Vom Kommunismus zu Christus

Nadia - St. Petersburg, Russland

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Grüße aus St. Petersburg,

ich wurde im kommunistischen Russland geboren und bin dort aufgewachsen. Mein Vater war sehr vom Kommunismus überzeugt, und sagte mir, dass das das wichtigste im Leben sei, „ein guter Mensch“ zu werden. Ich hatte nie die Möglichkeit herauszufinden, was er genau damit meinte, denn er starb als ich 11 war. Viele der Dinge, die er mir erzählte, brachten mich dazu über Gott nachzudenken. Als ich ihn einmal fragte, ob Gott existiere, antwortete mein Vater, dass er es leider nicht wüsste. Dies brachte mich dazu mir Gedanken über die Seele meines Vaters zu machen und ich hatte keinen wirklichen Frieden. Er war zwar ein „guter Mensch‟, aber ich fragte mich, ob es einen Gott gibt und ob dann mein Vater mit ihm wäre. 

Später wurde ich eine „Gläubige‟ und ging zu einer orthodoxen Kirche. Es machte mir nichts aus, dass diese nur von sehr alten Leuten besucht wurde. Im Falle einer Verfolgung durch das russische Regime hatten diese nichts zu befürchten. Ich besuchte viele verschiedene Kirchen, traf viele Leute und einmal verbrachte ich sogar einige Zeit in einem Kloster. Doch meine Fragen blieben trotzdem unbeantwortet – in diesen Kirchen ging es nur um Mysterien, Räucherwerk, die „Königin des Himmels“, die „Lehre der Väter“, etc.  [Hier findest Du weitere Informationen darüber, was in der Orthodoxen Kirche falsch läuft]. Gott beantwortete allerdings immer meine Gebete.

Ich erkannte dann aber, dass meine Einstellung gegenüber Gott sehr eigennützig war. Ich fragte Gott nach Dingen, die ich brauchte, die ich dann von Gott auch empfing. Ich fragte Gott aber nicht, was sein Wille war. Es musste etwas geben, das Er von mir wollte. Ich erinnere mich, wie ich in einer orthodoxen Kirche stand mit all dem Gold und den Kerzen um mich herum und Gott ernsthaft bat mir zu zeigen, was ich tun sollte. Dann fing ich an zu zweifeln: wer war ich überhaupt, dass ich die Autorität und die jahrhunderte alten Traditionen, die Lehre der Kirchenväter, etc zu hinterfragen wagte?

Ich bat Gott, mich in eine “Gemeinde” zu bringen (ich wunderte mich warum ich dieses mir Wort überhaupt benutzte, denn es war mir unbekannt). Ich fühlte mich beschämt, denn ich realisierte, wie heuchlerisch mein Leben war. Auf der einen Seite versteckte ich nicht, dass ich eine „Gläubige“ war (was einige Leute ziemlich schockierte), und doch, auf der anderen Seite, war mein Leben nicht besser als das der anderen.

Ich realisierte, dass zum Christ sein mehr dazu gehörte als nur zur Kirche zu gehen. 

Ich realisierte, dass zum Christ sein mehr dazu gehörte als nur zur Kirche zu gehen. Und ich sah immer mehr Heuchelei in der Kirche, insbesondere nachdem ich begann die Bibel zu lesen.

Ich hatte gar keine Bibel zu dem Zeitpunkt. Als ich mich entschied, das „illegale Buch“ für ein Viertel meines Monatsgehalts zu kaufen, traf ich „zufällig“ ein paar Amerikaner, die mir eine komplett neue Bibel schenkten. Das konnte kein Zufall gewesen sein! Die Amerikaner erklärten mir auch was es heißt, „eine persönliche Beziehung zu Gott“ zu haben. Und dieser Ausdruck berührte mich sehr. Ich konnte ihn nicht mehr aus meinem Kopf bekommen. Keine Ikonen, keine Heiligen, noch nicht einmal die Kirche – sondern nur Jesus als Mittler zwischen Mensch und Gott. Ich fühlte mich körperlich entlastet, als wäre ich von einer schweren Last befreit worden. Ich begann mein Neues Testament zu verschlingen, und ich hatte viele Fragen. Meine neuen Freunde gaben mir Antworten und Erklärungen, die sie fast ausschließlich aus der Bibel und den Schriften entnahmen.  

Alles schien gut zu laufen: Ich bekam einen Job, von dem ich vorher nur hätte träumen können. Ich war viel am Reisen und ich genoss meine Arbeit. Aber da war immer noch das Gefühl in mir, das etwas fehlte. Ich bemerkte, dass die Arbeit mich so einnahm, dass ich keine Zeit hatte zum Bibel lesen und wusste, dass sich das ändern musste.

Daraufhin wurde ich von einem dänischen Mann im Kreml angesprochen. Er sagte mir, dass ich aus der Arbeit als Reiseführer „herausgewachsen“ war, und das es an der Zeit wäre für mich mein Leben zu ändern. Er war sehr beharrlich und schon am nächsten Tag hatte er eine Einladung für mich organisiert um sein Land zu besuchen! Doch es brauchte einige Telefonanrufe von ihm um mich zu überzeugen Urlaub in Dänemark machen zu wollen.

Obwohl ich bis zu einem Monat Urlaubsanspruch hatte, konnte meine Chefin mir keinen Urlaub gewähren. Es gab keinen, der mich hätte vertreten können und die Jobs waren schon im Voraus ausgeplant. Daher entschied ich zu kündigen (normalerweise hätte ich dies niemals in Betracht gezogen, denn ich liebte meinen Job). Um es kurz zu fassen, im November 1990 befand ich mich schließlich in Kopenhagen. Ich betete und legte die ganze Reise in die Hände des Herrn.

Kopenhagen war zwar „schön‟, aber doch nicht das richtige für mich. Schon sehr bald fragte ich mich, ob es eine gute Idee wäre in Deutschland ein paar Freunde zu besuchen oder ob es besser wäre mit einigen der Russen einziehen, die ich hier kennengelernt hatte. (Sie waren alle politische Flüchtlinge und waren davon überzeugt, dass ich in Dänemark bleiben sollte). Als ich mein Notizbuch durchblätterte, bemerkte ich die Schrift: „Wir wissen aber, daß denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen...“ (RÖMER 8:28). Diese Schrift stach heraus und ich wusste, dass Gott mich damit direkt ansprach. In diesem Moment hörte ich auf mir Sorgen zu machen.

Am Samstag vor dem geplanten Umzug sprach mich eine junge Frau auf der Hauptstraße an und gab mir ein Traktat über die Bibel. Dankend gab ich ihr das Traktat zurück, da ich kein Dänisch verstand und meinte, dass ich ja eh schon eine „Christin‟ sei. Der Mann mit dem sie unterwegs war, fragte mich dann auf einmal: „Wenn du eine Christin bist, hast du dann den Heiligen Geist schon?‟ Mir hatte bisher keiner solch eine verwirrende Frage gestellt. Woher sollte ich wissen ob ich den Heiligen Geist hatte oder nicht?

Woher sollte ich wissen ob ich den Heiligen Geist hatte oder nicht?

In der Kirche oder aus der Bibel hatte ich nur über die Dreifaltigkeit gelernt - Gott der Vater, Gott der Sohn und der Heilige Geist. Stefan, der Mann mir die verwirrenden Frage gestellt hatte, erklärte mir dann, wie an Pfingsten die Apostel den Heiligen Geist empfangen hatten und dass sich seither nichts verändert habe - man könne heute auf die gleiche Weise den Heiligen Geist empfangen. Er lud mich ein am nächsten Tag in eine christliche Versammlung zu kommen und er malte mir eine kleine Karte auf, wie ich dorthin kam. Ich lehnte die Einladung ab mit der Entschuldigung, dass ich für den morgigen Tag einen Umzug geplant hatte.  

Am nächsten Tag, dem Sonntag, wartete ich an dem vereinbarteten Ort auf meinen russischen Freund mit dem ich dann zu meiner neuen Wohnung fahren würde. Er kam erst eine Stunde später, denn sein Fahrrad wurde gestohlen. Er malte mir dann auf, wie ich selbst mit dem Fahhrad dorthin fahren konnte. Die Karte meines Freundes ähnelte der Karte, die ich am Vortag erhalten hatte. Ich hatte die andere Karte noch immer in meiner Tasche. Nachdem ich die beiden Karten miteinander verglich, war ich überrascht rauszufinden, dass der Ort, an dem sich die Christen versammeln würden, genau auf dem Weg war, wo meine neue Wohnung war. Da ich jetzt ohne meinen Freund unterwegs sein würde, entschied ich doch zu der Versammlung zu gehen.

Als ich dort ankam, war die Versammlung fast schon zu Ende; ich kriegte noch mit, wie einige Schriften gegeben wurden. (Die Schriften waren direkt aus der Bibel und dies zeigte mir, dass diese Christen nur das wahre Wort Gottes predigten. Dies war sehr wichtig für mich). Dann nahmen sie Brot und Kelch (das Abendmahl), und Stefan sprach in einer östlich klingenden Sprache. Ich fragte ihn später wieviele Sprachen er sprechen könnte (er war Deutcher, lebte in Dänemark und sprach Englisch mit mir). Er erklärte mir, während des Abendmahls habe er in Zungen gesprochen und dass dies keine Sprache war, die er sprechen konnte. Ich war sehr beindruckt durch den geistigen Wandel dieser Christen, doch ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich in der Lage sein könnte, in Zungen sprechen zu können. 

Stefans Frau Ella erzählte mir dann später von ihrem katholischen Hintergrund und wie sie als Kind getauft worden ist und dass diese Taufe nicht richtig sei. Als Erwachsene wurde sie dann richtig getauft durch vollständiges Untertauchen im Wasser. Vorher hatte sie Buße getan und empfing dann nach der Wassertaufe den Heiligen Geist. (Siehe APOSTELGESCHICHTE 2:37-39).

Als ich dann über diese biblische Wahrheit nachdachte, wurde mir klar, dass ich auch nicht wirklich getauft war. Am darauffolgenden Mittwoch ging ich dann zur nächsten Versammlung. Dort wurde ich gefragt, ob ich den Heiligen Geist empfangen wöllte. Obwohl ich mir eigentlich nicht vorstellen konnte, dass ich den Heiligen Geist empfangen könnte, antwortete ich mit „Ja, natürlich!“. So legten sie ihre Hände auf mich und beteten für mich. Plötzlich begann ich fließend in einer unbekannten Sprache zu sprechen. Daher wusste ich dann, was Jesus mit „Strömen lebendigen Wassers“ (JOHANNES 7:38) meinte.

 Plötzlich begann ich fließend in einer unbekannten Sprache zu sprechen.

Am nächsten Tag wurde ich in einem Schwimmbad richtig getauft.

Der Herr hat viele Dinge in meinem Leben geleitet und mich an den richtigen Ort gebracht, wo ich dann gerettet werden sollte! Preis dem Herrn! Ich hatte die Möglichkeit drei weitere Monate in Dänemark zu bleiben und viele Dinge zu lernen. Mein Job in Moskau war gekündigt und ich war daher frei von jeglichen Pflichten. Meine Geschichte ähnelt die der Gläubigen in der Apostelgeschichte; sie glaubten, aber sie hatten noch nichts vom Heiligen Geist gehört. Als sie dann über den Heiligen Geist hörten, passierte das folgende: „Und da Paulus die Hände auf sie legte, kam der Heilige Geist auf sie, und sie redeten mit Zungen und weissagten.“ (APOSTELGESCHICHTE 19:6)

Der Herr hat mich wirklich gesegnet. Ich bin verheiratet und habe zwei wunderbare Kinder.

Nadia

 

 

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