Die Schädelkapazität - ein "Zahlenspiel" für Evolutionisten

"Erbsenhirn" und "Muskelhirn" sind bei uns sehr gängige Wörter, die unsere Ansicht verdeutlichen, daß Schädelkapazität und Intelligenz Hand in Hand einhergehen. Seitdem der Mensch an der Spitze der geistigen Hierarchie von tierischer Intelligenz steht, erklären die Evolutionisten die fossilen Funde zum Beleg für die Abstammung des Menschen von einem ursprünglichen sehr kleinen Hirn. Stephan Molnar (1975, Seite 56) schreibt: "Es ist für das Studium der menschlichen Entwicklungsgeschichte eine äußerst wichtige Tatsache, daß im Laufe der letzten 2 Millionen Jahre in der Evolution der Schädelraum und damit auch die Gehirngröße zugenommen haben. Der Vergleich zwischen den Schädelkapazitäten der verschiedenen Fossilien kann sehr nützlich sein." Aber unterstützt das Studium der Schädelkapazität wirklich die Evolution, oder handelt es sich hierbei nur um ein "Zahlenspiel", das eigentlich bedeutungslos ist?

Die Messung der Werte

Die Schädelkapazität wurde schon auf verschiedene Arten gemessen. Man benutzte Senf-, Hirse- oder Leinsamen, weil sie am ehesten der Masse von Flüssigkeit entsprachen, man nahm aber auch kleine Bleikugeln (Montagu, 1960). Wenn Senfsamen benutzt wurde, führte man ihn mit Hilfe eines Trichters durch das Foramen magnum in die Schädelhöhle und verteilte ihn mit der Hand oder mit einem Instrument. Wenn der Schädel damit genügend verdichtet war, wurde das Material in ein Meßglas ausgegossen und wieder geschüttelt und verdichtet. Abhängig von der Art und Geschwindigkeit, wie der Same komprimiert und eingeschossen worden war, sowie vom Durchmesser des Trichterhalses, konnten verschiedene Messungen mit derselben Probe gemacht werden. Eine andere Methode zur Messung der Schädelkapazität, die heute gebräuchlich ist, ist der Einguß der Probe ins Schädelinnere, wonach dann die vom Einguß verdrängte Wassermenge gemessen wird.

Indirekte Messungen können mit verschiedenen, vom Geschlecht abhängigen Formeln gemacht werden. Oliver (1969) hat diese Formeln aufgelistet:

für den Mann: 359,34 + 365 X 10-6 (Länge X Breite X Höhe ab dem Ohr)

für die Frau: 296,4 + 375 X 10-6 (Länge X Breite X Höhe ab dem Ohr)

Änderungen in den Formeln werden in Abhängigkeit von Rasse und Scheitelbeindicke gemacht.

Der Betrug mit den Werten

Im 19. Jahrhundert wurde das Ausmessen der Schädelkapazität so bedeutsam, daß daraus die Wissenschaft der Kraniometrie oder auch der Schädelmessung entstand. Paul Broca von der Fakultät für klinische Chirurgie in Paris gewann damit Ansehen und Unterstützung für seine Forschungsarbeit, indem er viele Daten sammelte. Kühn erklärte er:

"Allgemein gesagt ist der Schädel eines heutigen Erwachsenen größer als der eines damaligen, der von Männern größer als der von Frauen, der von bedeutsamen Menschen größer als der von mittelmäßig talentierten, der von überlegenen Rassen ... und ebenso in anderen Vergleichen gibt es ein bemerkenswerten Zusammenhang zwischen der Entwicklung von Intelligenz und dem Volumen des Gehirns." (Stephen Gould, 1978, Seite 44)

Von besonderem Interesse war, daß Broca glaubte, er hätte wissenschaftlichen Beweis dafür, daß Frauen kleinere Gehirne hätten und deswegen an Intelligenz den Männern nicht gleich sein könnten. Nachdem er in Pariser Hospitälern 292 Gehirne ausgemessen hatte, erklärte er, daß Männer 14% mehr Schädelkapazität hätten. (1975 sagte Molnar, daß Frauen durchschnittlich 10% weniger Schädelkapazität hätten.)

Ein Kollege Brocas, der auch an dessen Schule war, schrieb in Frankreichs renommiertestem Journal für Anthropologie:

"In den intelligentesten Rassen, wie beispielsweise unter den Bürgern von Paris, gibt es eine große Anzahl an Frauen, deren Gehirne eher an die Größe von denen von Gorillas reichen als an die hochentwickelten Männergehirne." (Gould, 1978, Seite 48). Er fuhr fort, die Verhaltens- und Handlungsweisen von Frauen zu beschreiben.

Später, auch noch im 19. Jahrhundert, maß ein anderer Kraniometriker, Samuel George Morton, die Schädelkapazitäten verschiedener Rassen aus. Er glaubte, daß der schweizer Schädel sich unter allen Rassen mit der höchsten Hirnkapazität hervortäte, gefolgt von andere Weißen, die indische Schädelkapazität in der Mitte läge und die von Schwarzen am Ende. Seine Daten wurden von Gould (1978) abgeurteilt, weil er 1. die Meßmethoden änderte, indem er für kaukasische Schädel weißen Senfsamen bis Bleikugeln verwendete und Weißen überhaupt die "größte Schärfe" (den Senf betreffend) zukommen ließ. 2. unterließ er einige Proben, die er für bestimmte Rassen für "atypisch" hielt, und 3. unterließ er es, geschlechtliche Unterschiede bei den Schädeln zu berücksichtigen.

Morton und Broca benutzten unwissenschaftliche Daten, um den Rassismus und Sexismus des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zu fördern, aber weil sie aufrichtig und überzeugend wirkten, wurden sie von vielen Wissenschaftlern akzeptiert.

Das Ausmessen der verschiedenen Werte

Tobias (1970) schrieb, daß das Problem mit dem Ausmessen der Schädelkapazität darin bestünde, daß sie kein Maß für die eigentliche geistige Fähigkeit (zum Beispiel den denkenden Teil des Gehirns) darstellt. Eine Schädelkapazität von 1000 cm³ enthält zum Beispiel neben Hirngewebe noch anderes Material wie die Wurzeln und Stämme von 24 Hirnnerven, die dicke Dura mater, zwei dünnere innere Häute, genannt die Arachnoidea und die Pia mater, Zisternen, das sind Gebiete, die Flüssigkeit enthalten, Venensinusse und viele Blutgefäße, Blut und Hirnflüssigkeit (Liquor). Deshalb war Tobias weniger an der Schädelkapazität als an der Hirnmasse interessiert.

Dennoch, obwohl die Hirnmasse ideal zu sein schien, fuhr Tobias fort zu sagen, daß es zu viele Faktoren gibt, die die Hirnmasse zur Zeit des Sterbens beeinflussen. Eine Liste davon sind: Geschlecht, Zustand des Körpers, Alter, Ernährungsweise zur Zeit der Entwicklung, Ort am Gehirn, von dem eine Probe entnommen wurde, Todesursache, Zeitpunkt der Messung nach dem Tod, Temperatur zum Augenblick des Sterbens, der Hirnlevel, an dem der Schnitt zur Messung vorgenommen wurde, die Gegenwart oder Abwesenheit von Hirnflüssigkeit, die Gegenwart oder Abwesenheit von Hirnhäuten und die Gegenwart oder Abwesenheit von Blutgefäßen. Da viele von diesen Faktoren bei den Messungen nicht berücksichtigt worden sind, gesteht Tobias (1970), daß vergleichende Studien hinsichtlich von Rasse und Geschlecht bedeutungslos sind.

Das Ausmessen der Werte beim Menschen

Grundlegend für die Annahme der Evolution der menschlichen Schädelkapazität ist die aktuelle Kenntnis über die Veränderlichkeit des Schädels. Obwohl man sagt, daß die menschliche Schädelkapazität etwa 1300 cm³ beträgt, handelt es sich hierbei nur um einen Durchschnittswert. Einige Bevölkerungsgruppen, die einen bestimmten Gesundheitsgrad repräsentieren, haben eine Schädelkapazität, die der eines "fossilen Menschen" sehr ähnelt. 1950 fand O. Schlaginhaufen den Schädel einer menanesischen Frau mit einer Schädelkapazität von 790 cm³, von dem man sagt, daß er den Rekord hält, der kleinste zu sein (Schultz, 1966). Marvin Harris (1971) behauptete, daß die Veränderlichkeit der menschlichen Schädelkapazität bei 850 cm³ beginnt. Bonin (1963) sagte, daß Raymond Dart in seiner Diskussion über seinen fossilen Menschen erwähnt hatte, er hätte Bantu-Leute mit Schädelkapazitäten von 511, 519 und 561 cm³ gefunden, die ihre Funktion als Hirtenjungen und Landarbeiter ausgeübt hätten, und obgleich ihre Schädel so groß wie die von ausgewachsenen Gorillas waren, war es offensichtlich, daß sie in ihrem Verhalten nicht eingeschränkt waren. Andererseits berichtete Schultz (1966), daß man einen sehr großen Gorilla mit einer Schädelkapazität von 685 cm³ gefunden hatte. So wie Holloway erklärt (1966, Seite 58):

"1 cm³ eines Schimpansengehirns ist weder gleich 1 cm³ eines menschlichen Gehirns, noch ist es gleich irgendeinem anderen 1 cm³ großen Gebildes, das gefunden werden kann."

Im Gegensatz zu Brocas Behauptung, daß berühmtere Menschen größere Gehirne als nur mittelmäßig talentierte hätten, gibt es bei normalen Menschen eigentlich keine Korrelation zwischen Gehirnvolumen und geistiger Fähigkeit (Gould, 1974). Man weiß, daß berühmte Männer wie Anatole France, Franz Joseph Gall und Leon Gambetta Gehirne von 1000 bis 1100 cm³ besaßen. Sie waren etwa so intelligent wie Oliver Cromwell und Lord Byron, die Schädelkapazitäten von 2200 cm³ und mehr hatten.

Das Ausmessen der Werte des fossilen Menschen

Man behauptete, daß die Fossilienfunde die Theorie der Evolution bestätigten und daß der Mensch von den Australopitecinen mit kleinem Schimpansenhirn, die sich dann zum Cromagnon-Menschen mit "normalgroßem" Gehirn entwickelten, abstammte; wie die Tabelle zeigt:

Schimpanse 393
Gorilla 506
Australopithecus 494
Homo habilis 656
Homo erectus 935
Cromagnon Homo sapiens 1370

 Die durchschnittliche Schädelkapazität von fossilen Hominiden

Obwohl die Tabelle ein überzeugendes Argument für die Evolution der menschlichen Schädelkapazität darstellt, gibt es viele Daten, die dem widersprechen, die aber leicht übersehen werden.

Erstens sollen die Homo erectus-Schädel, für die der Java-Mensch und der Peking-Mensch Beispiele sind und die für 500.000 Jahre alt geschätzt werden, ein Volumen von durchschnittlich etwa 950 cm³ haben. Von einem der ältesten Homo erectus-Schädeln, dem OH 9, der zuerst 900.000 Jahre alt sein sollte (Laskers, 1973), glaubt man jetzt jedoch, daß er 1,2 Millionen Jahre alt ist (Nelson, 1985). Von allen frühen Homo erectus-Exemplaren hat das mit dem Spitznamen Chellean-Mensch bekannte mit 1067 cm³ die größte Schädelkapazität (Nelson, 1985). Auffallend an ihm ist der riesige Stirnkamm, ein sogenanntes "primitives" Charakteristikum. Ein anderer Schädel, der des Solo-Menschen, der dem OH 9 sehr ähnlich sieht, wird auf 300.000 bis 600.000 Jahre alt geschätzt und hat eine Schädelkapazität von 1035 cm³. Wir sehen, daß es nicht unbedingt heißen muß, je älter der fossile Mensch ist, desto kleiner seine Schädelkapazität.

Entgegen allen Vermutungen lebte der Homo erectus zur selben Zeit wie viele Australopitecinen. In Südafrika ist ein kleiner Unterkieferknochen in der Nähe von früheren Australopitecinen gefunden worden. Über KMNER 3733, einem Homo erectus-Schädel, der in der Zeit des Chellean-Menschen gelebt haben sollte, schrieb Nelson (1985):

"Eine merkwürdige Sache bei dem KMNER 3733 ist, daß er in dem geologischen Bett gefunden wurde, in dem auch die robusten Australopitecinen A. boisei und vielleicht auch A. africanicus waren (Nelson, 1985, Seite 497). Auf diese Weise scheint es, daß der vermutlich unmittelbarste Vorgänger des Menschen mit seinen primitiven und kleinhirnigen Vorfahren zusammen gelebt hatte."

Nicht alle Homo erectus-Schädel enthielten kleine Gehirne. Ein Beispiel dafür ist der Vertesszollos-Mensch von vor 350.000 bis 400.000 Jahren, der eine Schädelkapazität von etwa 1400 cm³ hatte, also über der durchschnittlichen menschlichen Schädelkapazität (Day, 1977). Deshalb könnten einige unserer angeblich unmittelbaren Vorfahren überdurchschnittliche Schädelkapazitäten gehabt haben.

Der Neandertal-Mensch, der eigentlich älter als der Cromagnon-Mensch ist, hatte eine durchschnittliche Schädelkapazität von 1470 cm³ gegenüber dem letzteren, der etwa 1370 cm³ hatte (Lavelle, Shellis and Poole, 1977). Poirier (1974, Seite 94) sagt:

"Seit der Zeit der Neandertaler gab es einen allgemeinen Rückgang der Hirngröße um etwa 300 cm³." Die Neandertaler kamen etwa vor 250.000 Jahren auf, und es scheint, daß sich hier der Mensch in die "falsche" Richtung entwickelte.

Es wurde auch von den Evolutionisten diskutiert, daß der Homo erectus der eigentliche direkte Vorfahr des Cromagnon-Menschen gewesen sein mußte, da kein moderner Typus mit den frühesten Homo erectus-Funden entdeckt worden ist. Dennoch wurden Schädel, die mit modernen Gesichtszügen und "normaler" Schädelkapazität in Pliozän- und Pleistozän-Schichten gefunden worden sind, nicht akzeptiert, da sie nicht "am richtigen Ort" lagen. Listen über diese Funde sind in Shute (1961) und Bowden (1977).

Die sich ändernden Werte

Schätzungen über die Schädelkapazität von verschiedenen Hominiden blieben nicht immer die gleichen. Einige Schätzungen haben sich geändert infolge der verschiedenen Methoden, die angewandt wurden, doch scheinen einige von dem Platz in ihrer phylogenetischen Interpretation beeinflußt worden zu sein.

Ein Beispiel ist der Oreopithecus, der so lange Arme wie ein Affe und auch einige affenartige Eigenschaften hatte, doch darüber hinaus über hominide Wesenszüge verfügt, wie kleine Eckzähne, große Hüftbeinschaufeln und ein nach vorne gerichtetes Foramen magnum, das für ein Aufrechtgehen des Organismus steht (Rosen, 1974). 1960, als der zerdrückte Oreopithecus-Schädel mit direkten und einigen indirekten Methoden gemessen wurde, ergab seine Schädelkapazität 490-640 cm³ (Strauss und Schon, 1960). Das war nahe an der Größe von Australopitecinen und bewegte die Wissenschaftler zum Glauben, daß der Oreopithecus die Lücke der Hominiden-Entwicklung in der Miozän-Ära füllt.

1963 lehrte die Yellow Version of the Biological Science Curriculum Studies in ihrem Auszug über die menschliche Entwicklung:

"Nachfolgende sorgfältige und sehr zeitaufwendige Studien bestätigen, daß der Oreopithecus so viele menschenähnliche, mehr denn affenähnliche Wesenszüge besaß, daß die meisten Autoritäten dazu geneigt sind, ihn als den frühesten Vertreter der menschlichen Familie - den Hominiden - anzusehen (John Moore, Seite 661)."

Diese Meinung ist heute nicht mehr anerkannt, und Oreopithecus wird in den meisten Lehrbüchern nur noch ganz kurz als ein Sumpfaffe erwähnt, der möglicherweise in Beziehung zum Apidium, einem Eichhörnchen-ähnlichen Anthropoiden, steht. Szalay und Bergs letzte Schätzung über das Volumen des Endokraniums von Oreopithecus ergab etwa 200 cm³, was mehr für seine affenartigen Charakteristika spricht. Wissenschaftler machten buchstäblich einen Affen aus einem Menschen.

Der Piltdown-Mensch, der als erstes als das "missing link" (fehlende Bindeglied) zwischen Affen und Mensch angesehen war, hatte Schädelbruchstücke, die auf verschiedene Weisen wieder zusammengefügt werden konnten, so daß die geschätzte Schädelkapazität veränderlich war. Im Dezember 1912 rekonstruierte Woodward Smith seinen Schädel und erklärte, daß der Eoanthropus, wie er dann genannt wurde, eine Schädelkapazität von etwa 1070 cm³ aufwies. Diese Schätzung lag im Bereich der Homo erectus-Schädelgröße. Dennoch, als sein Kieferknochen an den rekonstruierten Schädel angebracht werden sollte, mußte der Schädel "erweitert" werden, denn der Kiefer eines Schimpansen, und als ein solcher stellte er sich später heraus, ist viel größer als der eines Menschen. So wuchs 1922, nach der letzten Rekonstruktion, die Schädelgröße des Piltdown-Menschen auf 1200 cm³. Zu dieser Zeit meinten die Evolutionisten, daß das Gehirn des Menschen sich in Britannien schneller entwickelte als dessen andere von Vorfahren geerbten Eigenschaften. Später, als sich der Piltdown-Mensch dann als ein Schwindel entpuppte, brachten die Australopitecinen die Evolutionisten wieder zurück zu ihrer alten Position, daß die fortschreitende Entwicklung der Evolution vom kleinen Hirn zum großen Hirn geht.

Ein Beispiel einer kürzlichen Veränderung der Schädelkapazität wurde von Ralph Holloway (1974) gegeben. Er nahm Gußformen des Endokraniums, und durch die Wasserersatzmethode gelangen ihm genauere Schätzungen der Schädelkapazität von den fossilen Hominiden. Er fand, daß die südafrikanischen Australopitecinen eigentlich kleiner waren, als sie vorher geschätzt wurden. Schätzungen, die 500 cm³ überschritten, wurden auf weniger als 450 cm³ korrigiert. (1983 zeigte Duffet, daß viele Schätzungen der Hominiden über die Jahre auf kleinere Werte gebracht wurden.) Man glaubte, daß die Homo erectus-Schädel von Java eine größere Kapazität hätten. Und so vergrößerte Holloway die Entwicklungslücke des Kraniums zwischen dem Homo und den Australopitecinen, den angeblich affenähnlichen Vorfahren des Menschen.

Das Hinzufügen von Werten

Soweit wurde eine große Betonung auf die Schädelkapazität per se gelegt, und nicht auf das Gehirn-Körper-Massenverhältnis. Wenn man jedoch die menschlichen Verhältnisse mit denen anderer Primaten vergleicht, dann haben die angeblich nächsten Verwandten des Menschen nicht notwendigerweise auch das am nächsten gelegene Gehirn-Körper-Massenverhältnis (Molar, 1975). Der Mensch hat ein Verhältnis von 1:47 (1:50, Rose, 1984), aber sein angeblich nächster Verwandter, der Schimpanse, kommt auf ein Verhältnis von 1:13. Der Gorilla hat ein Gehirn-Körper-Massenverhältnis von 1:42, aber der Nachtaffe und der Kapuziner-Affe zeigen mit 1:85 und 1:83 das höchste Gehirn-Körper-Massenverhältnis unter den Primaten.

Einige Nicht-Primaten haben hohe Gehirn-Körper-Verhältnisse und liegen näher beim Menschen als andere Primaten. An der Spitze der Liste liegt der Flaschennasen-Delphin mit einem Gehirn-Körper-Verhältnis von 1:67 (Lilly, 1961), und ebenfalls nahe an der Spitze ist die Hausmaus mit einem Gehirn-Körper-Verhältnis von 1:40 (Tobias, 1976).

Die niedere Schädelkapazität von Frauen, die Broca zum Beweis der Unterlegenheit der Frauen gegenüber dem Mann benutzte, kann auch in einem anderen Licht gesehen werden, nämlich wenn man das Gehirn-Körper-Verhältnis betrachtet. Die relative Gehirngröße (relative Gehirngröße = Schädelkapazität in cm³ X 100 / Körpermasse in Gramm) beträgt bei einem 18 Jahre alten Jungen 2,37 und bei einem 18 Jahre alten Mädchen 2,482 (Duffet, 1983).

Man machte an Ratten ein Experiment und vergrößerte ihre Schädelkapazität, um festzustellen, ob damit die Intelligenz beeinflußt werden kann. Zamenhof (McLeod, 1983) injizierte in schwangere Ratten Somatotropin, um das Wachstum der Hirnzellen zu verstärken, und produzierte dabei in 70,4 % der Fälle Föten mit Supergehirnen. Doch gab es keinen Unterschied bei der Ausführung psychologischer Tests, nein, in manchen Fällen schnitten die Supergehirne sogar schlechter ab. Künstliche Vergrößerung des Gehirn-Körper-Verhältnisses erhöhte also nicht die Intelligenz, wenigstens nicht in dieser Studie.

Auf diese Weise fand man heraus, daß das Gehirn-Körper-Verhältnis genausowenig bedeutungsvoll zu sein schien wie allein die Schädelkapazität. Aber immer noch wurden viele Versuche unternommen, um das Gehirn-Körper-Verhältnis auf die Fossilien Anwendung finden zu lassen.

Relativ wenige Hinterschädelknochen der fossilen Menschen sind gefunden worden. Diese Funde haben gezeigt, daß fossile Hominiden, solche wie die Australopitecinen, von sehr kleiner Statur sind. Deshalb vermuten die Evolutionisten, daß obwohl sie sehr kleine Schädelkapazitäten haben, ihr Gehirn-Körper-Verhältnis sie zu einer Schädelkapazität "erheben" würde, die ihnen den Wert gebe, den Titel "Affenmenschen" tragen zu können.

Gould (1974) unternahm eine Gehirn-Körper-Verhältnis-Analyse von verschiedenen Hominiden. Er stellte fest, daß Säugetiere eine Schädelzunahme von 2/3 im Verhältnis zu ihrem Körper haben, weil die ganze Körperoberfläche von Säugetieren auch um etwa 2/3 zunimmt. Dennoch ist die Zunahme des Schädels beim Menschen gegenüber der Körpergröße noch viel höher und definiert ihn als Homo. Gemäß des Gehirn-Körper-Verhältnisses stimmen somit die Australopitecinen und der frühe Homo habilis (von vielen als eigentlich derselbe wie der erstgenannte identifiziert) mit dem Gehirn-Körper-Verhältnis von Säugetieren überein, wogegen KMNER 1470, der frühere Homo, der Homo erectus und der Homo sapiens ein menschliches Gehirn-Körper-Verhältnis haben.

Zusammenfassung

Es konnte niemals bewiesen werden, daß die Schädelkapazität ein Maß für Intelligenz ist; das ganze war nur immer ein "Zahlenspiel". Die Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts benutzten die statistischen Werte der Schädelkapazität, um ihre Ansichten über rassistische, geschlechtliche und klassistische Unterlegenheiten zu unterstützen. Die Werte unterstützen ihr "Spiel". Dennoch können die Zahlen, ob sie nun einer lebenden oder fossilen Bevölkerung zugeschrieben sind, nur als Spekulation angesehen werden, da sich die Werte nach neuen Maßparametern, neuen fossilen Funden und neuen Entdeckungen ändern können. Auf dies Weise können sich die Werte und die "Spiel-"Regeln ändern. Die heutige Ansicht, daß ein intelligenter Mensch mit einem "Superhirn" sich aus einem Vorfahr mit einem affenartig dummen Hirn entwickelte, wird nur ein Zahlenspiel bleiben, um die schiefe Ansicht der Evolutionisten zu unterstützen. Bonin (1963, Seite 76), ein Evolutionist, zeigt seine Verwirrung, indem er sagt:

"... was dies betrifft ist es wohl offensichtlich und natürlich auch erfreulich, daß das Gehirn an Größe zunimmt, wenn wir von den Australopitecinen zum modernen Menschen oder zum höheren Paleolithen gehen. Doch ist die Bedeutung dieser Zunahme wiederum nicht ganz klar, denn wir alle wissen, daß die Gehirngröße als solche nur ein sehr armseliger Hinweis für die geistige Fähigkeit ist. ..."

Selbst wenn sich die Evolution irgendwann einmal als falsch herausstellt, wird das "Nummernspiel" stets mit uns sein. Nur die Spieler und die Regeln werden sich verändern.

Literatur

Gerhardt Bonin, The Evolution of the Human Brain, Chicago: University of Chicago Press (1963).

M. Bowden, Ape-Men: Fact or Fallacy, Kent: Sovereign Pub (1977).

Michael H. Day, Guide to Fossil Man, Chicago: University of Chicago Press (1977).

Gerald Duffett, Some Implications of Variant Cranial Capacities for the Best Preserved Australopithecine Skull Specimens, Creation Research Society Quarterly (1983), 20:2.

Stephan Gould, Sizing up Human Intelligence, Natural History (1974), 183:2.

Stephan Gould, The Finagle Factor, Natural History (Juli 1978), 87:5.

Stephan Gould, Women's Brains, Natural History (Okt. 1978), 87:8.

Holloway, Cranial Capacity Neural Reorganisation: A Search for Suitable Parameter,  American Anthro. (1966), 68:103.

Ralph Holloway, The Casts of Fossil Hominid Brain, Scientific American (1974), 231:1.

Gabriel W. Lasker, Physical Anthropology, New York: Holt, Rinehart and Winston, Inc. (1973).

C.L.B. Lavelle, R.P. Shellis und D.F.G. Poole, Evolutionary Changes to the Primate Skull and Denition, Springfield: Charles Thomas Publishers (1977).

John C. Lilly, Man and Dolphin, New York: Garden City Press (1961).

Kevin McLeod, Studying the Human Brain, Creation Research Quarterly (1983), 20:2.

Stephen Molar, Race, Types, and Ethnic Groups, the Problem of Human Variation, New Jersey: Prentice Hall Publishers (1961).

M. F. Ashley Montagu, An Introduction In Physical Anthropology, Springfield: Charles C. Thomas Press (1960).

Hay Nelson and Robert Jurmain, Introduction to Physical Anthropology, St. Paul: West Publishing Co. (1985).

George Olivier, Practical Anthropology, Springfield: Charles Thomas Publishers, (1969).

Frank E. Poirier, In Search of Ourselves, Minneapolis: Burgess Publishing Co. (1974).

John Reader, Missing Links The Hunt for Earliest Man, Boston: Little, Brown and Co. (1981).

Kenneth J. Rose, How Animals Think, Science Digest, (1984) 92:2.

S. I. Roser, Introduction to the Primates, Living and Fossil, New Jersey: Prentice Hall (1974).

A. H. Schultz, The Physical Distinction of Man, Readings in Physical Anthropology. Ed by Thomas W. McKern. Englewood Cliffs, New Jersey: Prentice Hall Publishers (1966).

Evan Shute, Flaws in the Theory of Evolution, London: Temside Press (1961).

W. C. Strauss und S. Schon, Cranial Capacity of Oreopithecus bambolii, Science (1960),132:67.

Frederick Szalay und Eric Delson, Evolution History of the Primates, New York: Academic Press (1979).

Douglas S. Jue

Quelle: 'Bible Science Newsletter: Contrast - The Creation Evolution Controversy, Vol. 5, Mai - Juni 1986, Nr.3