Zeit ist Geld

Zeitdisziplin im Leben des Christen

Zwei der ersten deutschen Sprichwörter, die ich in der Sprachschule auf Schloß Hurlach lernte, waren „Zeit ist Geld” und „Übung macht den Meister”. Die beiden sind eng miteinander verbunden. Wenn wir uns in der richtigen Zeiteinteilung üben, werden wir wirklichen "geistlichen" Reichtum finden.

Ein kostbares Geschenk

Für den Christen ist Zeit ein wichtiges und kostbares Geschenk Gottes, für das er Rechenschaft ablegen muß. Sie kann vergeudet werden oder verlorengehen und nie wieder zurückgewonnen werden. Wenn sie vollmächtig im Dienst für Gott genutzt wird, kann sie in Ewigkeitswert umgewandelt werden.

Wir lesen in der Heiligen Schrift: „und kaufet die Zeit aus ...” (EPHESER 5:16), aber wir sind uns schmerzlich bewußt, daß dies genau das ist, was wir nicht getan haben. Viele von uns haben „Schuldgefühle” wegen des Gebrauchs unserer Zeit, denn die Jünger unseres Herrn Jesus Christus kämpfen alle einen fortwährenden Kampf gegen die undisziplinierte Verwendung von Zeit. Die Frage ist: Wie können wir in dieser Disziplin Sieg erfahren?

Plane deine Zeit

Jesus sagte: "Darum sorget nicht für den andern Morgen, denn der morgende Tag wird für das Seine sorgen ..." (MATTHÄUS 6:34). Ein Tag besteht aus 24 Stunden. Wenn du 8 Stunden für Schlaf, 8 Stunden für Arbeit und 4 Stunden für Essen, Einkaufen, Fahrweg usw. rechnest, bleiben immer noch 4 Stunden. Die wesentliche Frage ist, was in diesen 4 Stunden geschieht. Wie werden sie genutzt? Der Unterschied zwischen dem einen und dem anderen Jünger wird daran erkannt, wie diese 4 Stunden genutzt werden. Gebrauchst du sie für Gott, für deine Familie, für Beziehungen und Gemeinschaft oder nur zum Zeitvertreib?

Als nächstes frage dich: Gibt es irgendwelche Aufgaben, die ich anderen übertragen kann? Kluge Männer und Frauen wissen, daß sie nicht alles selbst tun können. Du kannst Zeit sparen, indem du jemandem anderen erlaubst, dir zu helfen. Diese Person kann die Aufgabe möglicherweise sogar besser tun als du (2. MOSE 18:13-27). Erleichtere deine Zeitlast, indem du anderen erlaubst, dir zu helfen.

Ein gutes Rezept

Vor Jahren lernte ich als Student einer neuseeländischen Bibelschule ein gutes Rezept zum Gebrauch der Zeit:

1. Stopfe undichte Stellen: Achte auf die kleinen Zeitabschnitte. Teile deinen Tag in „Zeitblöcke” und nutze die 5 Minuten freier Zeit: Fang einen Brief an, plane, etwas zu lesen, bereite dich zum Lobpreis vor, bete, arbeite.

2. Sei auf Prioritäten bedacht: Du wirst immer mehr Dinge zu tun haben, als du Zeit dafür hast. Deshalb liste sorgfältig deine Prioritäten auf: Stelle fest, was

  1. wichtig,
  2. dringend ist.

Aber beachte: Wir alle neigen dazu, mehr auf das Dringende und nicht genug auf das Wichtige zu schauen.

Viele von uns vergeuden Zeit mit unwichtigen Dingen. Wir tun das, was wir gerne tun. Wir müssen unseren Tag überdenken und prüfen, was die wichtigsten Punkte sind, die zuerst erledigt werden müssen. Tu das zuerst, was du am liebsten zuletzt tun würdest, und bring das zum Ende, was du angefangen hast: "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen." Dinge von zweitrangiger Wichtigkeit können später getan werden.

3. Fange an zu planen: Ein „täglicher Zeitplan” ist wesentlich, um einen Tag richtig zu verwenden. Wie machen wir das?

Liste alle Aktivitäten auf

Bete zuerst für Gottes Weisheit und Führung. Dann schreibe alles, was du an diesem Tag zu tun hast, wie es dir in den Sinn kommt, auf eine „Kontrolliste”:

  • Verabredungen
  • Regelmäßige, tägliche Verpflichtungen
  • Liegengebliebenes vom vorherigen Tag
  • Erforderliche Arbeit, die getan werden muß und Aufmerksamkeit beansprucht
  • Briefe, die geschrieben werden müssen
  • Finanzielle Angelegenheiten
  • Versammlungen
  • Vorbereitung
  • Waschen - Saubermachen - Aufräumen

Es ist wichtig, alles niederzuschreiben.

Nimm dir nicht zuviel an einem Tag vor

Jesus sagte: „... Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe” (MATTHÄUS 6:34). Unser Gott hat uns befohlen, alles ordentlich und mit Freude zu tun: „Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu ...” (PREDIGER 9:10).

„Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des Herrn Jesus und danket Gott, dem Vater, durch ihn” (KOLOSSER 3:17).

„Freuet euch in dem Herrn allewege ...” (PHILIPPER 4:4).

Beachte den „Müdigkeitsfaktor”

Für die meisten von uns sind die Stunden von 8.00 - 12.00 Uhr die besten. Denk an das Sprichwort: „Morgenstund hat Gold im Mund.” Männer und Frauen in der Heiligen Schrift und der Kirchengeschichte, die einen wirksamen Dienst für Gott geleistet haben, wußten um die Wichtigkeit der frühen Morgenstunden. Die Stunden von 13.00 - 15.00 Uhr sind im allgemeinen nicht so effektiv. Andere werden am späten Abend munter und können gut arbeiten, aber die meisten von uns erfahren Müdigkeit und müssen sich entspannen und ausruhen.

Vermeide in deinem Plan Eile und fieberhafte Aktivität

Mach zwischendurch eine Pause. „Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind” (PREDIGER 4:6).

Einige wichtige Dinge

Achte auf Pünktlichkeit

Bist du dir bewußt, daß, wenn du zu spät zu einer Verabredung, einer Versammlung oder einem Anbetungsgottesdienst kommst, du jemandes Zeit stiehlst? Du schuldest ihm und der Versammlung eine Entschuldigung. Es kann viel Zeit für Gott gewonnen werden, wenn wir pünktlich sind und uns an die festgesetzten Zeiten halten. Deshalb strebe danach, pünktlich zu sein. Führe ein Tagebuch - notiere Verabredungen und sei rechtzeitig dort.

Unterbrechungen während unseres Zeitplans

In unseren täglich geplanten Aktivitäten wird es immer Unterbrechungen geben. Sie kommen oft, wenn wir am beschäftigsten sind! Was müssen wir tun? - Stelle zuerst die Dringlichkeit der Unterbrechung fest. Handelt es sich um eine tiefe, wichtige und dringende Notwendigkeit, der sofort begegnet werden muß - oder kann sie warten? Kluge Menschen ruinieren sich ihren Tag nie mit einer Menge unnötiger Unterbrechungen.

Aber sei in jedem Moment bereit, deinen Zeitplan zu brechen, um mit jemandem zu sprechen und anderen zu helfen. Weitaus wichtiger als unsere Zeitplanungssysteme sind „Menschen”. In der Tat sollte das höchste Ziel all unserer Selbstdisziplin sein, Menschen zu helfen.

Wenn ich immer wieder vom Leben Jesu in den vier Evangelien lese, bin ich mehr und mehr beeindruckt von der Art und Weise, in der Jesus stets verfügbar war, sich Männern und Frauen in Not hinzugeben. Ob Nikodemus in der Nacht oder die Frau am Brunnen in der heißen Mittagssonne oder Zachäus im Vorbeigehen: Jesus schenkte jedem einzelnen persönlich Seine Zeit und Aufmerksamkeit. Sei deshalb nicht gesetzlich im Hinblick auf den Gebrauch deiner Zeit, sondern sei offen für den Geist Gottes, dich zu leiten. Denk daran, daß manche sogenannten Unterbrechungen vom Himmel gesandte Gelegenheiten sind, dem Herrn zu dienen.

Der Stellenwert des Willens ist beim effektiven Gebrauch unserer Zeit wesentlich

Der rechte Gebrauch unserer Zeit liegt in unseren eigenen Händen. Als erstes muß es ein wirkliches Verlangen auf unserer Seite geben, „das Beste aus unserer Zeit zu machen”. Wir treffen unsere eigenen, freiwilligen Entscheidungen, aber der Heilige Geist ist derjenige, der uns zu unseren Taten anregt und uns darin bestärkt. Der Heilige Geist wirkt durch Glauben, Gehorsam und Tat im Leben des Gläubigen. Der Apostel Paulus drückte es auf diese Weise aus: „Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, zu seinem Wohlgefallen” (PHILIPPER 2:13).

Das Geheimnis ist, den Herrn wegen der täglichen Verwendung unserer Zeit zu suchen. Wenn wir unsere täglichen 24 Stunden zu Seiner Ehre leben wollen, dann müssen wir Sein Angesicht suchen (SPRÜCHE 8:34). Wir müssen in Seine heilige Zeitdisziplin eintreten, damit unsere Tage und Jahre und die uns zugeteilte Zeit auf dieser Erde wirksam und zielbewußt zu Seiner Ehre gelebt werden. Denke nicht an das, was du mit deiner Zeit tun kannst, sondern was Gott in dir und durch dich in der Kraft Seines Heiligen Geistes tun kann. Gib Gott deine Zeit und laß Ihn deine tägliche Arbeit offenbaren, „... denn des Weisen Herz weiß um Zeit und Gericht” (PREDIGER 8:5).

Plane Zeit für Entspannung und Erholung ein

Viele Fehlschläge in der Arbeit, der Gesundheit und im Geist sind daraus entstanden, daß es keine disziplinierten Zeiten der Ruhe im täglichen Leben des Jüngers gab. Unser Gott und Vater hat bei der Schöpfung einen von sieben Tagen zur Ruhe beiseite gesetzt. Unser Herr Jesus sagte zu Seinen Jüngern: „Geht ihr allein an eine einsame Stätte und ruhet ein wenig ...” (MARKUS 6:31). Stelle deshalb sicher, daß dein Tag eine Zeit der Ruhe und Stille enthält.

Don A. Kirkby

aus: der Auftrag 7/83