St. Lamberti in Münster

Pfarrgemeinde und Kirche

Pfarrgeschichte

Die Lambertikirche gehört neben dem Dom, der Liebfrauen-Überwasser-Kirche und der Mauritzkirche zu den ältesten Kirchengründungen im Bereich der heutigen Stadt Münster. Die erste urkundliche Erwähnung der Lambertikirche fällt in die Zeit Bischof Hermanns II. (1174-1203). In einer Urkunde, die aus dem Jahre 1189 stammt, gibt dieser Bischof bekannt, daß er von der Lambertipfarre mehrere neue Pfarrsprengel (St. Ludgeri, St. Martini, St. Aegidii) abgetrennt habe: "Bis zu dieser Zeit leitete die Pfarre der Priester Ernestus allein." Dieser Priester "Ernestus" ist der erste uns namentlich bekannte Seelsorger der Lambertipfarre.

 Stadt- und Marktkirche um 1850Stadt- und Marktkirche um 1850 Demnach muß die Lambertipfarre älter sein. Vielleicht ist sie im Jahre 1090 gegründet worden. In diesem Jahre wurde nämlich der sog. zweite Dom durch Bischof Erpho eingeweiht. Ihm assistierten bei der Weihe der Erzbischof Hermann von Köln und der Bischof Heinrich von Lüttich. Bei dieser Gelegenheit könnte der Bischof Heinrich eine Reliquie des hl. Lambertus nach Münster gebracht haben. Der hl. Lambertus war als Bischof von Maastricht am 17.9.705 oder 706 in Lüttich ermordet worden.

Die neuere Forschung kommt zu dem Ergebnis, daß bereits um das Jahr 1000 auf der aus dem lothringischen Raum über Köln, Münster, Osnabrück nach Bremen und Hamburg führenden Fernstraße, der "Kölnischen Straße", die Verehrung des hl. Lambertus nach Münster gebracht wurde. Am Kreuzungspunkt dieser von Süden nach Norden verlaufenden "Kölnischen Straße" (Ludgeristraße-Prinzipalmarkt-Alter Fischmarkt) mit der von Westen nach Osten verlaufenden "Friesischen Straße" (Spiekerhof - Roggenmarkt - Alter Steinweg) wurde von Kaufleuten eine (Markt)kirche mit dem Patrozinium des hl. Lambertus errichtet.

Aus diesen Anfängen heraus entwickelte sich die Lambertikirche in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten zur beherrschenden Stadt- und Marktkirche und damit zur Hauptkirche der Bürgerschaft Münsters.

Baugeschichte

Die heutige Lambertikirche hat mindestens drei Vorgängerbauten gehabt. Von diesen früheren Kirchen wurden durch Ausgrabungen umfangreiche Fundamentreste festgestellt. Nach diesen Funden ist die erste Kirche an diesem Ort wohl kurz nach dem Jahre 1000 errichtet worden. Die heutige Kirche wurde in den Jahren 1375 bis 1450 erbaut. Sie gilt als "die größte und schönste Pfarrkirche der Stadt und zugleich als der reifste Hallenbau der Spätgotik in Westfalen" (Dehio). Der heutige Turm der Kirche wurde erst in den Jahren 1887 bis 1898 nach dem Vorbild des Freiburger Münsters erbaut. Mit einer Höhe von 90,5 m überragt er die Türme der Innenstadt. Bis zum 19. Jahrhundert besaß die Kirche einen Turm, der bis zur Spitze etwa 60 m maß und an dem die verschiedenen Bauperioden von der Romantik über die Gotik bis zum Barock gut abzulesen waren.

Dieser alte Turm mußte wegen Einsturzgefahr im Jahre 1881 abgebrochen werden. Der Turm der Lambertikirche wird in den Ratsprotokollen immer wieder als "specula civitatis" (Warte für die Stadt) bezeichnet, denn er beherbergte nämlich eine Feuerwache mit Alarm- und Feuerglocke. Auch heute noch versieht ein von der Stadt Münster angestellter Türmer seinen nächtlichen Beobachtungsdienst und bläst die Stunden aus.

Lambertikirche Lambertikirche Der zweite Weltkrieg fügte der Lambertikirche schwere Schäden zu. Das Langhaus war fast völlig zerstört und auch der Turm schwer beschädigt. Aber bereits im Spätherbst 1949 konnte wieder der erste Gottesdienst in der erneuerten Kirche gefeiert werden. Eine umfassende Innen- und Außenrenovierung wurde in den Jahren 1976 bis 1978 durchgeführt.

Baubeschreibung - Das Äußere

Die dem Prinzipalmarkt zugewandte Südseite der Lambertikirche ist als Schauseite besonders reich gegliedert. Ein hohes Satteldach, das fest bis zur Hälfte des Turmes hinaufragt, überspannt wie ein Zelt die ganze Breite des dreischiffigen Raumes. Es bildet zusammen mit dem Turm die deutliche Abgrenzung des Prinzipalmarktes nach Norden. An der Südseite der Lambertikirche befinden sich drei Portale. Über dem Hauptportal erhebt sich ein kunstgeschichtlich bedeutendes Relief aus der Mitte des 15. Jh., das in der Thematik der Wurzel Jesse den Stammbaum Christi darstellt. Leider handelt es sich bei diesem Kunstwerk nicht mehr um das Original, da der als Baumaterial verwendete wenig wetterfeste Baumberger Sandstein im Jahre 1913 - wie auch die übrigen Zierformen in regelmäßigen Abständen - erneuert werden mußte. Das mittlere Portal zeigt eine Darstellung der Geburt Christi, das dritte Portal Christus als Schmerzensmann zwischen den zwei Johannes (beide Kunstwerke ebenfalls vollständig erneuert).

Besonders beachtenswert sind die hohen, vierteiligen Fenster, die im Spitzbogen reiches spätgotisches Maßwerk (...)

Auf dem heutigen Lambertiplatz, dem ehemaligen Kirch(Fried)hof der Lambertigemeinde, steht der Lambertibrunnen mit der Darstellung einer münsterländischen Bauernfamilie. An diesem Brunnen veranstalteten alljährlich am 17. September, dem Patronatsfest des hl. Lambertus, die münsterischen Kinder ihr traditionelles Lambertussingen.

Am Kirchturm über der Uhr hängen noch heute die drei Käfige, in denen die Anführer der Wiedertäufer (Jan van Leyden, Krechting, Knipperdollinck) nach ihrer Hinrichtung am 22.1.1536 als abschreckendes Beispiel vom Fürstbischof zur Schau gestellt wurden. Die Käfige wurden erst wieder beim Abbruch des alten Turmes im Jahre 1881 herabgenommen und 1898 am jetzigen Turm angebracht.

An den Außenwänden der Kirche, vor allem auf der Südseite, sind mehrere Epitaphe zu sehen, die fast alle von den Wiedertäufern beschädigt wurden...