Schöpfung und scheinbares Alter

Laienhaft ausgedrückt ist die ENTROPIE ein Maßstab des Zustands der UNORDNUNG in einem System. Entropie zeigt einen abwärtsgehenden Trend: die verfügbare Energie nimmt ab, die Ordnung verfällt, Informationen werden unklar, und Evolution wird unmöglich.

Wir messen einen Zeitabschnitt an dem Fortgang der Uhr oder indem wir z. B. das Verhältnis des radioaktiven Zerfalls als Maßstab anlegen. Beide Methoden sind an die Zunahme der Entropie gekoppelt. Aber welche Bedeutung hatte das Entropiegesetz während des Schöpfungsprozesses? Nehmen wir ein Beispiel, um den Stand der Dinge bildlich darzustellen:

Es wird berichtet, wie Gott am Anfang den Staub der Erde genommen und Adam daraus geformt hat.1 Dann hauchte Er ihm den Atem des Lebens ein, und Adam wurde ein lebendiges Wesen (vgl. 1. MOSE 2:7). In der Bibel steht nicht, daß Adam als ein neugeborenes Baby entstanden ist. Laut der Heiligen Schrift hatte er keine Eltern, die sich um ihn gekümmert haben. Also muß er bei seiner Erschaffung erwachsen gewesen sein, und seine fünf Sinne waren sofort vollständig entwickelt, so daß er von Anfang an in der Lage war, für sich selbst zu sorgen.

Laßt uns nun einige Folgen des Schöpfungsaktes betrachten: Adam steht dort in der ganzen Schönheit der neuen Schöpfung, geradewegs aus der Hand seines Schöpfers. Sagen wir um der Diskussion willen, er wäre nun zwei Atemzüge oder fünf Sekunden alt. Seine Lungen haben sich gerade mit der reinen Luft von Eden gefüllt. Aber wie alt sieht Adam aus, wenn wir sein Alter nach unserer Erfahrung mit der Zeitmessung beurteilen? Er ist erwachsen, vielleicht stattlich, reif. Nach unserer Zeitmessungsmethode dauert es 20 bis 30 Jahre, um einen Mann erwachsen werden zu lassen, und Adam ist offensichtlich ein reifer Mann. Wir wissen doch aber, daß er gerade erst zwei Atemzüge oder fünf Sekunden alt ist.

Dieses Beispiel macht deutlich, daß die Gesetze der Thermodynamik (Entropie), so wie wir sie kennen, auf den Kopf gestellt werden, sofern es die Schöpfung betrifft. Hier funktionieren auch die Gesetze, die die Zeit regeln, nicht. Adam ist gerade fünf Sekunden alt und sieht aus, als wäre er 20-30 Jahre alt. Wichtiger ist, daß bei jedem Schöpfungsakt die gleiche Alterserscheinung auftreten muß.

Dr. Karl Barth, der berühmte Schweizer Theologe und Gründer der Neo-Orthodoxie, vertritt eine ähnliche Idee der Schöpfung in seinem bekannten Ausspruch: Als Gott schuf, erschuf Er alles mit einer Vergangenheit.2 Es muß eine innewohnende Illusion von dem Vergangensein der Zeit geben. Dies muß der Fall sein, denn unser Konzept der Entropie - und damit das des Vergehens der Zeit - kann bei keinem Schöpfungsakt gültig sein.

In bezug auf die Erschaffung des Kosmos und der Erde muß dies auch der Fall sein. Ein Schöpfungsakt bringt einfach eine Alterserscheinung mit sich, und diese Erscheinung liegt an der Natur der Schöpfung aus dem Nichts. Daß diese Illusion automatisch innewohnt, können wir an dem folgenden Beispiel erkennen:

Wenn zu Beginn eine Mischung aus Blei und Uran in einem Felsen geschaffen worden wäre, gäbe es automatisch eine Alterserscheinung. Denn wir wissen, daß bestimmte ven Verfalls von Uran entstehen. Indem wir Bleiisotope als das Endstadium des radioaktiden Bleianteil im Uranerz messen, können wir das Alter des Felsens bestimmen. Da es X Jahre dauert, daß so viel Milligramm Blei aus einer gegebenen Menge Uran entstehen, können wir durch die Messung des Bleianteils im Felsen das Alter des Felsens bestimmen, da diese Zerfallsrate konstant bleibt. Aber nach einem Schöpfungsakt, nach dem ein Fels beispielsweise fünf Gramm Blei und fünf Gramm Uran enthält, müssen spätere Berechnungen aus folgenden Gründen falsche Ergebnisse liefern: die fünf Gramm Blei erwecken den Anschein, daß sie über Millionen von Jahren hinweg aus dem Uran entstanden sind. Aber eigentlich sind sie nicht entstanden, sondern von Neuem entstanden. In Wirklichkeit wurde die Mischung aus Blei und Uran als solche erschaffen, aber nach der Schöpfung kann es nicht den Anschein verhindern, daß sie Millionen von Jahren alt ist.

Ein Schöpfungsakt liegt so sehr außerhalb unserer heutigen Kenntnisse, daß wir nicht wissen, wie wir rechnen sollen, um ihn wirklich zu berücksichtigen, auch wenn die gesamte Physik eine aktive Schöpfung verlangt, um die Existenz und Ordnung des Lebens, der Atome und der subatomaren Welt der Partikel, Wellen und Orbite zu erklären. Wegen diesem grundlegenden Argument für eine Schöpfung am Anfang des Kosmos ist es im Prinzip unmöglich, zu einem wirklich definitiven und sinnvollen Zeitpunkt der Schöpfung zu kommen. Die Wissenschaft verlangt einen Schöpfungsakt zur Erklärung des Seins, aber dieser Schöpfungsakt muß das Auftreten von Alter und Zeit erzeugen. Zusätzlich zu all dem müssen wir uns daran erinnern, daß, bevor Materie und Raum existierten, auch keine Zeit existierte. Um wissenschaftlich fundiert zu sein, müssen wir also sehr vorsichtig mit Dingen sein, die Zeit im allgemeinen und Datierung im speziellen betreffen.

Wenn Gott also einen Baum geschaffen hat, würde er von dem ersten Moment an Jahresringe haben. Das heißt, die Erschaffung des Baumes bringt automatisch eine Alterserscheinung mit sich, wo tatsächlich kein Alter existierte.

von Professor A.E. Wilder-Smith,

Ph.D., Dr es Sc, D.Sc., FRSC

Quelle: "Creation Ex Nihilo", Vol.9, No.1 (aus dem Buch "Herkunft und Zukunft des Menschen" genommen)

  • 1. 1. MOSE 2:7
  • 2. Karl Barth, zitiert in: Richard Overman, Evolution and the Doctrine of Creation, Westminster Press, Philadelphia (1967), S. 281