Nehemia

Ein Leiter in Gebet, Ausdauer und Organisation

Gott vermittelt uns in verschiedenen Abschnitten unseres Lebens aus Seinem Wort gewisse Lebensprinzipien. Über das letzte Jahr hat der Herr wiederholt durch das Buch Nehemia zu mir gesprochen und eine Vielfalt von Prinzipien im Hinblick auf Organisation aufgezeigt. Mir wurde allmählich eine Übereinstimmung zwischen sogenannten „Management-Prinzipien" und der biblischen Wahrheit deutlich. Diese Wahrheit wurde mir von großem Nutzen.

Es gibt meines Erachtens keinen Leiter in Gottes Wort, bei dem die Prinzipien von Gebet, Ausdauer und allgemeiner Organisation so deutlich erkennbar sind wie bei Nehemia. Seine Effektivität kommt bereits bei der schnellen Erledigung seiner Arbeit deutlich zum Ausdruck.

Im folgenden soll gezeigt werden, was wir an wichtigen Organisations- und Leiterschaftsprinzipien persönlich daraus lernen können.

I. Was ist allgemeine Organisation, und was bewirkt sie? Warum sollen Leiter organisieren?

Allgemeine Organisation ist ein „Handeln nach Prinzipien". Sie ist eine Hilfe, um Fehler zu vermeiden, und bewirkt sowohl für den einzelnen als auch für die Gruppe

  • Sicherheit während der Arbeit,
  • Erfüllung in der Arbeit,
  • Motivation zum Arbeiten.

Leiter sollen organisieren,

  • weil Gott erwartet, daß wir nicht „aufs Ungewisse laufen" (1. KORINTHER 9:26).
  • weil wir als Leiter eine Verantwortung vor Gott für „die Herde" tragen (HESEKIEL 33:6; HEBRÄER 13:17).

II. Was sind die allgemeinen Organisationsprinzipien?

  1. Gebet (NEHEMIA 1)
  2. Planen (NEHEMIA 2)
  3. Organisieren (NEHEMIA 3)
  4. Führen (NEHEMIA 4-6)
  5. Kontrollieren (NEHEMIA 13)
  6. Übertragen (NEHEMIA 7)

1. Nehemia, ein Leiter, der betet (Kapitel 1)

Nehemia brauchte für die Vorbereitung des Mauerbaus die doppelte Zeit - vier Monate - wie für den Bau selbst. Nur durch anhaltendes Gebet und Hingabe an Gott bekam er die Ausdauer, die nötig war, um die Arbeit zu leiten.

a) Gebet beginnt mit Interesse und Anteilnahme

„Und ich fragte sie, wie es den Juden ginge ... und wie es Jerusalem ginge" (NEHEMIA 1:2).

Um richtig beten zu können, ist es wichtig, daß wir uns Zeit nehmen, uns über „das Anliegen" zu erkundigen oder zu informieren. Eine Anteilnahme, die von Herzen kommt, bringt eine kräftige Gebetslast hervor.

b) Im Gebet kommt man mit seiner Not vor Gott

„Ich weinte, trug Leid tagelang und fastete und betete vor dem Gott des Himmels" (NEHEMIA 1:4).

Unsere schweren Nöte können nur vor Gott abgeladen werden. Entweder gibt Er eine Lösung für die Probleme, oder Er befähigt uns, sie durchzutragen. Nehemia wollte durch Fasten und Beten nicht Gottes Willen ändern, sondern seine Ernsthaftigkeit zum Ausdruck bringen, zusammen mit der Erwartung, daß Gott handeln werde.

c) Ein anhaltendes Gebet des Glaubens wird von Gott erhört

„... daß du das Gebet deines Knechtes hörst, das ich jetzt vor dir bete Tag und Nacht" (NEHEMIA 1:6).

Jesus gab ein Beispiel von der bittenden Witwe (LUKAS 18:1-8), „daß man allezeit beten und nicht nachlassen solle", und „sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen?"

Gerade im anhaltenden Gebet wird unser Glaube geprüft - und durch seine Erhörung bestätigt. Ausdauer, auch im Gebet, ist der Schlüssel für das Handeln Gottes.

d) Glaubensvolles Gebet ist Festhalten an Gottes Treue

„... der da hält den Bund und die Treue denen, die ihn lieben" (NEHEMIA 1:5).

Wir schauen nicht auf die Umstände und unsere Zweifel, sondern konzentrieren uns auf den liebevollen Vater, Der gerne gibt. Er wird uns nicht enttäuschen, wenn wir eine richtige „Herzensmotivation" haben. Er wird uns beschenken im Einklang mit Seinem Willen für unser Leben.

e) Gott im Gebet „herausfordern" geschieht immer in der Demut des Sündenbekenntnisses

„Und ich bekenne die Sünden der Kinder Israel ... ich und meines Vaters Haus haben auch gesündigt" (NEHEMIA 1:6).

Gott handelt, wenn wir vor Seinem Angesicht für unsere eigenen und die Taten unseres Volkes die Verantwortung übernehmen. Es ist männlich, dem mächtigen Schöpfer dieser Welt Auge in Auge gegenüberzustehen.

f) Das Glaubensgebet soll spezifisch sein, ohne daß man Gott eine genaue Handlungsweise vorschreibt

„Und laß es deinem Knecht heute gelingen und gib ihm Gnade vor diesem Mann (dem König)" (NEHEMIA 1:11).

Gott liebt es, wenn wir Bestimmtes von Ihm erwarten. Sein Wort sagt: „Glaubet nur, daß ihr es empfanget, so wird es euch werden" (MARKUS 11:24). Spezifisches Beten baut unseren Glauben auf, weil bei der Erhörung eines spezifischen Gebets keine Rede von einem sogenannten „Zufälligkeitsfaktor" sein kann. Wenn wir konkret beten, gibt das Gott die Möglichkeit, konkret zu antworten.

2. Nehemia, ein Leiter, der plant (Kapitel 2)

Planen heißt, die Handlungsweise vorher festlegen.

a) Unsere Pläne sollten immer von Gott kommen

„... was mir mein Gott eingegeben hatte" (NEHEMIA 2:12).

Wie oft bitten wir Gott, unsere Pläne, die wir vorher selbst festgelegt haben, nachträglich zu segnen. Eine der entscheidenden Charaktereigenschaften Gottes ist Sein heiliger Eifer: „Ich will meine Ehre keinem anderen geben" (JESAJA 42:8).

Ein Verständnis von diesem Eifer bewahrt uns vor eigenen Plänen.

b) Planen findet in der Stille und mit nur „wenigen Männern" statt

„... denn ich hatte keinem Menschen gesagt ... Die Ratsherren wußten nicht, wohin ich gegangen war" (NEHEMIA 2:12,16).

Wenn Gott etwas tut, legt Er es einigen wenigen ins Herz. Aus dieser gegenseitigen Einheit wird Sein Plan geboren.

c) Zum Planen gehört ein genaues Erfassen der bestehenden Situation

„... daß die Mauern Jerusalems eingerissen waren..." (NEHEMIA 2:13).

Nur durch genaues Untersuchen können wir einen Überblick über die Situation bekommen. Gottes Wille wird am besten durch unser Nachforschen, sei es in seinem Wort oder anhand von archäologischen Funden, bestätigt.

d) Planen mit Gott macht uns von Gott "abhängig"

„Was begehrst du denn? Da betete ich zu dem Gott des Himmels und sprach zum König ..." (NEHEMIA 2:4).
„Und der König gab sie mir, weil die gnädige Hand meines Gottes über mir war" (NEHEMIA 2:8).

Mit Gott planen heißt mit Gott rechnen. Wie oft planen wir nach den zu erwartenden Umständen! Unsere Pläne sollen immer Glaubensschritte beinhalten. Wichtig dabei ist, daß wir in der Angelegenheit immer einen Unterschied machen zwischen:

  1. Unserer Verantwortung.
  2. Gottes Verantwortung.

Wenn wir diese Bereiche genau zu trennen wissen, ersparen wir uns viele unnötige Sorgen. Es ist eine „aktive Passivität", auf Gott zu warten, was Er herbeiführt. Unser Glaube, unsere Geduld und Ausdauer werden dabei getestet.

3. Nehemia, ein Leiter, der organisiert (Kapitel 3)

Organisieren ist, Menschen in eine Struktur einzuordnen unter Berücksichtigung ihrer persönlichen Fähigkeiten und unter der Voraussetzung, das Ziel zu erreichen.

a) Einordnen in schon bestehende Strukturen

„die Männer von Jericho"
„die Leute von Thekoa"
„die Männer von Gibeon und Mizpa"
(NEHEMIA 3:2,5,7)

Einheit fängt immer in der kleinsten bestehenden Struktur an, sei es in Familie, Leiterschaftskreis oder Zellgruppe. Es ist wie bei einem Stein, den man ins Wasser wirft: die Kreise entstehen immer vom Mittelpunkt aus. Das Berücksichtigen von Strukturen ist beim Organisieren von großer Bedeutung.

b) Berücksichtigung von persönlichen Voraussetzungen beim Verteilen der Aufgabe

„gegenüber ihrem Hause"
„ein jeder gegenüber seinem Hause"
(NEHEMIA 3:23,30-31)

Die Motivation eines Arbeiters für das Ausführen seiner Aufgaben fängt an dem Platz an, wo er organisatorisch eingestuft wird. Wenn der Arbeiter entdeckt, daß er bei der Arbeitsplatzverteilung berücksichtigt wurde, gibt ihm das Sicherheit und Wohlempfinden. Eine Berücksichtigung der vorhandenen Gaben ist nicht nur notwendig, sondern macht auch die Arbeit effektiv, da sie den Arbeiter in seiner Veranlagung motiviert.

4. Nehemia, ein Leiter, der führt (Kapitel 4-6)

Führen heißt, Menschen zu motivieren, wirksam und mit Ausdauer zu handeln, indem man sich glaubensvoll auf Gottes Verheißungen stellt.

a) Führen heißt, sich mit Angriffen, Problemen und Verwirrung durch Gebet und Schutzmaßnahmen auseinanderzusetzen

„... verschworen sich alle miteinander ... um bei uns Verwirrung anzurichten. Wir aber beteten zu unserem Gott und stellten gegen sie Tag und Nacht Wachen auf zum Schutz vor ihnen" (NEHEMIA 4:2-3).

Nehemia hat sich nicht von Verwirrung oder Entmutigung einschüchtern lassen (Vers 4), sondern hat sich auf Gott geworfen und anschließend praktische Maßnahmen ergriffen. Bei jedem neuen Anfang einer Arbeit wird der Feind versuchen, uns einzuschüchtern. Gott läßt Krisen in unserem Leben zu, um uns zu festigen und tragfähiger zu machen.

b) Führen heißt, Menschen mit der Kraft Gottes ermutigen

„... und als ich ihre Furcht sah ... Fürchtet euch nicht, gedenkt an den Herrn, der groß und furchtbar ist, und streitet für eure Brüder, Söhne, Töchter, Frauen und Häuser" (NEHEMIA 4:8).

Die Ermutigung im Herrn ist so stark, daß sogar die Feinde das Ausmaß davon erfahren (Vers 9). Alle Mitarbeiter kehrten wieder zum Mauerbau zurück. Nehemia hat seine Mitarbeiter nicht im Vertrauen auf sich selbst, sondern im Vertrauen auf Gott erzogen. Dieses Prinzip wird von Gott immer honoriert.

c) Zum Führen gehört effektive Kommunikation

„Woher ihr nun die Posaune tönen hört, dorthin sammelt euch zu uns" (NEHEMIA 4:14).

Weil das Werk groß und weit war und die Leute auf der Mauer weit verstreut und fern voneinander waren, hat Nehemia einen Posaunenbläser angestellt, der immer bei ihm war. Richtige Kommunikation durch schriftliche oder verbale Mitteilungen bringt Koordination und vermittelt Sicherheit.

d) Führen durch das richtige Vorbild ist unerläßlich

„Aber ich und meine Brüder ... die mir folgten, wir zogen unsere Kleider nicht aus" (NEHEMIA 4:17).

Nehemia gab ein Beispiel, wie ihm die Erledigung der Arbeit am Herzen lag und wie er Tag und Nacht bereit sein wollte. Als Zeichen der Bereitschaft hat er sich mit seinen Kleidern und Waffen schlafen gelegt.

e) Führen bedeutet Probleme mit Überlegung und Weisheit lösen

„... und ich hielt Rat mit mir selbst" (NEHEMIA 5:7).
„Da schwiegen sie und fanden nichts zu antworten" (NEHEMIA 5:8).

Obwohl er sehr zornig war (Vers 6), hat Nehemia an sich gehalten und wohl überlegt, wie seine Reaktion in dieser Angelegenheit sein sollte. Seine Antwort war so formuliert, daß die Vornehmen und Ratsherren nichts zu antworten wußten.

f) Führen mit göttlicher Autorität

„Solltet ihr nicht in der Furcht Gottes wandeln?" (NEHEMIA 5:9)
„Auch schüttelte ich mein Gewand aus und sprach: So schüttle Gott einen jeden aus seinem Hause, der dieses Wort nicht hält" (NEHEMIA 5:13).

Nehemia machte den Aufruf zum Gehorsam sehr anschaulich, indem er sein Gewand ausschüttelte. Er vermittelte auf richtige Weise die Furcht des Herrn.

g) Zum Führen gehört Unterscheidung

„Denn sie alle wollten uns furchtsam machen" (NEHEMIA 6:9).
„Denn ich merkte, daß nicht Gott ihn gesandt hatte" (NEHEMIA 6:12).
„... damit ich mich fürchten und so handeln und mich verfehlen sollte" (NEHEMIA 6:13).

In kritischen Situationen behält Nehemia den „Durchblick" und läßt sich nicht auf verführerische Vorschläge ein. Es ist wichtig, daß man als Verantwortlicher ein Gespür für Situationen oder Menschen hat, die nicht von Gott herbeigebracht sind. Die Taktik Satans besteht darin, daß er uns „zwingt", durch Furcht, Zeitdruck oder Druck von Menschen die falsche Entscheidung zu treffen.

h) Führen durch dienen und Uneigennützigkeit

„... auch arbeitete ich an der Mauer ..." (NEHEMIA 5:16).
„Zwölf Jahre verzichtete ich für mich und meine Brüder auf meine Einkünfte als Statthalter" (NEHEMIA 5:14).
„... denn der Dienst lag schon schwer genug auf dem Volk" (NEHEMIA 5:18).

Barmherzigkeit und Rücksichtnahme sind in der Persönlichkeit Nehemias vereinigt mit einer - zur richtigen Zeit - ermahnenden Haltung und heiligem Zorn.

„Und ich schalt sie und fluchte ihnen und schlug einige Männer und packte sie bei den Haaren" (NEHEMIA 13:25).

Überwiegend aber war er von einer sehr demütigen und dienenden Haltung gekennzeichnet.

5. Nehemia, ein Leiter, der kontrolliert (Kapitel 13)

Kontrollieren ist sicherstellen, daß die Ausführung mit dem Plan übereinstimmt. Kap. 10:1 berichtet uns, daß das Volk sich zur Einhaltung der Gesetze verpflichtete und daß drei feste Abmachungen getroffen wurden:

  1. Die Abgaben von Wein, Getreide und Öl für die Leviten sollten in die Kammern am Hause Gottes gebracht werden (NEHEMIA 10:38-40).
  2. Der Sabbat sollte in Ehren gehalten und keine Verkäufe getätigt werden (NEHEMIA 10:32).
  3. Es sollte keine Ehe mit fremden Völkern eingegangen werden (NEHEMIA 10:31).

12 Jahre nach dem Mauerbau kehrte Nehemia wieder nach Jerusalem zurück - wie es aussieht, um zu kontrollieren. Er findet, daß alle drei Abmachungen gebrochen wurden und setzt sie neu ein (NEHEMIA 13:10-29).

Hier sehen wir wie wichtig es ist nachzuprüfen, denn wie oft werden Abmachungen getroffen und die verantwortlichen Personen werden enttäuscht. Anstatt enttäuscht zu sein, sollten wir diese Mißstände überwinden damit Gottes Ziele, durch Gottes Plan, erreicht werden. Die Verantwortung hört nicht auf wenn Leute über ihre Aufgabe Bescheid wissen, denn es ist wichtig, auch weiterhin die Arbeit zu prüfen und anzuleiten.

6. Nehemia, ein Leiter, der seine Verantwortung überträgt (Kapitel 7)

Gott läßt Seine Leiter meistens eine Arbeit anfangen und organisieren, wonach Er verlangt, daß sie zum richtigen Zeitpunkt die praktische Verantwortung und tägliche Betreuung anderen überlassen.

„Und ich setzte über Jerusalem meinen Bruder Hanani und den Burgvogt Hananja, der ein treuer Mann war und gottesfürchtig vor vielen anderen" (NEHEMIA 7:2).

Beachte hierbei, daß die Auswahlkriterien für dieses Delegieren von Aufgaben Treue und Gottesfurcht waren. Bei Gott sind nicht die Fähigkeiten zur Leiterschaft ausschlaggebend, sondern die Treue und Herzenshaltung. „Meine Augen sehen nach den Treuen im Lande" (PSALM 101:6).

Indem Nehemia diesen sechs organisatorischen Prinzipien folgte, wurde nicht nur sein Plan effektiv umgesetzt, sondern Gott wirkte weit über Nehemias Ziele hinaus eine Überführung von Sünde im Volk. Es kam zu Buße, Wiedergutmachung und neuer Hingabe. Nehemia bereitete durch seine entschiedene und umsichtige Leiterschaft den Boden für eine Erweckung.

Rob Bots

Rob Bots ist gebürtiger Holländer und arbeitete 6 Jahre als Exportkaufmann in Hong Kong. 1982 schloß er sich „Jugend mit einer Mission" an und gehört seit 1983 zur Schloßgemeinschaft in Hurlach, wo er in der Verwaltung tätig ist.

Alle Zitate wurden mit freundlicher Erlaubnis der revidierten Lutherbibel von 1956/64 entnommen.

Quelle: Der Auftrag