Wie lange schon sind wir uns unserer Identität bewußt?

Eine Reaktion auf die Entdeckung, daß die keltisch-angelsächsischen Völker der Erde die neuzeitliche Fortsetzung des alten Israel, Gottes Dienervolks sind, ist Neugier. Oft wird gefragt: Wie lange schon ist diese Wahrheit bekannt?

Gott hat durch Seine Propheten offenbart, daß Israel als Nation oder Volk bis zum Endkonflikt in den letzten Tagen des christlichen Glaubens für seine wahre Identität blind sein würde (siehe JESAJA 42 und 43 sowie HESEKIEL 39). Es gibt allerdings einige Hinweise darauf, daß Gott diese faszinierende Wahrheit einigen auserwählten Menschen in jeder Generation offenbarte. Die alten irischen Chroniken zum Beispiel zeugen von der Tatsache, daß viele der früheren Adligen des Landes sich ihrer israelitischen Abstammung bewußt waren. Diese Tatsache scheint Gelehrten in ganz Europa bis mindestens ins 17. Jahrhundert bekannt gewesen zu sein. Vincenzo Galilei – der Vater des berühmten Astronomen – schreibt 1581 über den Ursprung der Harfe in Irland und erwähnt im Zusammenhang mit der irischen Tradition, daß ihre Könige aus der königlichen Linie Davids stammten.

Die Oberhäupter vieler der alten schottischen Clans waren sich ihrer israelitischen Abstammung offensichtlich bewußt. Ihre Nachfahren mußten ihre Unterschrift unter die schottische Unabhängigkeitserklärung von 1320 setzen. Doch der erste einwandfreie schriftliche Beweis für die Tatsache, daß sich auch die frühen Engländer ihrer Abstammung bewußt waren, wurde erst während der Herrschaft von Alfred dem Großen im 9. Jahrhundert gefunden. Das 33. Gesetz des weisen Monarchen lautete für sein Untertanen: "Quält nicht jene, die von weit her kommen, und keine Fremden, denn erinnert euch, daß ihr einst Fremdlinge in Ägypten wart."

England's Bewußtsein für die britische Identifikation mit dem alten Israel scheint in Phasen und Epochen gewachsen zu sein. Der erste Höhepunkt kann während des elisabethanischen Zeitalters verzeichnet werden. Die Königin selbst wurde als "Das Licht Israels" bekannt. Es besteht kein Zweifel daran, daß mit "Israel" England gemeint war, denn als Sir Francis Drake John Fox bat, für das Land und sein Volk zu beten, erklärte er sein Gebet mit den Worten: "Auf daß wir ewigen Frieden in Israel haben mögen."

Die Münzen, die zur Erinnerung an den Sieg über die spanische Armada geprägt wurden, zeigen ebenfalls, daß sich das Volk seiner israelitischen Identität bewußt war. Die Inschrift am Rand lautet: "Er blies, und sie wurden zerstreut" – ein Hinweis auf die noch nie dagewesene Gewalt der Stürme, die die spanische Flotte zerschmetterte und vernichtete. Auf der Rückseite einer anderen Armadamünze erscheint der Name "Gott" in hebräischen Buchstaben.

Der beeindruckendste Beweis für die Tatsache, daß sich die Zeitgenossen Elisabeths ihrer Identität bewußt waren, ist jedoch das "Book of Common Prayer" (Das allgemeine Gebetsbuch). Es wurde von Erzbischof Thomas Cranmer geschrieben, der 1556 als Märtyrer hingerichtet wurde. Die Reihenfolge der Morgenliturgie und Abendgesänge und insbesondere der Versikel und Antworten (kurze Abschnitte der Liturgie) zeigt deutlich, daß sich die Elisabethaner zweifellos darüber klar waren, daß sie Gottes auserwähltes, Ihm dienendes Volk waren und unter Seinem Schutz standen.

Dieses Wissen war im Süden Englands offensichtlich so verbreitet, daß es in einigen gehobenen Kreisen in Frankreich bekannt wurde. Die Zeitschrift "Petit Parisien" berichtete, daß Lelayer, ein französischer Richter, 1590 ein umfangreiches Buch mit dem Titel "Die verlorenen zehn Stämme sind gefunden" veröffentlichte. In diesem Buch beweist er, daß das "verlorene" Israel in den Völkern Britanniens zu finden ist.

Im Jahre 1603 trat James VI. von Schottland die Thronfolge der kinderlosen Elisabeth an und wurde somit James I. von England. Er hatte keinen Zweifel über die Identität der Völker, die er regieren sollte. Er behauptete, daß Gott ihn zum König über Israel gemacht habe. Auf den Jakobus, die Goldmünze seiner Zeit, ließ er auf lateinisch die Prophezeiung schreiben, von der in HESEKIEL 37:22 berichtet wird: "... und will ein einziges Volk aus ihnen machen ..."

James' Bewußtsein von der britischen Identität verwickelte ihn jedoch in Streitereien. Er interpretierte Gottes Segnung des Königshauses von David (2. SAMUEL 7:16) fälschlicherweise als ein göttliches Recht für alle Könige; eine Philosophie, die ihn in ernsthafte Schwierigkeiten mit dem Parlament brachte. Diese Philosophie säte auch den Samen für den englischen Bürgerkrieg, welcher das Königreich teilen sollte und zur Hinrichtung seines Sohnes und Thronfolgers Charles I. im Jahre 1649 führte.

Die falsche Interpretation der Schrift hatte auch einen ungünstigen Einfluß auf die Ansichten der Puritaner. Da sie Fundamentalisten (streng Bibelgläubige) waren, hätten sie sich unter anderen Umständen mit Gottes dienendem Volk identifizieren können. Zur Zeit Oliver Cromwells entstand eine politische Bewegung, die als "The Levellers" (Die Gleichmacher) bekannt wurde. Sie versuchte, die Macht des Lord Protectors (Stellvertreter des Königs) einzuschränken, und man glaubte, daß sie durch die Überzeugung ihrer Führer Everard und Winstanley darin beeinflußt wurde, daß die keltischen und angelsächsischen Völker die Nachkommen des alten Israel seien. Man sollte sich auch ins Gedächtnis rufen, daß die Pilgerväter, die 1620 auf der Mayflower ihre Reise in die Neue Welt antraten, ohne Zweifel das waren, was wir heutzutage als christliche Israeliten bezeichnen würden. In den von ihnen geführten Bordbüchern bezeichneten sie sich selbst als "Samen Abrahams", "Kinder Jakobs" und "ein auserwähltes Volk". Eindeutig die Sprache von Menschen, die wußten, wer sie waren.

Das öffentliche Interesse an diesem Thema schien in Britannien mit dem Ende des Commonwealth nachzulassen. Wir müssen bis zum 18. Jahrhundert auf die nächste Phase von öffentlichem Interesse warten. Währenddessen breitete sich das Interesse an diesem Thema auf dem Kontinent aus, und zwar besonders in den Niederlanden. Dieses Interesse zeigt sich zuerst im Jahr 1671, als ein anonymes holländisches Traktat erschien, in dem darauf hingewiesen wurde, daß das englischsprachige Volk der Nachfahre des zehnstämmigen Israels sein müsse. 1723 wurde "Le Triomphe de la Providence et de la Religion" (Der Sieg der Vorsehung und der Religion) in Amsterdam veröffentlicht. Der Autor Dr. Abbadie behauptete darin, daß die nordeuropäischen Stämme, von denen das englische Volk stammt, die verlorenen zehn Stämme des alten Israel sind.
 

I.K.M. PRINZESSIN ALICE, GRÄFIN VON ATHLONE. Königlicher Patron der British-Israel-World Federation während 60 Jahren ihrer 70jährigen Geschichte.I.K.M. PRINZESSIN ALICE, GRÄFIN VON ATHLONE. Königlicher Patron der British-Israel-World Federation während 60 Jahren ihrer 70-jährigen Geschichte.  Das 19. Jahrhundert sah eine Ära des "Identitätsbewußtseins" von solchem Ausmaß, daß es die satanischen Kräfte des Bösen dazu veranlaßte, eine gnadenlose Gegenbewegung durch Kirche und Staat in Gang zu bringen. Die Gegenbewegung war in der Tat so gnadenlos, daß wir noch heute, gegen Ende des 20. Jahrhunderts, ihren bösartigen Einfluß spüren. Wie dem auch sei, wir kommen vom Thema ab. Mitte des 19. Jahrhunderts war Britanniens wahre Abstammung jedem bekannt – vom Buckingham Palace bis zur kleinsten Hütte des Landes – oder zumindest ahnte jeder etwas davon. Das weitverbreitete Interesse wurde durch das erstaunliche Wachstum des britischen Reiches gefördert, welches Frieden, Wohlstand und ordentliche, menschliche Regierungen für fast ein Viertel der Weltbevölkerung brachte. Unterstützt von der Flotte der Vereinigten Staaten in der westlichen Erdhälfte, bewahrte die königliche Flotte die Freiheit der Meere, indem sie Piratentum und Sklavenhandel beseitigte.
 

Das Ausmaß, in dem sich auch die Kirche der wahren Abstammung Britanniens bewußt wurde, kann durch einen Kommentar von Kardinal John Henry Newman 1801-1890) beurteilt werden. Der ehemalige Vikar von St. Mary, Oxford, wurde 1845 gefragt, warum er die Kirche von England verlassen habe und der römisch-katholischen Kirche beigetreten sei. Er antwortete, daß er über die Schnelligkeit, mit der sich die "Identitätsbewegung" ausbreitete, beunruhigt sei. Er glaube, daß eine drohende Gefahr bestünde, daß die Bewegung "die Kirche Englands einnehmen werde". Mit Sicherheit spielten nur wenige der zu Rom Übergetretenen eine größere Rolle bei der Wiedererrichtung des römischen Katholizismus in England oder in der Anerkennung der falschen Dogmen Roms durch die Kirche Englands. Rückblickend können wir tatsächlich sagen, daß die Arbeit seiner letzten 20 Lebensjahre den Grund legte, auf dem die Kirche Englands schließlich das "Alternative Services Book" (Alternatives Gottesdienstbuch) begründete und ihre Aufmerksamkeit vom Neuen Jerusalem ab und dem päpstlichen Rom zuwendete.
 

Das 19. Jahrhundert war außerdem Zeuge eines völlig neuen Phänomens: Der Gründung von örtlichen Studien-, Diskussions- und Gebetsgruppen durch Identitäts-Christen aller Konfessionen. Diese Gruppen unterschieden sich sehr in ihrer Organisation und ihren Gemeinschaftsaktivitäten. Sie hatten aber ein gemeinsames Interesse: Sie wollten Beweise für ihre Entdeckung liefern, daß ihr Land zusammen mit den Staaten im britischen Staatenbund und den Vereinigten Staaten den Hauptteil der modernen Fortsetzung des alttestamentlichen auserwählten Volkes bildete, welchem Gott versprochen hat, es zu schützen, damit es ein lebendiges Beispiel für den willigen Gehorsam gegenüber Seinen Gesetzen sei. Die Identitäts-Gruppen unterschieden sich auch stark in ihrer Größe und ihrem Einfluß. Einige wurden tatsächlich so groß und einflußreich, daß sie Zeitungen herausgaben und öffentliche Treffen veranstalteten.

Als ihre Aktivitäten anfingen, öffentliches Interesse zu erregen, wurde ihnen klar, wie sie ihr Zeugnis verbessern konnten: Den einzelnen Gruppen fehlte es an Zusammenhalt und an einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis, das auf der Erforschung der Bibel gegründet war. Sie sahen ein, daß es zweifellos von Vorteil wäre, sich zusammenzuschließen und ihre intellektuellen, materiellen und menschlichen Mittel zusammenzulegen.

1919 schlossen sich die verschiedenen örtlichen Israel-Identitätsgruppen zusammen oder verbündeten sich und bildeten eine nationale Bewegung, die die verschiedenen christlichen Gruppierungen miteinbezog.

Die Vereinigung zog große geistliche Führer, wortgewandte Redner und gelehrte Wissenschaftler an, die ihr Bestes gaben. Sie erwies sich als eine einflußreiche Kraft im religiösen Leben der Nation. Zweigstellen bildeten sich in jedem dichtbesiedelten Teil des Vereinigten Königreiches. Diese wurden von Tausenden von treuen Christen jeder christlichen Gruppierung unterstützt. Die offizielle Zeitung der Vereinigung "The National Message" (Die nationale Botschaft) erreichte eine Auflage von fast 100.000 Stück.

Dies war nicht nur eine wirklich ökumenische Bewegung von immensem Ausmaß und Einfluß (im ursprünglichen Sinn heißt das: allgemeines Zusammenwirken der nichtkatholischen Christen), sondern auch ein leichtes Ziel für die Kräfte des Bösen. Rückblickend ist es unschwer zu erkennen, warum die Bewegung ein so leichtes Ziel für Satan und seine Untertanen wurde. Die Väter der Vereinigung waren Christen mit viel Verstand und geistlichen Visionen, aber sie erkannten nicht, daß ihre Bewegung vom ersten Augenblick an rücksichtslos angegriffen werden würde. Jeder Teil der Organisation hätte unter diesem Blickwinkel betrachtet werden müssen. Ohne einen Gedanken an einen möglichen gegnerischen Mißbrauch zu verschwenden, wurde der Titel "British-Israel-World Federation" (Britisch-Israel Weltvereinigung) begeistert angenommen. Einige Mitglieder fingen an, sich als britische Israeliten zu bezeichnen.

Für Satans Untertanen war es leicht, die Vereinigung als eine Ansammlung von politisch-religiösen Verrückten zu verleumden, die die Bibel falsch interpretierten, um das britisch-patriotische Machtstreben zu rechtfertigen. Die Religionsabgeordneten, die bis dahin von der wachsenden Oxford-Bewegung beeinflußt worden waren, verdammten plötzlich "Britisches Israelitentum" (wie sie es nannten), genauso wie die meisten Intellektuellen und die politische Linke.

Das öffentliche Interesse an unserer Bewegung sank dramatisch. Während des Zweiten Weltkrieges gab es ein beträchtliches Aufleben der Aufmerksamkeit, als die Massen zu öffentlichen Versammlungen strömten und unsere Botschaft in den höchsten politischen Kreisen gut aufgenommen wurde. Aber mit dem Kriegsende hatte sich der Abwärtstrend erneuert, und zu viele unserer örtlichen Treffen wurden bloß noch von den "treuen Bekehrten" besucht. Bedeutsam ist trotzdem, daß sich scheinbar ein verborgenes Wissen unter den Leuten erhalten hat – der Same des zukünftigen neuen Wachstums.

1989 hat der Abschwung nicht nur gestoppt; es gibt jetzt eine stetige Zunahme des Interesses. Unter dem Einfluß einer Gruppe christlicher Israeliten, erfahren in Staatsangelegenheiten, werden die Anhänger Satans kräftig herausgefordert, und die Botschaft der Schrift wird in Zeiten der großen Weltereignisse am Ende der Geschichtsschreibung ausgelegt.

Wir glauben jetzt, daß dieses immer mehr wachsende öffentliche Interesse und die Unterstützung sich vertiefen und ausbreiten wird, bis unser Herr und Retter, Jesus Christus, bei Seiner Rückkehr in ganz Israel "ein vorbereitetes Volk" vorfinden wird.

Reginald H. W. Cox

Quelle: WAKE UP! Juli/August 1989