The Power of Forgiveness

Helen - Inverell, Australien

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Dies ist meine Geschichte, wie ich lernte, nach Ereignissen zu vergeben, welche meinem Sohn zugestossen waren, und welche seinen Tod verursachten.

Im Alter von drei Jahren hatte mein jüngster Sohn Ted einen Unfall, bei dem er beinahe ertrunken wäre, und seit dem er schwerbehindert war. Später, als Ted 27 Jahre alt war, legte uns der Logopäde nahe, Ted mit einer Magensonde zu ernähren. Dies bedeutet, ein Loch in seinen Bauch zu stechen. Diese Idee verwarf ich jedoch sofort, als ich später herausfand, dass das bei vollem Bewusstsein getan wird (also nichts für schwache Nerven ist)! Mit zunehmendem Druck der Logopädin und eines Ernährungsberaters begann ich jedoch diese Angelegenheit weiter zu erforschen. Nach Diskussionen mit meinem Sohn entschieden wir uns ein Jahr später doch für diese Maßnahme. Wenig wussten wir über die schreckliche Zeit, welche diese Entscheidung in unser Leben bringen würde. Wir dachten, es würde unser Leben vereinfachen, da es normalerweise Stunden dauerte, Ted Essen zu geben, und bei Ruhepausen und in der Tagespflege führte das immer zu Problemen. Dazu hatte er mit 27 Jahren den Wunsch, von zu Hause auszuziehen und in seinen eigenen 4 Wänden zu wohnen.

Während der Operation war ich anwesend um es ihm leichter zu machen. Doch von Beginn an wünschte ich die Entscheidung rückgängig machen zu können, war dies doch nur der Anfang seines Leidens.

Kurz nach der Operation wurde er durch diese Sonde ernährt, und er bekam epileptische Anfälle. Bei jedem Anfall zeriss es mir fast das Herz. Der Ernährungsberater wechselte den Nahrungsmittelhersteller, mit dem gleichen Ergebnis, und beim dritten Hersteller wurde das Ganze noch schlimmer.

Nach Monaten des Recherchierens fand ich einen Weg, normales gesundes Essen zu kochen, welches durch die Magensonde gegeben werden konnte, und Teds Zustand verbesserte sich langsam: Die Anfälle wurden seltener und er nahm an Gewicht zu. Leider war der Ernährungsberater mit meiner Methode nicht einverstanden und begann ohne mein Wissen anders zu handeln. Das steigerte sich bis zu dem Punkt, an dem er die Vormundschaft meines Sohnes von mir wegnehmen wollte. All dies endete in einem wüsten Krieg aller beteiligten Personen, welche ihm helfen wollten. Plötzlich griff der Arzt ein und sagte dem Ernährungsberater, dass dies alles ein Ende haben muss. Bevor der Doktor intervenierte, hatte die Ernährungsberaterin wieder die Kontrolle über die Diät übernommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Ted wieder viele Anfälle, welche bis zu 10 Minuten dauerten, und in denen er kaum atmete. Er verlor das Funkeln in seinen Augen, sein Lachen, seine Lebensfreude. Die Pflege wurde schwierig und ermüdend. Die meiste Kraft benötigte ich für den Kampf gegenüber den Behörden. Mein Frust fing an, in Hass umzuschlagen. Wäre ich kein Christ, hätte ich unter Umständen etwas wirklich Dummes gemacht. Es war aber nur mein Glaube an Gott, der mich vor der totalen Verzweiflung bewahrte. In dieser Situation stärkte uns Gott in vielerlei Hinsicht. Viele kleine Wunder geschahen, und eines Nachts sah ich einen großen Engel mit einem Schwert in unserem Garten stehen.

Ted zog in eine Wohnung und er schaute nur noch Fern oder aus dem Fenster. Er wurde traurig und depressiv. Ungefähr 4 Monate später ging es ihm nicht gut. Ich holte ihn ab und wir gingen in ein Busmuseum, welches er sehr liebte. Dort trafen wir Freunde, und er genoss es sichtlich. Ich selbst jedoch war besorgt und hatte den Eindruck, dass Gott mir sagen wollte, dass dies unser letzter Ausflug sein würde. Ich dachte, ich hätte mir dies nur eingebildet und verwarf es wieder. Aber sein Zustand wurde immer schlechter über die nächsten Tage, und ich wollte dass ein Doktor kommt, um ihn zu untersuchen. Spontan entschied sich die Hausgruppe unserer Kirche, Ted zu besuchen. Als wir ihn sahen, waren alle geschockt, denn er hatte viele Schmerzen. Seine Pfleger realisierten dies jedoch nicht. Wieder bat ich, dass ein Doktor vorbeikommen sollte, oder dass er ins Krankenhaus gebracht würde, aber es hörte mir niemand zu. Ich wartete bis Mitternacht auf den Doktor, doch dann musste ich heim. Ich bat die drei Pflegerinnen mich zu kontaktieren sobald der Doktor da sei, damit ich mit ihm reden könnte, was sie mir versprachen. Um drei Uhr nachts rief ich dort an, und es wurde mir gesagt, dass der Doktor schon wieder gegangen sei und einen Einlauf verschrieben hätte. Ich sagte ihr, dass Ted einen Einlauf kaum überleben würde.

Am nächsten Tag ging es ihm so schlecht, dass selbst die Pflegerinnen darüber erschraken. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, nur um wieder entlassen und zwei Tage später wieder ins Krankenhaus gebracht zu werden. Aber da war es zu spät. Wir hatten Glück, dass ein kompetenter Arzt anwesend war, aber er hatte keine guten Nachrichten für uns. Er sagte, dass die Sonde den Magen durchbrochen hatte. Es gäbe nur zwei Optionen: entweder man gibt ihm Schmerzmittel, so dass er in 2-3 Tagen sterben könnte, oder es könnte eine Operation in Betracht gezogen werden. Er wusste nicht, ob ein Anästhesist gefunden werden kann, der bei der Operation hätte helfen können, da sich Teds Zustand so verschlechtert hatte. Wir hatten Glück und der Chirurg entfernte 3 grosse Abszesse (mit der Grösse einer Faust) aus dem Magen. Er wusch den Magen, flickte das Loch und befestigte die Sonde am Magenausgang in den Darm. Denn der Chirurg meinte, es sei unmöglich, den Magen weiterhin zu benutzen. Mein Sohn blieb einen Monat auf der Intensivstation, während er dem Tod nahe stand. Der Körper versuchte gegen diese große Infektion zu kämpfen, aber er zog sich eine zweite Infektion zu. Seine Lungen kollabierten mehrfach, und zum Schluss war eine Lunge permanent geschädigt: die Hälfte der Lunge war kollabiert, und dieses konnte nicht rückgängig gemacht werden. Während dieser Zeit durfte ich ihn mit einer Gruppe von Freunden überraschen, welche eine Gitarre dabei hatten und Lieder sangen. Er liebte es so sehr. Sein Augen leuchteten und die Pflegerinnen waren erstaunt. Ted wollte so sehr seinen 30. Geburtstag feiern, was Gott ihm auch gewährte. Am nächsten Tag kollabierte auch die zweite gesunde Lunge wieder, und er hatte nur noch eine halbe Lunge zum Atmen.  Schlussendlich starb er aber in meinen Armen.

Während dieser ganzen Zeit gab Gott mir übernatürliche Kraft, um diese Situation zu bewältigen. Aber jetzt brach alles hervor: ich schrie, lobte, betete und heulte vor Gott. Ich war immer der Überzeugung gewesen, dass Ted komplett geheilt werden würde, und ich hatte daher extreme Schwierigkeiten, seinen Tod zu akzeptieren. Ich wusste, dass er bei Gott war und dass es ein besseres Leben für ihn war als hier, aber ich war verloren und vermisste ihn zutiefst. Selbstmordgedanken überkamen mich, und ich war so wütend auf all diese Leute, welche es zuließen, dass es soweit kam, und welche mir nie zuhörten. Ich fühlte mich wie in einem dunklen Tunnel ohne Licht am Ende, weit weg von Gott. Ich verlor meine Freude und mein Lachen. Es war, als ob ich eine große Last mit mir herumtragen würde. Genau dann zeigte Gott mir diese Bibelstelle: “Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.” (MATTHÄUS 6:15)

Und wieder in MARKUS 11:25-26 “Und wenn ihr dasteht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. Wenn ihr aber nicht vergebt, so wird auch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen nicht vergeben.”

Ich kannte diese Bibelstellen und viele andere, welche über die Gnade Gottes und Vergebung sprachen. Ich wusste dass ich vergeben musste und kniete mich hin und betete. Aber ich fand es unglaublich schwierig, es kam nicht von Herzen. Durch meine Bitterkeit begannen Wut und Hass in mein Leben zu kommen. In all den Jahren zuvor musste ich mich auch immer wieder entschieden zu vergeben, und in diesen Momenten konnte ich das auch. Manchmal etwas schneller, mal dauerte es länger. Aber jetzt all diese Umstände zu vergeben, die zum Tod von Ted führten, war zuviel für mich. Ich brauchte wirklich Gottes Hilfe um das zu schaffen, denn ich wollte nicht als verbitterte alte Wittwe enden. Ich wurde krank, und ich war wütend auf Gott und warf die ganze Verzweiflung auf Ihn. Ich schrie und klagte Gott an. Jedesmal nachdem ich dies tat legte sich ein tiefer Friede auf meine Seele, denn Gott verstand was ich durchmachte. Ich pries Ihn, lachte, und war dann wieder wütend. Dies dauerte lange an. Manchmal betete ich mehr, manchmal überhaupt nicht. Ich las die Bibel oder lenkte mich durch Filme ab. Ich kann nicht behaupten, dass ich Gott in dieser Zeit sehr liebte; eher das Gegenteil war der Fall. Ich fühlte mich sehr unter Druck und sehr weit weg von Ihm, was Ihn sehr geschmerzt haben muss, und was mir leid tut. Ich fastete mehrere Wochen (nur Wasser) und hoffte, dass dies helfen würde. In dieser Zeit zeigte Gott mir dass ich nicht nur vergeben sollte, sondern auch dankbar für alles sein sollte, was Er in meinem Leben tut. Es war erstaunlich, wie Er mir dieses zeigte. Es dauerte jedoch Monate bis ich wirklich von Herzen vergeben konnte, und nicht nur mit Worten. Es dauerte sogar noch länger bis ich für diese Umstände dankbar sein konnte, und nochmals ein Jahr, bis ich aus dem dunklen Tunnel kam. Ich gebe Gott die Ehre für das Geschehene. Ich hätte diese Zeit niemals durch meine eigene Kraft durchgestanden. Die Bibelstellen zeigten mir so klar, dass ich Anderen vergeben musste, bevor Er mir vergeben konnte. Dies zwang mich dazu, diese Vergebung zu suchen, im Wissen, dass ich keinesfalls perfekt bin, sondern ein Sünder. Das Verlangen, eines Tages für ewig bei Ihm zu sein, legte Gott mir aufs Herz, und so half Er mir durch diese furchtbare Schlacht! Ich liebe Ihn zutiefst und heute bin ich Ihm näher als jemals zuvor. Er ist ein liebender, verständnisvoller und helfender Vater und Freund!

Vor ungefähr einem Monat führte unsere weltweite Gemeinde ein Fasten durch. In dieser Zeit nahm Er die Schwere von mir, welche durch Satans Anklagen verursacht wurde (Gedanken wie: “Du hast Ted in dieses Haus gebracht, weil Du ihn nicht mehr pflegen wolltest”, oder Erinnerungen wie ich zum Doktor sagte: “Es ist genug, lasst ihn gehen”).

Ich preise Gott von ganzem Herzen für Seine Liebe und Fürsorge.

Als ich dieses Zeugnis 2014 aufschrieb, war das alles drei Jahre her. Heute kann ich sagen, dass Gottes Zeitplanung perfekt ist (auch wenn wir das oft nicht verstehen). Denn danach gab Er mir ein wunderbares Geschenk; einen wunderbaren Mann, der an meiner Seite ist. Nach all den Jahren des Kämpfens ist dies der größte Segen! Wenn Ted noch am Leben wäre hätte ich aufgrund fehlender Zeit und Kraft niemals diesen Schritt getan, einen Ehemann zu suchen.

Ganz herzlichen Dank, Jesus! Das Leben ist so schön und ein grosses Geschenk!

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