Thomas Paine - Amerikanischer Patriot?

Tom Paine war ein Trinker. Geboren 1737 in England und aufgewachsen in einem armen Quäkerhaus, faszinierte ihn später Newtons mechanisches Universum, und Gott der Schöpfer wurde Stück für Stück in seinem Weltbild durch die gottlose Natur ersetzt. Als unzufriedener Norfolk-Farmer mit einem Hang zum Branntwein entdeckte er, daß er ein Talent zum Schreiben hatte. Er schrieb in leicht verständlichen Worten, was von solch radikalen Intellektuellen jener Tage wie Horne Tooke und William Godwin ziemlich undurchsichtig gesagt wurde.

1774 wanderte er im Alter von 37 Jahren nach Amerika aus und ließ sich in Philadelphia nieder. Bewaffnet mit Branntweinflasche und Tintenfaß begann er sofort, ein kleines Buch mit dem Titel Common Sense ("Gesunder Menschenverstand") zu schreiben. In diesem Werk verwarf er die Herrschaft Gottes - vertreten durch König Georg III. - und argumentierte für die Herrschaft des Menschen in einer Republik. Das Buch wurde im Januar 1776 nur 13 Monate nach seiner Ankunft in Philadelphia veröffentlicht. Das Werk machte einen großen Eindruck auf Thomas Jeffersons republikanisches Komitee, und nur fünf Monate später, am 4. Juli, wurde die Unabhängigkeitserklärung erlassen. Die Erklärung hat eine unheimliche Ähnlichkeit mit Paines Common Sense, und es kann kaum Zweifel daran bestehen, daß Paines Worte als Arbeitsgrundlage dienten. Wir sollten uns jedoch daran erinnern, daß Paines Schreibfeder in seiner rechten Hand ihre Inspiration aus der Branntweinflasche in seiner linken erhielt.

Eine Untersuchung der 56 Unterschriften auf diesem berühmten Dokument gibt uns einen weiteren Einblick in das Leben und den Lebensstil Tom Paines. Von acht Unterzeichnern ist bekannt, daß sie Freimaurer waren - John Hancock, Benjamin Franklin, Jeseph Hewes, William Hooper, Robert Treat Payne, Richard Stockton, George Walton und William Whipple; auch von 24 anderen behaupteten die Freimaurer, daß sie ihnen angehörten. Wie dem auch sei, bemerkenswert ist die Tatsache, daß Paine ein Freimaurer war, während Freimaurergefährte Benjamin Franklin Jeffersons rechte Hand beim Verfassen dieses Dokuments war. Es scheint daher mehr als wahrscheinlich zu sein, daß Paine von Franklin nach Philadelphia eingeladen wurde, um - auf Grund seines Talentes, in einer überzeugenden und volkstümlichen Art zu schreiben - dabei zu helfen, die Erklärung zu verfassen. Zusätzlich ist es so gut wie sicher, daß Paine zur Bruderschaft der Freimaurer gehörte, bevor er England verließ. Er war jedenfalls tief in deren Aktivitäten verwickelt, und aller Wahrscheinlichkeit nach gehörte er dem inneren okkulten Kreis an, der damals als "Illuminati" bekannt war.

Viele ausgefallene und undokumentierte Behauptungen wurden über die Rolle der Freimaurerei und speziell der Illuminati hinsichtlich ihres Beitrags zur Formung des gegenwärtigen Weltsystems aufgestellt. Nichtsdestotrotz sind gut dokumentierte Tatsachen für denjenigen zugänglich, der sorgfältig sucht, und bestimmten Tatsachen kann man sich nicht verschließen.

Die freimaurerische Organisation begann verborgen in England zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Es wird allgemein anerkannt, daß der Inspirator dieser Organisation Sir Francis Bacon (1561-1626) war, dessen Traum es war, eine neue Weltordnung einzuführen, die auf der Wissenschaft basierte. Obgleich es gewöhnlich nicht laut gesagt wird, ist es doch offensichtlich, daß die alte Weltordnung, die auf den jüdisch-christlichen Prinzipien beruht, zuerst zerstört werden muß, um dieses Ziel zu erreichen. Da es sich um eine geheime hierarchische Organisation handelt, erfahren Personen in den unteren Rängen nicht das wirkliche Ziel. Man läßt sie in dem Glauben, daß die Ziele wohltätige Werke sind. Das persönliche Lockmittel ist Gewinn. In dem Maße wie die Treue des einzelnen zunimmt, wird er von oben befördert und mit den wirklichen Zielen der Organisation nach und nach vertraut gemacht. Treue Hingabe ist die wichtigste Antriebskraft in der freimaurerischen Organisation und geht so weit, daß sie nationale Grenzen vollständig überschreitet. Dies führte dazu, daß es gegen Ende des 18. Jahrhunderts Freimaurerlogen überall im Britischen Weltreich von Indien bis nach Nord- und Südamerika und auch überall auf dem europäischen Festland gab, die jenem einzigen Zweck gewidmet waren. Zu dieser Zeit wurde ein anderer Aspekt der Freimaureraktivität heimlich in die Organisation eingeführt, und zwar zuerst in Bayern.

Man erkannte, daß die systematische Zerstörung des jüdisch-christlichen Glaubenssystems und das darauf folgende Untergraben der Autorität der Kirche ein Vakuum hinterließ. Professor Adam Weishaupt, Ausbilder der Jesuiten, erkannte dies und führte gegen Ende des 18. Jahrhunderts die Praktiken des pythagoreischen Mystizismus durch einen Prozeß der Infiltration in die Freimaurerlogen ein. Sehr schnell wurden die wichtigsten Logen jedes größeren Landes durch diese okkulte Bewegung übernommen. Es sollte vielleicht erwähnt werden, daß - bis vor einigen Jahren - die Römische Kirche und insbesondere der Jesuitenorden ausgesprochen gegen die Freimaurerei eingestellt waren. Tatsächlich wurde Papst Pius IX., nachdem er alle Freimaurer exkommuniziert hatte, selbst - in den 40er Jahren des 19. Jahrhunderts - unter seinem richtigen Namen Mastai Ferretti aus der freimaurerischen Organisation ausgeschlossen. Die Mitglieder höherer Ränge gewisser Hauptlogen waren zu der Zeit tief in die Praxis des okkulten Mystizismus verwickelt. Philadelphia hatte solch eine Loge, ebenso wie Paris.

In Paris war diese Loge als "Die neun Schwestern" bekannt, und "Pendel"-Diplomat Benjamin Franklin wurde zum ehrenamtlichen großen Meister dieser Loge gewählt. Zufälligerweise war es Franklin, der seinen alternden Freund Voltaire in diese Loge im Jahre 1778 einführte. Franklin war ein aktiver Korrespondent unter den britischen Freimaurern, deren bekannteste Gruppe die "Lunar Society" ("Mondgesellschaft") von Birmingham war. Unter den Mitgliedern dieser Elitetruppe von Verfechtern einer neuen Weltordnung war Erasmus Darwin (Charles Darwins Großvater) und der Mann, der Paines religiöse Schriften inspirieren sollte, der Unitarier Dr. Joseph Priestley.

Paine kehrte 1787 nach England zurück. Die Französische Revolution ereignete sich zwei Jahre später. Kurz danach schrieb Paine The Rights of Man ("Die Menschenrechte"), worin er die Französische Revolution verteidigte und darauf drängte, daß England die Monarchie abschaffen sollte und genauso wie Frankreich danach streben sollte, eine Republik zu werden. 1792 wurde Frankreich offiziell zur Republik ausgerufen. Es ist klar, daß er beim Herausgeben von The Rights of Man beabsichtigte, damit den gleichen Effekt in England zu erzielen wie fünf Jahre zuvor mit Common Sense in Amerika. Obwohl das Buch einige Diskussion verursachte, reagierte England weder wie Amerika noch wie Frankreich, und eine Revolution fand nicht statt. Historiker mit klarem Durchblick führen das Fehlen einer englischen Revolution darauf zurück, daß zu dieser Zeit - aufgrund der Erweckungen Wesleys - die Anzahl der Christen in England sehr groß war. Nichtsdestotrotz gefiel bestimmten linksgerichteten Gruppen, was Paine geschrieben hatte, und The Rights of Man wurde zu einem Grundlagendokument für die englische Arbeiterbewegung bis ungefähr 1880. Die Mehrheit des englischen Volkes war rechtsgerichtet, konservativ und royalistisch, und Paine wurde aufgrund dessen, was er geschrieben hatte, des Aufruhrs beschuldigt. Er entkam nur knapp einem Versuch der englischen "Blaublütigen", ihn zu Tode zu steinigen und flüchtete 1792 nach Paris.

Er wurde wie ein Held willkommen geheißen und in die französische Nationalversammlung als einer der ihren gewählt. Als Paine 1791 The Rights of Man schrieb und damit die Französische Revolution verteidigte, ahnte er nicht, daß er drei Jahre später von ihren blutigen Nachwirkungen getroffen werden würde. Die neue Verfassung für die französische Republik wurde 1793 von Paine und seinem Freimaurergefährten, dem Ex-Marquis von Condorcet geschrieben. Sie wurde jedoch von der Nationalversammlung nicht gut aufgenommen. Eine Spaltung entstand, und Paine und Concordet wurden - während der Schrekkensherrschaft des darauffolgenden Jahres - von den Jakobinern ins Gefängnis geworfen. Paine entkam mit knapper Not dem unvermeidlichen Ende, indem er behauptete, amerikanischer Staatsangehöriger zu sein, und sich an den amerikanischen Botschafter wandte. Condorcet wählte einen zuverlässigeren Fluchtweg - er vergiftete sich selbst in der Gefängniszelle.

Es war ungefähr zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben, als Paine einen der bösartigsten deistischen Angriffe auf die Offenbarungsreligion verfaßte, die je geschrieben wurden. Sein Trinken war an einem Punkt angelangt, wo er ständig betrunken war, und seine Zeitgenossin, Madame Roland, beschrieb sein Gesicht als "eine Brombeere gepudert mit Mehl". The Age of Reason ("Das Zeitalter der Aufklärung") erschien 1794-95, und darin veröffentlichte er eine "Buch-für-Buch"-Darstellung dessen, was er für Widersprüche in der Bibel sowohl im Alten als auch im Neuen Testament hielt. Seine Betrachtung der Bibel erfolgte jedoch durch den Boden eines Branntweinglases, und das niederträchtige Werk war, wie zu erwarten sein durfte, selbst von Unlogik und Widersprüchlichkeiten durchzogen. Nichtsdestotrotz fand das Buch bereitwillige Leser und wird noch heute als klassische Literatur von den "Aufgeklärten" verehrt.

Das glänzende Äußere, in dem Paris schon immer schillerte, verbirgt eine Kloake von revolutionär Gesonnenen aller Nationen. Paines Freunde waren die führenden Lichter - Illuminati ist in der Tat ein passendes Wort - in dieser revolutionären Diebeshöhle. Namen wie Graf Mirabeau und Sylvain Marechal, journalistische Intellektuelle, bildeten den Kern einer Elite, die erfolgreich begonnen hatte, die alte Weltordnung zu zerstören, um den Weg für die neue vorzubereiten. Die sozialen Sitten in Paris hatten sich innerhalb weniger Jahre radikal von der christlichen Ethik entfernt, in dem gleichen Maße wie die Bürger dieser wackeren neuen Gesellschaft ihre neuentdeckte Freiheit ausübten. Prostitution beider Geschlechter wurde jetzt offen praktiziert, und Pornographie wucherte zügellos. Paines engster amerikanischer Freund in Paris war Joel Barlow, ein in der Stadt beliebter Pornograph. Von 1797 bis 1802 lebte Paine in einer "menage à trois" mit Illuminat Benjamin Bonneville und seiner Frau Margaret: Diese Art des Zusammenlebens war in der neuweltlichen Gesellschaft nicht ungewöhnlich.

Thomas Paines einzig wirklicher Erfolg in seiner Rolle als einer der Architekten der neuen Weltordnung war der eines "Schattenschreibers" für die Unabhängigkeitserklärung. Es war ihm mißlungen, die Engländer oder sogar die Franzosen zu beeinflussen, und es geschah vielleicht mit dem Gedanken, zu den grünen Weiden seines frühen Erfolgs zurückzukehren, daß er 1802 nach Amerika zurückkehrte. Paine mit seinem englischen Hintergrund und Bonneville mit deutschen Eltern waren beide Ausländer in Paris, und vielleicht war es das, was sie so eng miteinander verband. Bonneville hatte seinen zweiten Sohn nach Paine benannt und erlaubte seiner Frau, als Paines ständige Gefährtin mit ihm zurück nach Amerika zu gehen.

Sofort nach seiner Rückkehr schrieb Paine An Essay on the Origin of Free Masonry ("Eine Abhandlung über den Ursprung des Freimaurertums"), welcher dem Leser einen wertvollen Einblick in den Hintergrund des Schreibers als Illuminat gibt. Das Werk wurde sofort von Bonneville ins Französische übersetzt. Paine glaubte, daß die Druiden und Pythagoreer sich vereinigt hätten, um eine okkulte ideologische Alternative zum Christentum zu liefern, und er bestand darauf, daß die natürliche Sonnenverehrung der Druiden in die Freimaurerei gelangt sei. Dies sollte das letzte von Thomas Paines literarischen Werken sein; er starb sechs Jahre später im Jahre 1809. Er hatte lebenslang gegen den Gott rebelliert, den er einst aus seiner Quäkerjugend kannte, und er erkannte auf seinem Totenbett die Torheit des Ganzen - ausgedrückt in seinen letzten Worten:

"Ich würde Welten geben, wenn ich sie noch hätte, wenn The Age of Reason niemals veröffentlicht worden wäre. O Herr, hilf mir! Christus, hilf mir! Bleib bei mir! Es ist die Hölle, alleingelassen zu werden."

Ian Taylor
 

Porträt von Thomas Paine
 

Thomas Paines letzte Worte

"Ich würde Welten geben, wenn ich sie hätte, wenn 'The Age of Reason' niemals veröffentlicht worden wäre. O Herr, hilf mir! Christus, hilf mir! Bleib bei mir! Es ist die Hölle, alleingelassen zu werden."

Tom Paine

Ian Taylor ist ein Absolvent der Universität London, England, und widmete sich über 20 Jahre Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Metallurgie in Nordamerika. Er hat für seine Arbeit auf diesem Gebiet eine Anzahl von Patenten. Ebenso hat er fünf Jahre in der Fernsehproduktion gearbeitet und ist der Autor von In the Minds of Men: Darwin and the New World Order, welches über Bible-Science bestellt werden kann.

Quelle: 'Bible-Science Newsletter', Juni 1987