Qualifikationen für Leiterschaft

Der Schlüssel zur Weltevangelisation liegt darin, die Leiter zu mobilisieren. Die Leiter müssen den Anfang machen. Dies ist die einfachste Definition für Leiterschaft: jemand, der nach vorne geht und leitet. Immer wenn etwas mehr geschehen soll, muß jemand vorne stehen.

1. Was qualifiziert einen Leiter? Zunächst ist es jemand, der selber folgen kann.

Wir lernen nicht, Leiter zu sein, indem wir unabhängig sind. Es gibt keine Abkürzungen, es gibt nur Lehrjahre. Oft spreche ich in Bibelschulen und Seminaren, und die Studenten fragen mich: "Wie komme ich in einen Dienst hinein?" Ich antworte: "Finde jemanden, der etwas tut und diene ihm. Sei nicht unabhängig."

Auch Organisationen sind wichtig. Gott gebraucht Bewegungen, Er bringt sie in der Geschichte hervor. Und Struktur ist ebenfalls wichtig. Wir werden zwar durch Gottes Geist geleitet, aber auch in der Bibel wird Struktur dargestellt. Es gibt die Struktur der Kirchenleitung mit Ältesten, Bischöfen, Diakonen. Dann gibt es die Struktur von Gaben und Diensten. Ich muß nicht in allen Diensten sein. Der Leib Christi wird in der Bibel wie ein leiblicher Körper dargestellt mit Augen, Händen und Füßen - abhängig voneinander. Wir sind dazu geschaffen, voneinander abhängig zu sein. Und wir lernen Leiterschaft dadurch, daß wir folgen. Du lernst z.B. Vater zu sein dadurch, daß du Sohn bist. Das ist ein ganz einfacher Rat. Aber es ist erstaunlich, wie wenig Leute bereit sind, ihn zu befolgen. Es gibt keine Abkürzungen, nur Lehrjahre.

"Wer weisen Herzens ist, nimmt Gebote an; wer aber ein Narrenmaul hat, kommt zu Fall" (SPRÜCHE 10:8). Wir fangen damit an, daß wir nicht wissen, was unsere Dienste und Gaben wirklich sind. Und um es herauszufinden, nimmt man an einem Dienst-Projekt teil. Diene jemandem, der etwas tut, das offensichtlich von Gott gesegnet ist. Aber wir sollen kein persönliches Streben unsere Pläne bestimmen lassen. Es ist nicht so wichtig, was mein Platz ist, sondern daß die Arbeit getan und Jesus erhoben wird. Einer der Dienste, die Gott mir gegeben hat, ist Lehren. Aber aus meinen Gaben leite ich keine Rechte ab, z.B.: "Ich kann keine Toiletten saubermachen, weil ich Prophet bin."

König Josia ist einer der großen Helden der Bibel, ein Mann, der die Sache nicht verpfuscht hat. Und doch machte er am Ende seines Lebens einen Fehler. Die Bibel sagt von ihm: "Solange er König war, lebten die Kinder Israel in Gerechtigkeit." Was für eine phantastische Aussage! Und doch starb er auf tragische Weise. Es gab einen König in Ägypten, der hieß Pharao Necho. Er hatte eine große Armee und wollte durch das israelische Gebiet an den Euphrat ziehen. Er traf sich mit Josia und sagte: "Ich habe nichts gegen dich vor, und Gott ist mit mir. Mein Ziel liegt im Norden. Kämpfe nicht mit mir. Laß mich durchziehen. Ich möchte dir nichts Böses antun." Aber Josia nahm seine Salbung zu ernst. All diese Jahre war er der Beschützer Israels gewesen. Das machte ihn blind für Gottes größere Absicht. Er konnte die Absichten Gottes nur in seinem Gebiet sehen. Und er ging hinaus und kämpfte mit Pharao Necho und starb. Ein gerechter König, der keinen anderen Fehler gemacht hatte. Darin liegt für uns alle eine große Lektion.

2. Das nächste Prinzip lautet: Belehrbar sein. Was ist der Beweis eines belehrbaren Geistes?

Ein hörendes Ohr. Davon reden viele Schriftstellen. "Der Weise lernt durchs Hören. Der Narr lernt, wenn er Unverständige bestraft sieht" (SPRÜCHE 21:11). "Liebe Brüder, vergeßt nie, daß es am besten ist, viel zu hören, wenig zu reden und nicht ärgerlich zu werden" (JAKOBUS 1:19). "Neige dein Ohr und höre die Worte des Weisen und richte dein Herz auf Disziplin" (SPRÜCHE 22:17).

Wir hören auf drei Dinge. Zuerst auf die persönliche Korrektur. Demut ist, sich selbst zu sehen, wie man ist. Wie weißt du, wie du aussiehst - körperlich? Ich kann alle eure Gesichter sehen. Erinnere dich jetzt einmal an dein eigenes Gesicht. Wie sieht es aus? Kannst du daran denken? Kein Problem, oder? Warum? Weil du viel Zeit damit verbracht hast, es zu betrachten; ganz besonders als Teenager. Stundenlang hast du dein Gesicht im Spiegel untersucht. Was ist der Spiegel der Seele? Die Bibel sagt, daß das Wort Gottes einer dieser Spiegel ist. Dort sehen wir uns widergespiegelt.

Ein anderer Spiegel ist die Überführung durch den Heiligen Geist. Gott sagt uns, was Er sieht. Und ein weiterer Spiegel ist, wenn liebende Gläubige uns korrigieren. Wenn wir leiten sollen, ist es nötig, daß wir uns mit jemandem in Beziehung bringen, der uns korrigiert. Weißt du, wer du wirklich bist? Du erfährst es nur dadurch, daß du in den Spiegel schaust. Die Bibel sagt: "Der Hochmut deines Herzens hat dich betrogen." Wir können uns selbst nicht natürlicherweise sehen. Wir müssen in den Spiegel schauen.

Das erste Mal, als ich an Leiterschaft bei JMEM beteiligt war, war ich 20 Jahre alt. Verschiedene von uns wohnten im Haus eines Ehepaares. Am letzten Tage kam die Frau zu mir und sagte: "Ich möchte mit dir reden, ehe du gehst." Sie sagte: "Weißt du, ich liebe dich als Bruder in Christus. Du hast vier Tage in unserem Haus gewohnt, und ich habe einige Dinge in deinem Leben gesehen, die mich sehr beschäftigen. Nummer eins ist deine Haltung gegenüber anderen, daß du an ihrer Meinung nicht interessiert bist." Dann ging sie von einem Punkt zum anderen, eine ganze Liste lang. Was sollte ich tun? Ich wollte mich selbst verteidigen. Das ist der natürliche Impuls. "Oh, du richtest mich. Ich bin nicht wirklich so, du kennst mich nicht wirklich." Aber eines blieb mir im Sinn: "Für sie ist es unangenehm. Sie hat keinen Spaß daran. Es wäre leichter für sie, so etwas nicht zu tun. Es kann tatsächlich nur sein, weil sie mich liebt." Und ich sah, wie Jesus über ihre Schulter schaute; nicht in einer Vision, sondern in meiner Vorstellung. Und Er achtete auf meine Reaktion. Würde ich wirklich in den Spiegel dieser liebenden Ermahnung schauen? Oder würde ich es verdrängen? Und an dem Tag wählte Er, ob Er mir weitere Verantwortung geben würde. Ich bat sie, für mich zu beten, daß Gott mir barmherzig und gnädig sei. Ich habe diese Frau nie wiedergesehen und möchte es auch nicht. Es ist eine schmerzliche Erinnerung, obwohl ich weiß, daß sie mir wohlgesonnen war.

Aber ich danke Gott für diese Erinnerung, wo ich in den Spiegel geschaut habe, denn seit dieser Zeit hat Gott mich auf vielerlei Weise gebraucht. Und oft drückten Menschen mir gegenüber Dankbarkeit aus. Ich denke an die wahren Aussagen dieser Frau. Und ich weiß, wer ich wirklich bin. Wenn es irgend etwas Anziehendes, Gutes in mir gibt, hat das Jesus hinzugefügt.

Wir müssen belehrbar sein. Es ist notwendig, daß wir anderen Dienstgaben zuhören. Wir sollten niemals denken, daß wir allein Offenbarung haben. Die Dienste offenbaren Teile von Gottes Charakter. Und wir brauchen einander sehr. Wir müssen uns in den Diensten einander unterordnen. Nicht nur, weil sie unterschiedlich in ihrer Funktion sind; nicht nur, weil der Pastor den Verwalter braucht, sondern weil die Dienste etwas davon offenbaren, wie Gott wirklich ist.

Ein weiterer Bereich des Hörens geschieht in unserem Lesen. Wir sollen das Wort Gottes lesen. Wir sollen christliche Literatur lesen, und wir sollen über die um uns herum informiert sein. Wir müssen Leute sein, die wissen, was passiert. Wir müssen über die weltliche Kultur um uns herum Bescheid wissen. Letzte Nacht habe ich nicht viel geschlafen, sondern die Geschichte Deutschlands gelesen. Für mich ist es wesentlich, Geschichte zu kennen, um ein geistlicher Leiter zu sein. Ich lese die Geschichte jeder Nation, in der ich bin, weil Gott an Nationen handelt. Da ich im Fluß der Geschichte bin, weiß ich nicht, wohin wir gehen, ehe ich sehe, woher wir gekommen sind. Ich glaube, daß Gott eine Absicht für unsere Generation hat. Ich bin 31, die meisten von euch sind in den 20ern. Gott hat eine Bestimmung für uns und wirkt in die menschliche Geschichte. Damit du ein geistlicher Leiter sein kannst, mußt du das große Bild verstehen. Wie kannst du Leute motivieren, wenn du nicht fähig bist, ihnen ihren Platz in dem großen Bild zu zeigen?

3. Ein weiterer Punkt: von Stolz und selbstsüchtigem Streben gereinigt zu sein.

Das ist leichter gesagt als getan. Wir haben alle das Bedürfnis, dazuzugehören, anerkannt zu werden. Wir haben bestimmte Gebräuche wie das Händeschütteln entwickelt, weil wir ein Bedürfnis nach körperlicher Zuneigung, Berührung haben.

Genauso ist es mit dem Bedürfnis nach Schlaf. Darin ist nichts Falsches, aber es kann zur Sünde der Trägheit werden. Wir haben Appetit auf Sex. Auch daran ist nichts falsch. Gott gab uns diese Bedürfnisse, damit Er uns segnen kann, nicht, um uns zu quälen. Wir werden durch unsere Bedürfnisse gequält, weil sie durch vergangene Sünden aufgeschwollen und verdreht worden sind. Wir haben Hunger nach Nahrung. Ich habe großen Appetit auf Essen. Aber das kann zur Sünde der Gefräßigkeit werden. Und unser Hunger nach Anerkennung ist wie diese anderen. Wenn der Hunger nach Anerkennung zum Hauptmotiv in unserem Leben wird, nennen wir das die Sünde des Stolzes.

Bestimmte Dienste bringen eine große Versuchung zum Stolz mit sich, weil das Bedürfnis nach Anerkennung dadurch genährt wird. Jesus sagt: "Der Prophet ist nicht ohne Ehre." Mit anderen Worten: Ein Prophet empfängt Prestige und Anerkennung. Also sorgt Gott bei denjenigen, die Er in öffentlichem Dienst gebrauchen will, für eine lange Lehrzeit, die uns von dieser Lust nach Anerkennung reinigt.

Denk an die erstaunliche Geschichte Josephs, die der Geschichte Jesu ähnlich ist. Alle geistlichen Leiter in der Bibel sind durch eine lange Lehrzeit gegangen: Abraham, Mose, David, Joseph usw. Für Joseph begann die Reinigung mit dem Test der Ablehnung. Als er 17 Jahre alt war, wurde er von seinen Brüdern abgelehnt. Zunächst hatte er einen Traum. Viele von uns machen ähnliche Erfahrungen. Auch wir haben Träume, von Gott gebraucht zu werden. Und häufig sind es unsere engsten Freunde, die uns in die Grube stoßen. Diese Grube ist die Ablehnung durch deinen Mitbruder in Christus. Das ist ein sehr harter Test, nicht wahr?

Joseph ist durch diesen Test gegangen. Danach wurde er ein Sklave. Was bedeutet Sklaverei? Arbeit ohne Lohn. So etwas kann auch in deinem Leben geschehen. Du hast einen Traum, möchtest Jesus dienen. Du steigst in eine Organisation ein. Und was erwarten sie von dir? Einen Dienst, der nichts mit deinen Gaben zu tun hat, der nicht deinen Wünschen entspricht. Warum? Es ist Gottes Handeln an dir. In dieser Prüfung Josephs ist eine große Ähnlichkeit zu den Prüfungen, durch die wir gehen.

Was war die nächste Prüfung? Der Test der Ungerechtigkeit. Das ist die Stelle, wo die meisten Gottes Plan verlassen. Ich habe etwas Interessantes festgestellt. Die meisten Organisationen, die lebendig und christozentrisch sind, haben viele Kritiker - und zwar unter ehemaligen Mitarbeitern. Bittere Menschen, die mit dieser Gruppe nichts mehr zu tun haben wollen. Es ist sehr leicht, in einer christlichen Organisation bitter zu werden. Wir sind viel empfänglicher für Bitterkeit als die Menschen in der Welt. Wie kann das sein? Die Menschen in der Welt werden durch ihren eigenen Zynismus beschützt. Sie haben eine niedrige Erwartung vom Leben.

Der Test der Ungerechtigkeit kann auch bei "Jugend mit einer Mission" passieren. Ich habe bei JMEM tiefe Verletzungen erfahren. Das schmerzt viel mehr, weil diese Organisation genau meinen Idealen entspricht. Gott zeigte mir, daß ich ein götzendienerisches Vertrauen auf meine Leiter in JMEM hatte, ein Vertrauen, das letztlich nur Ihm gebührt. Ich soll meiner Organisation gegenüber loyal und hingegeben sein, aber dabei erkennen, daß sie nur ein Umstand ist, in den Jesus mich hineingeführt hat.

Warum sind wir heute in irgendeiner Weise mit JMEM verbunden? Etwa, weil wir jede christliche Organisation in der Welt untersuchten und dann zu der Überzeugung kamen, daß dies die beste sei? Nein. Wir sind einfach Jesus gefolgt. Eine Tür öffnete sich uns, und Er sagte: "Geh hinein. Mach da mit." Es war subjektive Führung; ein Umstand, in den Gott uns hineinführte.

Auf den Test der Ungerechtigkeit folgte der Test des Stillstands. Joseph kam ins Gefängnis. Das Gefängnis ist ein Ort der Finsternis. Dort gibt es keinen Fortschritt. Deine Karriere kommt zum Halten. Du bist unfruchtbar, du kommst in einen Schwebezustand. Das ist eine schwierige Prüfung. Bist du jemals in einem Mißverständnis in der Schwebe gewesen? Du hast keine Ahnung, was Gott mit dir tut. Worum geht es Ihm? Ich habe mich Gott doch gegeben: "Hier bin ich, Gott. Laß uns losziehen." Und jetzt mache ich nichts. Ich bin des Wartens müde. Wenn ich bloß wüßte, was Gott mir sagt. Im Buch Jesaja steht: "Wer ist unter euch, ... der im Finstern wandelt und dem kein Licht scheint? Der hoffe auf den Namen des Herrn" (JESAJA 50:10). Das ist ein sehr schwerer Test.

Ähnlich der Test der aufgeschobenen Hoffnungen. In den Sprüchen steht: "Hoffnung, die sich verzögert, ängstet das Herz" (SPRÜCHE 13:12). Joseph war im Kerker, neben ihm ein Freund, und der wurde vor ihm befördert. Ein sehr harter Test. Hast du gesehen, wie deine Freunde vor dir befördert werden? Joseph hatte viel größeres Potential als dieser Mann, und er wußte es. Dennoch wurde er nicht bitter. In seinem Herzen war immer Vergebung. Es gibt eine direkte Beziehung zwischen Vergebung und der Höhe deiner Leiterschaft. Wie sehr du vergeben kannst, bestimmt, wie groß dein Einflußbereich werden kann.

In Wahrheit sind die Schmerzen der Macht viel stärker als die der Dienerschaft. Wie ist es, wenn du die Autorität bist? Deine Nachfolger werden dich verletzen. Du wirst verraten werden, kritisiert, entpersonalisiert. Jedermann hat das Recht, dich zu kritisieren. Die Notwendigkeit zur Vergebung ist viel größer.

Die letzte Lektion, die wir aus dem Leben Josephs lernen können, ist seine Beförderung. An einem einzigen Tag kam er aus dem Gefängnis und wurde der zweite Mann in Ägypten. Das ist die Lektion für jeden jungen Christen. Es spielt keine Rolle, welches Ansehen du bei den Menschen hast. Die Beförderung kommt nicht vom Osten oder Westen, sondern vom Herrn. Als was sieht Er dich? Kümmere dich nicht darum, was Menschen denken. Lebe, um Gott zu gefallen.

4. Die nächste Qualifikation ist eine disziplinierte Zunge.

"Wer ein reines Herz und liebliche Rede hat, dessen Freund ist der König" (SPRÜCHE 22:11). Die Bibel sagt uns, daß wir Beförderung nicht suchen sollen, aber es wird uns gesagt, wie wir befördert werden: Rede angenehm. Ich habe 157 Mitarbeiter und mehrere 100 Studenten. Oft haben wir Mitarbeitertreffen. Und ich höre darauf, wie Menschen reden. Können sie ihre Zunge im Zaum halten? Wenn sie mit impulsiven Aussagen herausplatzen, bin ich ihnen gegenüber vorsichtig. Es ist sehr wichtig, daß wir zunächst Kontrolle über uns selbst erlangen, bevor uns Gott Kontrolle über andere geben kann. Im Jakobusbrief gibt es eine radikale Aussage. "Wer aber auch im Wort nicht fehlt, der ist ein vollkommener Mann und kann auch den ganzen Leib im Zaum halten" (JAKOBUS 3:2).

Zurückhaltung ist die erste Lektion. Gott wird deinen Mund nicht mit Weisheit füllen, während du noch voll Narrheit bist. Er möchte dich zuerst zum Schweigen bringen. Auf einem Einsatz nach Paris vor 12 Jahren saß ich hinten im Bus mit zwei jungen Christinnen. Wir erzählten uns komische Geschichten und lachten und lachten. Aber unsere Geschichten neigten sich mehr und mehr der Ungerechtigkeit zu, sie wurden immer weniger auferbauend. Schließlich kamen wir nach Paris. Wir gingen in einen Gottesdient, und Loren Cunningham predigte. Er machte einen Altarruf, und wir drei gingen nach vorn und taten Buße. Wir fühlten uns schmutzig, weil wir geredet und geredet hatten. In den Sprüchen steht: "In vielen Worten ist das Böse."

Auf dem Rückweg saß ich mit denselben beiden Mädchen im Bus. Und ich dachte: "Ich will das nicht wieder tun." Ich öffnete die Bibel, da schaute mir eine Schriftstelle entgegen: "Halt den Mund." Nicht gerade in diesen Worten, aber das war der Sinn. Es schien, als ob jede Stelle, die ich aufschlug, sagte: "Sei still." Es machte mir Angst; ich saß da und war still. Stundenlang sagte ich überhaupt nichts. Und die Leute um mich herum fühlten sich nicht wohl und wußten nicht, was mit mir los war. Ich hatte nichts anderes zu tun und fing an zu beten. Schließlich gingen wir zusammen in die Anbetung und sangen im Geist. Und wir hatten im Bus eine Erweckung. Es war ein starkes Wirken des Geistes Gottes. Stundenlang manifestierten sich die Gaben des Geistes. Unter den Studenten war eine wirkliche Zerbrochenheit. Wir fingen an, Dinge untereinander in Ordnung zu bringen. Wie nie zuvor beteten wir Gott an. Das hat mich eine wichtige Lektion gelehrt, denn all dies kam aus dem Schweigen.

Was sagt die Bibel über die Zunge? Es steht dort, daß sie wie ein Ruder ist, das das Schiff leitet, oder wie ein Zügel beim Pferd. Das Zeichen deiner Herrschaft über dich selbst ist die beherrschte Zunge. Da gibt es zwei Seiten. Es geht nicht nur ums Schweigen. Viele von uns sind gehemmt. Es bedeutet nämlich auch zu sprechen, wenn Gott dir das befiehlt. Zeugnis abzulegen, wenn Er es uns aufträgt, und keine Angst zu haben.

5. Das nächste Prinzip lautet: Fürchte Gott und nicht die Menschen.

"Menschenfurcht bringt zu Fall, wer sich aber auf den HERRN verläßt, wird beschützt. Viele suchen das Angesicht eines Fürsten, aber eines jeglichen Recht kommt vom HERRN" (SPRÜCHE 29:25-26).

Was bedeutet das? Manchmal denken wir, daß Menschenfurcht etwas mit Zeugnisgeben zu tun hat, daß wir Angst vor der Ablehnung durch Ungläubige haben. Das ist zwar ein Problem, aber hier ist die Rede von unserer Beziehung zu Leitern. Hier wird davon gesprochen, daß wir leben, um Autoritäten zu gefallen statt Gott. Wenn es heißt: "Viele suchen das Angesicht eines Fürsten", dann bedeutet es, daß viele versuchen, menschlicher Autorität zu gefallen. "Wer sich aber auf den Herrn verläßt, wird beschützt." Das bedeutet Befördertwerden. Gerechtigkeit kommt vom Herrn.

6. Schauen wir uns ein weiteres Prinzip an: Keine anderen Götter haben.

Das schließt Menschen und Organisationen ein. In einer Organisation wie z.B. JMEM gibt es größere Versuchungen. Für mich ist es ein großes Vorrecht, Teil von JMEM zu sein - wegen der Qualität der Leiterschaft. Ich folge diesen Männern gern. Ich lese die Biographien der Helden der Vergangenheit, der Herrnhuter, John Wesleys, William Careys oder Hudson Taylors. Und ich sehe bei Floyd, Don und Loren gleiche Qualitäten.

Aber ich bin immer noch jemand, der in erster Linie Jesus folgt. Wenn ich jemals Helden aus Menschen statt aus Jesus mache, wird Gott zulassen, daß ich versage und verletzt werde, denn mein Vertrauen soll auf Jesus gerichtet sein. Eines Tages gab Gott mir die Schriftstelle PSALM 146:3: "Verlaßt euch nicht auf Fürsten." Diese Fürsten stehen für Menschen in Autorität. Bedeutet das, daß wir mißtrauisch gegenüber den Leitern sein sollten? Nein, aber es gibt ein Vertrauen, das wir letztlich nur für Jesus reservieren.

7. Das nächste Prinzip ist die Fähigkeit, andere zu motivieren.

Die Leiter sollen zuerst gehen, aber das bedeutet nicht, daß sie fähig sind, alles besser zu machen. Leiter sind oft die abhängigsten Leute in der Gruppe. Wir leiten nicht, weil wir größere Fähigkeiten als andere haben. Tatsächlich hat ein Leiter häufig weniger spezifische Fähigkeiten als die Leute um ihn herum. Von der Definition her ist ein Apostel jemand, der einen sehr allgemeinen Dienst hat. Apostel sind keine guten Spezialisten. Sie sind nicht gut in bezug auf Einzelheiten.

Ich weiß, wie das ist; um mich herum sind Experten. Ich weiß ein bißchen von Automechanik. Gerade genug, um schätzen zu können, was los ist. Wenn ich sehe, wie der Mechaniker arbeitet, empfinde ich echte Anerkennung. Ich weiß, welche wertvolle Arbeit das ist, weil ich sie mal gemacht habe. Aber das überzeugte mich, daß hier nicht meine Fähigkeiten liegen. Und meine Sekretärin tippt die Briefe viel besser als ich. Ich bin ein Spezialist in Allgemeinheiten. Ich kann alles ein bißchen, aber ich bin in nichts Experte.

Um Leiter zu sein, muß man nicht vollkommen sein, obwohl bestimmte Fähigkeiten notwendig sind. Jesus ist der wirkliche Leiter jedes Projekts, deines Dienstes, deiner Familie, von JMEM, deiner Gemeinde. Wir sollen Menschen von Jesus abhängig machen, nicht von uns. Wir sind ein menschlicher Bezugspunkt, aber sie sollen nicht von uns abhängig werden. Es ist für Leiter sehr wichtig, zerbrochen, offen und ehrlich zu sein und von Anfang an zu zeigen, wer du bist. Du bist jemand mit Problemen, eine halb geformte Kreatur. Woher weiß ich das? Weil du noch nicht tot bist. Wenn du stirbst, bringt Gott dich zum Abschluß deiner Ausbildung.

Ich hatte einen großartigen Freund namens Keith Green. Er war ein Sänger. Wir hatten Konzerte; er sang, und ich predigte: Gott hat uns wunderbar gebraucht. Ich war sehr traurig, als er starb. Keith war nur sieben Jahre Christ gewesen, er war nur 28 Jahre alt, mit jüdischem Hintergrund, und doch hat er in dieser kurzen Zeitspanne Millionen von Menschen beeinflußt. Oft sagte er Dinge, die extrem waren, die ihm später leid taten. Seine Begeisterung war größer als seine Erkenntnis. Aber er war sehr belehrbar. Kurz bevor er starb, schrieb er einen Artikel mit dem Titel "Nur für Propheten", worin er den Leib Christi um Vergebung bat für viele Dinge, die er gesagt hatte. Es war erstaunlich, die Veränderungen in Keith während der letzten vier Monate seines Lebens zu sehen. Und dann ging er in die Gegenwart Jesu. Er war bereit.

Wir können nicht warten, bis wir komplett sind, um Menschen zu führen. Wir müssen, so wie wir sind, Menschen leiten. Aber immer sollten wir unsere Schwächen offenbaren, indem wir um Vergebung bitten, niemals verdecken, wer wir wirklich sind. Wenn wir ein Bild von Unbesiegbarkeit darstellen, wenn wir andere nie unsere Fehler sehen lasen, werden sie früher oder später schwer enttäuscht werden; denn wir werden versagen. Dann werden sie uns gegenüber bitter und zu Verrätern und Kritikern werden, und wir werden tief verletzt. Es ist besser, von Anfang an offen und ehrlich zu sein.

Es gibt zwei Teile an dir; einmal deine eigene Identität und dann deine Salbung. John Dawson ist nicht besonders weise, aber Gott hat mir eine Leiterrolle gegeben. Ich bin der Leiter von JMEM in Kalifornien. Und für diese Arbeit gibt es eine Salbung. Ich mißtraue meinem Verstand, aber ich vertraue meinen Ahnungen. Wenn mir eine Idee ganz stark kommt, dann ist sie vielleicht von Gott, über mein eigenes Verständnis hinaus. Vielleicht ist es Gottes Treue gegenüber denen, die mir nachfolgen.

Versteht ihr, was ich damit meine, wenn ich von Ahnungen spreche? Manche sagen: "Gott hat zu mir gesprochen." Und Gott kann mit hörbarer Stimme reden, wenn Er will. Aber meistens spricht Gott dadurch, daß Er Seine Gedanken in unser Bewußtsein hineingibt. Wenn du in Leiterschaft stehst, lernst du, daß Gott zu dir redet. Du verstehst nicht, warum du dich so fühlst, aber du lernst, den Eingebungen des Heiligen Geistes zu gehorchen. Menschen folgen dir nicht, weil du gelehrter bist oder die Bibel besser kennst oder weil du ein genaueres Verständnis der christlichen Prinzipien hast. Ihre größte Hoffnung ist, daß du von Gott hörst, daß du sensibel gegenüber dem Reden Gottes bist.

John Dawson

Quelle: "Der Auftrag"