Als es sich herausstellte, daß es sich um wertvolle archäologische Funde handelte, wurden daraufhin mehr als 250 Höhlen in der Umgebung untersucht. In vielen wurde man fündig.

Sämtliche Lederrollen und die in den Tonkrügen versteckten Schriftrollen stammen von einer jüdischen Gemeinschaft, den sogenannten Essenern, die zur Zeit Jesu lebten. Sie standen in Opposition zu den in Jerusalem herrschenden religiösen Kreisen der Pharisäer und Sadduzäer. In Qumran, einem klosterähnlichen Anwesen in der trostlosen Wüste am Toten Meer, hatten sie sich in strenger Gesetzestreue und kultischer Reinheit zurückgezogen, um sich für den Endkampf zwischen Gut und Böse, zwischen den "Söhnen des Lichts" und den "Söhnen der Finsternis" vorzubereiten. Hier warteten sie auch auf das Kommen des Messias und das Weltende. Noch bevor ihr Anwesen zerstört wurde, versteckten sie sämtliche ihrer selbstgeschriebenen Bücher und Schriften in den umliegenden Höhlen. Dort lagen sie unberührt fast 2000 Jahre, bis sie 1947 durch einen Zufall entdeckt wurden.

Das Besondere und Wertvolle an diesen Funden ist, daß es sich hierbei vorwiegend um Bibelhandschriften handelt, die zum Teil 1000 Jahre älter als die bisher bekannten Handschriften des Alten Testaments sind. Man fand einen vollständigen hebräischen Text des Propheten Jesaja, Kommentare zu den Propheten Habakuk, Micha, Zephanja, eine aramäische Nacherzählung von Teilen des 1. Buches Mose sowie u.a. Texte, die fast wörtlich im Neuen Testament (das ja erst viel später geschrieben wurde) wiederkehren. Sie alle beweisen die erstaunliche Zuverlässigkeit des biblischen Textes, wie wir ihn seit Jahrhunderten kennen.

Der wohl bedeutendste und wertvollste Fund dieser großen biblischen Handschriften-Entdeckung der Neuzeit ist jedoch die sogenannte "Tempelrolle". Sie enthält bisher unbekannte Gebote Gottes an Mose, die im Standardtext der Bibel nicht enthalten sind, sowie einen kompletten Entwurf für einen eschatologisch-endzeitlichen Tempelneubau in Jerusalem, weshalb die "Tempelrolle" von den Wissenschaftlern auch den Beinamen "Verborgene Thora" bekommen hat.

An der Auswertung der "Handschriften vom Toten Meer" arbeiten nun schon seit Jahr-zehnten zahlreiche Forscher. Und sie sind noch lange nicht damit fertig. Der berühmte israelische Archäologe Yigale Yardin hat zahlreiche dieser biblischen Handschriftenrollen für den Staat Israel gekauft. Sie werden seitdem wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Originalkopien davon sind im "Hechal ha Sepher" (Tempel des Buches) im Israel-Museum der Hebräischen Universität Jerusalem ausgestellt und werden dort von vielen Besuchern bewundert.