Eine Reise nach Jerusalem

INHALT

die Reisen von 14 Engländern im Jahre 1667 nach Jerusalem, Bethlehem, Jericho, zum Jordan, zum See von Sodom und Gomorra usw., mit den Altertümern, Monumenten und unvergeßlichen Orten, die in der Schrift erwähnt sind. Von T. B.

Denen vorausgehen:

Denkwürdige Kommentare über den früheren und heutigen Zustand der jüdischen Nation wie:
1. eine Beschreibung des Heiligen Landes, seiner Lage, seiner Fruchtbarkeit usw. 2. die verschiedenen Gefangenschaften der Juden, nachdem sie es in Besitz genommen hatten. 3. mögliche Vermutungen, was aus den zehn Stämmen geworden ist, die von den Assyrern gefangen weggeführt wurden, mit dementsprechend verschiedenen sachdienlichen Bezügen. 4. der Judenstaat seit dessen Vernichtung mit dem gegenwärtigen Zustand in Palästina.

Zusammen mit einem Bezug auf die große Zusammenkunft der Juden in den Ebenen Ungarns 1650, um die Schriften, die Christus betreffen, zu prüfen. Von dem Engländer S. B., der dort anwesend war.

Mit einem Bericht der wundersamen Irreführung der Juden durch einen falschen Christus in Smyrna, 1666.

Zusammengestellt von R. Burton

GLASGOW

Gedruckt von Joseph Galbraith

MDCCLXXXVI

Titelblatt der "Reise nach Jerusalem", die Vermutungen enthält, daß die amerikanischen Indianer die zehn verlorenen Stämme sind; von Richard Burton (Pseudonym von Nathaniel Crouch), Glasgow, 1786, Ardmore, Pa., Sigmund Harrison Collection.

 Die zehn verlorenen Stämme

Eine Legende von dem Schicksal der zehn Stämme, die das nördliche Königreich Israel bilden. Das Königreich Israel, das aus den zehn Stämmen besteht (die zwölf Stämme ohne Juda und Benjamin, die das südliche Königreich von Juda bildeten), das 722 v. Chr. unterging und dessen Einwohner nach "Halah und Habor am Fluß Gosan und in die Städte Mediens" verbannt wurden (2. KÖNIGE 17:6 und 15:11; bzgl. Einzelheiten und Vermutungen bis zu ihrem letztlichen Schicksal, siehe Assyrisches Exil), im allgemeinen kann man aber sagen, daß sie von der Bühne der Geschichte verschwanden. Jedoch ließen die Parallelstelle in 1. CHRONIK 5:26, die sagt, daß die zehn Stämme bis "auf diesen Tag" dort blieben, sowie die Prophezeiungen in JESAJA 11:11, JERIMIA 31:8 und vor allem in HESEKIEL 37:19-24 den Glauben weiterleben, daß sie eine getrennte Existenz aufrechterhalten hatten und daß die Zeit kommen würde, in der sie mit ihren Brüdern, den Nachkommen aus dem Exil von Juda nach Babylon, wiedervereinigt würden. Deren Platz in der Geschichte nimmt jedoch eine Legende ein, und diese Legende von den zehn verlorenen Stämmen ist eine der faszinierendsten und beständigsten im Judentum und darüber hinaus.

Der Glaube an die fortwährende Existenz der zehn Stämme wurde während der gesamten Zeit des zweiten Tempels und des Talmud als eine unumstößliche Tatsache angesehen. Tobit, Held des gleichnamigen apokryphischen Buches, wurde als Mitglied des Stammes Naphtali beschrieben; das Testament der 12 Patriarchen betrachtet dessen Existenz als Tatsache; und in seiner 5. Vision, IV. ESRA 13:34-35 sah Esra "eine friedfertige Menge ... dies sind die zehn Stämme, die aus ihrem eigenen Land als Gefangene weggeführt wurden". Josephus (Ant. 11:133) stellt als Tatsache hin, daß sich "die zehn Stämme bis jetzt jenseits des Euphrat befinden, eine immense Menge sind und zahlenmäßig nicht geschätzt werden können". Paulus erwiderte Agrippa, daß er angeklagt werde "wegen der Hoffnung auf die Verheißung, die gegeben ist von Gott unsern Vätern und zu welcher hoffen zu kommen die zwölf Stämme der Unseren mit unablässigem Gottesdienst" (APOSTELGESCHICHTE 26:6-7), während Jakobus seinen Brief an die "zwölf Stämme in der Zerstreuung" (JAKOBUS 1:1) richtete. Die einzige Stimme, die gegen diese ansonsten allgemein verbreitete Ansicht spricht, wird im Mishnah gefunden. R. Eliezer äußert seinen Standpunkt, daß sie schließlich zurückkehren werden und "nachdem Dunkelheit über die zehn Stämme gekommen sei, würde über ihnen danach Licht scheinen", aber R. Akiva äußert seinen klaren Standpunkt, daß die zehn Stämme nicht zurückkehren würden (Sanh. 10:3). Obwohl man darin übereinstimmt, daß sich 3. Mose 26:38 auf die zehn Stämme bezieht, behauptet Akiva in Übereinstimmung mit dieser Sicht, daß es sich auf ihr vollständiges Verschwinden bezieht (Silfra, Be-Hukkotai 8:1), während R. Meir die Ansicht vertritt, daß es sich vielmehr auf das Exil bezieht.

Ihre Unfähigkeit, sich wieder mit ihren Brüdern zusammenzuschließen, wurde der Tatsache zugeschrieben, daß die zehn Stämme nach jenseits des geheimnisvollen Flusses Sambatyon (Gen R. 73:6) verbannt waren, welcher sie mit seinem wogenden Wasser oder Sand und Felsen während sechs Tagen in einer Woche davon abhielt, ihn zu überqueren, und obwohl es am Sabbat ruhig war, machten die Gesetze des Sabbats die Überquerung genauso unmöglich, wogegen die Stämme von Juda und Benjamin (das Königreich Juda) "über die ganze Welt verstreut" waren. Entsprechend dem Talmud von Jerusalem jedoch (Sanh. 10:6,29 c) sind die im Exil Lebenden in drei Gruppen aufgeteilt worden. Nur ein Drittel ging nach jenseits des Sambatyons, das zweite zu "Daphne von Antiochia" und über dem dritten "kam eine Wolke herab, die sie einhüllte": aber alle drei würden letztendlich zurückkehren.

Während des Mittelalters und bis vor vergleichsweise kurzer Zeit wurde behauptet, daß die zehn verlorenen Stämme existieren, und es wurden sowohl von jüdischen und nicht-jüdischen Reisenden und Forschern, als durch viele Laien Versuche unternommen, die zehn verlorenen Stämme zu entdecken oder verschiedene Völker mit diesen in Verbindung zu bringen. Eldad ha-Dani behauptete nicht nur, ein Mitglied des Stammes Dan zu sein, sondern auch mit vier von den Stämmen kommuniziert zu haben. David Reuveni behauptete, der Bruder Josephs zu sein, des Königs der Stämme von Ruben, von Gad und des Halbstammes Manasse, die in Khaybar in Arabien siedelten, das als das Habor aus 2. Könige identifiziert wurde. Benjamin von Tudela besitzt eine lange Beschreibung der zehn Stämme. Ihm zufolge haben die Juden von Persien festgestellt, daß die vier Stämme Dan, Asser, Sebulon und Naphtali in der Stadt Nishapur wohnten, die damals von ihrem eigenen Prinzen, dem Leviten Joseph Amarkala (v. N. M. Adler (1907), S. 83) regiert wurden, während die Juden von Khaybar aus den Stämmen Ruben, Gad und dem Halbstamm Manasse sind (ebenda, S. 72), wie es auch von Reuveni gesagt wurde. Lange hielt sich die Legende, daß sie mit Prester John in Äthiopien kämpften, eine Geschichte, die von Obadja von Bertinoro in seinen ersten beiden Briefen aus Jerusalem 1488 und 1489 wiederholt wurde. Im Jahre 1528 identifizierte sie der Kabbalist Abraham Levi, der Ältere, mit den Falachen. Abraham Farissol gibt einen langen Bericht über sie, der auf Gesprächen mit David Reuveni basiert, welche nicht in dessen Tagebuch stehen, wohingegen der ausführlichste der von Abraham Jagel ist, einem italienischen Juden des 16.-17. Jahrhunderts, der sich im 22. Kapitel seines "Beit Ya'ar ha-Levanon" befindet.

Jakob Saphir (1822-1888) hielt seine Hoffnung aufrecht, daß er die verlorenen Stämme entdecken würde. Er erzählt in allen Details die Geschichte von Baruch b. Samuel, einem Juden der Geretteten, der, gesandt, nach ihnen zu suchen, den Jemen besucht hat und nach einer Reise durch eine unbewohnte Wüste Kontakt mit einem Juden aufgenommen hatte, der behauptete, zu den "Söhnen Moses" zu gehören. Jedoch wurde Baruch ermordet, bevor er sie besuchen konnte (Even Sappir, 1 (1866), S. 41) und in folgendem Kapitel überträgt Saphir Wort für Wort den Beweis, der von einem gewissen Baruch Gad den Rabbinern Jerusalems 1647 gegeben wurde, nämlich, daß er die "Söhne Moses" in Persien getroffen hatte, welche ihm einen Brief für Jerusalem gegeben hatten. Wehmütig kommt er zu dem Schluß: "Könnte ich diesem Brief vollen Glauben schenken ... würde ich ihn einer genauen Untersuchung unterziehen und würde von seinem überragend bedeutenden Thema lernen, aber die Erinnerung an den Betrug von Eldad ha-Dani lenkt einen Verdacht auf Baruch den Gaditer, denn einer unterstützt den anderen ... Ich habe meine Pflicht erfüllt, indem ich die Tatsachen aufgeschrieben habe, und sie mögen selbst urteilen, und ich werde auch das hören, was die derzeitigen Gelehrten darüber sagen."

Verschiedene Theorien, eine weiter hergeholt als die andere, wurden mit den dürftigsten Beweisen aufgestellt, um verschiedene Völker als die zehn verlorenen Stämme zu identifizieren. Kaum ein Volk, von den Japanern bis zu den Briten und von den Indianern bis zu den Afghanen, das nicht vorgeschlagen wurde, und kaum eine Gegend, unter ihnen Afrika, Indien, China, Persien, Kurdistan, der Kaukasus, die USA und Großbritannien. Besondere Aufmerksamkeit verdient die phantastische Reiseerzählung, berichtet von Arson (Antonio) Levi de Montezinos, der bei seiner Rückkehr von Südamerika nach Amsterdam im Jahre 1644 eine bemerkenswerte Geschichte erzählte, daß er Indianer jenseits des Gebirgspasses der Cordilleren gefunden habe, welche ihn begrüßten und dabei das Shema vortrugen. Unter denen, welchen Montezinos seine Urkunde vorlegte, war Manasseh Ben Israel, damals Rabbi von Amsterdam, der die Geschichte voll akzeptierte, und ihr gab er seine "Hope of Israel" (Israels Hoffnung), (1650, 1652) hin, welche er dem englischen Parlament widmete. In Kapitel 37 faßt er seine Funde in folgenden Worten zusammen:

  1. Daß Westindien früher von einem Teil der zehn Stämme bewohnt war, welche von Tartarys wegzogen, an dem "Streight of Anian" vorbei.
     
  2. Daß die zehn Stämme nicht an einem einzigen Ort sind, sondern an vielen: Weil die Propheten vorhersagten, daß die Rückkehr in ihr Land aus verschiedenen Orten stattfinden soll: Besonders Jesaja sagte, daß es aus acht geschehen soll.
  1. Daß sie nicht zu dem zweiten Tempel zurückkehrten.
     
  2. Daß sie an diesem Tag ihre jüdische Religion behalten.
     
  3. Daß die Prophezeiungen über die Rückkehr in ihr Land notwendigerweise erfüllt werden müssen.
     
  4. Daß von allen Küsten der Welt sie sich an jenen zwei Orten treffen sollen: Assyrien und Ägypten: Gott bereitet einen einfacheren, angenehmeren Weg und gibt alle Dinge im Überfluß, wie Jesaja in Kapitel 49 sagte. Von dort sollen sie nach Jerusalem fliegen wie Vögel in ihre Nester.
  1. Daß ihr Königreich nie mehr geteilt wird: aber die Zwölf Stämme sollen unter einem Fürst vereinigt werden, das heißt, unter dem Messias, dem Sohn Davids: Sie sollen aus ihrem Land niemals vertrieben werden."

Die lateinische Arbeit wurde im selben Jahr ihres Erscheinens ins Englische übersetzt und lief durch drei Auflagen in ebensovielen Jahren. Manasseh Ben Israel benutzte diesen "Beweis" der Zerstreuung der Juden überall in der Welt als ein Argument für Oliver Cromwell in seinem Appell, die Rückkehr der Juden nach England, damals das einzige Land, das keine Juden hatte, zuzulassen. Solange dieser Zustand herrschte, würde die Erfüllung der Prophezeihungen über das Kommen (oder das zweite Kommen) des Messias erst stattfinden, wenn die Juden in die vier Erdteile versprengt sind (Kapitel 35). Sowohl die Übersetzung als auch die Korrespondenz, die durch die Geschichte zwischen Manasseh Ben Israel und Theologen in England ins Leben gerufen wurde, spielten eine bedeutende Rolle, die Atmosphäre zu schaffen, die letztendlich die Rückkehr der Juden nach England herbeiführte.

Bibliographie

  • A. Neubauer, in: JQR 1 (1889), 14-28, 95-114, 185-201, 408-23;
  • A. Hyamson, ibid, 15 (1903), 640-76;
  • C. Roth, A Life of Menasseh Ben Israel (1934), 178-93;
  • A.H. Godbey, The Lost Tribes, a Myth (1930);
  • L. Wolf, Menasseh Ben Israel's Mission to Oliver Cromwell (1901), 17-56;
  • D. Tamar, in: Sefunot, 6 (1962), 303-10.