Die Sieben-Tage-Woche

Einleitung

Durch die Erdbewegung werden zwei natürliche Zeiteinheiten festgelegt. Eine Umdrehung der Erdachse bestimmt den 24-Stunden-Tag, eine Rotation der Erde um die Sonne bestimmt das Jahr. Die Woche ist ein dritter Zeitabschnitt dazwischen, der nicht so deutlich durch Beobachtung abgeleitet werden kann. Es gibt keinen offensichtlichen Sieben-Tage-Rhythmus im Sonnensystem. Was ist dann die Grundlage der Woche? In 1. MOSE 2:2-3 wird gesagt, daß der wöchentliche Zyklus vom Schöpfer selbst festgelegt wurde. Das Wort für Woche, welches im Alten Testament 19 Mal auftaucht, leitet sich von sheba, "Siebenperiode", ab. Von Zeit zu Zeit haben Kulturen andere Zeiteinteilungen eingeführt. Alle Alternativen blieben jedoch vorübergehende Lösungen, und die Sieben-Tage-Woche tauchte am Ende immer wieder auf.

Welches Interesse hat der Schöpfungswissenschaftler an der Länge der Woche? In dieser Studie werden zwei Tatsachen besonders betont. Erstens ist unser Wochenkalender ein starker Beweis für das zugrundeliegende Muster der Schöpfungstätigkeit. Liberale Gelehrte versuchten, diesen Sachverhalt umzudrehen. Sie schlugen stattdessen vor, daß die Woche von der Schöpfungserzählung vorausgesetzt wird und sich nicht von dieser ableitet. D.h. daß die Genesis-Woche nur ein literarischer Kunstgriff ist, welcher auf dem von Menschen selbst entwickelten Kalender basiert - Abrahams (S. 766), Van Till (S. 84). Diese falsche Idee muß widerlegt werden. Zweitens scheint es bewußte Anstrengungen in der zeitgenössischen Literatur zu geben, die biblische Grundlage der Woche zu ignorieren. Viele phantasievolle Quellen werden für die Zahl Sieben vorgeschlagen, aber das 1. Buch Mose wird selten erwähnt. Eine solche voreingenommene Darstellung sollte offengelegt werden.

Kalendersysteme

Jede Beschreibung geschichtlicher Kalender ist bestenfalls lückenhaft. Schwierigkeiten und Unklarheiten sind zahlreich. Parise listet mehr als 40 verschiedene Kalender auf, von denen viele noch während ihres Bestehens verändert wurden, und sogar seine Auflistung ist nicht vollständig. Da es keine exakte Anzahl von Erdumdrehungen während einer Sonnenumdrehung gibt, bleibt unser heutiger Gregorianischer Kalender ungenau. Das Schaltjahr ist nur eine grobe Lösung für das Problem, eine genaue Anzahl von Tagen in das Durchschnittsjahr einzufügen.

Alle Jahreskalender mußten nach einer gewissen Zeit entweder Tage weglassen oder dazuzählen (Interpolation). Zusätzlich richten sich viele Kulturen sowohl nach religiösen als auch nach bürgerlichen Kalendern. Tabelle I zeigt verschiedene repräsentative Kalender mit Betonung der unterschiedlichen Wochenlängen. Menschen haben auf vielerlei Art und Weise versucht, Tage in Zeiteinheiten von fünf bis zehn Tagen zu gruppieren. Zwei neuere Kalender veranschaulichen die Vergänglichkeit einer jeden Zeiteinteilung, die von der Sieben-Tage-Woche abweicht. 1792 beschlossen die Franzosen, einen Dezimalkalender mit einer Zehn-Tage-Woche einzuführen. Der Tag war außerdem in Dezimaleinheiten statt in Stunden und Minuten unterteilt. Die Bevölkerung war damit nicht zufrieden, und der Kalender wurde bald nicht mehr verwendet. Die russische Neuerung im Jahre 1929 war ein Versuch, die Zeitrechnung von religiösen Gesichtspunkten zu lösen. Samstag und Sonntag wurden daher einfach aus der Woche gestrichen! Da sich das sowjetische Volk seiner Wochenenden genauso erfreut wie jedes andere, war auch dieser Kalender kurzlebig.

Abrahams (S. 766) meint, Belege einer altertümlichen hebräischen Zehn-Tage-Woche in der Bibel finden zu können. Er zitiert 1. MOSE 24:55 (siehe KJV) und 2. MOSE 12:3, diese Bibelstellen haben jedoch nichts mit der Beschreibung der Woche zu tun.

Abrahams hätte genausogut 1. MOSE 7:4 und 1. MOSE 8:10 als Belege für die Sieben-Tage-Woche heranziehen können. In Wirklichkeit ist in der ganzen Bibel immer nur von der normalen Woche zu lesen. Eine Sieben-Tage-Periode wird in den Tagen solcher Männer wie Joseph (1. MOSE 50:10), Mose (4. MOSE 19:11) und Samson (RICHTER 14:12) ausdrücklich erwähnt.

Literatur

Es ist nicht verwunderlich, daß die ursprüngliche Sieben-Tage-Woche in vielen Ländern abgeschafft wurde. Schließlich wurden Gottes Befehle und Versprechen in der traurigen Menschheitsgeschichte in ähnlicher Form vernachlässigt. Ungeachtet dessen bleibt die Frage bestehen, warum die Genesis-Grundlage des Kalenders heutzutage vergessen ist. Mehrere zeitgenössische Kommentare zur Wochenlänge veranschaulichen, wie jegliche Erwähnung der Bibel vermieden wird.

"Die Sieben-Tage-Woche hat sich fest eingebürgert, und keiner weiß mit Sicherheit, wo sie herkommt... Vielleicht wurde die Woche ursprünglich benutzt, um die Mondphasen zu kennzeichnen, und wir haben diesen Zusammenhang vergessen." - Brown (Sn. 2-3)

"Eine Sieben-Tage-Woche mit unklarem Ursprung (vielleicht rückführbar auf die ungefähren Mondphasen oder die Beliebtheit der Zahl 7) wurde mit der gänzlich israelitischen Eigenart eines geheiligten Ruhetages am 7. Tag gehalten." - Mac Rae (S. 1068).

"Unsere eigene westliche Sieben-Tage-Woche, eine unserer willkürlichsten Festlegungen, entstand aus einem allgemeinen Bedürfnis und spontaner Übereinstimmung heraus, nicht durch Gesetzgebung oder auf Anweisung einer Regierung ... Die Zahl Sieben hat fast überall einen besonderen Zauber. Die Japaner fanden sieben Glücksgötter, Rom wurde auf sieben Hügeln erbaut, die alten Griechen und Römer zählten sieben Weltwunder, und die Christen des Mittelalters führten sieben Todsünden auf." - Boorstin (S. 13)

Tabelle 1: Eine repräsentative Liste von Kalendersystemen

Kalender Wochenlänge (Tage) Benutzungsperiode Quelle*
hebräisch 7 14. Jh. v. Chr. P
mazedonisch keine 9. Jh. v. Chr. P
chaldäisch 7 747-734 v. Chr. P
ägyptisch 10, keine   R
babylonisch 10 625-316 v. Chr. P
assyrisch 6   R
zoroastrisch keine 389 v. Chr. P
griechisch 10   P
römisch 8, 10   P
islamisch 7 622 n. Chr. - Gegenwart P
westafrikanisch 4   R
zentralasiatisch 5   R
französisch-republikanisch 10 1792-1806 P
russisch 5 1929-30 n. Chr. P
gregorianisch 7 1582-Gegenwart  
* Die Quelle ist entweder Parise (S. 5, 8):P oder Robson (S. 596):R. Die Quellen widersprachen sich in einigen Punkten

Astronomische Körper werden häufig als Ursprung für die Sieben-Tage-Woche erwähnt: Sonne (Sonntag), Mond (Montag), Mars (Dienstag), Merkur (Mittwoch), Jupiter (Donnerstag), Venus (Freitag), Saturn (Sonnabend). Es stimmt, daß die Tage gegenwärtig nach den Himmelslichtern benannt sind, welche ihrerseits nach griechischen Göttern bezeichnet wurden. Das entspricht einfach der menschlichen Gewohnheit, Entdeckungen und Erfindungen nach den eigenen Göttern zu benennen. Der Vorstellung, daß sich die Wochenlänge von diesen hellen Lichtern ableitet, muß jedoch widersprochen werden. Betrachten wir den Fall des Planeten Venus. Im Altertum hielt man ihn für zwei verschiedene Objekte, und ihm wurden zwei Namen gegeben: der Morgenstern (Phosphorus) und der Abendstern (Hesperus). Unklar ist, ob die alten Griechen und Römer wußten, daß beide Lichter in Wirklichkeit ein einziger Stern waren. Venus hätte also ohne weiteres zwei verschiedene Wochentage liefern können, und das gleiche gilt für Merkur. Wenn die Woche ursprünglich nach wandernden Himmelslichtern bestimmt worden wäre, gäbe es mindestens neun Wochentage! Es ist aber wahrscheinlicher, daß das schon vorhandene Sieben-Tage-Schema später mit Planetennamen belegt wurde.

Das Israel des Alten Testaments benutzte einen Mond-Sonnen-Kalender, der heute noch für die hebräischen Feiertage verwendet wird. Auch die islamischen Länder benutzen einen Mondkalender und beachten die Mondphasen sorgfältig. Wie zu erwarten, beruft man sich bei der Wochenbestimmung häufig auf den Mond. Schließlich liegen die vier Mondphasen "etwa" eine Woche auseinander. Tatsächlich dauert die synodische Periode des Mondes 29,53 Tage. Dieser natürliche Zyklus nähert sich einem ganzzahligen Vielfachen der Zahl Sieben, ist aber bestimmt nicht exakt 28 Tage lang. Hätte man ihn zur Bestimmung einer Mondwoche benutzt, wäre es präziser gewesen, drei Wochen in einen Mondzyklus einzufügen und zwar mit jeweils zehn Tagen! Außerdem liefern die Mondphasen nicht wirklich einen vorteilhaften visuellen Kalender. Das erste Quartal des Mondes stellt sich bei Sonnenuntergang ein, der Vollmond geht bei Sonnenuntergang auf, der Dreiviertelmond kann nicht vor Mitternacht beobachtet werden, und der Neumond (oder zunehmender Mond) ist sowieso kaum wahrnehmbar.Ähnlich wie bei den Planeten erscheint es plausibel, daß das System der Mondphasen dem schon vorhandenen Sieben-Tage-Schema zugeordnet wurde.

Schlußfolgerungen

Die Erörterung der hochkomplexen Kalendersysteme sollte mit der nötigen Vorsicht erfolgen. Trotz allem ergibt die Studie, daß die dauerhafte Sieben-Tage-Woche ein starker Beweis für die Zuverlässigkeit der Schrift und des Schöpfungswerkes ist. Das letzte Wort zum Kalender ist noch nicht gesprochen. Neue Reformvorschläge sind aufgetaucht. Die Sieben-Tage-Woche und die unterschiedlichen Monatslängen sind für einige Personen unbefriedigend. Insbesondere Geschäftsleute wünschen sich die Feiertage jedes Jahr am gleichen Wochentag. Ein beliebter Vorschlag nennt sich "International Fixed Calendar". Jedes Jahr würde danach 364 Tage umfassen oder genau 52 Wochen. Der Geburtstag würde immer auf den gleichen Wochentag fallen. Jeder der dreizehn Monate würde auch einen Freitag den 13. beinhalten! Es gäbe einen zusätzlichen 365sten Tag (zwei während des Schaltjahres), welcher zu keiner Woche gehörte. Dieser zusätzliche Tag erhielte auch keine Monats- oder Wochentagsbezeichnung. Die Geschichte sagt voraus, daß ein solches System, obwohl es nur ein bzw. zwei Tage pro Jahr von der Sieben-Tage-Woche abweicht, zum Scheitern verurteilt ist.

Verschiedene Fragen bieten sich zur weiteren Erforschung der wöchentlichen Zeiteinteilung an. Gibt es Belege für die Sieben-Tage-Woche in früher außerbiblischer Literatur, ähnlich wie bei den Fluttraditionen? In welcher Hinsicht bedeutet der Sieben-Tage-Rhythmus ein optimales Zeitintervall für unsere körperliche und geistige Gesundheit?

Wer treibt Kalenderreformen heutzutage voran und welches sind die wirklichen Motive? Welche "Obergrenze" setzt die Sieben-Tage-Woche und die gezeitenbedingte Reibungsverzögerung der Erdrotation dem Alter der Erde?

Literaturhinweise

  • I. Abrahams, Time. A dictionary of the Bible, Volume IV., Charles Scribner's Sons, New York (1903).
  • D. Alter, C. H. Cleminshaw, J. G. Phillips, Pictorial Astronomy, Thomas Y. Crowell Company. New York (1974).
  • D. J. Boorstin, The discoverers, Random House, New York (1983).
  • H. Brown, Man and the stars, Oxford University Press. Oxford (1978).
  • G. W. MacRae, New Catholic encyclopedia, Volume II. McGraw-Hill Book Company, New York (1967).
  • G. Moyer, The Gregorian calendar, Scientific American 246 (1982), S. 144-152
  • F. Parise, The Book of calendars, Facts on File, Inc., New York (1982).
  • C. A. Robson, Calendar. New Encyclopedia Britannica, Volume 3 Encyclopedia Britannica. Inc. Chicago (1983).
  • H. Van Till, The Fourth Day, William B. Eerdmans Publishing Company, Grand Rapids, MI (1986).
  • Don B. DeYoung, Ph. D.
  • Physical Science Department
  • Grace College
  • Winona Lake, IN 46590. 

Quelle: Creation Research Society Quarterly