Rudimentäre Organe

Was beweisen sie?

Verkümmerte Organe sind Gebilde, für die man keine Funktion im Körper gefunden hat. Eine Liste von beinahe 100 solcher Organe konnte in Lehrbüchern gefunden werden, als diese Idee zum erstenmal ins Gespräch kam. Jetzt werden nur sehr wenige Organe als rudimentär bezeichnet. Und das deshalb, weil der Mensch die Funktionen vieler dieser Gebilde entdeckt hat. Möglicherweise ist der Ausdruck "rudimentär" in Wirklichkeit ein Wort, das die Biologen benutzen, wenn sie nicht zugeben wollen, daß sie die Funktion einiger Organe nicht kennen.

Vom Blinddarm, den Ohrmuskeln und vom dritten Augenlid, auch eine blinzelnde Membran genannt, wird angenommen, daß sie Organe sind, die einst eine Funktion in einer früheren Evolutionsstufe des Menschen gehabt haben. Bei einigen Tieren, wie z.B. der Ratte und dem Hasen, ist der Blinddarm ziemlich groß und erfüllt die Funktion eines Verdauungsorgans. Einige Evolutionisten glauben, daß der Mensch einst solch einen Blinddarm hatte, ihn aber nicht mehr brauchte, als sich seine Essensgewohnheiten änderten. Entsprechend dieser Theorie wurde aus dem Blinddarm ein lediglich kleines Überbleibsel eines großen nützlichen Organs. Es gibt jetzt Beweise dafür, daß der Blinddarm des Menschen als Hilfsmittel bei der Abwehr des Körpers gegen Krankheiten dient. Weil Fossile vorzeitlicher Menschen nur aus Knochen bestehen, gibt es keine Möglichkeit zu erforschen, wie der Blinddarm eines solchen frühzeitigen Menschen aussah.

Die blinzelnde Membran dient bei einigen Tieren als drittes Augenlid, wie z.B. bei Fröschen und Vögeln. Ihre Hauptfunktion beim Menschen ist es, Fremdkörper, die ins Auge gelangt sind zu sammeln und sie in einer klebrigen Masse in einem Winkel des Auges abzusetzen, wo sie keinen Schaden anrichten können. Da diese Membran eine Funktion hat, sollte sie nicht als rudimentär betrachtet werden.

Das Steißbein soll laut einigen Evolutionisten ein verkümmerter Schwanz sein. Während der embryonalen Entwicklung steht das Steißbein zwischenzeitlich heraus. Normalerweise ist der "Schwanz" schon lange von Gewebe umschlossen, wenn das Kind geboren wird. Er schrumpft nicht, wird aber von den sich entwickelnden Hüften umgeben und dient als Befestigungspunkt für bestimmte Muskeln - eine sehr wichtige Funktion. Ohne diesen Knochen wären wir nicht imstande, bequem zu sitzen, weil Teile des Muskelsystems daran befestigt sind. Einige Arten von Rückenschmerzen sind auf Defekte des Steißbeins zurückzuführen. Es ist kein fossiler Beweis gefunden worden, der die Theorie unterstützen würde, daß das Steißbein ein rudimentärer Schwanz wäre.

Auch Tiere weisen Gebilde auf, von denen vermutet wird, daß sie Überreste von nützlichen Organen seien. Einige Vögel, wie etwa der Kiwi, haben kleine Flügel, die sie nicht zum Fliegen gebrauchen. Die Python hat kleine Knochen, ähnlich der Hüftknochen, aber es wurde berichtet, daß diese kleinen Knochen diese Schlange in ihren Bewegungen unterstützen.

Alle anscheinend "nutzlosen Organe" zu Rudimenten zu erklären, kann zu einigen schwierigen Problemem führen. Männliche Säugetiere haben nicht funktionierende Milchdrüsen. Wenn dies rudimentäre Organe wären, dann hätten einst die männlichen Tiere die Jungen gesäugt. Bei einigen Froscharten hat das Männchen zwei winzige schlauchförmige Gebilde im Unterleib, die den Eileitern im Unterleib der Weibchen ähneln. Sie werden rudimentierte Eileiter genannt. Wenn sie rudimentär sind, haben dann die Männchen Eier produziert? Wenn sie Eier produziert haben, waren sie dann nicht Weibchen? Wenn sich Weibchen zu Männchen entwickelt haben, was war dann der Ursprung der Weibchen? Welche Art von Selektionsdruck veranlaßte die Frösche zur Geschlechtsumwandlung? Welcher Selektionsvorteil würde in einer Geschlechtsumwandlung liegen?

Wie schon zuvor erwähnt, weiß man heute von vielen Organen, die einst als Rudimente gegolten haben, daß sie nützliche Gebilde sind. Einst dachte man auch, daß es sich bei den endokrinen Drüsen um rudimentäre Organe handle. Ihre große Bedeutung als Hormonproduzenten ist heute klar. Kürzlich wurde herausgefunden, daß die Thymusdrüse bei der Abwehr des Körpers vor Krankheiten eine Rolle spielt. Vielleicht wird die Nützlichkeit der verbleibenden rudimentären Organe entdeckt, wenn sich das Wissen erweitert.

Es gibt große Schwachpunkte in der Argumentation der rudimentären Organe. Erstens, wie bereits ausgeführt, bedeutet allein die Tatsache, daß für ein Organ keine Funktion bekannt ist, nicht notwendigerweise, daß es nutzlos ist. Wenn seine Entfernung keinen sichtbaren Schaden verursacht, mag das daran liegen, daß dessen Funktion von einem anderen Organ übernommen wurde. Es ist bekannt, daß dies in einigen Fällen geschieht.

Zweitens, warum sollte der Nichtgebrauch zum Verfall des Organs führen? Dies ist Lamarck'sches Denken und ist mit Sicherheit nicht nachgewiesen. Selbst wenn ein Organ nie benutzt wurde, würde dies nichts an der Bildung des Organs durch die Gene ändern. Die angeblichen Verschlechterungen passieren aufgrund von "Ausfallsmutationen", aber warum sollten diese Individuen ausgelesen werden, wenn sie den Gebrauch eines Organes einbüßen, welches, wenn nicht nützlich, auf keinen Fall schädlich ist? Sollte eines der oben erwähnten "rudimentären Organe" schädliche Auswirkungen auf seinen Besitzer haben? Man sollte nicht vergessen, daß Mutanten dazu tendieren, weniger Lebenskraft zu haben als normale Individuen. Wenn man alle Dinge in Betracht zieht, dann hätte der Mutant geringere Überlebenschancen, nicht größere.

Wenn rudimentäre Organe wirklich existieren, können sie nicht dazu herangezogen werden, die These der Evolution zu wachsender Komplexität zu unterstützen, weil das Individium dadurch vereinfacht wird, daß es weniger funktionelle Organe hat. Die Existenz rudimentärer Organe scheint eher die Anwendbarkeit des zweiten Gesetzes der Thermodynamik zu unterstützen als die der Evolutionstheorie. Das zweite Gesetz der Thermodynamik nimmt Bezug auf den Gedanken, daß alle natürlichen Systeme sich zurückbilden. Sind nicht alle rudimentären Organe eher ein Beweis für das Degenerieren als für den Fortschritt oder die Evolution zu Komplexität?

Dr. A.J. Monty White

Quelle: Creation News, Frühling 1979