Sind die Tage wirklich so wichtig?

"In sechs Tagen ..." (2. MOSE 20:11)

Nachdem ich kürzlich bei einem Seminar einen Vortrag gehalten hatte, kam ein Pastor auf mich zu und sagte: "Ich möchte ICR1 wirklich unterstützen, und ich bin mit Ihnen in bezug auf das Übel der Evolution vollkommen einer Meinung, aber warum müssen Sie unbedingt auf wortwörtlich sechs Tagen (ungefähr je 24 Stunden) in 1. MOSE bestehen? Können Sie auf diesem Gebiet denn keine andere Interpretation zulassen?"

In der Tat gestehen viele Christen zu, daß diese Tage längere Zeiträume sind. Wir bei ICR beharren jedoch darauf: "... in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn" (2. MOSE 20:11). Gott schuf in sechs (wirklichen) Tagen und ruhte am siebten (wirklichen) Tag. Warum nehmen wir in diesem Punkt einen so hartnäckigen Stand ein? Ist es wirklich so entscheidend?

Warum wollen die Leute, daß die Tage längere Zeiträume bedeuten?

Nach jahrelanger Erfahrung und nachdem ich zu Tausenden von Menschen gesprochen habe, Hunderte von Gemeinden und auch christliche Institute und Schulen besucht habe, bin ich überzeugt, daß der Hauptgrund, warum viele Christen die Tage in 1. MOSE nicht als richtige Tage akzeptieren, der ist, daß sie glauben, die Wissenschaftler hätten bewiesen, daß die Erde Milliarden Jahre alt ist. ICR-Wissenschaftler haben jedoch eindeutig gezeigt, daß die Methoden, die für den "Beweis", daß die Erde Milliarden Jahre alt ist, angewandt werden, viele Probleme aufwerfen. Es wurde nachgewiesen, daß viele der Vermutungen, die hinter diesen Methoden stecken, bestenfalls sehr zweifelhaft sind. Oft kann man für dieselbe Ablagerung Daten erhalten, die Millionen Jahre voneinander abweichen.

Das Traurige an dieser Sache ist, daß Christen als Basis für die Interpretation der Schrift fehlbare Worte von fehlbaren Menschen nehmen, die fehlbare Methoden benutzen und in der Vergangenheit nicht dabei waren, weshalb sie nicht alles über die Vergangenheit wissen. Mit anderen Worten, der fehlbare, sündige Mensch wird zur Autorität gemacht - und nicht Gott, Der alles weiß und schon immer dagewesen ist.

Ich werde niemals den Pastor vergessen, der in einer Versammlung zu mir kam, nachdem er den erstaunlichen Beweis vom Mount St. Helens gesehen hatte, welcher uns zu erkennen hilft, daß zur Bildung mehrerer Schichten von Sedimentgestein keine Millionen Jahre nötig sind! Der Pastor meinte: "Wow! Ich brauche nicht an Millionen Jahre zu glauben. Ich muß die Tage nicht zu langen Zeiträumen machen! Wow! Dieses Material über den Mount St. Helens ist phantastisch. Warum hat uns der Herr das nicht schon vor Jahren gezeigt? Dann hätte ich keine Kompromisse machen müssen."

Meine Antwort auf diese Aussage war: "Aber Sie hatten doch das Wort Gottes. War das denn nicht genug?"

Bevor wir näher auf zwei der vielen Hauptgründe eingehen, warum es wichtig ist, die Tage aus 1. MOSE wörtlich zu nehmen, laßt uns einige der Gründe zusammenfassen, warum diese Tatsache laut der Schrift offensichtlich ist:

Warum die Schöpfungstage wörtlich zu nehmen sind

  1. Das hebräische Wort für "Tag" in 1. MOSE 1, yom, wird, als es zum ersten Mal benutzt wird (Vers 5), als ein gewöhnlicher Sonnentag definiert. Außerdem bezeichnet es immer einen gewöhnlichen Tag, wenn es im Zusammenhang mit einer veränderlichen Zahl benutzt wird (wie es 358mal an anderen Stellen im Alten Testament der Fall ist). Warum sollte 1. MOSE 1 dann die Ausnahme sein?
  2. Yom wird 38mal im Alten Testament außerhalb von 1. MOSE 1 zusammen mit dem umschreibenden Ausdruck "Abend und Morgen" benutzt. Jedesmal bedeutet es einen gewöhnlichen Tag. Warum sollte 1. MOSE dann die Ausnahme sein? Wenn dieser Ausdruck in Verbindung mit einer veränderlichen Zahl vorkommt, gibt es keine bessere Art, einen gewöhnlichen Tag zu bezeichnen.
  3. 2. MOSE 20:11 berichtet uns, warum Gott so lange (sechs Tage) brauchte, um alles zu erschaffen. Da Er ein allmächtiger Gott ist, hätte Er auch alles in einem Augenblick erschaffen können. Stattdessen arbeitete Er sechs Tage lang und ruhte einen Tag als Muster, dem wir nachfolgen sollen. Daher kommt auch unsere 7-Tage-Woche. Gott schuf nicht alles in sechs Millionen Jahren und ruhte dann nochmals eine Million Jahre lang und sagte uns, daß wir dasselbe tun sollen! Dies ergibt keinen logischen Sinn.
  4. Das Wort yom kann keine bestimmte, lange Zeitdauer bedeuten. Im richtigen Kontext, wie zum Beispiel 1. MOSE 2:4 (wo es KEINE näher bezeichnenden Worte oder Ausdrücke gibt), kann es eine unbestimmte Zeitdauer bedeuten. Aber wenn jeder Schöpfungstag eine unbestimmte Zeitdauer wäre, dann würden sechs ineinander übergehende und/oder aufeinanderfolgende unbestimmte Zeitperioden keinen Sinn ergeben.
  5. In 2. PETRUS 3:8 steht geschrieben: "Ein Tag vor dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag." Dies definiert jedoch NICHT das Wort Tag, weil die Definition bereits vorhanden ist. Das ist der Grund, warum er mit tausend Jahren VERGLICHEN werden kann. Wenn das bedeuten würde, daß wir für die Tage in 1. MOSE jeweils tausend Jahre einsetzen müßten, dann müßten wir dasselbe auch überall anders in der Schrift tun. Wie lange war zum Beispiel Jesus Christus im Grab? Drei Tage oder dreitausend Jahre? Umgekehrt müßten wir, um konsequent zu sein, immer dann, wenn wir tausend Jahre lesen, diese durch das Wort "Tag" ersetzen. Dies würde viele Stellen in der Bibel verdrehen.

Warum ist das so wichtig?

  1. Wir sollten niemals zulassen, daß fehlbare Theorien von sündigen Menschen bestimmen, was Worte in der Bibel bedeuten. Es ist äußerst wichtig, daß wir Gott bei Seinem Wort nehmen. Wenn die Bedeutung von den Worten und dem Kontext her offensichtlich ist, dann ist es unbedingt erforderlich, daß wir das so akzeptieren und nicht versuchen, etwas auf der Basis der sogenannten "Wissenschaft" zu interpretieren. Wenn die Bibel das inspirierte und unfehlbare Wort des lebendigen Gottes ist, dann ist es entweder von Abfang bis Ende wahr, oder wir können gar nichts davon akzeptieren. Wenn wir die Tage in Frage stellen, wo es doch von der Sprache her so eindeutig ist, was sie bedeuten, warum dann nicht auch die Wiederauferstehung in Frage stellen? Leider war das für viele, die 1. MOSE in Frage gestellt haben, das logische Resultat.
  2. In anderen Artikeln haben wir darüber gesprochen, daß die Bibel lehrt, daß physischer Tod und Blutvergießen (von Tieren und Menschen) erst in die Welt kamen, nachdem Adam gesündigt hatte (RÖMER 5:12, 1. KORINTHER 15:21-22 usw.). Wenn man versucht, die Tage in 1. MOSE mit Millionen von Jahren oder geologischen Zeitaltern gleichzusetzen, dann muß der Tod schon existiert haben, bevor Adam gesündigt hatte. Der Grund dafür ist, daß die Idee von den Millionen Jahren von dem Glauben herrührt, daß die Schichten von Fossilien (toter Materie) Millionen Jahre zur Ablagerung brauchten, bevor sich der Mensch entwickelte. Wenn der Tod existierte, bevor Adam sündigte, dann wird damit die gesamte Grundlage des Evangeliums vernichtet. In HEBRÄER 9:22 wird uns berichtet, daß es ohne Blutvergießen keine Vergebung der Sünden geben kann. Gott führte Tod und Blutvergießen (sowohl von Tieren als auch Menschen) als Basis für die Erlösung erst ein, nachdem Adam gesündigt hatte.

von Ken Ham 

Quelle: Creation Magazine Newsletter Nr. 2, September 1990

  • 1. ICR = Institute of Creation Research (Institut für Schöpfungsforschung)