Schöpfung in der Schule

F: Erzählen Sie uns etwas über Australien. Was geschieht dort zur Zeit innerhalb der kreationistischen Bewegung? Wie erfolgreich waren Ihre Bemühungen, die Schöpfungslehre an öffentlichen Schulen durchzusetzen?

A: Die Situation an den öffentlichen Schulen ist von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden. In Queensland z.B. hat der Bildungsminister jetzt öffentlich bekanntgegeben, daß Schöpfung an höheren Schulen gelehrt werden soll. Interessant ist, daß der Minister ein Christ ist und schon lange vor seinem Amtsantritt eins unserer Seminare besuchte. Er hat sein Interesse an der Schöpfungslehre bewahrt und ist inzwischen in einer Position, die es ihm erlaubt, Schöpfung als Lehrfach zu unterstützen. Infolgedessen verhandeln wir zur Zeit mit den einzelnen Bildungsministerien, um entsprechende Lehrmaterialien, Lehrerseminare etc. zu organisieren (mit unterschiedlichem Erfolg - je nach Einstellung der einzelnen Beamten).

Natürlich hat sich der Minister durch sein Vorgehen eine Menge Ärger eingehandelt. Der gesamte Zorn der Anti-Kreationisten aus Wissenschaft, Verwaltung und Presse hat sich über ihn ergossen. Nichtsdestotrotz hat er seinen Standpunkt verteidigt und blieb unbeirrbar.

Ironischerweise beginnen erst jetzt einige christliche Schulen, dem staatlichen Vorbild nachzueifern! Vor fünf Jahren besuchte ich eine der großen Kirchenschulen in Queensland, um dort zur Einführung der Schöpfungslehre zu ermutigen. Zu jener Zeit wurde dort Evolution gelehrt, und meine Ausführungen stießen auf keinerlei Resonanz. Nachdem ein Gesetz in Kraft getreten war, das staatlichen Schulen erlaubte, die Schöpfungslehre anzubieten, wandte ich mich erneut an den Ausschuß und sagte: "Glauben Sie nicht, daß es an der Zeit ist, Schöpfung auch an christlichen Schulen zu lehren, nachdem jetzt Ihre Kollegen im öffentlichen Bereich damit begonnen haben?"

Was das Schlimmste ist - es wurde noch nicht einmal die Ironie, die hierin lag, erkannt. Aber auf jeden Fall planen sie jetzt, auch an ihren Schulen Schöpfung zu lehren.

F: Ist die Situation in ganz Australien ähnlich?

A: Nein, keineswegs. In New South Wales haben wir genau die entgegengesetzte Situation: dort wurde die Schöpfungslehre per Gesetz aus den Klassenzimmern verbannt. In Victoria hat man an den höheren Schulen die Evolutionstheorie bis zum Abschlußjahr vom Lehrangebot gestrichen.

Möchte man dagegen in Südaustralien den Ursprung des Lebens behandeln, so muß man über Evolution lehren - wer will, darf dann auch über Schöpfung lehren. Umgekehrt muß aber jeder, der Schöpfung lehrt, auch Evolution unterrichten.

Die Reaktion auf die Schöpfungslehre ist vor allem davon abhängig, inwieweit die Landesregierungen christlichen Einflüssen ausgesetzt sind, sei es von außerhalb her oder aus den eigenen Reihen. In New South Wales, wo die Schöpfungslehre aus den Schulklassen verbannt wurde, finden wir eine stark humanistisch geprägte Regierung: Sie ist pro Abtreibung, pro Homosexualität und steht dem christlichen Glauben grundsätzlich ablehnend gegenüber. Nachdem wir an der Universität der Landeshauptstadt Sydney ein umfassenderes Seminar abgehalten hatten, wurde von einzelnen Regierungsmitgliedern eine konzertierte Aktion eingeleitet, um die Schöpfungslehre aus den Schulen zu entfernen.

Interessanterweise versuchte auch ein örtlicher Fernsehsender, uns lächerlich zu machen. Eine seiner Zuschauerumfragen lautete: "Sind Sie dafür, daß die 6-Tage-Schöpfung an höheren Schulen gelehrt wird?" Zu ihrer Überraschung erwiderten von 30.000 Anrufern 20.000 mit: "Ja, wir wollen unbedingt, daß Schöpfung an unseren Schulen gelehrt wird." Eine Woche später erklärte der Bildungsminister: "Nein, Sie wollen das nicht!", und erließ ein Gesetz, das die Schöpfungslehre im Unterricht  verbietet.

F: Was tun Sie, wenn die Schöpfungslehre derart streng verboten wird?

A: Wir ändern einfach unsere Taktik in dem betreffenden Bundesstaat. Kürzlich haben z.B. Dr. Gary Parker und ich eine große höhere Schule in New South Wales besucht, um an einer Diskussion zum Thema Schöpfung teilzunehmen. Allerdings gingen wir nicht zu den Naturwissenschaftlern, sondern zu den alten Historikern. Die Veranstaltung war nämlich vom Fachbereich für antike Geschichte organisiert worden, wobei es natürlich Naturwissenschaftlern auch erlaubt war, dem Treffen beizuwohnen. Die Debatte dauerte etwa 2 Stunden und wurde vom örtlichen Fernsehen live übertragen. Es war alles vollkommen rechtmäßig, und das Bildungsministerium besaß keinerlei Möglichkeit, um einzugreifen.

Wir können hieraus folgendes lernen: Wenn die Regierung eine Tür zuschließt, versucht man eben eine andere zu öffnen. Wir hatten genau dieselben Argumente für die Schöpfung wie bei einem naturwissenschaftlichen Seminar, nur daß wir das Ganze jetzt Geschichte des Altertums nannten. Und das ist absolut korrekt: Sowohl die Schöpfung als auch die Evolution gehören nämlich zur antiken Geschichte. Gleichzeitig gehören sie aber auch der Philosophie an. In der Tat hinterlassen Ursprungstheorien fast auf jedem Gebiet ihre Spuren, angefangen bei Englisch über Geschichte bis hin zur Ethik. Sie stellen komplexe Weltanschauungen dar. Fachlich gesehen könnte man daher Kreation/Evolution fast überall in den Lehrplan mit aufnehmen.

F: Was geschieht aber, wenn die Schöpfungslehre tatsächlich an den Schulen zugelassen wird? Eine meiner Befürchtungen ist, daß feindlich gesinnte Lehrer hier großen Schaden anrichten könnten, sobald sie aufgefordert werden, Schöpfung zu lehren.

A: Das stimmt. Ist die Schöpfungslehre als Unterrichtsfach erst einmal zugelassen, wird dies vor allem Christen ermutigen, endlich ihr Schweigen zu brechen. Christlichen Lehrern, die schon immer Schöpfung unterrichten wollten, steht es dann gänzlich frei, dies zu tun. Von entscheidender Bedeutung ist hierbei der Zugang zu solidem Lehrmaterial. Eine meiner Aufgaben in den letzten Jahren war es daher, Materialien zu erschließen, die sich für den Gebrauch in öffentlichen Schulen eignen.

Das Problem ist, daß selbst christliche Lehrer, auch wenn sie an christlichen Schulen lehren, oft nur geringe Kenntnisse von der Schöpfung besitzen. Aus diesem Grunde habe ich ein Sequenz von Lehreinheiten entwickelt, die der Schüler selbständig durcharbeiten kann. Der Lehrer leistet ggf. nur Hilfestellung, ist aber am eigentlichen Lernprozeß völlig unbeteiligt.

Durch solche autodidaktischen Lernprogramme vermeiden wir auch den Problemfall des nichtchristlichen Lehrers, der die Schöpfungslehre ablehnt. Ein Lehrer, der unsere Materialien verwendet, braucht kein schönes Bild von einer Sache malen, die ihm womöglich vollkommen widerstrebt. Wir haben jedoch festgestellt, daß auch viele Nichtchristen durchaus bereit sind, Schöpfung zu lehren - nur, daß sie nicht wissen, wie.

F: Sind diese Materialien inzwischen erhältlich?

A: Noch nicht, aber sie werden in Kürze herausgegeben. Wir werden die Leser des Bible-Science Newsletter selbstverständlich informieren, sobald das Material verfügbar ist.

Quelle: Bible Science Newsletter, August 1987