Engel, aus dem Reich der Herrlichkeit

Aus „Leite, freundlich Licht...“ (Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „This England“)

James Montgomery (1771 – 1854)

James Montgomery stammte aus einer schottischen Familie, die einer kleinen Gruppe evangelischer Christen angehörte, die als die Herrnhuter bekannt war. Seine Eltern gingen als Missionare in die Karibik, wo sie starben während er noch ein Kind war. Man brachte ihn in eine Schule der Brüdergemeinde in der Nähe von Leeds in England, in der Hoffnung er würde einmal ein Pastor werden. Diesbezüglich erwies er sich als ein Versager. Er fand seinen Platz erst Jahre später, als er sich einer Druckerei in Sheffield anschloβ und später der Herausgeber und Eigner der Lokalzeitung wurde. Über die Jahre hinweg wurde er zu einer Leitfigur der wachsenden Industriestadt, in der er den Rest seines Lebens verbrachte.

Montgomery war ein überzeugter Fundamentalist, und hatte Ansichten, die in der Zeit der französischen Revolution höchst verdächtig und außerdem sehr gefährlich waren. Die überzeugenden Darstellungen seiner Ansichten brachten ihn zweimal ins Gefängnis, aber dies änderte nichts an seiner reformistischen Anschauung. Er unterstützte die Anti-Sklavereibewegung sehr aktiv, als diese noch in den Kinderschuhen steckte und setzte sich für die jungen Kaminkehrer ein, bevor dies populär war. Er steckte immer bis über beide Ohren in der Lokalpolitik. Er kümmerte sich um das Bildungs- und Gesundheitswesen, den Polizeiapparat und die städtische Gasversorgung. Unzählige gute Zwecke lagen ihm am Herzen. Als er 1854 starb war es nicht weiter verwunderlich, daβ er ein Staatsbegräbnis in Sheffield bekam, der Stadt in der er so lange gelebt und gedient hatte.

Insgesamt schrieb er in seinem Leben 400 Hymnen und obwohl die meisten in Vergessenheit geraten sind, haben doch einige Dutzend in den Gesangsbüchern verschiedener Glaubensgemeinschaften überlebt. Seine Werke sind für gewöhnlich objektiv, männlich, stark, erfrischend, aufbauend und immer sorgfältig zusammengestellt. Ein starkes Interesse an der Missionsarbeit durchdringt sein Schreiben. Er war in jeder Hinsicht Englands erster Hymnologe, indem er einerseits Hymnen sammelte und andererseits Prinzipien des Inhalts und des Stils erörterte. Er gab viele vernünftige Ratschläge darüber, was eine gute Hymne ausmacht: „Sie muβ in ihrem Aufbau so regelmäβig sein wie ein jegliches Gedicht. Sie soll ein eindeutiges Thema haben, welches leicht verständlich und nicht kompliziert sein soll. Zu viele Hymnenschreiber produzieren eine Reihe von zusammenhangslosen Gedanken, aufgrund des Erfordernisses, daß sich alles reimen muß. Zu oft entehrt die Armseligkeit ihres Handwerks die Gröβe des Themas. Autoren, die ihre Talente der Ehre Gottes und der Errettung von Menschen widmen, sollten sicherlich die gleichen Anstrengungen unternehmen an ihren Werken Glanz und Vollkommenheit zum Vorschein zu bringen, wie dies weltliche und gottlose Dichter mit ihren Werken tun“... Ein Ratschlag, der sich auf unsere heutige Ausdrucksweise und unser Benehmen anwenden läβt.

Bei einem Bankett, das zu seiner Ehre gegeben wurde, verkündete er einmal, „Ich habe weder geschrieben um den Gepflogenheiten, dem Geschmack oder Naturell unseres Zeitalters zu entsprechen. Ich sang von Krieg – aber es war ein Krieg für die Freiheit... Ich sang von der Liebe, die die Menschen füreinander haben sollen... Ich besang die Liebe zur Tugend. Ich sang auch von der Liebe Gottes, der Liebe ist.“

Eine Strophe seiner Hymne, die auf Grund ihres Inhalts oft zu Weihnachten gesungen wird:

Engel, aus dem Reich der Höhe,
Auf Flügeln ihr die Welt durchzieht
Ihr, die Schöpfung einst besingend,
Des Herrn Geburt nun teilet mit:
Kommt, anbetet, kommt, anbetet,
Verehrt den König, Jesu Christ.