Petras Schicksalsuhr

Ruinenstadt Petra

Die berühmte Ruinenstadt Petra liegt an einer alten Karawanenstraße im Südwesten von Amman, der Hauptstadt von Jordanien. Sie befindet sich in einem tiefgelegenen Becken, und enthält Gräber und Tempel, deren atemberaubende Fassaden in den Fels eingemeißelt sind. David Down bereist den mittleren Osten regelmäßig seit 1958 und führt jedes Jahr Reisegruppen in diesem Gebiet herum. Im vorliegenden Artikel befaßt er sich mit einer Prophezeiung, die in 1. Mose beginnt und sich viele Jahrhunderte später erfüllte. Petra spielt hierbei eine faszinierende Rolle, und sie bekräftigt die Zuverlässigkeit von 1. Mose sowie anderer Teile der Heiligen Schrift.

Jedes Jahr verbringe ich einen Tag damit, die Tempel und Gräber der alten Stadt Petra zu besuchen. Aber niemals gehe ich durch die rosaroten Ruinen, ohne die unheimliche Genauigkeit von Gottes großartiger Zeituhr zu bewundern, welche langsam aber unerbittlich weitertickte, bis Petras Stunde schlug. Laßt uns jedoch am Anfang beginnen.

Vor ungefähr 38 Jahrhunderten brachte eine Mutter Zwillinge zur Welt. Nachdem sie 20 Jahre darauf gewartet hatte, ein Kind zu gebären, war Rebekkas Entbindung ein traumatisches Erlebnis. "Der erste, der herauskam, war rötlich, ganz rauh wie ein Fell, und sie nannten ihn Esau" (1. MOSE 25:25). Aus medizinischer Sicht war das ein seltener, aber nicht unbekannter Geburtsfehler, Hypertrichosis genannt.

Das hebräische Wort se'ar, hier mit "haarig" übersetzt, von dem der Name Esau abzustammen scheint, ist eng mit dem Wort sa'ir verwandt, welches 52mal mit Ziege oder Ziegenleder übersetzt wurde. Jakob, Esaus Zwillingsbruder, täuschte später seinem blinden Vater Isaak vor, er sei Esau, indem er seine Hände mit einem Ziegenleder umhüllte (1. MOSE 27:23). Das Gebiet, das später von Esaus Nachkommen eingenommen wurde, nannte man Land von Seir (1. MOSE 32:4).

Weitaus bedeutender war das hebräische Wort für rot, admoniy, das vom Wort "adam" abstammt. Esau mochte rote Linsen so leidenschaftlich gern, daß er in seinem Ungestüm sein Geburtsrecht für einen Topf davon verkaufte. "Laßt mich essen das rote Gericht", bedrängte er Jakob, "denn ich bin müde. Daher heißt er Edom" (1. MOSE 25:30). Und so wurden seine Nachkommen Edomiter genannt. "Das ist Esau, der Stammvater der Edomiter" (1. MOSE 36:43).

"Bitte laß uns hindurchziehen"

Esau ärgerte sich natürlich über Jakobs Doppelspiel, der seinen Vater täuschte, so daß dieser Esaus Geburtsrecht Jakob zuteil werden ließ, und diese Feindschaft blieb bei ihren Nachkommen weiterhin bestehen. Als die müden Israeliten die Grenzen von Edom erreichten, baten sie um Erlaubnis, durch das Gebiet der Edomiter zu gehen. "Laß uns durch dein Land ziehen", bat Mose. "Wir wollen nicht durch Äcker oder Weinberge gehen, auch nicht Wasser aus den Brunnen trinken. Die Landstraße wollen wir ziehen."

Aber die höfliche Bitte traf auf eine schroffe Ablehnung und wurde durch eine Zurschaustellung militärischer Macht noch verstärkt. "Du sollst nicht hindurchziehen", erwiderte der König von Edom scharf, "oder ich werde dir mit dem Schwert entgegentreten" (4. MOSE 20:17-18). So waren die Israeliten gezwungen, die beschwerliche Route durch die syrische Wüste zu nehmen.

Während Rebekkas Schwangerschaft wurde jedoch eine göttliche Voraussage gemacht: "... und der Ältere [Esau] wird dem Jüngeren [Jakob] dienen" (1. MOSE 25:23). Für lange Zeit sah es so aus, als ob die Prophezeiung fehlschlagen würde. 800 Jahre lang hatten Esau und seine Nachkommen die Oberhand. Aber obwohl Gottes Zeituhr langsam tickt, ist sie nichtsdestoweniger sicher.

Nachdem der junge David die Vereinigung Israels erreicht und seine Hauptstadt in Jerusalem gegründet hatte, wurden die umliegenden Nationen besorgt über die wachsende Macht Israels. Im Westen entschlossen sich die Philister zu einem Präventivangriff, doch David wehrte sie entschieden ab. Dies erweckte die Ängste der Nationen an Davids östlicher Grenze. David war gezwungen, sich den Moabitern, den Ammonitern, einer Koalition syrischer Könige und den Edomitern zu stellen. Er besiegte sie und machte sie tributpflichtig. "So machte sich David einen Namen, als er zurückkam, nachdem er achtzehntausend Syrer [müßte eigentlich 'Edomiter' heißen; Aram-Syrien und Edom sind im hebräischen Urtext fast identisch] im Salztal erschlagen hatte. Er setzte auch in Edom Garnisonen ein, in ganz Edom setzte er Garnisonen ein, und ganz Edom wurde David untertan" (2. SAMUEL 8:13-14 KJV).

Die Zeit eingeholt

Die Zeit hatte also Esaus Nachkommen eingeholt; die Prophezeiung begann sich zu erfüllen. David war nun der Herrscher eines weitreichenden Imperiums.

150 Jahre später, während der Herrschaft Jehorams, des Königs von Juda, "fielen die Edomiter von Juda ab und setzten einen König über sich" (2. KÖNIGE 8:20).

Fünfzig Jahre danach stellte Amazia Judas Kontrolle über Edom wieder her. "Er schlug auch die Edomiter im Salztal, zehntausend Mann, und eroberte die Stadt Sela im Kampf ..." (2. KÖNIGE 14:7). (An dieser Stelle wird das Wort "Sela" in der King James-Version zum ersten Mal benutzt. Es ist hebräisch und bedeutet "Fels" und wird insgesamt 56mal so übersetzt.) In der griechischen Periode wurde diese Stätte später Petra genannt, welches das griechische Wort für 'Fels' ist. Schließlich wurde dann das ganze Tal mit dem Wort Petra bezeichnet.

In 2. KÖNIGE 14:7 ist das hebräische Wort hassela, welches wörtlich "DER Fels" bedeutet. Dieser Ausdruck bezog sich ursprünglich auf einen hohen, oben abgeflachten Hügel mit fast senkrechten Flanken im Tal Petra. Heute ist er bei den Arabern als Um el Biyara bekannt, was "Ort der Zisternen" bedeutet.

Er war die letzte Rückzugslinie für die Edomiter und war nahezu uneinnehmbar. In seinen flachen Gipfel sind fünf tiefe Brunnen eingehauen. In diese wurde das Regenwasser geleitet und lieferte somit reichliche Wasservorräte, falls die Verteidiger belagert werden sollten.

In 2. Könige 14:7 ist das hebräische Wort hassola, was buchstäblich "der Fels" bedeutet. Der Ausdruck bezog sich ursprünglich auf einen hohen abgeflachten Hügel mit fast senkrechten Hängen im Petratal. Er ist den Arabarn heute als Um el Biyara bekannt, was "Ort der Zisternen" bedeutet.

In Stücke gehauen

Doch das verhinderte nicht die Eroberung durch Amazia. Unter ihm "... fingen die Kinder Juda zehntausend von ihnen lebendig; die führten sie auf die Spitze eines Felsens [hebräisch hassela] und stürzten sie von der Spitze des Felsens, daß sie alle zerschellten" (2. CHRONIK 25:12). Das war ein ziemlich schreckliches Ende für die gefangenen Soldaten. Ich stand am Rand von Um el Biyara und schaute über den schwindelerregenden Abgrund. Es ist ein langer Weg bis zum Boden.

Die Edomiter bekamen die Früchte der Vergeltung 200 Jahre später zu schmecken. Juda hat die Verehrung von Jahwe aufgegeben und warf sich den Götzen seiner Nachbarn zu Füßen. Gott ließ es zu, daß die Babylonier Jerusalem eroberten. Tausende jüdische Gefangene wurden verbannt, und die Stadt wurde tributpflichtig gemacht. Zedekia versuchte, entgegen dem Ratschlag des Propheten Jeremia, Judas Unabhängigkeit durchzusetzen. Die Babylonier kamen zurück, und diesmal gab es kein Pardon mehr für die Stadt.

Nebukadnezar, begleitet von seinen Verbündeten, einschließlich der Edomiter, belagerte Jerusalem im Jahre 588 v.Chr. Zwei bittere Jahre lang hielten die Verteidiger durch, doch 586 v. Chr. wurden die Mauern durchbrochen und die Stadt eingenommen. Was konnte man tun, um weitere Aufwiegelung zu verhindern? Die edomitischen Verbündeten sahen ihre Chance, ihrem Ärger Luft zu machen. "Reißt nieder, reißt nieder bis auf den Grund!", drängten sie (PSALM 137:7). Nebukadnezar nahm ihren Rat an, und Jerusalem wurde dem Erdboden gleich gemacht.

Niemand soll dort wohnen bleiben

Jahwes Antwort durch den Propheten Jeremia war schnell und entschieden. "Wider Edom. So spricht der HERR Zebaoth ... Denn ich habe Esau entblößt und seine Verstecke aufgedeckt, daß er sich nicht verbergen kann ..., weil du in Felsenklüften wohnst und hohe Gebirge innehast. Wenn du auch dein Nest so hoch machtest wie der Adler, dennoch will ich dich von dort herunterstürzen, spricht der HERR. Also soll Edom wüst werden, daß alle, die vorübergehen, sich entsetzen und spotten über alle seine Plagen. Gleichwie Sodom und Gomorra samt ihren Nachbarn zerstört wurden, spricht der HERR, so soll auch dort niemand wohnen noch ein Mensch darin hausen" (JEREMIA 49:7,10,16-18). Obadja, dessen ganzes Buch an die Edomiter gerichtet ist, fügte hinzu: "Um des Frevels willen, an deinem Bruder Jakob begangen, sollst du zuschanden werden und für immer ausgerottet sein."

Die "hohen Gebirge" [KJV: "die Höhe des Berges"] beziehen sich auf Um el Biyara und die "Felsenklüfte" auf etwas, das bei den Arabern als Siq bekannt ist. Petra liegt in einem weiten, hügeligen Tal, und der Haupteingang zu dem Tal führt durch eine enge, gewundene Kluft durch die umliegenden Berge. Diese eindrucksvolle Schlucht hat turmhohe Wände, welche sich an manchen Stellen ganz oben zu treffen scheinen. Dieses Siq ist mehr als einen Kilometer lang und ermöglichte Petra eine einfache Verteidigung.

Diese Prophezeiungen sollten sich auf eine bestimmte dramatische Art und Weise erfüllen. Damit aber niemand die Propheten beschuldigen kann, die Vorhersagen gemacht zu haben, nachdem all das passiert war, mußten fast tausend Jahre vorbeigehen, bevor ihr Tribut endgültig gefordert wurde.

Doch für die Edomiter kam das Gericht schon bald. Ungefähr 200 Jahre später traten die Nabatäer (ein arabischer Stamm) auf die Bühne, und die Edomiter wurden ihres Stammsitzes enteignet. Es gibt keinen schriftlichen Bericht darüber, was genau passierte, es ist also nicht bekannt, ob es eine militärische Eroberung war oder ob die Nabatäer in Petra eindrangen und schließlich die Edomiter hinausdrängten. Alles, was wir wissen, ist, daß es im 4. Jahrhundert geschah.

Die Edomiter sahen sich gezwungen, in dem dürren Negev im Süden Judas Zuflucht zu suchen. Durch eine sonderbare Fügung wurden sie Teil der Nation, die sie verachteten. Im späten 2. Jahrhundert v. Chr. wurden sie von dem makkabäischen Führer Johannes Hyrcanus gezwungen, sich zu beschneiden und jüdische Überläufer zu werden. 70 Jahre später ging dieser Schuß nach hinten los, als nämlich ein willensstarker Edomiter, Herodes der Große, mit Hilfe von Rom Jerusalem einnahm und die Juden unter seine eiserne Hand brachte. Er war es, der die jüdischen Säuglinge in Bethlehem erschlagen ließ.

Neue Architektur

In Petra läuteten die Nabatäer derweil ein neues Zeitalter der Architektur und Bildhauerei ein. Sie waren ein Stamm aus Nordarabien und wahrscheinlich Nachkommen von Nebajoth, Ismaels ältestem Sohn (1. MOSE 25:13). Tatsächlich heiratete Esau Nebajoths Schwester (1. MOSE 28:9), daher waren die Neuankömmlinge in Petra schon etwas miteinander verwandt.

Petras Berge bestehen aus geschichtetem Sandstein, der sich Schicht für Schicht aus mehrfarbigem Stein zusammensetzt. Jede Farbe des Regenbogens ist vertreten. Der Stein ist nicht nur braun oder gelb, sondern auch rot, grün und blau. Und die Nabatäer fuhren fort, ihre Häuser, Gräber und Tempel aus diesen soliden Bergwänden herauszumeißeln, wobei diese bunten Schichten wunderbare Muster erzeugten.

Kamelkarawanen, mit Gewürzen und Gold beladen, zogen auf ihrem Weg von Arabien nach Damaskus und Anatolien durch Petra, und die Nabatäer forderten ihren Zoll. Anstatt der vorhergesagten Verwüstung blühte Petra auf. Die Tochter des Königs wurde mit Herodes Antipas verheiratet, dem Diktator, der Johannes den Täufer enthaupten ließ. Als Herodes Herodias heiratete, betrachtete Aretas IV. das als eine Beleidigung für seine Tochter und erklärte Herodes den Krieg.

Der politische Einfluß der Nabatäer dehnte sich so weit aus, daß Damaskus unter ihre Kontrolle kam. Paulus berichtete: "Zu Damaskus bewachte der Statthalter des Königs Aretas die Stadt der Damasker und wollte mich greifen, und ich ward in einem Korbe zum Fenster hinaus durch die Mauer niedergelassen und entrann seinen Händen" (2. KORINTHER 11:32-33).

Geschichten über die sagenhaften Reichtümer von Petra kamen dem kaiserlichen Rom zu Ohren, und die Kaiser warfen begehrliche Blicke auf die Bergfestung. Zwei Versuche, die Stadt zu erobern, scheiterten, doch 106 n.Chr. drangen unter Kaiser Trajan römische Legionen in Petra ein.

Die Propheten verspotten?

Doch Petra starb nicht. Es wurde eine gut gepflasterte römische Straße durch das Siq und das Tal gebaut und ein Triumphbogen quer über die Straße errichtet. Am Fuß des Um el Biyara wurde ein römischer Tempel gebaut. Gräber nahmen das Aussehen der Fassade eines römischen Palastes an, und Petras Reichtum schien über die entfernten Tiraden der hebräischen Propheten zu spotten.

Das Christentum kam nach Petra. Kreuze wurden in die Wände der Gräber gemeißelt, und die Toten wurden in Gräbern beerdigt, die in die Böden alter Häuser gegraben wurden. Ein riesiges römisches Grab wurde in eine christliche Kirche umgewandelt.

Doch für Petras blühende Bevölkerung wurden die todbringenden Taten gesät. Eine neue Karawanenroute entlang dem Roten Meer wurde für die Kameltreiber zunehmend attraktiv, und Palmyra im Norden wurde zu einem großen Handelszentrum. Ihres Einkommens durch Besteuerung beraubt, verarmten die Leute von Petra.

Zu der Zeit, als der Islam im 7. Jahrhundert unseres Zeitalters in den Mittleren Osten kam, war Petra nur noch ein Abglanz ihrer einstigen Pracht. Die Einwohner zogen wieder fort, florierenderen Beschäftigungen nach. Und aus Petra hallte der hohle Klang einer fast verlassenen Stadt wider.

Wir erhaschen nur noch einen kleinen Schimmer von Aktivität in Petra, bevor es ganz in Schweigen verfiel. Die Kreuzfahrer bevölkerten das Tal und erbauten eine steinerne Festung an den Hängen von Um el Biyara. Doch als sich die Kreuzfahrer im zwölften Jahrhundert zurückzogen, wurde Petra den Füchsen und Schakalen und hin und wieder arabischen Nomaden überlassen.

Petras Stunde schlägt

Trotz langer Verzögerung hatte Petras Stunde geschlagen, und sogar die Lage der Stadt ging verloren. In der westlichen Welt erzählte man Geschichten über die vergangene Herrlichkeit, doch der Verbleib der mysteriösen Stadt war komplett unbekannt. "Niemand soll dort wohnen", hatte der Prophet gesagt, und Petra war eine leere Hülle.

 Karte von SüdjordanienAm Mittwoch, den 24. November 1784 wurde Johann Ludwig Burckhardt in Lausanne in der Schweiz geboren. Er wuchs in Deutschland auf. Im Jahre 1806 ging er nach England, wo er 3 Jahre lang in London und Cambridge studierte. Drei Jahre später wurde er von der Britisch-Afrikanischen Gesellschaft beauftragt, in Afrika zu forschen. Ihm wurde geraten, zuerst nach Syrien zu gehen, um Arabisch und die islamische Religion zu studieren, welche damals einen dominierenden Einfluß in Nordafrika hatte.

Burckhardt identifizierte sich so erfolgreich mit dem Islam, daß er ein Fachmann auf dem Gebiet des Koran wurde. Er nahm einen moslemischen Namen an und unternahm später als Araber verkleidet eine Pilgerreise nach Mekka.

1812 machte er sich von Damaskus aus auf seinen Weg nach Kairo und nahm die Route durch Südjordanien. Er wurde von einem einheimischen Führer begleitet, der im Laufe der Unterhaltung ein seltsames, verlassenes Tal in der Nähe des Berges "Hor" erwähnte, der alten Begräbnisstätte Aarons. Es war eine heilige Stätte für moslemische Pilger, und Burckhardt bekannte seinem Führer, daß er ein Gelübde abgelegt hatte, an dem Grab eine Ziege zu opfern.

"Ich muß den Berg erreichen"

Der Führer geleitete ihn zum Wadi Musa, der Quelle von Mose, von welcher aus man die Grabstätte auf dem Gipfel des Berges Hor sehen kann, und schlug vor, daß die Ziege wohl auch in Sichtweite des Grabes geopfert werden könnte. Aber Burckhardt beharrte darauf, daß sein Gelübde es verlange, den Berg zu erreichen.

So drangen die beiden weiter ins Tal vor. Was Burckhardt erblickte, nahm ihm den Atem. Und zwar derart, daß sein Führer mißtrauisch wurde. Er beschuldigte ihn, ein Spion zu sein, und wollte ihn umbringen. Burckhardt zerstreute das Mißtrauen seines Begleiters nur dadurch, indem er hastig seine Ziege tötete und seinen Weg fortsetzte. Als er die Zivilisation erreichte, gab er einer erstaunten Welt bekannt, daß er die verlorene Stadt Petra gefunden hatte.

Als ich Petra zum ersten Mal besuchte, war es für Touristen immer noch ein gefährlicher Ort. Als ich der örtlichen Polizei mitteilte, daß ich mit meiner Familie in einer verlassenen Grabstätte nächtigen wollte (es gab keinen anderen Platz in Petra, wo man hätte schlafen können), stimmte die Polizei nur unter der Bedingung zu, daß ich einen bewaffneten Wachmann anheuern würde, der die ganze Nacht vor meiner Grabtür stehen sollte. Die Wache wurde ordnungsgemäß angestellt, und ich verbrachte drei Tage in Petra und erforschte seine erstaunlichen Tempel und Gräber.

Heute versorgt ein wunderschönes Hotel die Gäste im Wadi Musa, und ein komfortables Restaurant schmiegt sich an den Fuß des Um el Biyara. Ein ständiger Strom von Touristen gelangt zu Fuß, zu Pferd oder auch in Jeeps in das Tal. "Jeder, der vorübergeht, wird erstaunt sein ...", sagte der Prophet (JEREMIA 49:17, KJV). Und niemand kann diese prachtvollen Ruinen besuchen, ohne bei ihrem Anblick von einem tiefgreifenden Gefühl des Staunens und der Bewunderung ergriffen zu werden.

von David Down

Quelle: Creation Ex Nihilo, Vol. 12, No. 1