Wer ist der Herr über unsere Städte

Das Nürnberger Parteitagsgebäude - eine der großen heidnischen Tempelanlagen? Kilometerlange Marschkolonnen huldigen dem "Führer" und feiern die Herrschaft einer christusfeindlichen Ideologie.    Das Nürnberger Parteitagsgebäude - eine der großen heidnischen Tempelanlagen? Kilometerlange Marschkolonnen huldigen dem "Führer" und feiern die Herrschaft einer christusfeindlichen Ideologie.

Interview mit Siegfried Fritsch
 

Um eine Sicht für die geistliche Situation unserer Städte zu entwickeln, müssen wir ihre Vergangenheit kennen. Dabei geht es jeweils auch um konkrete Schuld und um unsichtbare Mächte und Gewalten. Das folgende Interview soll dazu dienen, unseren Blick für die geistlichen Zusammenhänge in der Geschichte von Städten zu schärfen. Dr. Siegfried Fritsch, von Beruf Diplomkaufmann, ist Ältester einer evangelischen Freikirche in Berlin. Mit ihm sprach Swen Schönheit.

Siegfried, du hast dich in den letzten Jahren intensiv mit der Geschichte Deutschlands befaßt und vor allem mit den geistlichen Strömungen, durch die unsere jüngste Vergangenheit geprägt wurde. Das ist ja auch Thema deines neuen Buches "Der Geist über Deutschland", das im Sommer erscheinen soll. Mit welchem Ziel hast du diese umfangreiche Untersuchung geschrieben?

Zunächst einmal ist es so, daß wir über die Schuld der Vergangenheit mit unseren Eltern und unserer Nation verbunden sind. Wenn wir in unserem Land einen tiefen geistlichen Fortschritt erreichen wollen, ist es nötig, aufgrund von 2. MOSE 20 - Abgötterei wird gestraft "bis ins 3. und 4. Glied" - Fürbitte zu tun für Dinge, die vor unserer Geburt geschehen sind. Wir denken dabei anläßlich des 8. Mai besonders an das "Dritte Reich". Ziel meines Buches ist es, die Hintergründe des "Dritten Reiches" darzulegen; zu zeigen, wie der Feind hier über Jahrhunderte unser Volk verführte, um diesem Terrorsystem den Weg zu ebnen.

Kannst du kurz einige Linien skizzieren, die zu dieser dunkelsten Zeit unserer Geschichte führten? Wo finden sich die geistlichen Wurzeln?

Ich kann das hier nur andeuten. Wichtige Linien, die zum "Dritten Reich" führen, zeichnen sich bereits bei den Hohenzollern ab, die über 500 Jahre hinweg Teile der deutschen Geschichte prägten und vor allem in Nürnberg und Berlin ansässig waren. Während einige von ihnen nach weltlichen Kriterien durchaus positiv und aufbauend wirkten, zeigt sich bei genauerer Analyse doch ein unterschwellig antigöttlicher Geist. So finden sich bei den meisten Hohenzollern Verbindungen zum Aberglauben, Alchemie, Astrologie und Spiritismus.

Consecration of cities - Hitler consecrated the standards of the cities by touching them with the 'Blood Flag' from the November riot. A 'ritual offering'.Städteweihe: Hitler weihte die Standarten der Städte, indem er sie mit der Blutfahne vom November-Putsch berührte. Ein "Opferritual" ... Auf kulturellem Gebiet muß auch Goethes "Faust" erwähnt werden, der zwar zu einem Inbegriff deutscher Bildung wurde, aber magisches Gedankengut an Generationen von Schülern herantrug. So wurde durch Schule, Universität und Theater der Pakt mit der Finsternis gesellschaftsfähig gemacht. Ferner nenne ich den Namen Richard Wagner, aus dessen Werken Hitler entscheidende Inspirationen für die Idee des Nationalsozialismus empfing. Im Bereich der Philosophie wäre an Nietzsches Vorstellung vom "Übermenschen" zu erinnern, die in Hitlers Rassenideologie wieder auftaucht. Aber das sind nur einige von vielen Linien. Dazu kommt noch der versteckte, manchmal auch ganz offene Antisemitismus in der Theologiegeschichte.

Für unsere Leser wäre es interessant zu hören, von welchen deutschen Städten die wichtigsten geistlichen Weichenstellungen zur Zeit des "Dritten Reiches" ausgingen?

Hierzu muß ich kurz ausholen. In einem Volk entfaltet sich geistliche Macht vor allem auf drei Ebenen: Der prophetischen, der königlichen und der priesterlichen Ebene. Da der Nationalsozialismus im Grunde eine heidnische Religion darstellt, ist es nicht verwunderlich, daß Hitler nach und nach alle drei Funktionen ausfüllt. Als falscher Prophet tritt er am Beginn seiner Laufbahn in München auf: Mit lügenhaften, letztlich dämonisch inspirierten Offenbarungen verdreht er den Verstand der Bevölkerung und legt die Zeitgeschichte nach seinem Gutdünken aus. Mit der "Machtergreifung" 1933 glückt der Sprung auf die "königliche" Ebene. Berlin wird zum "Palast", zur Zentrale politischer und militärischer Aktionen.

... mit grauenhaften Folgen: In den Bombardierungen wurden diese Städte tatsächlich als Opfer beansprucht.

Mit den Nürnberger Parteitagen (1933 bis 1938) greift Hitler auch nach der priesterlichen Ebene, und zwar in der Hinsicht, daß er sich "Opfer" darbringen läßt: Menschen, vor allem die Jugend, die aufmarschieren und Sportwettkämpfe durchführen mußte, der Arbeitsdienst, die Wehrmacht, Waffendemonstrationen usw. Kilometerlange Marschkolonnen in Sechserreihen huldigten dem "Führer" wie vor ihm nur Alexander, Cäsar und Napoleon. Auf dem Parteitag 1937 ist ein riesiges Hitlerfoto zu sehen mit dem Untertitel: "Am Anfang war das Wort!" Hitler wird vom Priester zum Gott verklärt. Über Standartenweihen wurden Städte direkt Hitler geweiht. Es gibt einen Parteitag, auf dem 400 Städte geweiht wurden. Hitler ging ein langes Spalier entlang und weihte die Standarten, indem er sie mit der Blutfahne vom November-Putsch berührte. Er nahm diese Städte als lebendiges Opfer an. Das Nürnberger Gelände gehört sicher zu den größten heidnischen Tempelanlagen der Welt.

Diese Städteweihe ist eine wichtige Erklärung für die tatsächlichen Opfer später, daß nämlich vor allem Städte auch von Satan als Opfer beansprucht wurden in den Bombardierungen. Denken wir z.B. an die Zerstörung Dresdens vor 40 Jahren. Es gibt da ein schauriges Bild, das genau diese geistlichen Zusammenhänge noch einmal verdeutlicht: Nach der schweren Bombardierung Dresdens werden die Leichen aufgehäuft, um verbrannt zu werden, und zwar genau vor einem unversehrten Germania-Denkmal ... Hier schließt sich in einer absolut finsteren Meisterschaft dieser Bogen des Verderbens, der Lüge und des Todes.

Eine Antwort auf dieses belastende Erbe soll der "Tag der Versöhnung" sein, der in diesem Jahr am 15. September in Nürnberg stattfindet, genau 50 Jahre nach Erlaß der folgenschweren Nürnberger Gesetze, durch die die Juden zu rechtlosen Bürgern zweiter Klasse wurden.

Wir sehen, daß Gott zurückkehrt an den Ort der Schande, um dort seine Herrlichkeit aufzurichten. Die Idee geht zurück auf Arie Ben Israel, einen an Jesus gläubigen Juden, der seit Monaten Kirchen, christliche Organisationen und Gebetsgruppen anspricht und versucht, sie zu gewinnen, hier in geistlicher Weise der Last der Vergangenheit zu begegnen und Fluch in Segen zu verwandeln, sowohl für die Deutschen als auch für die Juden.

Wir wissen aus der Schrift, daß die schlimmsten Judenverfolgungen immer durch Gesetze eingeleitet wurden: Pharao erließ ein Gesetz, alle männlichen Säuglinge der Juden zu töten. Nebukadnezar befahl per Gesetz, sein Standbild anzubeten. Im Buch Esther versucht Haman, mit einem Gesetz die "Endlösung" der Judenfrage durchzusetzen. In Rom war es Gesetz, den Kaiser als Gott anzubeten. Keines dieser antisemitischen Gesetze, die wir aus der Schrift und Geschichte kennen, hatte jedoch derart grauenhafte Wirkungen wie die Nürnberger Gesetze. Denn sie bereiteten die sogenannte Endlösung vor, die 1942 auf der Wannsee-Konferenz in Berlin beschlossen wurde.

Separation and paralysis of a city: Building the Berlin wall in August 1961.Zerteilung und Lähmung einer Stadt: Bau der Berliner Mauer im August 1961 Wie können wir als Christen mit dem belastenden Erbe der Vergangenheit, wie Du es am Beispiel von München, Nürnberg und Berlin verdeutlicht hast, heute umgehen?

Es geht darum, daß wir uns als Christen beugen, aber in einer Weise, daß wir danach auch wieder aufstehen und weitergehen können. Der gläubige Mensch verbeugt sich vor Gott und sucht durch Buße einen Neuanfang. Wir denken an PSALM 51, wo David über seine Schandtat des Ehebruchs und des Mordes den Herrn sucht und dadurch Vergebung und Freiheit erlangt. Dieses Prinzip wird auch in der bekannten Stelle 2. CHRONIK 7:14 deutlich, wo es um Schuld geht, die man nach menschlichem Ermessen nicht selbst verursacht hat: "Und wenn sich dann mein Volk, über das mein Name genannt ist, demütigt, daß sie beten und mein Angesicht suchen und umkehren von ihren bösen Werken, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und will ihr Land heilen". "Mein Volk", das sind heute die Juden und vor allem die Christen, das wahre Israel.

Bedeutet das konkrete Fürbitte und sozusagen Für-Buße speziell für einzelne Städte?

Nun, wir wissen alle, daß der Kurs eines Landes bestimmt wird von der jeweiligen Hauptstadt. So ist es einleuchtend, daß wir nationale Fürbitte zunächst einmal verstehen als Fürbitte für die Städte, die eben den Kurs des Landes bestimmen. Ich denke, aus 1. TIMOTHEUS 2:1-4 - wir sollen Fürbitte tun "für die Könige und für alle Obrigkeit" - kann ein konkreter Auftrag abgeleitet werden, für Städte zu beten. Schließlich werden im Jahre 2000 etwa 80% aller Menschen in großen Städten wohnen. Eine weitere Aufforderung zur Fürbitte für unsere Städte entnehmen wir JEREMIA 29:7: "Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn ...". Wenn wir die sichtbare Welt verändern wollen, die Lebensumstände, denen wir uns gegenübersehen, haben wir zuerst einmal die unsichtbare Welt zu verändern. Und das geht allein durch gläubiges und biblisch fundiertes Gebet. Im Grunde haben wir hier das beste Mittel der Städtepolitik und der Städtesanierung!

Eine letzte Frage betrifft die alte "Reichshauptstadt" Berlin, die du vorhin erwähntest als politisches Machtzentrum Hitlers. Ist die Teilung Deutschlands und Berlins als Konsequenz unserer Selbstüberhebung anzusehen?

Es ist offensichtlich, daß sich vor allem durch das Hitlerreich die deutsche Nation total von Gott abgewandt hat, obwohl es im Dritten Reich viele Märtyrer gab, viele Menschen, die Hitler ablehnten. Aber wir haben davon auszugehen, daß Gott mit Nationen individuell handelt. In der Bibel spricht Er sie wie Personen an. Und Er beurteilt sie gemäß ihrer Regierung und Gesetzgebung. Die deutsche Nation hatte sich in ihrem effektiven Verhalten total von Gott abgewandt. Diese Abwendung, diese Abspaltung von Gott ist uns jetzt praktisch vor Augen geführt durch die gespaltene Stadt Berlin. Das ist ein Ausfluß göttlichen Gerichtes, eine Lähmung, daß diese geistlich so abgesunkene Stadt zunächst einmal nicht mehr in der Lage ist, Schaden anzurichten. Wir müssen dabei aber auch die Gnade Gottes sehen, denn wir wissen, daß die amerikanische Atombombe vor allem für Berlin gebaut wurde.

Nun, die Spaltung ist ein Aufschub des Gerichtes. Berlin hat dadurch noch eine Chance, sich zu besinnen und sich abzuwenden von dem Traum, Weltmacht zu sein. Wir Deutschen haben dadurch die Möglichkeit, uns wieder dem Herrn zuzuwenden. Nur wenn sich der Geist über Deutschland und in den Deutschen total verändert hat, ist es denkbar, daß der Herr eine derartige Gnade schenkt, daß er diesem Volk noch einmal vereint die Souveränität zurückgibt.

Herzlichen Dank für das Interview.

Quelle: Der Auftrag