"Papst wurde nach 33 Tagen vergiftet"

Buch enthüllt Hintergründe über den Tod von Johannes Paul I.

London (ap/dpa) Papst Johannes Paul I. der 1978 nur 33 Tage lang Oberhaupt der katholischen Kirche war, ist ermordet worden. Das behauptet der britische Autor David Yallop in seinem diese Woche erscheinenden Buch "Im Namen Gottes". Nach dreijährigen Recherchen glaubt er herausgefunden zu haben, daß Angehörige der verbotenen italienischen Geheimloge "P2" den Papst vergiften ließen.

Mysteriöser Tod 33 Tage nach der Wahl: Johannes Paul I.Mysteriöser Tod 33 Tage nach der Wahl: Johannes Paul I. Johannes Paul I. war am Morgen des 29. September 1978 von seinem Privatsekretär tot im Bett gefunden worden. Offizielle Todesursache: Herzanfall.

Yallop dagegen sagt, es war Mord. Er beruft sich auf Interviews mit "hochgestellten Informanten im Vatikan" und führt als Indizien eine "Serie unerklärlicher Ereignisse" an, die den Tod des Papstes begleitet haben.

So gab es laut Yallop keine Obduktion, obwohl der 65jährige Kirchenfürst vor seinem Tod nie Herzbeschwerden hatte. Alle privaten Gegenstände einschließlich seines Testaments sind aus dem Zimmer entfernt und nie wieder gesehen worden. Über den Zeitpunkt des Todes gibt es Widersprüche. Und offiziell wurde behauptet, der Tote hätte ein Buch in der Hand gehalten, obwohl es in Wahrheit Papiere waren, sagt Yallop.

Das Motiv für den Mord sieht er in der Absicht Johannes Pauls I., das kirchliche Verbot der künstlichen Geburtenregelung zu liberalisieren. Vor allem aber wollte er einige hohe Würdenträger abberufen und die Finanzen des Vatikans genau prüfen.

Yallop nennt auch Verdächtige, Mitglieder des Geheimbundes "P2": Etwa den Gründer der faschistisch orientierten Freimaurer-Loge, Licio Gelli. Oder den damaligen Kardinal-Staatssekretär Jean Villot. Oder Bischof Paul Marcinkus, der als Chef der Vatikanbank skandalträchtige Geschäfte mit der "Ambrosia"-Privatbank betrieb. Oder deren Chef Roberto Calvi, der später in London selbst unter mysteriösen Umständen ums Leben kam.

 Quelle: TZ, München, 12.06.84