Gott - Ein "Grüner"?

In dem Versuch, das Christentum mit dem Naturschutz in Verbindung zu bringen, beschreiben einige Leute Gott als "ersten Grünen", und Sein Hauptanliegen wäre der Umweltschutz. Aber ist Gott denn ein "Grüner"? Was sagt denn die Bibel über Gottes Einstellung zur Natur?

Die Bibel lehrt durchweg, daß Gott kraft Seines Willens und Seiner Weisheit alle Dinge geschaffen hat (OFFENBARUNG 4:11). Alles, was Er geschaffen hatte, war gut, und Er selbst hatte Gefallen daran (1. MOSE 1:31). Bis heute wird Seine ewige Kraft und Gottheit an Seinen Werken ersehen und wahrgenommen (RÖMER 1:20).

Wenn nun Gott der Schöpfer aller Dinge ist und Seine Kreatur als "sehr gut" bezeichnete, dann ist wohl anzunehmen, daß Er sich auch um ihre Erhaltung sorgt. Und genau das erklärt die Bibel auch an verschiedenen Stellen. So verbot Er zum Beispiel dem Volk Israel, in Kriegen fruchttragende Obstbäume mutwillig abzuholzen. Er gab dem Volk Israel Anweisung, wenn es lange Zeit vor einer feindlichen Stadt lagern mußte, so "sollst du ihre Bäume nicht verderben und mit Äxten umhauen ... darum sollst du sie nicht fällen" (5. MOSE 20:19).

Ebenso gab Gott Gebote zum Schutz von nistenden Vögeln. Wenn ein Israelit unterwegs auf einem Baum oder auf der Erde ein Vogelnest fand, in dem Vogeljungen oder Eier waren, und die Mutter saß noch auf den Jungen oder den Eiern, so durfte er nicht die Mutter zusammen mit den Jungen mitnehmen. Er mußte die Mutter fliegen lassen (5. MOSE 22:6-7). Es ist Gott ein Anliegen, Seine Schöpfung zu bewahren.

Gottes Sorge für Seine Schöpfung ist nicht geschäftsmäßig, sondern väterlich; nicht allgemein, sondern speziell. In der Bibel heißt es, daß Er selbst das Geringste unter Seinen Geschöpfen kennt und sich darum kümmert. Beispielsweise hört Er die jungen Raben und füttert sie, wenn sie um Nahrung schreien (PSALM 147:9). Und auch "die jungen Löwen brüllen nach Raub und suchen ihre Speise von Gott" (PSALM 104:21). An Gottes Altären findet selbst der Sperling ein Haus und die Schwalbe ein "Nest für ihre Jungen" (PSALM 84:4). Jesus erzählt uns, daß Gott in der Tat um jeden kleinen Vogel weiß, der auf die Erde fällt (MATTHÄUS 10:29).

Ist Gott also grün? Ja! Insoweit es um die Liebe für alles Leben geht, ist Gott wohl grüner als der grünste Grüne.

Insofern es jedoch um das Verständnis für die Beziehung des Menschen zur Natur geht, klafft die Ansicht Gottes mit der vieler heutiger Umweltschützer weit auseinander.

Weiser Umgang nützt der Menschheit 

Gott machte alles zu Seinem Gefallen und um Seine Herrlichkeit zu offenbaren. Aber Er machte die Natur auch zur Freude des Menschen und zu dessen Nutzen. Am Ende der sechs Schöpfungstage sagte Gott zu Adam und Eva: "Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht" (1. MOSE 1:28). Gottes Befehl ist kein Freibrief für die mutwillige Zerstörung der Umwelt, aber Er erlaubt, ja fordert sogar den weisen Umgang mit den natürlichen und lebenden Ressourcen zum Wohl der Menschheit.

Während einige Umweltschützer gegen die Ansicht protestieren mögen, daß dem Menschen die Herrschaft über die Natur zusteht, gibt es keinen einzigen, der sich nicht auf mannigfache Art die Natur untertan macht. Selbst der hingebungsvollste Naturschützer muß sich die Natur zunutze machen, um leben zu können. Er könnte etwas gegen das Abholzen von heimatlichen Wäldern einwenden, aber ihm gefallen wohl ein solider Boden und Möbel aus Holz. Vielleicht trägt er keinen Pelz, dann aber doch Ledersandalen oder Lederschuhe, die aus den Tierhäuten eines Schlachthofes angefertigt sind. Selbst wenn er kein Fleisch ißt, so ißt er doch andere lebende Nahrungsmittel, wie Karotten und Rüben, wobei er vergißt, daß man ja auch das Unkraut vernichtet, indem man das Gemüsefeld beharkt. Kurz, er tut, was die Bibel von ihm verlangt: er macht sich die Erde untertan (oder hält andere dazu an), um selbst zu überleben.

Zwischen Gott und den heutigen Umweltschützern herrscht noch über einen zweiten, noch wichtiger einzuschätzenden Sachverhalt eine Meinungsverschiedenheit, die den Umgang des Menschen mit der Natur betrifft. Sie hat mit dem Verständnis vom Wert eines Menschen verglichen mit dem anderer Geschöpfen zu tun.

Vor nicht allzu langer Zeit schickte mir die Australian Conservation Foundation eine Broschüre über Tiere, die vom Aussterben bedroht sind. Es handelte sich um ein interessantes und informatives Traktat. Aber es enthielt eine Bemerkung, die doch klar zeigt, wie groß der gedankliche Unterschied zwischen Umweltschützern und Christen sein kann. So las ich darin, daß wir alle Tierarten als unsere Gefährten auf dem Planeten Erde ansehen sollten, denen der gleiche Respekt zusteht.

Und diese Formulierung 'der gleiche Respekt zusteht' deutet auf die grundlegende Meinung vieler Naturschützer hin, das Leben eines Tieres oder einer Pflanze sei so wertvoll wie das eines Menschen.

Mensch und Tier sind nicht gleich 

Auf den ersten Blick scheint der Versuch, dem Leben eines Tieres den gleichen Wert zuzuschreiben wie dem eines Menschen, das Leben des Tieres aufzuwerten. Aber näher betrachtet entdecken wir, daß dem nicht so ist. Vielmehr wird dadurch das menschliche Leben erniedrigt. Zu sagen, ein hasenohriger Wüstenfuchs sei so wertvoll wie ein Mensch, würdigt den Wüstenfuchs niemals in dem Maße, wie es den Menschen herabsetzt. Wir sehen diese Entwürdigung menschlichen Lebens am Beispiel des Hinduismus in Indien, wo Tiere als heilig gelten. In diesem Land ist es Kühen erlaubt, Feldfrüchte zu essen, während Menschen verhungern.

Das Christentum verwirft die Ansicht vollständig, daß andere Lebensformen ebenso wertvoll wie das menschliche Leben seien. Denn die Bibel lehrt, daß das menschliche Leben nicht nur das wertvollste Leben auf Erden ist, sondern daß es um ein Unendliches mehr wert ist als irgendeine andere Form irdischen Lebens. Selbst alle Regenwälder, alle Robbenbabies und alle großen Walfische zusammen kommen nicht dem Wert einer einzigen menschlichen Seele gleich. Diese Wahrheit mag unerhört klingen, wenn man nun den Wert der Wale mit dem einer Person gleichsetzt, die man nicht mag oder kennt. Aber sie wird wirklich wunderbar, wenn du den Vergleich auf den Wert deines eigenen Lebens beziehst oder das von einem Menschen, den du liebst. Wie wunderbar ist es zu wissen, daß der Gott, der alles gemacht hat, dich mehr liebt und wertschätzt als alles andere.

Einige Leute behaupten, daß diese christliche Ansicht engstirnig sei und den Menschen nur in den Mittelpunkt setzen soll. Aber dem ist nicht so, denn es ist Gottes Tun, nicht unseres. Es ist Gott, der uns zum Wertvollsten im gesamten Universum machte, und nicht wir. Sein Wille war es, uns nach Seinem Bilde zu schaffen. Sein Wille war es, uns Seine Liebe zu geben. Und es war Sein Wille, uns Seinen Sohn zu schicken, damit wir von der Sünde und vor dem Gericht gerettet werden. Wir selbst hatten damit nichts zu tun.

Ja, vielmehr sind wir völlig erstaunt darüber, daß es so sein soll. Und wie König David rufen wir aus: "Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst, und des Menschen Kind, daß du sich seiner annimmst?" (PSALM 8:4-5). Wie kann es sein, daß Gott an uns denkt und sich um uns sorgt? Wir haben darauf keine Antwort, und doch wissen wir, daß es so ist.

Der größte Beweis für den überragenden Wert des Menschen findet sich in der Menschwerdung des Sohnes, als Er Jesus wurde und unter uns wohnte. Er ist zu einem von uns geworden, um unsere Sünde ans Kreuz zu tragen. Die Bibel lehrt, daß zu guter Letzt die gesamte Schöpfung aus dem Tod und der Auferstehung von Jesus Christus Nutzen ziehen wird (RÖMER 8:21). Trotzdem ist dies nur ein nebensächlicher Aspekt. Wesentlich ist, "daß Christus Jesus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen" (1. TIMOTHEUS 1:15). Und hierin sehen wir, in welchem Maße wir wertgeschätzt sind! Und hier sehen wir auch Gottes wirkliche Farben: mag der Saum Seines Kleides grün sein, Sein Kleid selbst ist weiß, und das Zeichen auf Seiner Brust ist rot.

Andrew Lansdown, B.A., B.A., (Hons), Dip. Ed.

Quelle: Creation Ex-Nihilo, Band 15, Nr.1