Die Befreiung des alten Jerusalem

 Eine ehrfurchterregende Erfüllung biblischer Prophezeiung

Wir entschuldigen uns nicht dafür, daß wir die Geschichte der Befreiung Jerusalems bis ins kleinste Detail wiedergeben, denn das, was als "das erstaunlichste Ereignis unserer Zeit" beschrieben wird, war eine ehrfurchterregende Erfüllung biblischer Prophezeiung, die der Kirche die Augen hätte öffnen sollen über die bevorstehende zweite Wiederkunft unseres Herrn. Die Erzählung mag auch denjenigen nützlich sein, die ihren Mitmenschen die Augen öffnen wollen über die Bedeutung der Zeit, in der wir leben.

Als direktes Resultat ihres anhaltenden und bewußten Ungehorsams hatte das Volk des Königreiches Juda eine furchtbare "sieben Zeiten" andauernde Strafe auf sich gezogen. Wie der verstorbene Dr. Grattan Guinness erfolgreich nachweisen konnte, umfaßt diese Periode 2520 (7x360) prophetische "Tage" bzw. - auf der Basis einer ein-Jahr-pro-Tag-Berechnung - 2520 Jahre.

Die Geschichte datiert die erste Gefangennahme auf das Jahr 604 v. Chr. Die "sieben Zeiten" der Bestrafung würden demnach im Jahre 1917 n. Chr. enden. Der Prophet Daniel prophezeite jedoch durch göttliche Eingebung, daß Juda im Jahr 1335 (DANIEL 12:12) wieder aufgebaut werden würde - eine "versiegelte" Prophezeiung, die erst in der "Endzeit" verstanden werden könne, wenn das Wissen gewachsen sei (DANIEL 12:4).

Nun mag es einige Verwirrung hinsichtlich des Jahres gegeben haben, in dem Jerusalem nicht mehr "von den Heiden zertreten werden wird" (LUKAS 21:24), doch Gottes Knechte, die Propheten, hatten einige verlockend rätselhafte Informationen darüber enthüllt, wie Jerusalem aus dem Griff seiner heidnischen Bedrücker befreit werden würde. So lesen wir:

"Und der HERR Zebaoth wird Jerusalem beschirmen, wie Vögel es tun mit ihren Flügeln, er wird schützen, erretten, schonen und befreien" (JESAJA 31:5).

Man sollte sich nicht über die geheimnisvolle Symbolsprache der Vorhersage wundern, denn Prophezeiungen sind nicht so geschrieben, daß sie von Opportunisten zum persönlichen Vorteil ausgenutzt werden können. Ebensowenig sind sie als Nervenkitzel für Neugierige oder gar als eine Art Almanach gedacht. Prophezeiungen ähneln einer Reihe Meilensteinen, nach denen man Ausschau hält und sie entsprechend registriert, wenn sie vorbei sind. Selbst den treuen Beobachtern ist es nicht erlaubt, den genauen Zeitpunkt oder -abschnitt im voraus zu wissen, zu dem eine spezielle Prophezeiung sich erfüllt. Es wurden ihnen jedoch genügend Kenntnisse gegeben, um zu erkennen, wenn Ereignisse kurz bevorstehen, und sie sogleich als Erfüllung der entsprechenden Vorhersage zu identifizieren.

Mit dem Vorangegangenen im Hinterkopf sollten wir bemerken, daß der inspirierte Prophet Haggai den treuen Beobachtern Tag und Monat beschrieb, wo Jerusalem frei sein würde von seinen heidnischen Bedrückern. Vor 24 Jahrhunderten schrieb er:

"Und jetzt achtet doch darauf, wie es euch gehen wird von diesem Tag an und fernerhin! Wie ging es euch denn, bevor ein Stein auf den anderen gelegt war am Tempel des HERRN? ... Nun aber achtet doch darauf, wie es euch ergehen wird von diesem Tag an und fernerhin - vom vierundzwanzigsten Tage des neunten Monats an ..." (HAGGAI 2:15,18).

Der neunte Monat im hebräischen Kalender ist Kislev und entspricht in etwa den Monaten November/Dezember im christlichen Kalender. Da das hebräische Jahr lunisolar ist, ändert sich das Datum verglichen mit dem christlichen Sonnenjahr genau wie Ostern. Doch über 2000 Jahre vor dem Ereignis prophezeite Haggai den 24. Kislev, welcher 1917 auf den 9. Dezember fiel (beachte: Haggai sagte den Tag und den Monat voraus, nicht das Jahr!).

Die Einzelheiten der Prophezeiung lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Bekannt war, daß die "sieben Zeiten" andauernde Bestrafung von Juda 1917 beendet sein würde. Die Befreiung Jerusalems konnte also nicht vor diesem Jahr stattfinden. Trotzdem sagte Daniel das unerklärliche, das Jahr 1335 voraus. Welches Jahr es auch sein würde, in dem Jerusalem nicht mehr von den Heiden zertreten werden würde, sicher schien es, daß das Datum der 24. Kislev im hebräischen Kalender war. Der Hinweis indes, daß Jerusalem beschützt werden sollte, "wie Vögel es tun mit ihren Flügeln", war unerklärlich.

Die bedeutsame Erfüllung

Es ist heute eine historische Tatsache, daß Jerusalem vom 9. - 10. Dezember 1917 durch britische und Commonwealth-Truppen befreit wurde. Die Umstände waren höchst ungewöhnlich, erfüllten aber die über 2000 Jahre alten Prophezeiungen bis ins letzte Detail. Man kann diese Prophezeiungen im Zusammenhang mit den außergewöhnlichen Umständen, in denen sie sich erfüllten, nicht ohne ein Gefühl der Ehrfurcht vor der Vorsehung des allmächtigen Gottes studieren. Und nicht ohne das Gefühl, daß die Befreiung Jerusalems dem Gottesvolk zeigen sollte, daß die Bestrafung Judas ein Ende hat, und daß die Zeit der Heiden, von der Gott spricht, ebenfalls erfüllt war (LUKAS 21:24).

Geht man auf die Einzelheiten der Prophezeiung ein, taucht als erstes die Frage auf: Gab es eine Erklärung für die Bezugnahme auf das Jahr 1335?

Uns wurde erzählt, daß sich dieses Rätsel erst an dem Tag löste, als die britischen Truppen tatsächlich Jerusalem eingenommen hatten. Ein Soldat aus General Allenbys Stab kaufte in der Stadt eine Zeitung und erhielt als Wechselgeld eine ägyptische 10-Millimes-Münze, die in Arabisch und Englisch geprägt war. Aus der Prägung ging hervor, daß das Jahr 1335 des mohammedanischen Mondjahres das Äquivalent zum Jahr 1917 im christlichen Sonnenjahr darstellte!

Diese Prophezeiung wird klar, wenn man erkennt, daß die Beschreibung "wie Vögel es tun mit ihren Flügeln" erstmals und in großem Umfang im Ersten Weltkrieg 1914 - 1918 eingesetzt wurde.

Allenby befehligte fünf "SES"-Staffeln und "Bristol Fighters", und es besteht keinerlei Zweifel darüber, daß durch ihre militärische Aufklärung, Fotografie, Maschinengewehrfeuer und dem Ausfindigmachen von Artillerie die Flieger eine entscheidende Rolle bei Allenbys Vorstoß am Nil spielten. Lord Wavell betont in seinem Buch "Die Palästina-Kampagnen" (London: Constable), daß die feindlichen Flieger "fast vom Himmel vertrieben wurden".

Um wirklich zu begreifen, auf welch präzise Art die Luftwaffe die Prophezeiung "wie Vögel es tun mit ihren Flügeln" (JESAJA 31:5) erfüllte, sollte man sich die Tatsache ins Gedächtnis rufen, daß Allenby angeordnet hatte, daß keine Kampfhandlungen in Jerusalem und der unmittelbaren Umgebung stattfinden dürfen. Er hatte die Stadt fast völlig umzingelt, ließ den Türken jedoch einen Fluchtweg in Richtung Nordwesten. Allenby wollte die Türken bei Lifton einholen und schlagen. Der andere Teil des Plans sah vor, den Feind durch Zwang oder Demoralisierung zum Verlassen der Stadt zu bewegen. Unter diesem Druck sollten sie keine Zeit haben, ihren Rückzug durch Zerstörung von Straßen oder Gebäuden zu decken.

Bei dieser Aufgabe spielte das 14. Bomberschwadron eine entscheidende Rolle. Im Laufe des 7. Dezember unternahm es eine Reihe von Feindflügen über Jerusalem in solch geringer Höhe, daß die türkischen Soldaten davon überzeugt sein mußten, daß ihre Bomben die Gebäude über ihnen zum Einstürzen bringen würden. Die Türken wurden so gründlich demoralisiert, daß sie, ohne auf Befehle zu warten, die Stadt räumten. Am Ende des nächsten Tages hatte der Feind die Stadt fast völlig verlassen, doch hatte sich mittlerweile türkische Artillerie im Norden und Westen von Jerusalem zusammengezogen. Munition wurde heraufgebracht mit der Absicht, die Stadt zu bombardieren, als das 14. Bomberschwadron anfing, die feindlichen Batterien mit einer solchen Präzision zu vernichten, daß die Schützen in Panik flohen. Jerusalem wurde also ganz genau so gerettet, wie es die Schrift prophezeit hatte: "Wie Vögel fliegen, so wird der Herr der Heerscharen Jerusalem verteidigen."

Bei der Beschäftigung mit dem 14. Bomberschwadron werden wir gleichfalls mit Umständen konfrontiert, die gelinde gesagt, ungewöhnlich und ohne Präzedenzfall sind. Die Staffel, deren Abzeichen auf dieser Seite abgebildet ist, wurde 1915 gebildet. Sie wurde nach Ägypten geschickt, um mit den arabischen Kolonnen unter König Feisal zusammenzuarbeiten, die damals in Arabien und Transjordanien operierten. Lawrence soll König Feisal gebeten haben, der Staffel ein passendes Motto zu geben. Frei übersetzt lautet der arabische Text, den Feisal dem Koran entnommen haben soll: Ich breite meine Flügel aus und halte mein Versprechen. Doch wo auch immer dieses ungewöhnliche Motto seinen Ursprung hatte, es besteht kein Zweifel, daß es etwas Einzigartiges in der Kriegsführung widerspiegelt: den Schutz einer feindlichen Stellung. Das war die von Gott vorhergesagte Methode, Jerusalem zu schützen und, wie uns das Motto des 14. Bomberschwadrons erinnert, Er hielt Sein Versprechen. Damit wies Er auf die kommende größere Befreiung für Sein Volk hin.

Es gab einen weiteren einzigartigen Aspekt der Befreiung Jerusalems, der schon fast als ein Wunder bezeichnet werden kann. In einem Kampf, der sich auf die ganze Welt ausbreitete und der neue und entsetzliche Rekorde in der Zerstörung von Leben und Besitz aufstellte, war Jerusalem die einzige in die Kämpfe verwickelte Stadt, die, zur Freude ihrer Bewohner, unberührt von Schüssen oder Bomben, den Krieg überstand. In seinem Buch "How Jerusalem was won" (Wie Jerusalem erobert wurde) erzählt W. T. Massey, daß Frauen Blumen in den Wagen von General O'Shea warfen, als er am 9. Dezember feierlich in Jerusalem eintraf, um die Kapitulation der Stadt entgegenzunehmen. Major Gilbert, ein weiterer Augenzeuge, berichtet, daß "einige der älteren Bewohner die Gewehre und Gewehrtaschen küßten".

Das Zeugnis des Gebetsbuches

Nachdem Jerusalem befreit worden war, entdeckte man, daß sowohl Datum als auch die Art der Befreiung seit mehr als 200 Jahren im Leseplan des "Book of Common Prayer" notiert war - dem Verzeichnis der Schriften, die an jedem Tag des Kirchenjahres gelesen werden sollten. Der Vers aus der Morgenlesung des 8. Dezember - JESAJA 31:5 - enthält die o.g. Beschreibung "wie Vögel es tun mit ihren Flügeln", einen Hinweis auf die entscheidende Rolle der Luftwaffe. Die Abendlektion - JESAJA 32 - enthielt den Vers "daß mein Volk in friedlichen Auen wohnen wird, in sicheren Wohnungen und in stolzer Ruhe" (JESAJA 32:18).

Die erste Schrift für den 9. Dezember lautet: "... Deine Augen werden Jerusalem sehen, eine sichere Wohnung, ein Zelt, daß nicht mehr abgebrochen wird. Seine Pflöcke sollen nie mehr herausgezogen werden und keines seiner Seile zerrissen werden. Und ..., denn das Volk, das darin wohnt wird Vergebung der Sünde haben" (JESAJA 33:20,24).

Die erste Schrift für den 10. Dezember endet mit diesen Worten: "Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen" (JESAJA 35:10). Die Abendlektion überspringt fünf Kapitel, um mit folgender Prophezeiung aufzuwarten: "Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott. Redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, daß ihre Knechtschaft ein Ende hat, daß ihre Schuld vergeben ist; denn sie hat doppelte Strafe empfangen von der Hand des HERRN für alle ihre Sünden" (JESAJA 40:1-2).

Die Schriften für den 11. Dezember sind ebenso bedeutsam und prophetisch exakt. Sie geben den treuen Zeugen des HERRN den unwiderlegbaren Beweis, daß der allmächtige Gott nicht nur existiert, sondern daß Er ein lebendiger Gott ist und daß die Heilige Schrift sein inspiriertes Wort ist.

An jenem Tag zog General Allenby an der Spitze der befreienden israelitischen Truppen zu Fuß in Jerusalem ein - nicht als großer Fürst, sondern als Führer der Armeen des dienenden Volkes - der Heerscharen! Welch große Bedeutung wirft dieses Ereignis voraus auf die kommende Befreiung des prophetischen "Jerusalems" durch den HERRN Jesus Christus.

Wie das "Unmögliche" geschah

Als Anmerkung zu der spannenden Geschichte der Befreiung Jerusalems wollten wir die Aufmerksamkeit auf etwas lenken, das J. M. Stears entdeckte, als er in den frühen sechziger Jahren die Ereignisse untersuchte, die zu der Befreiung führten. Er schrieb:

"Es gibt eine seltsame Tatsache, die mit diesem Ereignis zusammenhängt, welche die alles beherrschende Kraft Gottes hervorhebt. Die Türken hatten ein Sprichwort, welches uns an den Vorfall in 2. KÖNIGE 7:1-18 erinnert, wo das "Unmögliche" passierte. In ihrer stolzen Prahlerei, daß das Schwert des Islam die Gewalt über das Land haben sollte, fanden sie folgende Worte, um einen Umsturz ihres Herrschaftsanspruches für unmöglich zu erklären: "Wenn das Wasser des Nils nach Palästina fließt, dann wird ein Prophet des HERRN kommen und die Türken aus diesem Land vertreiben", was bedeuten sollte, daß ebenso, wie es unmöglich für das Wasser des Nils war, über viele Meilen durch die Wüste nach Palästina zu fließen, es auch unmöglich war, daß sie von Menschen vertrieben werden könnten.

Das "Unmögliche" ist Jahrhunderte früher am Tor von Samarien geschehen, das "Unmögliche" geschah auch in diesem Fall. Um unsere Truppen bei der Durchquerung der Wüste mit Wasser zu versorgen, wurde Nilwasser von unseren Ingenieuren durch eine Pipeline geleitet, die sie unter dem Suez-Kanal und durch die Wüste verlegten. So floß das "Wasser des Nils nach Palästina" und zwar viele Tausende Gallonen am Tag. Und nicht nur das, der General, der die Türken vertrieb hieß Allenby, was im Arabischen zu "Allah-en-Nebi" wurde oder "Prophet Gottes". Unter diesem arabischen Namen kannte man ihn in ganz Palästina. So floß das Wasser des Nils ins Heilige Land, und der Führer mit dem Namen "Prophet Gottes" vertrieb die Türken aus dem Land. Die Befreiung Jerusalems wurde innerhalb von 40 Tagen vollendet (31. Oktober - 9. Dezember) - eine bekannte Zeitspanne in der Geschichte dieses Landes.

Zu dieser Zeit wurde die Situation an der westlichen Front allerdings so kritisch, daß die Besten von Allenbys Truppen nach Frankreich abgezogen wurden. Allenby mußte warten, bis neue Einheiten ausgebildet und zu einer effektiven Kampfmaschine organisiert waren. Sein nächster Vorstoß begann am 18. September 1918 und - wiederum in 40 Tagen war das Ziel erreicht und die Türken aus dem Land vertrieben. Die Herrschaft der Heiden über das Heilige Land endete genau zu dem festgesetzten Zeitpunkt: die "sieben Zeiten" (d.h. 2520 Jahre) der Bestrafung sind so verlaufen, wie die Bibel sie vorausgesagt hat.

England annektierte das eroberte Territorium nicht, sondern verwaltete es als Mandat des Völkerbundes bis zum 15. Mai 1948. Die britischen Truppen wurden abgezogen, weil die Verwaltung durch terroristische Anschläge jüdischer Fanatiker unmöglich geworden war. 1949 wurde der jüdische Staat durch die britische Regierung reorganisiert. Er ist und bleibt ein beunruhigendes Element im Zusammenleben der Völker.

Reginald H. W. Cox

Quelle: WAKE UP! Dezember 1987