Multikulturalismus - die kanadische Erfahrung

Am 21. Dezember 1965 wurde die Internationale Konvention bezüglich aller Formen von Rassendiskriminierung der Vereinten Nationen zur Unterzeichung eröffnet. Australien und Kanada gehörten beide zu den Unterzeichnern. Wenige Menschen in beiden Ländern hätten gedacht - und die meisten von jenen, denen es bewußt wurde, schöpften wenig Verdacht - daß ein so harmlos wirkender Akt eine radikale Änderung der Ziele beider Länder bewirken könnte.

1967 wurde die "Allgemeine Immigration" in Kanada eingeführt. Dieses Konzept beruhte auf der moralischen Verpflichtung, Einwanderer aus der ganzen Welt aufzunehmen; und es wurde mit missionarischem Eifer verfolgt. Ein Jahr später wurde Pierre Trudeau Premierminister von Kanada. 1972 predigte Kanada der Welt "Multikulturalismus". Die Bühne wurde nun für eine Katastrophe vorbereitet, die von Doug Collins in seinem Buch "Immigration - The Destruction of English Canada" scharf beobachtet wurde.

Die eigentümliche Dualität Kanadas - nämlich die historisch begründete Aufsplittung in französische und englische Teile - gab den Antrieb zum Multikulturalismus . Ein ewiges Thema sind die Beschwichtigungsversuche der französischsprachigen Nachkommen gegenüber den englischen durch wiederkehrende Schreie Quebecs nach Loslösung von Kanada. Ähnlich zu dem Verhalten Australiens, das sich für seine Existenz entschuldigt, ist das Verhalten Kanadas zu seinen französichsprachigen Einwohnern, indem es sie beschwichtigt. Ironischerweise nehmen diese jedoch jedes Zugeständnis als Ermutigung, weiterhin lauthals Forderungen zu stellen.

Diese Reaktion von seiten der Französischsprachigen scheint von der liberalen Elite des englischen Kanadas nicht beachtet zu werden. Jene glaubt offensichtlich, daß die Erniedrigung, die ihre gallischen Brüder in der Vergangenheit verspürt haben, in der gleichen Weise verschwinden kann wie Englisch Kanada verschwindet. Das ist eine Variation desselben Syndroms, das uns in Australien heimgesucht hat: "Laßt uns uns selbst zerstören, um uns zu retten."

Interessanterweise ist Quebec nur wenig von der gemischten, unangepaßten Masseneinwanderung betroffen, welche nötig ist, um die Farbpalette des Multikulturalismus zu erzielen. Erstaunlicherweise hat Quebec Kontrolle über sein eigenes Immigrationsprogramm. Jenes nämlich soll für die Beibehaltung des Charakters der Kultur Quebecs sorgen. Jedoch sogar in Quebec wurden rassistische Spannungen erkennbar, da aufgrund des Widerstrebens von französischen Nationalen, nach Quebec zu immigrieren, die Provinz deshalb als Quelle von französischsprachigen Siedlern nach Haiti Ausschau halten mußte. Das Problem hier aber ist, daß Rassenunterschiede bei weitem sprachliche Ähnlichkeiten überwogen haben.

Eine Art von "Bunkermentalität" entwickelnd, hat die Provinzialregierung von Quebec 1977 mit Einverständnis von Ottawa ein effektives Veto bzgl. des Eintritts von Einwanderern nach Quebec erlangt. Aus Quebec jubelte der vollkommene Politiker Pierre Trudeau. Ein Mann mit Witz und Charme und außerdem selbstbekennender Sozialist mit kommunistischen Verbindungen, kann Trudeau richtigerweise als Meisterarchitekt des kanadischen Multikulturalismus angesehen werden. Er ist ein zweisprachiger, doppelkultureller Internationalist und ein Liberaler mit dem Eifer, auf den sich James Burnham vielleicht mit folgendem bezogen hat: „Liberalismus ist die Ideologie des westlichen Selbstmords.”

Es ist unwahrscheinlich, daß Trudeaus Wahlpopularität so lange angehalten hätte, wenn er, sobald er an die Macht kam, die Kanadier informiert hätte, daß er in den nächsten zehn Jahren die Immigrationspolitik so verändern und damit die traditionellen Quellen verachten würde. Mit dem Wissen, daß 1961 98 Prozent der Kanadier europäischen Ursprungs waren, ist es nicht schwer, sich das Entsetzen der normalen Kanadier vorzustellen.

Warum hat die “nichttraditionelle” die “traditionelle” Einwanderung überholt? Die Antwort, die von den Regierenden gegeben wurde, war, daß das Interesse an Immigration von den traditionellen Quellen austrocknete (klingt bekannt?). Es gibt auf alle Fälle umfangreiche, anekdotische Beweise dafür, daß dies eine Lüge war. Ungeachtet dessen, daß Familienwiedervereingung hochheilig war, wurden potentielle Immigranten aus Großbritannien und vom Kontinent, die gelernt, ausgebildet und die nahe Verwandtschaft in Kanada hatten, in Scharen abgelehnt. Im Jahre 1976 haben Immigrationangestellte zugestanden, daß die Ablehnungsrate der britischen Bewerber noch nie so hoch war, mit einer Größenordnung von 60%. Im Vergleich wurden unausgebildete Immigranten mit schlechten Sprachkenntnissen aus der Dritten Welt mit offenen Armen empfangen.

Laut einem Immigrationsangestellten hat jeder dieser Immigranten durchschnittlich 17 Verwandte mit sich mitgezogen. Wie auch in Australien wurde diese neue Immigration ungleichmäßig über das Land verteilt. Toronto, die Stadt, die als Schwesterstadt Sydneys bezeichnet werden könnte, wurde am schlimmsten getroffen. 1968, als Tausende von Torontoniern kamen, um Trudeau zuzujubeln, war Toronto noch die “Queen City” des englischsprachigen Kanada, wo der Haupteinstrom von Einwanderern immer noch wahre Europärer waren. Acht Jahre später jedoch machten die Europäer nur noch 34% der neuen Siedler der Stadt aus. Neunundfünfzig Prozent des Restes waren Asiaten, Westinder und Afrikaner. Die einstmalige Mehrheit der englischen Bevölkerung Torontos war bis 1974 zu einer Minderheit von nur 47% geschrumpft. Natürlich sind es heute noch weniger.

Die Zersetzung der sozialen Struktur Torontos zeigte sich bereits vor 20 Jahren in den rassistisch bedingten Morden und Krawallen. Einbezogen sind die 1710 Vorfälle allein in Ontario, die von der Menschenrechtsorganisation Ontarios beobachtet wurden. Die Zahl von 1976/77 zeigte eine Steigerung von 200% im Vergleich zum Vorjahr. Könnte Kanadas revolutionäres Einwanderungsprogramm etwas mit dem plötzlichen sozialen Umbruch zu tun haben? Sogar die liberalsten der Liberalen hätten diese Verbindung gesehen, aber diese Gesetze waren nun fest verankert, und Kanada war unerbittlich an diese neue Weltordnung gebunden. Engstirniger Nationalismus gehört zu einem vergangenen Kapitel der Geschichte der Menschheit (in der Weißen Welt, heißt das), und Antworten könnten überall in der Umerziehung und dem Kampf gegen den „Rassismus“ gefunden werden.

Menschenrechtskommissionen und städtische Allianzen für Rassenbeziehungen vermehrten sich, und riesige Summen wurden für „Spezialprojekte“ ausgegeben. Und wo konnte man besser die richtige Einstellung hervorrufen als in der Schule? Textbücher wurden nach möglichen Angriffen auf Minderheiten durchsucht. Das beinhaltet Geschichte, die die Minderheiten nicht diskutiert haben wollten, sowie das Blutbad, das zwischen Hindus und Moslems bei der Teilung von Indien im Jahre 1947 passierte.

Verdächtige Lehrer wurden entlassen, und Schlüsselpositionen wurden durch Repräsentanten der Minderheiten gefüllt. Die "Gedankenpolizei" hat Kanada umfassend übernommen. Und natürlich gab es dort bestätigende Aktionen, die offiziell Diskriminierungen gegen die weiße ruhige Mehrheit sanktionierten. Frauen, ethnische Minderheiten und Behinderte waren die Nutznießer dieser Gesetze.

Obwohl zu einem Großteil der Grund für den kanadischen Multikulturalismus die Beschwichtigung Quebecs war, hat er versagt, den Aufstieg der separatistischen „Parti Quebecois“ im Jahr 1976 zu verhindern, und die Abhaltung des ersten Referendums zur Loslösung 1980 zu verhindern. Das zweite Referendum letztes Jahr wurde nur knapp verloren, und die englischsprachigen Kanadier in Quebec sind großräumig abgesondert in einem Teil von Montreal. Sollte Quebec Kanada verlassen, dann könnte sich die gesamte kanadische Föderation entwirren.

Eine bestehende Tatsache ist geschaffen worden, und der riesige Schaden, der durch Trudeau gebracht wurde, scheint nicht wiedergutmachbar zu sein. Nachfolgende Premierminister waren nicht fähig, seiner Linie nachzufolgen. Föderale Schwierigkeiten waren in Kanadas Geschichte die meiste Zeit zu spüren, und mit einer Verfassung, die keine Mechanismen zur Verbesserung beinhaltet, könnte es für die unzufriedenen Provinzen unkomplizierter sein, einfach ihren eigenen Weg zu gehen und die Union mit den Vereinten Nationen zu suchen.

Wie dem auch sei, man kann nur spekulieren, wieviel ethnische Rivalität und die Erosion des sozialen Zusammengehörigkeitsgefühls im Namen des Mulitkulturalismus zur Zersetzung Kanadas beigetragen haben.

Vielleicht kann Australien etwas daraus lernen, das so willig nichtfunktionierende Gesetze von anderen Nationen annimmt.

von John Moffat

Quelle: 'NEW AUSTRALIA Times'