Lutherbibel Teil 2

2. Warum bevorzugt ihr die Lu 1545 gegenüber modernen Übersetzungen wie z.B. der 1984er?

ANTWORT:

Wir sind nicht ausschließlich auf die 1545er Lutherbibel fixiert, sondern verwenden auch andere Bibeln, insbesondere zum tieferen Studium und zwecks Klärung schwieriger Abschnitte. Wir glauben jedoch fest, dass die 1545er Version die BESTE deutschsprachige Übersetzung ist und die modernen Bibelversionen bei weitem übertrifft.

In Anlehnung an einen Beitrag von Rudolf Ebertshäuser werden wir im folgenden die 1545er Version hinsichtlich ihrer Textgrundlagen, ihrer Entstehungsgeschichte und ihrer theologischen Aussagen untersuchen.

  1. Die Lutherbibel von 1545 beruht auf höherwertigen Texten
  2. Die Lutherbibel von 1545 ist ein sprachliches Meisterwerk
  3. Die Lutherbibel von 1545 ist theologisch unverfälscht

1. Die Lutherbibel von 1545 beruht auf höherwertigen Texten

Die Lutherbibel von 1545 beruht auf dem Textus Receptus – dem „angenommenen Text”. Er vereinigt den Strom von Texten, die IHREN URSPRUNG IN ANTIOCHIEN HABEN und daher auch „byzantinische“ Texte genannt werden. Aufgrund der Arbeit von Textforschern im 19. Jahrhundert und begünstigt von der aufkommenden Bibelkritik wurde dieser bisher überlieferte Text zunehmend in Frage gestellt. Die aus der Reformation hervorgegangenen Bibeln wurden nicht mehr nach diesem Grundtext revidiert, sondern nach den von Sprachwissenschaftlern erarbeiteten und zusammengestellten neueren Grundtexten. Seit den Lutherbibeln von 1912 und 1914 gibt es im deutschen Sprachraum nur noch eine verschwindend geringe Anzahl von Bibeln, die auf dem ursprünglichen, eigentlichen evangelischen Grundtext, dem Textus Receptus, basieren. Hierzu gehört die 1998 erschienene revidierte Lutherbibel von 1912 sowie die Neue Luther Bibel aus dem Jahre 2009. Die weitaus meisten neueren Ausgaben, darunter auch die 1984er Version, beruhen jedoch auf den sogenannten „alexandrinischen“ Texten. Warum glauben wir nun, dass die Texte aus Antiochien zuverlässiger sind?

a) Die Lutherbibel von 1545 beruht auf einem höherwertigen hebräischen Alten Testament (AT).

Die Lutherbibel von 1545 hat den hebräischen massoretischen Text zur Grundlage. Die Massoreten waren jüdische Schriftgelehrte und Textkritiker, welche auch Akademien in Tiberius und Babylon gründeten. Um den genauen Text des hebräischen AT zu bewahren, führten sie Vokalpunkte ein, legten Betonungen fest, markierten Einrückungen usw. Sie gingen bei der Abschrift des Textes mit akribischer Genauigkeit vor. Gott gebrauchte gemäß Seinem Wort die Juden, um Sein Wort zu bewahren und unverfälscht weiterzugeben, denn ihnen waren „die Aussprüche Gottes anvertraut worden“ (RÖMER 3:2). Die Lutherbibel von 1545 beruht auf dem Text von Gerson Ben Mosheh – der aufgrund der Arbeit der Massoreten SEHR DICHT AM HEBRÄISCHEN ORIGINAL LIEGT. Luther hat DIESEN TEXT MIT ÄUSSERSTER GEWISSENHAFTIGKEIT ÜBERSETZT.

Die Bearbeiter der 1984er Version kamen hingegen überein, dass dieser Text, der für mehr als 1000 Jahre als das hebräische AT akzeptiert wurde, zu „aktualisieren“ sei. Die textkritische 1984er Lutherbibel räumt der Septuaginta (griechische Übersetzung des AT) denselben Stellenwert ein wie dem hebräischen Text selbst und „korrigiert“ darüber hinaus die Vokalsetzung innerhalb der hebräischen Manuskripte! Die Kritiker MASSEN SICH AN, den hebräischen Text besser zu kennen als jene, die ihn abgeschrieben und bewahrt haben!

b) Die Lutherbibel von 1545 beruht auf einem höherwertigen griechischen Neuen Testament (NT).

Die unrevidierte Lutherbibel aus dem Jahre 1545 hat die „byzantinischen Texte“ der griechischen Manuskripte zur Grundlage. Der Ursprung dieser Texte liegt in ANTIOCHIEN – wo DIE JÜNGER ERSTMALS CHRISTEN GENANNT WURDEN! Das waren die Standardtexte, die die Kirche von ihrer Geburt bis zum Ende des 19. Jahrhunderts benutzte! Die Kirche VERWARF die wenigen korrupten Texte aus dem ägyptischen Alexandria (wo Irrlehrer wie Origenes und viele andere Sektierer wirkten) und hielt sich an die Texte aus Antiochien, von wo aus das Evangelium nach der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. in ganz Kleinasien und dem Rest des Römischen Reichs verbreitet wurde.

Nach Kurt Aland standen uns im Jahre 1967 etwa 5255 griechische Manuskripte zur Verfügung. Wir werden EINEN VERGLEICH anstellen zwischen DER ANZAHL der Manuskripte, die mit den byzantinischen Texten übereinstimmen (auf die sich die Lutherbibel von 1545 gründet) und jener, die auf dem alexandrinischen Text basieren (der ausschließlich für die modernen Fassungen, wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß, verwendet wird):

Von den 88 Papyrusfragmenten beruhen 75 auf dem byzantinischen Text und nur 13 auf dem alexandrinischen.
Von den 258 Majuskeln beruhen 249 auf dem byzantinischen und nur 9 auf dem korrumpierten alexandrinischen Text.
Von den 2764 Minuskeln beruhen 2741 auf dem byzantinischen Text und nur 23 auf dem alexandrinischen!!!
Von den 2143 Lektionarien beruhen 2143 auf dem byzantinischen Text und KEINE auf dem alexandrinischen!
Von den 5255 griechischen Manuskripten beruhen insgesamt 5210 auf dem byzantinischen Text und lediglich 45 auf dem alexandrinischen.

Fürwahr hat Gott verheißen, Sein Wort zu bewahren:

„DIE REDE DES HERRN IST LAUTER wie durchläutert Silber im irdenen Tiegel, BEWÄHRET SIEBENMAL. Du, HERR, wollest sie bewahren und uns BEHÜTEN vor diesem Geschlecht ewiglich“ (PSALM 12:7-8).

Die Tatsache, dass 99% der Texte dem byzantinischen Strom entspringen, macht deutlich, dass Gott Sein Wort bewahrt hat. Wir sollten daher darauf achten, dass unsere Bibeln von dieser Dokumentenquelle aus übersetzt werden (so wie die 1545er Lutherbibel) und nicht von den KORRUMPIERTEN ALEXANDRINISCHEN TEXTEN.

Die zwei Haupttexte aus dem alexandrinischen Lager (der Sinaiticus oder Aleph-Text sowie der Vaticanus oder B-Text) sind in nahezu jeglicher Hinsicht von solch schlechter Qualität, dass sie sich sogar in den Evangelien allein an 3000 Stellen voneinander unterscheiden. Sie bilden keine Einheit, so dass Übersetzer, die diese Texte als Grundlage verwenden (Westcott & Hort) oder auch nur zur Hilfe nehmen (Nestle-Aland), sich AUSSUCHEN KÖNNEN, WELCHE TEXTFASSUNG IHRER „PHILOSOPHIE“ AM EHESTEN ENTSPRICHT.

Scrivner sagt, dass der Codex Aleph „nachlässig geschrieben” wurde, „voll von groben Übertragungsfehlern“ wie z.B. „dem Auslassen ganzer Originalzeilen“. Wenn also Gail Riplinger in ihrer Laiensprache erklärt, dass 60.000 Wörter in den modernen Bibelübersetzungen fehlen, so hat sie vollkommen recht! Der Grund dafür ist, dass die IHNEN ZUGRUNDELIEGENDEN MANUSKRIPTE FEHLERHAFT SIND und dadurch stellenweise ganze Bibelabschnitte entfallen.

Der Codex Vaticanus lässt folgende Abschnitte aus:

1. MOSE 1:1 bis einschließlich 1. MOSE 46:28
PSALM 106-138
MATTHÄUS 16:2-3
Die Briefe des Paulus
HEBRÄER 9:14-23;25
OFFENBARUNG

Darüber hinaus lässt er allein in den Evangelien 237 Wörter, 452 Satzteile und 748 ganze Sätze aus, die in Hunderten von späteren Abschriften übereinstimmen, mit denselben Wörtern an denselben Stellen, denselben Satzteilen an denselben Stellen und denselben Sätzen an denselben Stellen.

Es finden sich zahlreiche Artikel, die dem byzantinischen Text, auf dem die Lutherbibel von 1545 basiert, kritisch gegenüberstehen. Vor allem wird eingewendet, dass die wichtigsten alexandrinischen Texte (Vaticanus & Sinaiticus) die älteren Texte sind. Und dies trifft tatsächlich zu. ÄLTER BEDEUTET JEDOCH NICHT UNBEDINGT GENAUER ODER BESSER. Entscheidend ist, wie viele Generationen eine Handschrift vom Urtext entfernt liegt. So kann z.B. ein Text aus dem 14. Jahrhundert, der viermal abgeschrieben wurde, eine zuverlässigere Wiedergabe des Originals enthalten als ein Text aus dem 2. Jahrhundert, der zehnmal abgeschrieben wurde. Im diesem Fall wäre die Zuverlässigkeit des älteren Manuskripts GERINGER. DAS ALTER AN SICH SAGT SOMIT ÜBERHAUPT NICHTS AUS.

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2. Die Lutherbibel von 1545 ist ein sprachliches Meisterwerk

Luther war nicht der erste, doch mit Abstand DER GRÖSSTE ÜBERSETZER DER DEUTSCHEN BIBEL. Seine Fassung war von Anfang bis Ende ein Werk der Liebe und des Enthusiasmus, gegenüber dem alle früheren Versionen verblassten. Während Verleger und Drucker ein Vermögen machten, hat Luther für das größte Werk seines Lebens nie einen Pfennig bekommen.

In seiner Arbeit „History of the Christian Church“ (Geschichte der christlichen Kirche) beschreibt Philip Schaff die außergewöhnliche Gabenkombination, mit der der Bibelübersetzer Luther begnadet war: Vertrautheit mit den Originalsprachen, perfekte Beherrschung der Dialekte, Glauben an das offenbarte Wort Gottes, Enthusiasmus für das Evangelium sowie die Salbung des Heiligen Geistes. Schaffs Hebräisch- und Griechischkenntnisse waren eher durchschnittlich, jedoch fundiert genug, um ihm ein unabhängiges Urteil zu erlauben.

In der Anwendung der deutschen Sprache war Luther konkurrenzlos. Er gab dem modernen Hochdeutsch Form und Gestalt und verband die offizielle Sprache der Regierung mit der des gemeinen Volkes. Er lauschte der Mutter zu Hause, den Kindern auf der Straße, den Männern und Frauen auf dem Markt, dem Metzger und verschiedenen Kaufleuten zu, und „schaute ihnen aufs Maul“, um so die verständlichsten und volkstümlichsten Begriffe zu erheischen. Die klaren, volkstümlichen Worte und zugleich die eindrückliche Tiefe seiner Übersetzung waren wegweisend auch für die Herausbildung einer deutschen Schriftsprache, die in allen Teilen des Reiches übernommen wurde.” Seine natürliche Begabung für Dichtung und Musik ermöglichte es ihm, den Rhythmus und die Melodie, den Parallelismus und die Symmetrie von hebräischer Dichtkunst und Prosa wiederzugeben. Seine höchste Qualifikation bildete sein intuitives geistiges Verständnis der Bibelinhalte. Eine gute Übersetzung, sagte er, erfordert ein „wahrhaft frommes, treues, fleißiges, christliches, gelehrtes, erfahrenes und geübtes Herz.“

Luther gründete im Laufe seiner Arbeit das sogenannte „Collegium Biblieum“, zu dem sich seine Kollegen Melanchthon, Bugenhagen, Cruciger, Justus Jonas und Aurogallus einmal wöchentlich zusammenfanden. Gelegentlich waren auch Gelehrte aus dem Ausland zugegen, und jüdische Rabbis wurden ungehindert konsultiert. Jedes Mitglied der Gesellschaft trug aufgrund seiner speziellen Kenntnis und Vorbereitung zu dem Werk bei. Melanchthon brachte die griechische Bibel mit sich, Cruciger die hebräische und chaldäische, Bugenhagen die Vulgata und andere die alten Kommentatoren. Neben der hebräischen Version hatte Luther stets die lateinischen und deutschen Fassungen bei sich. Manchmal meisterten sie in vier Tagen kaum mehr als drei Zeilen aus dem Buch Hiob und jagten für zwei, drei, ja gar vier Wochen einem einzigen Wort hinterher. Es existiert kein Bericht über die Erörterungen dieser bemerkenswerten Gesellschaft, doch Mathesius sagt, dass „wunderbare, instruktive Reden gehalten wurden“.

Die erste sogenannte „Gesamtbibel“ erschien im Jahre 1534. Luther hörte niemals auf, an seiner Übersetzung zu arbeiten. Neben der Korrektur von Fehlern verbesserte er die z.T. ungehobelte und verwirrende Orthographie, überprüfte die Flexionen, reinigte das Vokabular von obskuren und missverständlichen Begriffen und machte das ganze symmetrischer und melodischer. Es erschienen fünf Ausgaben seiner Bibel, die letzte im Jahre 1545, ein Jahr vor seinem Tod.

Aus dem Geist der Bibel heraus entstanden, ist die Übersetzung Martin Luthers ein Meisterwerk in Sprache und innerer Kraft. So wie die King James Bible als der erste englische Klassiker gilt, stellt die reformatorische Bibel Luthers den ersten deutschen Klassiker dar, deren Standard bis heute von keiner der modernen Fassungen erreicht wird.

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3. Die Lutherbibel von 1545 ist theologisch unverfälscht

Ein Argument zur Verteidigung der modernen Bibelausgaben ist, dass die in ihnen vorgenommenen Änderungen keine wichtigen Lehrpunkte beträfen. Viele Aufsätze erklären, die Änderungen seien unwesentlich, und man würde mit Hilfe von besseren Übersetzungstechniken lediglich die Sprache und Redewendungen der älteren Manuskripte modernisieren.

Dies ist jedoch nicht der Fall. Nachfolgend seien nur einige der in modernen Bibelfassungen vorgenommenen Änderungen erwähnt, die sehr erheblich sind und SEHR WOHL DIE THEOLOGIE AND LEHRE BEEINFLUSSEN. Auf diesem Gebiet hat besonders Gail Riplinger mit ihrem bereits erwähnten Buch sehr gute und detaillierte Arbeit geleistet. Dr. Jack Moorman hat 356 jener Lehrabschnitte zusammengestellt, die entsprechend der Aleph- und B-Manuskripte aus Alexandrien – der „Höhle der Ketzerei“ – geändert wurden.

Die Änderungen sind gravierend: die GOTTHEIT CHRISTI – Anfechtung der Dreieinigkeitslehre; Verleugnung des RECHTMÄSSIGEN PLATZES DES MENSCHENSOHNES IM HIMMEL; Glaube an Jesus als BEDINGUNG FÜR EWIGES LEBEN entfernt; Gebet zum Vater im Namen des Sohnes in Frage gestellt; Bezugnahmen zum RICHTERSTUHL CHRISTI entfernt; DAS WUNDER DER FLEISCHWERDUNG DES SOHNES in bestimmten Versen ausgelassen; BEZUGNAHMEN ZUR HÖLLE entfernt; und Bezugnahmen zum BLUT JESU entfernt usw.

Hier sind drei Beispiele. Wie bereits erwähnt gibt es über 350 solcher Fälle, die zitiert werden könnten:

Beispiel 1

1545 - „An welchem wir haben die Erlösung DURCH SEIN BLUT, nämlich die Vergebung der Sünden“ KOLOSSER 1:14.

1984 - „In dem wir die Erlösung haben, nämlich die Vergebung der Sünden“ KOLOSSER 1:14.

Die Bezugnahme zum BLUT JESU wurde ENTFERNT!! Eine interessante Randbemerkung: wenn man die 1984er Version liest, kann man keine der klassischen Hymnen mehr singen mit Texten wie „rein durch das Blut“, da all diese Satzteile entfernt wurden! Für den Leser der 1984er Lutherbibel gibt es leider kein „Seliges Wissen“ oder „Kraft in dem Blut“ mehr.

Beispiel 2

1545 - „Und erkannte sie nicht, bis sie ihren ERSTEN Sohn gebar, und hieß seinen Namen Jesus“ MATTHÄUS 1:25.

1984 - „Und er berührte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus“ MATTHÄUS 1:25.

Die 1984er Version lässt „ersten“ aus und STELLT DAMIT DIE JUNGFRAUENGEBURT IN FRAGE!

Beispiel 3

1545 - „Wir werden alle vor dem Richterstuhl Christi dargestellt werden... So wird nun ein jeglicher für sich selbst Gott Rechenschaft geben“ RÖMER 14:10,12.

1984 - „Wir werden alle vor den Richterstuhl Gottes gestellt werden... So wird nun jeder von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben“ RÖMER 14:10,12.

In der Lutherbibel von 1545 werden alle VOR CHRISTUS STEHEN und Gott Rechenschaft geben; CHRISTUS WIRD DEMNACH GOTT GENANNT. Die 1984er Bibel ändert „Christus“ in Vers 10 in „Gott“; V. 12 wird damit nur zur Wiederholung von V. 10, anstatt zu bestätigen, dass die Person der Gottheit, die das Recht zum Gericht hat, Christus ist.

WEITERFÜHRENDE LITERATUR:

Ebertshäuser, Rudolf: Der überlieferte Text des Neuen Testaments und die heutigen Bibelübersetzungen. - 2003

Schaff, Philip: History of the Christian Church. - 1910

Riplinger, Gail: New Age Bible Versions.

„DAS WORT IST WOHL GELÄUTERT, UND DEIN KNECHT HAT ES LIEB“ PSALM 119:140.

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