Wie Spurgeon Christum fand

Geschrieben von ihm selbst.

Zweimal geboren:

Zuerst in Helkvedon, Essex, Eng., 19.Juni 1834

Das zweite Mal in Colchester,
1849

Charles SpurgeonStarb
einmal

indem er in Jesus verschlief zu Mentone, Frankreich,
31. Jan. 1892

Sein Leib ruht in London seit
11. Feb. 1892

Charles Hadden Spurgeon

Ich befand mich als junger Mann fünf Jahre lang in der schrecklichsten Geistesstimmung. Wenn irgendein menschliches Wesen mehr Furcht vor Gottes Gesetz gehabt hat, so kann ich ihn aufrichtig bemitleiden und mit ihm sympathisieren. Bunyans "Grace Abounding" enthält im wesentlichen meine Geschichte. Einige Abgründe, in die er geraten, habe ich nie betreten; aber einige, in die ich mich gestürzt, scheint er nie kennen gelernt zu haben.

Ich glaubte, die Sonne sei an meinem Himmel verlöscht – daß ich so gegen Gott gesündigt, daß für mich keine Hoffnung mehr vorhanden. Ich betete - Gott weiß wie ich gebetet; aber nicht der Schimmer einer Antwort wurde mir zu Teil, wie ich annahm. Ich durchforschte Gottes Wort, und die darin gemachten Versprechungen erschienen mir erschreckender noch als die Drohungen. Ich las über die Privilegien der Kinder Gottes, aber mit der Überzeugung, daß viele nicht für mich seien. Das Geheimnis meiner Traurigkeit war dies: Ich kannte das Evangelium nicht. Ich befand mich in einem christlichen Lande, ich hatte christliche Eltern, verstand aber nicht ganz die Freiheit und Einfachheit des Evangeliums.

Ich ging zu allen Plätzen in der Stadt, in welcher ich wohnte, wo Gottesdienst gehalten wurde, aber ich bin der festen Meinung, daß ich das Evangelium nicht ganz und voll gepredigt gehört. Ich klage indessen niemanden darüber an. Ein Geistlicher predigte über die göttliche Herrschaft. Ich hörte ihm mit Vergnügen zu; aber was half dies dem armen Sünder, welcher zu wissen wünschte, was er tun müsse, um gerettet zu werden? Ein anderer guter Mann predigte fortwährend über das Gesetz: aber was nützte es, beständig den Grund zu pflügen, der besät hätte werden sollen? Ein anderer war ein großer praktischer Prediger. Ich hörte ihn, aber er kam mir vor wie ein General, der die Kriegsmanöver Leuten lehrte, die keine Füße hatten. Was konnte ich thun? Alle diese Predigten waren an mir verloren. Ich wußte es stand geschrieben: "Glaube an den Herrn Jesus Christus und Du wirst gerettet werden", aber ich wußte nicht, was es meinte, in Christum zu glauben.

Ich glaube manchesmal, daß ich mich heute noch in Nacht und Verzweiflung befinden würde, wäre es nicht für die Güte Gottes gewesen, der eines Sonntags Morgens, als ich auf dem Wege zur Kirche war, einen Schneesturm sandte. Als ich nicht weiter gehen konnte, bog ich in eine Seitenstraße und gelangte an eine Kapelle der Primitiven Methodischen. In dieser befanden sich vielleicht ein Dutzend oder fünfzehn Personen. Der Prediger war an dem Morgen nicht erschienen, wahrscheinlich eingeschneit. Ein armer Mann, ein Schuhmacher, ein Schneider, oder etwas derartiges, begab sich auf die Kanzel, um zu predigen.

Nun, es ist sicher gut, daß Prediger gelehrt sein sollen, aber dieser Mann war wirklich stupide, wie Ihr vielleicht gesagt haben würdet. Er mußte sich an seinen Text halten, aus dem einfachen Grunde, weil er nichts anders zu sagen hatte. Der Text war: "Schaut auf mich und ihr werdet erlöst, alle Winkel der Erde." Er sprach selbst die Worte nicht einmal richtig aus, aber das machte nichts.

Es schien mir, als ob in dem Texte ein Schimmer von Hoffnung für mich sich befand. Er begann so: "Meine Freunde, dieser Text ist in der Tat sehr einfach. Es heißet "seht". Nun das bedarf keiner großen Anstrengung. Es ist nicht nötig, auch nur den Fuß oder die Hand zu rühren, nur einfach "seht". Ein Mann braucht nicht auf die hohe Schule zu gehen, um das zu lernen. Man kann der größte Dummkopf sein und doch sehen können. Ein Mann braucht nicht reich zu sein, um sehen zu können. Jeder kann sehen. Ein Kind kann sehen. Aber das ist, was der Text sagt. Dann sagt er: "Seht auf mich." "Ja", sagte er in seinem breiten Essex-Dialekt, "viele von Euch sehen sich selbst. Das ist unnütz. Dort findet ihr nichts Tröstliches. Einige schauen auf Gott, den Vater. Nein, seht auf Ihn später. Jesus Christus sagt: "Seht auf Mich." Einige von euch antworten: "Ich muß das Kommen des Geistes abwarten." Aber nicht so. Seht auf Jesus Christus. Es heißt: "Seht auf Mich."

Der gute Mann ging dann weiter mit seinem Texte in dieser Weise: "Seht auf Mich, ich schwitze große Tropfen Blutes. Seht auf Mich, ich hänge am Kreuze. Seht! Ich bin tot und begraben. Seht auf Mich, ich bin auferstanden. Seht auf Mich, Ich fahre gen Himmel, ich sitze zur Rechten des Vaters; Oh, seht auf Mich! Seht auf Mich!"

Als er bis hierher gekommen und ungefähr 10 Minuten dazu gebraucht hatte, schien er am Ende seines Wissens angekommen. Dann erblickte er mich unter der Galerie und erkannte mich, wahrscheinlich bei so wenigen Anwesenden, als einen Fremden. Er sagte hierauf: "Junger Mann, Ihr seht elend aus." Das tat ich ja auch wohl, war aber nicht daran gewöhnt, daß man mein Aussehen zum Gegenstande der Bemerkungen von der Kanzel aus gemacht. Indessen es war ein Pfeil, der saß. Er fuhr fort. "Ja, und ihr werdet stets elend sein - elend im Leben und elend im Tode - wenn Ihr meinem Texte nicht gehorchet. Aber wenn ihr folgt, jetzt, so seid Ihr im Augenblicke erlöst."

Dann rief er in einer Weise, wie nur ein Primitiver Methodist kann: "Junger Mann, sieh auf Jesus Christus!" Und ich "sah".

Auf der Stelle war die Wolke verschwunden, die Dunkelheit war vergangen und ich sah die Sonne. Ich hätte aufspringen können im selben Augenblicke und mit dem Enthusiastischsten singen können, von den kostbaren Blute Christi und dem einfachen Glauben, der nur Ihn sieht. Oh, hätte mir Jemand das nur früher gesagt:

Vertraue auf Christus und Du wirst erlöst werden. 

Denn seit den Strom mein Glaube sieht,

Der glücklich mich gemacht,

Da bleibt Erlösungslieb' mein Lied

Und soll für immer sein.

Spurgeons letzte Predigt

Die Schlußworte von Spurgeons letzter Predigt am 7. Juni 1891 sind charakteristisch des Mannes und lauten:

Was ich zuletzt zu sagen habe ist dies. Wie sehr ich wünschte, daß Ihr, die noch nicht zur Armee des Herrn gehört, zu Ihm kommen möget und einsehen lernt, welch' ein gütiger und gnädiger Herr Gott ist. Junger Mann könnest Du unseren Hauptmann sehen, Du würdest auf die Knie fallen und Ihn bitten, Dich in die Reihen derer aufzunehmen, die Ihm folgen. Es ist der Himmel schon, Jesus zu dienen. Ich bin ein Werbe-Sergeant, und ich möchte gern einige Rekruten jetzt finden. Jedermann muß Jemandem dienen: wir haben keine Wahl in dieser Hinsicht. Die, welche keine anderen Herren haben, sind die Sklaven ihres eigenen Selbst. Verlaßt Euch darauf, Ihr müßt entweder Satan oder Christus dienen, entweder Eurem Selbst oder dem Heiland. Ihr werdet finden, daß Sünde, Selbst, Satan und die Welt harte Herren sind, aber wenn Ihr die Uniform Christi tragt, so werdet Ihr Euren Herrn so mild und gütig finden, daß Eure Seele Ruhe finden wird. Er ist der großmüthigste aller Hauptleute. Ihm kommt niemand unter den vornehmsten Prinzen gleich. Ihn findet man stets im dichtesten Gewühl der Schlacht. Wenn der Wind kalt bläst, steht Er auf der schlimmen Seite des Berges. Das schwerste Ende des Kreuzes ruht immer auf Seinen Schultern. Seit vierzig Jahren und mehr habe ich Ihm gedient, gebenedeit sei Sein Name und Nichts als Liebe habe ich von Ihm erfahren. Gerne würde ich noch vierzig Jahre in Seinem Dienste verbringen auf Erden, wäre es Sein Wille. Sein Dienst ist Leben, Friede, Freude. Oh, möchtet Ihr doch in Seinen Dienst treten. Gott helfe Euch, unter das Banner Jesu noch heute zu treten! Amen!

"Gedenket der Worte des Herrn Jesu, da Er sagte:
Geben ist seliger als nehmen."
APOSTELGESCHICHTE 20:35