Der evolutionäre Einfluß auf moderne Bibelübersetzungen

Der Übersetzer der "Living Bible", Ken Taylor, merkte, daß viele Leute die Botschaft aus der traditionellen "King James"-Bibel nicht mehr verstanden haben. Er wollte die Bibel zu einem lebendigen Buch mit einer kraftvollen Botschaft machen. Seine Version wurde nicht aus dem originalen Hebräisch, Aramäisch oder Griechisch übersetzt, sondern aus einer englischen Übersetzung des späten 19. Jhd. Und das Ergebnis? Die "Living Bible" ist eine einfache Übertragung in leichtes Englisch. Ihre Lesbarkeit begegnete großem Lob, und mit der Unterstützung der Billy Graham-Vereinigung schritt ihre frühe Verbreitung schnell voran. Aber Ken Taylors "Living Bible" zeigt auch den Einfluß von modernen evolutionären Gedanken.

Die Umschreibung Ken Taylors erlaubt in 1. MOSE Kapitel 1 von Anfang an einen langsamen, evolutionären Kompromiß, bei dem Tage zu Zeitaltern werden. Der erste Vers wird schon nicht mehr durch das einfache Hebräisch beherrscht. Er lautet:

"Als Gott anfing, die Himmel und die Erde zu schaffen, war die Erde zuerst eine gestaltlose, chaotische Masse ..."


Der Ausdruck "anfing, zu schaffen" erweckt mehr den Eindruck einer langsamen Entwicklung als eines "schaffenden, mächtigen Wortes". Es gibt keine Rechtfertigung für diese Übersetzung, auch nicht in der Umschreibung. Das hebräische Wort ist das einfache und schlichte BARA = "Er schuf", eine einzige Handlung in der Vergangenheit, ohne eine zeitliche Ausdehnung der Handlung zu vermitteln.

Eine Fußnote, die sich auf "zuerst" bezieht, erklärt irrigerweise, daß dieses Wort sinngemäß hervorgeht, d.h. es nicht im Original zu finden ist. Aber nirgendwo in dem Text dieser historischen hebräischen Erzählung ist eine solche Folgerung zu rechtfertigen.

Dann kommt die schwerwiegendste Abschweifung vom Text, indem sie sich an babylonische Mythen lehnt, nämlich der Vorstellung einer "gestaltlosen, chaotischen Masse" anstelle einer ungeformten und unbevölkerten Erde. Durch die Einführung von "chaotisch" läuft diese Umschreibung mit den unzähligen Schöpfungsmythen der Naturvölker einher, die der Mensch sich seit dem Fall erdichtete. Die Idee von "Chaos" ist sehr eng mit der griechischen Mythologie verknüpft, wenn man sie auch bis nach Babylon zurückverfolgen kann. Es geht einher mit dem "Urstoff" und all diesen verschiedenen heidnischen Vorstellungen, die ein ewiges Universum und ein ersonnenes vermenschlichtes Gottesbild unterstellen, das nur für die Menschheit gemacht ist. Was für eine Verzerrung!

In Vers 2 finden wir, daß der Geist Gottes über "dunklen Schwaden" schwebt. Hierzu eine katastrophale Fußnote: Oder "über der Wolke der Dunkelheit", oder sogar "über der dunklen gasförmigen Masse". Hier versucht Taylor mit den Vertretern der Evolution mitzuhalten. Er fügt dem Text die Idee von bestimmten Chemikalien gasförmiger Natur in der "Entstehung der Erde" zu, für die der Text keinerlei Anhaltspunkte bietet.

Vers 3 informiert uns, daß Licht "erscheint", und im nächsten Vers hatte Gott "Gefallen" daran. Auch hier ist die versteckte Folgerung, daß sich vielleicht eine Wolkendecke lichtete, um so das Licht zu offenbaren. Vielleicht würde auch diese evolutionäre Idee besser auf den vierten Tag zutreffen, wenn wir die Sonne, die nach der Evolutionstheorie schon da war, durch immer weniger Wolken nach und nach sichtbar werden ließen! Der Text jedenfalls behauptet zweifellos, daß Licht an einer bestimmten Stelle existierte, wenn es vorher auch noch nicht da war, als Antwort auf Gottes schaffendes Wort. Die wissenschaftliche Objektivität der ursprünglichen Feststellung im Hebräischen, daß das Licht gut war, wird abgeschwächt zu der subjektiven Feststellung über Gott, daß Er am Licht gefallen hatte. Taylor springt hin und her zwischen babylonischen Mythen und Mystizismus auf der einen Seite und einem wissenschaftlichen Sammelsurium auf der anderen.

Die weitere Ausführung folgt in den Versen 4-5, wo die Textwiedergabe von der Auswirkung redet, daß Gott "die Sonne eine Weile scheinen ließ, und darauf war wieder Dunkelheit". Es wird der Eindruck vermittelt, daß die Sonne über Jahrmillionen nur mit Unterbrechung auf die Erde schien, genauso wie es die Evolution gerne hätte.

Am Ende dieses Abschnitts steht: "Zusammen bildeten sie ("Tageszeit" und "Nachtzeit") den ersten Tag", ergänzt durch eine Fußnote mit dem ersten wörtlichen Bezug auf den Urtext: "...und es wurde Abend, und es wurde Morgen, der erste Tag" und darauf in Klammern: oder "eine bestimmte Zeitspanne", was auch wieder gut auf die "Tages-Zeitalter-Theorie" paßt. Jedem der weiteren sechs Tagesbeschreibungen ist eine solche Fußnote beigefügt.

In Vers 6 hat Gott gesagt: "Die Schwaden sollen sich trennen, um darüber einen Himmel zu bilden und die Meere darunter." Beachte, daß die Meere offensichtlich nicht am ersten Tag gebildet wurden! Dazu gibt es die Fußnote: "Es soll eine Kuppel geben, um die Wassermassen zu trennen." Aber auch das ist keine angemessene Übersetzung des Hebräischen, auch wenn das lateinische "firmamentum" darauf hindeutet. Das hebräische "RAQIA" beschreibt nur etwas, das aufgespannt ist. Wenn man es mit etwas Solidem vergleichen sollte, würde wohl ein "Zelt" am besten passen. Aber das Hebräische beschreibt es nicht als solide, deshalb ist wohl das Wort "Spanne" aus der "New International Version" die beste moderne Übersetzung.

In Vers 8 macht Gott den Himmel, indem Er die "Schwaden oben" von dem Wasser unten trennt. Merkwürdigerweise trifft dies genau die Baldachintheorie von der Gestalt der Erde, wie sie ursprünglich vor der Sintflut war, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, daß Taylor dies unterschreiben würde. Und auch hier erfahren wir über die Dinge nur, daß es Gott "gefiel".

Die Verse 11-12 besagen, daß Obstbäume "hervorbrechen ... so daß diese Samen die Arten der Pflanzen und Früchte hervorbringen, von denen sie kamen." Ich habe an der Logik dieser Wiedergabe nichts weiter auszusetzen, soweit es über die Festlegung der Arten Aufschluß gibt. Trotzdem, bei oberflächlicher Leseweise könnte der normale Leser den Eindruck bekommen, daß die Samen zuerst da waren, auch wenn das genaue Lesen des Textes dies nicht zuläßt. Aber es ist dadurch möglich, daß hier in diesem Vers Mißverständnisse auftreten können.

In Vers 16 des 1. MOSE wird das große und das kleine Licht nicht mit einem Namen benannt (d.h. mit Sonne oder Mond). Taylor nennt sowohl die Sonne als auch den Mond, was jedoch im Hebräischen unter allen Umständen vermieden wurde. Ich glaube, der Grund dafür ist, daß Gott genau wußte, daß diese beiden Objekte einmal angebetet werden würden, ein Ursprung der Abgötterei. Es ist nämlich viel einfacher, etwas, das einen Namen hat, anzubeten. Und in der Tat nannten die Babylonier den Sonnengott einfach nur "Sonne" und den Mondgott "Mond".

Der Wortlaut ist hier der, daß Gott diese dazu bereitete, "auf die Erde herunterzuscheinen." Aber Taylors Satzkonstruktion ist ziemlich zweideutig. Es könnte nämlich bedeuten, daß sie am vierten Tag geschaffen wurden, um herunterzuscheinen, oder es könnte auch bedeuten, daß sie bereits viel früher erschienen sind, aber erst jetzt dazu "bereitet" wurden, "herunterzuscheinen". Eine wirklich gefährliche Zweideutigkeit!

Vers 26 lautet: "Laßt uns einen Menschen machen", mit der Fußnote: "Wörtlich (mehrere) Menschen", was nicht zutreffend ist. Man kann zugunsten dessen höchstens sagen, daß der darauffolgende Ausdruck das Wörtchen "sie" enthält und daß bald nach dem Hinweis auf Adam und Eva "Mann und Frau" folgt. Also ist es der Zusammenhang und nicht der Text, der eine etwaige Mehrzahl in Frage kommen läßt. Das ist irreleitende "Wissenschaft", um es milde auszudrücken. Im selben Vers finden wir, daß das Wortwörtliche "nach unserem Bilde, nach unserem Abbild" wiedergegeben ist als "jemanden wie wir". Beim besten Willen eine schwache Leistung.

In Vers 27 wollte Taylor entweder die poetische Gestaltung dieses Verses besonders hervorheben, oder er hat das hebräische Wort für "Frau" falsch verstanden, da er es folgendermaßen übertrug: "Er machte sie als Mann und Mädchen." Aber dies ist, nebenbeibemerkt, der einzige Vers im ganzen Kapitel mit einem poetischen Stil. Offensichtlich war Gott in sichtlicher Erregung über Seinen wichtigsten Schritt der Schöpfung.

In 1. MOSE 2:7 benutzt Taylor eine weitere Umschreibung, die auf eine "Tages-Zeitalter"- oder "Wiedererschaffungstheorie" paßt: "es kam die Zeit, als der Herr Gott einen Menschenkörper aus dem Staub des Bodens formte"; dies macht den Eindruck, als ob Er bereits davor, nur mit anderen Mitteln, Menschen geschaffen hätte.

Gibt es eigentlich etwas, was ich an dieser Textwiedergabe mag? Nun, ich habe eine einzelne, abgetrennte Übersetzung gefunden, die sich als eine passende, moderne Übersetzung dafür eignet, was am sechsten Tag geschaffen wurde: "Rinder und kriechende Tiere und alle wilden Tiere" (1:24), was zumindest dem Original entspricht und dem Hebräischen keine Gewalt antut.

Trotzdem, wenn man den Gesamteindruck betrachtet, möchte ich sagen, daß es eine der schlechtesten Übersetzungen ist, die man Leuten vorsetzen kann, welche sich über die Schöpfung noch nicht im Klaren sind.

Quelle: Creation Ex Nihilo, Vol. 8 No 3, p.33/34