Hat Gott wirklich sechs Tage gebraucht?

Wußtest du, daß viele Kommentarbände liberaler Theologen völlig offen zugeben, daß der Text im 1. MOSE ganz klar davon spricht, daß Gott die Schöpfung in sechs Tagen vollbracht hat? Normalerweise fahren sie dann aber fort und sagen uns, warum sie dies nicht akzeptieren können. Betrachte z.B. die Kommentare von H. E. Ryle, "Commentary of the Scriptures", den "Westminster Commentary", die bekannten "International Critical Series" von J. Skinner oder S. R. Drivers Bemerkungen im berühmten Kommentar von Brown, Driver und Briggs oder sogar Gesenius' Hebräisch-Lexikon.

Auch ist die Liste von sogenannten Evangelikalen ziemlich lang, die zustimmen, daß der Text in 1. MOSE sechs Tage sagt, die aber diese Tatsache verwässern, statt zu ihr zu stehen. Zu dieser Liste gehört auch der "Speaker's Commentary" (1871, in "Dods Expositor's Bible") von Jamieson, Fausett und Brown. Diese versuchen zu argumentieren, daß das Hebräisch von sechs sinnbildlichen Tagen oder von übernatürlichen Begebenheiten spricht. Dasselbe Dilemma sieht man bei dem Hebräischgelehrten und liberalen Theologen James Barr, welcher sagte: "Soweit ich weiß, gibt es keinen einzigen Professor für Hebräisch oder für das Alte Testament an irgendeiner Universität von Weltklasse, der nicht glaubt, daß der (oder die) Schreiber von 1. MOSE 1-11 die Absicht hatte(n), ihren Lesern die Ideen zu vermitteln, daß a) die Schöpfung in einer Serie von sechs Tagen geschah, die mit den uns bekannten 24-Stunden-Tagen identisch sind, b) die in den Genealogien des ersten Buches Mose genannten Zahlen durch einfache Addition eine Chronologie vom Anbeginn der Welt bis hin zu späteren Zeiträumen der biblischen Geschichte liefern, c) die Sintflut weltweit war und alles außerhalb der Arche existierende menschliche und tierische Leben auslöschte."

James Barr sagte dies in einem persönlichen Brief an David Watson am 23. April 1984. Er fuhr fort: "Negativ ausgedrückt heißt das, daß, soweit mir bekannt, keiner dieser Professoren die entschuldigenden Argumente ernst nimmt, die unterstellen, daß die "Tage" der Schöpfung lange Zeiträume waren, die Zahlenangaben in bezug auf die Jahre nicht chronologisch sind und die Sintflut lediglich auf Mesopotamien begrenzt war. Das einzige, was ich zur Abschwächung dessen sagen könnte, ist, daß die meisten dieser Professoren eine Verstrickung in diese Art der Auseinandersetzung vermeiden möchten und sich deshalb nicht ausdrücklich in der einen oder anderen Richtung äußern. Aber ich denke, daß das eben Gesagte ihre Position korrekt wiedergibt."

aus "Creation Ex Nihilo", Vol.9, No. 1, S. 28