Von allen Enden der Welt

Aus „Leite, freundlich Licht...“ (Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „This England“)

George Herbert (1593 - 1633)

Von allen Enden der Welt soll es klingen,
Mein König und Gott!
Zu Dir woll’n wir Lobpreis bringen,
Die Himmel sind nicht zu hoch.
Zu schlecht kann die Erde nicht sein,
Dein Lobpreis mag dort gedeih’n.
Von allen Enden der Welt soll es klingen,
Mein König und Gott!

Das ist ein Liedtext von George Herbert, einem christlichen Dichter und Hymnenschreiber voll selten gefundener Reinheit und Perfektion. Er lebte zur Zeit von King James I, und für eine Reihe von Jahren hat er sich während seiner Jugendzeit offenbar am Königshof herumgetrieben. Zweifellos gab sich George Herbert sehr groβe Mühe, ein Höfling zu werden. Er war deswegen später in der Lage, über die „liederlichen Vergnügen“ eines Lebens zu reflektieren, an denen er nie wirklich teilhatte. In seiner Seele hielt der Kampf zwischen einem Leben im königlichen Gefolge und dem christlichen Dienst an. Einige Freunde sagten ihm, er wäre zu ehrlich für den Hof, und andere, er sollte kein Predigtamt antreten. Mit dem Tod von King James (1625) und zweier seiner Freunde kam es zum Bruch mit den Ambitionen am Hof.

Während er noch Laie war, wurde ihm ein Pfarramt in der Lincoln-Kathedrale angeboten (eine theologische Hochschule war in jenen Tagen nicht von Nöten!), und er war für drei Jahre Pfarrer in Bemerton. Im Sattel zog er durch seine verstreute Pfarrgemeinde, aber sein Haus war für jeden Gast offen. „Im Haus eines Predigers ist jeder ein Prediger“, verkündete er. Er starb im Alter von 39 Jahren an Tuberkulose. Es ist von Bedeutung zu erwähnen, daβ er erst vier Jahre alt war, als sein Vater starb. Von da an trug seine Mutter alleine die Verantwortung für seine Ausbildung und sein allgemeines Wohlergehen. Ihr starker, aber einfühlsamer Einfluβ reichte weit bis in Georges Mannesalter hinein.

Einige der anderen Hymnen, die er schrieb, zeigen seine Herzenseinstellung zu Gott, wie zum Beispiel:

Und die Süβe meines ganzen Herzens will ich Dir bringen.

George Herbert ist auch als Dichter wohl bekannt. Eines seiner Kindergedichte erreicht unsere Ohren mit einem Hauch mittelalterlicher Strenge:

Fürchte Gott, mein Kind, sei brav und weise,
die Wahrheit sprich und lüge nicht!
Denn Lügner und Teufel gleicherweise
im Feuer der Hölle schmoren ewiglich.

Ein weiteres dichterisches Beispiel seiner prägnanten Ratschläge für ein gottesfürchtiges Leben ist:

Fasse am Abend zusammen, was du am Tage getan,
Und am Morgen all das, was heute steht an;
Bereite deine Seele und mache sie frei;
Beachte ihren Wachstum und ihren Verfall.

Die Hymne „Lehre mich, mein Gott und König“ ist auch sehr beliebt. Die Zeilen:

Fasse am Abend zusammen, was du am Tage getan,
Und am Morgen all das, was heute steht an;
Bereite deine Seele und mache sie frei;
Beachte ihren Wachstum und ihren Verfall.