Die geschichtliche Auslegung

Was Reformer über den Antichristen gesagt haben

Einige könnten vermuten, daß die Auslegung, die wir hier betreffend des Antichristen gegeben haben, modernen Ursprungs ist. Genau das Gegenteil ist der Fall. Über Jahrhunderte hinweg haben bedeutende Christenführer und Reformatoren diesen Standpunkt vertreten, wie das Beweismaterial zeigt, das wir jetzt reichlich präsentieren werden.

Wir haben gesehen, daß die frühen Christen glaubten, daß das Römische Reich unter den Cäsaren untergehen würde - der Untergang, durch den der Antichrist hervorgebracht werden würde. Mit dem Niedergang und Fall des Römischen Reiches kam der Aufstieg des Papsttums. Obwohl das Bild nicht auf einmal komplett wurde, hat der Lauf der Zeit deutlich bewiesen, daß das Papsttum eine verfolgende Macht wurde, die die Heiligen aufrieb, gotteslästerliche Ansprüche stellte und die genau das tat, was der Antichrist laut den Prophezeiungen tun würde. Diese Dinge blieben den Leuten, die die Prophezeiungen verstanden, nicht verborgen.

Froom sagt: "In den Jahrhunderten unmittelbar vor der Reformation begann eine ständig wachsende Anzahl von frommen Leuten öffentlich die Überzeugung zu äußern, daß die schrecklichen Prophezeiungen über den Antichristen gerade damals im Stadium der Erfüllung waren. Sie meinten, daß der 'Abfall' schon stattgefunden hätte. Sie erklärten, daß der Antichrist bereits in dem kirchlichen Tempel Gottes saß, in Scharlach und Purpur gekleidet" - der Hinweis bezog sich natürlich auf den Papst ("The Prophetic Faith of Our Fathers - Der prophetische Glaube unserer Väter", Band 2, Seite 66, Froom).

Eberhard II., Erzbischof von Salzburg (1200-1246), vertrat zum Beispiel die Lehre, daß das kleine Horn in DANIEL 7 der Papst wäre und daß der Papst ein Wolf im Schafsgewand sei, der Antichrist, der Sohn des Verderbens. Er erwartete nicht das Kommen eines unpersönlichen einzelnen Antichristen. Stattdessen schaute er über die Jahrhunderte seit der Zerstückelung Roms zurück und sah in dem historischen Papsttum, als System oder Erbfolge, die Erfüllung der Prophezeiungen über den Antichristen. Er wurde vom Papst exkommuniziert und starb 1246 unter dem Bann (s.o., Band 1, Seite 798).

John Foxe, der bekannte Verfasser von "Foxe's Book of Martyrs - Foxes Buch der Märtyrer", nennt eine Liste gelehrter Männer zwischen 1331 und 1360, die gegen die falschen Ansprüche des Papstes angingen. Einer davon, Michael von Cesena, der zahlreiche Anhänger hatte, von denen nicht wenige getötet wurden, behauptete, daß der Papst der "Antichrist sei und die Kirche von Rom die Hure Babylons, trunken von dem Blut der Heiligen" ("Acts and Monuments - Taten und Denkmäler", Seite 445, Foxe).

John WyclifJohn Wyclif (manchmal Wycliffe buchstabiert), ein bekannter englischer Reformator, lehrte, daß das verfolgende "kleine Horn" aus Daniel Erfüllung in dem Papsttum gefunden hätte, das aus dem vierten Königreich, Rom, entstanden wäre. "Warum ist es notwendig, im Unglauben nach einem anderen Antichristen zu suchen?" fragte er. "Im siebten Kapitel von Daniel wird der Antichrist eindringlich als ein Horn beschrieben, das in der Zeit des vierten Königreiches entsteht und die Heiligen des Allerhöchsten erschöpft." (s. o., Band 2, Seite 55, Froom) Sein Buch "The Mirror of Antichrist - Die Widerspiegelung des Antichristen" ist voll mit Hinweisen auf den Papst als Antichrist.

Wyclifs Dienst brachte die englischen "Lollarden" hervor, deren Anzahl sich in den Hunderttausenden bewegte. Wir geben ihr Zeugnis mit den Worten von Lord Cobham, einem von ihnen, wieder. Als er vor König Heinrich V. gebracht und ermahnt wurde, sich dem Papst als ein gehorsames Kind zu unterwerfen, erwiderte Cobham: "Was den Papst und seine Geistlichkeit betrifft, so schulde ich ihm weder einen Gefallen noch den Dienst, da ich von der Schrift her weiß, daß er der große Antichrist ist, der Sohn des Verderbens." ("Romanism and the Reformation - Rom und die Reformation", Seite 134, Guinness) Das war ein Jahrhundert vor Luther.

Walter Brute, bekannter Gelehrter, prophetischer Ausleger und Wyclifs Verbündeter, wurde 1391 beschuldigt, daß er oft und verbreitet behauptete, daß "der Papst der Antichrist und ein Verführer der Menschen sei" (s. o., Band 1, Seite 543, Foxe).

Sir John Oldcastle (1360-1417), ein berühmter Christ aus Herefordshire, sprach vom Papst mit diesen Worten: "Ich erkenne ihn von der Heiligen Schrift her als den großen Antichristen, den Sohn des Verderbens ... Rom ist das Nest des Antichristen, und aus diesem Nest heraus kommen alle seine Jünger." Er wurde zum Tode verurteilt, weil er den Antichristen beim Namen genannt hatte. Obwohl das Urteil nicht sofort vollstreckt wurde, wurde er 1417 nach St. Giles verschleppt, an Ketten gehängt und langsam zu Tode verbrannt, während seine Stimme in Lobpreis zu Gott aufstieg (s.o., Seite 636-641).

Johannes HussJohannes Huss (1369-1415), geboren in Böhmen, war ein sehr gebildeter Mann, der unter den Einfluß von Wyclifs Schriften kam, die ihn dazu brachten, mit der Kirche Roms zu brechen. Er bezeichnete den Papst als den Antichristen, vor dem die Heilige Schrift gewarnt hatte. In seinen Schriften bezieht er sich immer auf den Antichristen als den Feind der Kirche - nicht als einen Juden, einen Heiden oder einen Türken, sondern als einen falschen Bekenner des Namens Christi.

Papst Martin V. gab 1418 eine Bulle (päpstlicher Erlaß) heraus, worin er die Bestrafung sowohl von Männern als auch Frauen anordnete, die zu den Lehren von Wyclif und Huss hielten. Etwa 100 Kilometer von Prag entfernt wurde auf einem steilen Berg die Stadt Tabor erbaut, in die die "Hussiter" "vor dem Antichristen fliehen" konnten (s. o., Band 2, Seite 121, Froom).

Huss seinerseits wurde als Ketzer verurteilt und dem weltlichen Arm des Gesetzes zur Hinrichtung ausgeliefert. Begleitet von einer Wache mit 1000 bewaffneten Männern und einer gewaltigen Zuschauermenge wurde er über den Kirchplatz geführt, wo er ein Feuer mit seinen Büchern auf dem öffentlichen Platz sah. Als er sich niederkniete und betete, wurden seine Hände auf den Rücken gebunden und eine rostige Kette um seinen Hals gelegt. Stroh und Holz wurde um ihn herum aufgeschichtet. Der Name Huss bedeutete in der böhmischen Sprache "Gans", und auf dem Hinrichtungsplatz sagte Huss angeblich: "Heute verbrennt ihr eine Gans; aber aus meiner Asche wird ein Schwan emporsteigen, den ihr nicht grillen könnt" - ein Ausdruck, der später von Luther zitiert wird. "Huss begann zu singen", schreibt Froom, "aber der Wind fegte die Flammen in sein Gesicht und brachte seine Worte zum Schweigen. Nur seine Lippen bewegten sich noch - bis auch sie im Tode verstummten für seinen Widerstand gegen den Antichristen aus der biblischen Prophezeiung" (s. o., Seite 116)!

Martin Luther Martin Luther (1483-1546) lehnte die Praktizierung des käuflichen Ablasses ab, während er noch ein Priester der römischen Kirche war. Zuerst strebte er eine Reform innerhalb der Kirche an. Aber als er in der Erkenntnis von Christus wuchs, erkannte er, daß eine Reform unmöglich sein würde und daß die Botschaft lautete, "aus ihr auszugehen". Als er von den Fesseln dieses Systems befreit war, begann er sich zu fragen, ob der Papst wohl der Antichrist war. Schließlich wurde dieser Glaube verkündet. Besorgt um seine Sicherheit flehten ihn seine Freunde an, sein Buch "To The German Nobility - An den deutschen Adel" zu verheimlichen. Darauf erwiderte er am 18. August 1520: "Wir sind hier der Überzeugung, daß das Papsttum der Sitz des wahren und wirklichen Antichristen ist ... Ich erkläre persönlich, daß ich dem Papst keinen anderen Gehorsam als den gegenüber dem Antichristen schulde." (s. o., Seite 256) Im Oktober 1520, zwei Monate später, wurde Luthers Buch "On the Babylonian Captivity of the Church - Über die babylonische Gefangenschaft der Kirche" veröffentlicht. Darin erwähnte er das Papsttum (d.h. das System, nicht unbedingt den einzelnen Papst, der damals regierte) als "nichts anderes als das Königreich von Babylon und des wirklichen Antichristen ... Denn wer sonst ist der Mann der Sünde und der Sohn des Verderbens, als derjenige, der durch seine Lehre und seine Verfügungen die Sünde und das Verderben der Seelen in der Kirche vergrößert, während er selbst jedoch in der Kirche sitzt, als ob er Gott wäre? All diese Bedingungen wurden jetzt seit vielen Zeitaltern durch die päpstliche Tyrannei erfüllt" ("First Principles - Erste Prinzipien", Seiten 196 und 197, Luther).

Luther schrieb 1540: "Oh, Christus, mein Herr, schaue herab auf uns und bringe auf uns Deinen Tag des Gerichts und zerstöre die Satansbrut in Rom. Dort sitzt der Mann, von dem der Apostel Paulus schrieb (2. THESSALONICHER 2:3-4), daß er sich allem widersetzt und sich über alles, was Gott genannt wird, erhebt - jener Mann der Sünde, jener Sohn des Verderbens ... er unterdrückt das Gesetz Gottes und erhebt seine Gebote über die Gebote Gottes" (s. o., Band 2, Seite 281, Froom).

Für Luther stellte die Heilige Schrift den Antichristen nicht als einen Ungläubigen oder einen Super-Politiker dar, sondern als jemanden, der inmitten des Kirchenreichs aufwachsen würde; das heißt "inmitten des Christentums". Bezüglich des Mannes der Sünde wies er darauf hin, daß er "nicht in einem Stall von bösen Feinden oder in einem Schweinestall oder in einer Gesellschaft von Ungläubigen sitzt, sondern auf dem höchsten und heiligsten Platz überhaupt, nämlich in dem Tempel Gottes." Weiter erklärt er: "Bedeutet das nicht, in dem Tempel Gottes zu sitzen, sich selbst anzumaßen, der Herrscher der ganzen Kirche zu sein? Was ist der Tempel Gottes? Ist er aus Stein und Holz? Hat Paulus nicht gesagt, daß der Tempel Gottes heilig ist und ihr dieser Tempel seid? Zu sitzen - was bedeutet es anderes als zu regieren, zu lehren und zu richten? Wer hat es seit Anbeginn der Kirche je gewagt, sich selbst Herr der ganzen Kirche zu nennen, als der Papst alleine? Keiner der Heiligen, keiner der Ketzer hat jemals ein so schreckliches Wort des Stolzes geäußert" ("Works - Werke", Band 2, Seite 385).

Es ist offensichtlich, daß Luther nicht glaubte, der Antichrist wäre irgendein einsamer Einzelner am Ende der Zeit, denn er sagte: "Der Antichrist, von dem Paulus spricht, herrscht jetzt am Hofe Roms." Martin Luther erkannte, daß das Papsttum der Antichrist aus der Prophetie war! Wie es in der Encyclopedia Britannica steht: "Diese Ideen wurden die dynamische Kraft, die Luther in seinem Kampf gegen das Papsttum vorantrieben."

Unter anderen Führern mit Luther in der Reformation in Deutschland befand sich Andreas Osiander (1498-1552), der auch eine Stellung gegen den römischen Antichristen einnahm, der Worte gegen Gott sprach und der sich selbst in Gottes Tempel gesetzt hatte. Seine Vorstellung des Antichristen war nicht auf einen einzelnen Mann beschränkt. Er glaubte, daß es sich um das päpstliche kirchliche System handelte, das mit dem Untergang Roms aufstieg und sich bis zur Endzeit ausbreiten würde. Er war der Meinung, daß die päpstliche Behauptung, der Antichrist wäre irgendeine zukünftige Person, die Leute dazu veranlaßte, nach einem fiktiven Antichristen Ausschau zu halten und somit den wahren Antichristen in Rom zu übersehen, der schon jahrhundertelang seinen Einfluß ausgeübt hatte (s.o., Band 2, Seiten 296 und 299, Froom).

Nicolaus von Amsdorf (1483-1565), ein enger Freund und eifriger Mitarbeiter von Luther, glaubte, daß der Antichrist innerhalb des Kirchenreiches aufsteigen würde, daß "der Papst der wirkliche, wahre Antichrist sei und nicht der Stellvertreter Christi" (s.o., Seite 305).

Philip MelanchtonPhilip Melanchton (1497-1560), auch mit Luther verbunden, sagte: "Da es gewiß ist, daß die Päpste und die Mönche die Ehe verboten haben (siehe 1. TIMOTHEUS 4:1-3), ist es sehr offenkundig und zweifellos wahr, daß der römische Papst mit seinem ganzen Orden und Königreich tatsächlich der Antichrist ist ... Paulus sagt auch ganz klar im 2. THESSALONICHER 2, daß der Mann der Sünde in der Kirche herrschen und sich selbst über die Verehrung Gottes erheben wird." (s.o., Seite 288), etc.

John CalvinIm allgemeinen gilt der angesehene französische Reformator John Calvin (1509-1564) als Zweiteinflußreichster nach Luther. Ursprünglich ein Sohn der römischen Kirche, nahm er etwa 1532 den protestantischen Glauben an. Seine veröffentlichten Werke füllen ungefähr fünfzig Bände. Über den Papst sagte er: "Ich bestreite, daß er der Stellvertreter Christi ist, der, indem er das Evangelium rasend verfolgt, durch sein Verhalten beweist, daß er Antichrist ist - Ich bestreite, daß er der Nachfolger von Petrus ist ... Ich bestreite, daß er das Haupt der Kirche ist." ("Tracts - Traktate", Band 1, Seiten 219-220, Calvin)

In seinem Klassiker "Institute" schrieb er: "Einige Leute halten uns für zu streng und kritisch, wenn wir den römischen Papst als Antichristen bezeichnen. Aber wer dieser Meinung ist, denkt nicht daran, daß er damit dieselbe Anklage auf Überheblichkeit gegen Paulus selber erhebt, nach welchem wir sprechen und dessen Sprache wir uns zu eigen gemacht haben ... Ich werde kurz zeigen, daß Paulus' Worte im 2. THESSALONICHER 2 nicht anders interpretiert werden können, als daß sie sich auf das Papsttum beziehen." Dann führt er aus, daß sich der Antichrist hinter dem Charakter der Kirche, "wie hinter einer Maske" verbergen würde und zeigt, wie das Papsttum die von Paulus dargelegten Merkmale erfüllt hat.

John KnoxJohn Knox (1505-1572), besonders durch seine Reformationsarbeit in Schottland bekannt, wurde von einem Land ins andere verfolgt, bis die Staatsangelegenheiten von Schottland schließlich in protestantischer Hand waren. Knox predigte, daß die römischen Traditionen und Zeremonien abgeschafft werden sollten und auch "die Tyrannei, die der Papst selbst über so viele Generationen hinweg über die Kirche ausgeübt hat", und daß er als "der wahrhaftige Antichrist und Sohn des Verderbens, von dem Paulus spricht" anerkannt werden sollte ("The Zurich Letters - Die Züricher Briefe", Seite 199, Knox).

In einem Öffentlichkeitsaufruf sagte Knox: "Was eure römische Kirche betrifft, wie verdorben sie jetzt ist ... so zweifle ich nicht länger daran, daß sie die Synagoge Satans ist; und daß ihr Haupt, genannt der Papst, der Mann der Sünde ist, von dem der Apostel gesprochen hat."

John Napier (1550-1617), berühmter schottischer Mathematiker und Anhänger der protestantischen Bewegung, schrieb einen Kommentar über die Offenbarung, den die Encyclopedia Britannica als das erste bedeutendste schottische Werk über die Auslegung der Schrift erwähnt. Er lehrte, daß der Antichrist der Papst war - und kein Türke, Jude oder jemand außerhalb des Kirchenreiches - denn er "muß, sagt Paulus, in der Kirche Gottes sitzen" (s. o., Band 2, Seite 461, Froom).

Huldreich ZwingliHuldreich Zwingli (1484-1531) war eine prominente Person in der Arbeit der Reformation, die in der Schweiz ausgelöst wurde. Am 28. Dezember 1524 wies er sehr weise darauf hin, daß das Papsttum böse war, aber daß es durch das Predigen des Wortes in Liebe und niemals durch Haß gestürzt werden mußte. Hinsichtlich des Papsttums sagte er: "Ich weiß, daß in ihm die Macht und Kraft des Teufels arbeitet, das heißt des Antichristen ... das Papsttum muß abgeschafft werden ... Aber es kann auf keine andere Weise gründlicher vernichtet werden als durch das Wort Gottes (2.THESSALONISCHER 2), da die Welt, sobald sie es auf die richtige Art und Weise empfängt, sich vom Papst ohne Zwang abkehren wird" ("Principal Works of Zwingli - Hauptwerke von Zwingli", Band 7, Seite 135).

Heinrich Bullinger (1504-1575), ein Freund Zwinglis, wird als einer der größten prophetischen Ausleger der damaligen Zeit angesehen. Er führte aus, daß das Reich der Päpste mitten unter den Spaltungen Roms aufgestiegen war, daß der Papst der Antichrist sei, weil er sich die Schlüssel Christi und Seine königliche und priesterliche Autorität widerrechtlich angeeignet habe (s.o., Band 2, Seiten 343-344, Froom).

Theodor Bibliander (1504-1564), genannt der "Vater der Bibelauslegung in der Schweiz", ein bekannter Übersetzer und biblischer Gelehrter, erklärte, daß das Papsttum der Antichrist sei, der im 2. THESSALONICHER 2 vorausgesagt wurde ("Relatio Fidelis", Seite 58, Bibliander).

Alfonsus Conradus, der wegen seiner religiösen Überzeugung von Italien in die Schweiz floh, schrieb 1560 einen umfassenden Kommentar über das Buch der Offenbarung, in dem er lehrte, daß das römische Papsttum der Antichrist sei. Er sagte, daß es zwecklos wäre, auf das Kommen des Antichristen in der Zukunft zu warten, weil er sich bereits im Papsttum offenbart habe (s.o., Band 2, Seite 319, Froom).

William Tyndale William Tyndale (1484-1536), erster Übersetzer der Bibel vom Griechischen ins Englische, Reformator und Märtyrer, hielt dafür, daß die römische Kirche Babylon und der Papst der Mann der Sünde oder der Antichrist sei, der sich in den Tempel Gottes, d.h. die Kirche, gesetzt hatte (s.o., Seite 356). Er zitierte in diesem Zusammenhang wiederholt 2. THESSALONICHER 2.

Nicholas RidleyNicholas Ridley (1500-1555), ein berühmter englischer Märtyrer und ein Mann von großer Gelehrsamkeit, lernte die meisten der griechischen Sendschreiben auswendig und schrieb zahlreiche Werke. Er sprach offen über Roms Betrügereien und daß "... das Haupt allen Unheils unter Satan der Antichrist und seine Brut ist."

Vor seinem Märtyrertod am 16. Oktober 1555 schrieb Ridley einen Abschiedsbrief, worin er seiner Frau, seinen Brüdern, Schwestern und Freunden Lebewohl sagte. Er gab einen Überblick über seinen Glauben und sprach darüber, wie das Papsttum sich über die Jahrhunderte entwickelt hatte. Er sprach von Rom als "dem Sitz Satans; und daß der Bischof desselben, der die Greuel darin aufrecht erhält, in der Tat der Antichrist ist" ("Letters of Bishop Ridley - Briefe von Bischof Ridley", Brief 32).

John BradfordEin Freund von Ridley, John Bradford (1510-1555), ein bekannter Prediger, wurde auch für seinen protestantischen Widerstand hingerichtet. Am 30. Juni 1555 wurde er spät in der Nacht aus dem Gefängnis geholt, wobei ihm alle Gefangenen unter Tränen Lebewohl sagten. Als er vorüberging, warteten große Menschenmengen, viele weinten und beteten für ihn. Als er beim Scheiterhaufen stand, wo man ihn umbringen würde, hob er beide Hände empor und rief England zur Buße auf. Er schrieb einen Abschiedsbrief, in dem er erklärte, daß er deshalb verurteilt worden war, weil "er den Antichristen von Rom nicht als den Stellvertreter Christi und das Oberhaupt der katholischen und der Weltkirche anerkannt hatte." Er sprach vom Papsttum als dem "zweifellos großen Antichristen, vor dem uns die Apostel so sehr warnen" (s.o., Band 2, Seiten 377 und 379, Froom).

John HooperJohn Hooper (1495-1555) war einer der ersten, der wegen seines protestantischen Glaubens verhaftet wurde, als Mary in England auf den Thron kam. Er wurde verurteilt, weil er die "gottlose päpstliche Religion des Bischofs von Rom" nicht akzeptieren wollte. Als sich eine Schar von 7000 dort versammelte - von denen viele weinten - wurde Hooper an einen Pfahl gebunden und langsam verbrannt, während er betete. Er glaubte, daß der sogenannte Stellvertreter Christi tatsächlich der große Erzfeind Christi war, daß in ihm genau die Eigenschaften des Antichristen gefunden werden konnten und daß diese Dinge all den Menschen eindeutig bekannt waren, die nicht durch den Nebel Roms blind gemacht waren (s.o., Seiten 381-382).

Hugh Latimer Hugh Latimer (1490-1555) wurde für den protestantischen Glauben gewonnen und wurde ein inbrünstiger Prediger, der keine Zeit für Heuchelei und Tyrannei hatte. Als Kommentar zu den Worten von Paulus in 2. THESSALONICHER 2 sagte er 1552: "Der Herr wird nicht kommen, bis 'der Abfall vom Glauben kommt': was bereits passiert und Vergangenheit ist." Der Abfall war für Latimer nicht irgend etwas in der Zukunft. Auch war der Mann der Sünde kein Einzelner, der noch kommen sollte, denn "Der Antichrist ist in der ganzen Welt bekannt", sagte Latimer, wobei er von seiner Zeit sprach (s.o., Seite 371, Froom).

Thomas CranmerThomas Cranmer (1489-1556), sagte über das Papsttum in einem Schriftstück im Jahre 1550: "Ich weiß, wie der Antichrist die Ehre Gottes und die wahre Erkenntnis Seines Wortes verdeckt hat und verdunkelte selbiges mit Nebel und Wolken des Irrtums und der Unwissenheit durch falschen Schein und falsche Auslegung ... Antichrist von Rom ... hat sich selbst über seine Mitbischöfe erhoben, als Stellvertreter Gottes, ja, vielmehr als Gott selbst; und reißt die Autorität über Könige und Kaiser an sich und sitzt im Tempel Gottes, das heißt, im Bewußtsein der Menschen, und veranlaßt, daß seine Erlasse mehr beachtet werden als Gottes Gesetze; ja, und für Geld verzichtet er auf Gottes Gesetze und alle anderen Gesetze, wobei er den Menschen das Recht gibt, sie zu brechen" ("Works - Werke", Band 1, Seiten 6-7, Cranmer).

Nachdem er aus den Prophezeiungen Daniels und der Offenbarung zitiert hat, sagt er: "Woraus man folgern kann, daß Rom der Sitz des Antichristen und der Papst der wahrhaftige Antichrist selbst ist. Ich könnte dasselbe durch viele andere Schriften, alte Schriftsteller und stichhaltige Argumente beweisen" (s.o., Seiten 62-63).

Cranmer wurde für diesen protestantischen Glauben zum Märtyrer. Als Zeugnis kurz vor seinem Tode sagte er: "Und was den Papst betrifft, so lehne ich ihn als den Feind Christi und Antichristen ab, mit all seiner falschen Lehre." Er wurde dann zum Feuer geführt, sagte noch ein paar Worte, und schließlich ließen die Flammen einen verkohlten Leichnam zurück.

Thomas Becon (1511-1567), Verfasser zahlreicher Bücher über das Papsttum, schrieb: "Wir wünschen uns von unserem himmlischen Vater, daß der Antichrist mit seinem Reich, der verführt hat und täglich verführt ... bald getötet und zur Verwirrung gebracht wird, 'durch den Atem aus dem Munde des Herrn' ... daß 'jener sündhafte Mann, der Sohn des Verderbens, der ein Widersacher ist und sich über alles, was Gott genannt ist oder alles, was verehrt wird, überhebt', nicht länger 'im Tempel Gottes sitzen' darf, und 'sich selber rühmen, Gott zu sein'" (s.o., Band 2, Seite 403, Froom).

Einer der großen Intellektuellen der englischen Reformation war John Jewel (1522-1571). Er führte einige der falschen Vorstellungen auf, die von der römisch-katholischen Kirche als Beweise für den Antichristen dargelegt wurden: daß er ein Jude aus dem Stamm Dans sein würde, geboren in Babylon oder Syrien, oder daß er Mohammed sein würde oder daß er Rom stürzen oder Jerusalem wieder aufbauen würde usw. Dann erläuterte er: "Diese Märchen wurden raffiniert ausgedacht, um unsere Augen zu betören, daß, während wir über diese Mutmaßungen nachdenken und so damit beschäftigt sind, einen Schatten oder eine wahrscheinliche Mutmaßung des Antichristen anzuschauen, er, der Antichrist selbst, uns auf unerwartete Weise betrügen kann." Er bezog sich auf das Papsttum.

Dann erwähnt er, daß wir annehmen könnten, daß ein einzelner Mann gemeint ist, wenn wir die Bezeichnung "Mann der Sünde" wörtlich nehmen. Wenn wir aber alle Beweise in Erwägung ziehen, verstehen wir, daß die eigentliche Bedeutung eine Folge von Männern ist. Er wies darauf hin, daß das heidnische Rom die hemmende Macht war, die die Entwicklung des Antichristen verhinderte und daß "Paulus sagte: Der Antichrist wird noch nicht kommen; es sei denn, der Kaiser läßt ihn: der Kaiser wird entfernt werden; und dann wird Antichrist kommen." Dieses System der Abtrünnigkeit wird weiterhin bestehen, bis es beim Kommen des Herrn vernichtet wird. "Er meint deshalb nicht, daß der Antichrist nur irgendein Mann ist, sondern ein Stand oder ein Königreich von Menschen, und ein Andauern einer bestimmten Macht und Tyrannei in der Kirche" ("An Exposition Upon the Two Epistles to the Thessalonians - Eine Erläuterung zu den zwei Briefen an die Thessalonicher", Band 2, Seite 813, Jewel).

Jewel erwähnte einige der päpstlichen Ansprüche: daß der Papst Herr über die ganze Welt ist, König der Könige, und daß sich jedes Knie vor ihm beugen sollte; daß seine Autorität bis in den Himmel und hinunter in die Hölle reicht; daß er die Engel Gottes befehligen kann; daß er Sünden vergeben kann usw. "Das ist der Antichrist. Das ist seine Macht. Auf diese Weise arbeitet er und offenbart sich selber. So sitzt er in dem Tempel Gottes" - als ob er Gottes Platz einnehmen würde.

Zweiundzwanzig Predigten von Edwin Sandys (1519-1588) wurden bis zum heutigen Tag bewahrt. In seiner Predigt über JESAJA 55:1: "Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser ... kommt her, kauft ... ohne Geld und umsonst", stellt er einen Vergleich zwischen dieser Einladung und der des päpstlichen Antichristen an, der Geld für seine Segnungen verlangt: "Er, der im Tempel Gottes sitzt und sich selber als Stellvertreter Christi bezeichnet, bietet in der gleichen Weise den Leuten Brot, Wasser, Wein, Milch, Vergebung der Sünden, Gnade, Barmherzigkeit und ewiges Leben an; aber nicht umsonst: er ist ein Kaufmann, er gibt nichts, und was er verkauft, ist nichts ... sein Weihwasser kann keine Flecken wegwaschen ... seine gotteslästerlichen Messen besänftigen Gottes Zorn nicht, sondern sie fordern Ihn heraus ... seine verdorbenen Reliquien können euch nicht trösten ... durch seinen lateinischen Gottesdienst könnt ihr nicht erbaut oder klüger gemacht werden. Aber sogar diesen Unsinn verkaufen sie für Geld, und durch diesen Quatsch bringen sie törichte Menschen dazu, ihr Vermögen zu vergeuden ... Somit erkennt ihr einen offenbaren Unterschied zwischen Christus und dem Antichristen" ("The Sermons of Edwin Sandys - Die Predigten von Edwin Sandys", Seiten 11-12).

William Fluke (1538-1589), ein englischer Puritaner, wies auf Rom als den Sitz des Antichristen hin (der eingenommen wurde, nachdem der Sitz des bürgerlichen Kaiserreiches beseitigt worden war) und daß der Antichrist eine Reihe von Männern und keine einzelne Person war. Indem er auf Rom schaute, sagt er: "Es ist leicht, diese Person durch Paulus' Beschreibung herauszufinden; und speziell durch diese Bemerkung, die die heidnischen Tyrannen ausschließt: 'Er sitzt in dem Tempel Gottes': was wir in der Person des Papstes erfüllt sehen ... der Papst ist jener 'Mann der Sünde' und 'Sohn des Verderbens', der Widersacher, der sich selbst 'über alles, was Gott genannt wird' überhebt; und der 'durch die Herrlichkeit seines Kommens' vernichtet wird."

Im Jahre 1611 wurde das, was als die "King James Version" der Bibel bekannt ist, veröffentlicht, und seit damals wurde sie weit verbreitet und benutzt. Die Übersetzer, gelehrte Männer mit Geschichtskenntnissen, erkannten, daß das Papsttum der Mann der Sünde war und daß die freie Veröffentlichung der biblischen Wahrheit ihm einen großen Schlag versetzen würde. Also schrieben sie in ihrer Widmung für König James: "... der Eifer Eurer Majestät für das Haus Gottes wird nicht träge oder läßt nach, sondern wird immer mehr entfacht und offenbart sich im Ausland in den weit entferntesten Teilen des Christentums, indem eine Verteidigung der Wahrheit geschrieben wird, die dem Mann der Sünde einen solchen Schlag versetzt, daß er nicht mehr geheilt werden kann." Es ist offensichtlich, daß diese Männer nicht glaubten, daß der Mann der Sünde ein Einzelner war, der sich irgendwann in der Zukunft offenbaren würde!

König James (1566-1625) selbst glaubte, daß nach der Beseitigung der römischen Kaiser die Herrschaft des Antichristen beginnen würde. Dies war natürlich ein Hinweis auf den Aufstieg des Papsttums, von dem er glaubte, daß es der Antichrist und das Geheimnis der Ungerechtigkeit wäre. (s. o., Band 2, Seiten 540-541, Froom)

Sir Isaac Newton (1642-1727) ist in der Geschichte wegen seiner wissenschaftlichen Nachforschungen wohlbekannt, besonders in Verbindung mit den Gesetzen der Schwerkraft. Er war ein Schriftsteller, Mathematiker, Philosoph, und er studierte auch die biblischen Prophezeiungen! Seine Werke über Prohetie - aus einer Studienzeit von 42 Jahren - mit dem Titel "Observations Upon the Prophecies of Daniel and the Apocalypse of St. John - Betrachtungen über die Prophezeiungen aus Daniel und der Offenbarung des Johannes" wurden 60 Jahre nach seinem Tode herausgegeben. Newton brachte das kleine Horn in DANIEL 7 mit dem Papsttum in Verbindung, das zwischen den anderen zehn Königreichen, in die das Römische Reich zerfiel, aufsteigen würde. "Es war aber ein Königreich, das sich in seiner Art von den anderen zehn Königreichen unterschied ... Mit seinen Augen war es ein Seher; und mit seinem Munde sprach es große Dinge und änderte Zeiten und Gesetze, es war sowohl ein Prophet als auch ein König. Und solch ein Seher, ein Prophet und ein König ist die Kirche Roms. Ein Seher ... ist ein Bischof im wahrsten Sinne des Wortes; und diese Kirche beansprucht das Universalbischofsamt. Mit seinem Mund verkündet er Königen und Nationen Gesetze als ein Seher; und erhebt Anspruch auf Unfehlbarkeit, und daß seine Gebote für die ganze Welt verbindlich sind; wonach er ein Prophet höchsten Grades sein müßte." ("Observations on the Prophecies - Betrachtungen über die Prophezeiungen", Seite 75, Newton)

Johann Albrecht Bengel (1687-1725) "wurde früh davon überzeugt, daß der Papst der prophezeite Antichrist ist." Durch seine Bücher, die in viele Sprachen übersetzt wurden, hatte er einen starken Einfluß auf eine Anzahl von Leuten, einschließlich Wesley.

John Wesley (1703-1791), Begründer des Methodismus, dessen Dienst das Leben vieler Tausender beeinflußt hat, glaubte, daß sich die Prophezeiungen über den Antichristen, den Mann der Sünde, im "römischen Papsttum" erfüllt hatten. ("Explanatory Notes Upon the New Testament - Erläuterungen zum Neuen Testament", Seite 290, Wesley)

John Wesley Wesley schrieb 1754 diese Worte hinsichtlich des Papsttums: "Er ist auf eine entschiedene Weise der Mann der Sünde, da er alle Art von Sünde über die Maßen vergrößert. Und er wird ebenfalls richtig als Sohn des Verderbens betitelt, da er den Tod zahlloser Menschenmengen verursacht hat, und zwar sowohl seiner Gegner als auch seiner Nachfolger ... Er ist es ... der sich selber über alles, was Gott genannt wird oder was angebetet wird, überhebt ... der die höchste Macht und die höchste Ehre beansprucht ... der die Vorrechte, die Gott allein zukommen, beansprucht" (Zitat aus: "Antichrist and His Ten Kingdoms - Antichrist und seine zehn Königreiche", Seite 110).

Froom faßt das Beweismaterial mit diesen Worten zusammen: "Wir haben die bemerkenswerte Einmütigkeit im Glauben der Reformationsführer in jedem Land gesehen, und zwar dahingehend, daß der Antichrist aus der Prophezeiung keine einzelne Person ist - eine Art von Supermann - der die Welt kurz vor dem zweiten Kommen Christi quälen und beinahe zugrunde richten wird. Stattdessen fanden sie heraus, daß es ein riesiges System der Abtrünnigkeit war, oder vielmehr eine eindrucksvolle verfälschte Wahrheit, die sich innerhalb der Rechtsprechung dieser göttlich ernannten Hüter der Wahrheit, der christlichen Kirche, entwickelt hatte" (s. o., Band 2, Seite 793, Froom).

In den Jahrhunderten nach der Reformation wurden eine Anzahl von bedeutenden Büchern über den päpstlichen Antichristen geschrieben. Wir erwähnen zwei davon: "Roman Antichrist - Der römische Antichrist", im Jahre 1612 von Andreas Helwig von Berlin verfaßt (der erste laut Froom und auch Elliott, die die Zahl 666 mit der päpstlichen Bezeichnung "Vicarius Filii Dei - Stellvertreter des Sohnes Gottes" in Verbindung bringen) und "Dissertations of the Prophecies - Abhandlungen über die Prophezeiungen", von Thomas Newton 1748 verfaßt, worin aufgezeigt wurde, daß die Prophezeiung über den Mann der Sünde im römischen Papsttum Erfüllung gefunden hatte.

Derselbe Punkt wurde in den protestantischen Glaubensbekenntnissen nachdrücklich betont. Das "Westminster Confession of Faith - Westminster Glaubensbekenntnis", welches von der Kirche von England und später von der Presbyterianischen Kirche benutzt wurde, sagt aus: "Es gibt weder ein anderes Haupt der Kirche außer dem Herrn Jesus Christus, noch kann der Papst von Rom in irgendeiner Weise das Haupt davon sein, sondern er ist der Antichrist, der Mann der Sünde und der Sohn des Verderbens, der sich selbst in der Kirche über Christus und alles, was Gott genannt wird, überhebt." (Kapitel 25, Abschnitt 6). Die gleiche grundlegende Aussage, die sich nur im Wortlaut unterscheidet, findet man in "The Savoy Declaration - Die Erklärung von Savoyen" der Unabhängigen Kirche, in "Baptist Confession - Das Bekenntnis der Baptisten" von 1689 und in "The Philadelphia Confession of Faith - Das Glaubensbekenntnis der Philadelpia-Gemeinde".

"The Morland Confession - Das Morlandbekenntnis" von 1508 und 1535, das den Glauben der Waldenser darstellte, sagt in Artikel 8 aus: "Jener Antichrist, der Mann der Sünde, sitzt im Tempel Gottes, das heißt in der Kirche, den die Propheten und Christus und Seine Apostel vorhergesagt haben, und alle gottesfürchtigen Menschen gewarnt haben, sich vor ihm und seinen Irrtümern in acht zu nehmen und es nicht zu dulden, daß sie selbst von der Wahrheit weggeführt werden."

Die Reformationsarbeit in der Schweiz brachte 1536 das "Helvetic Confession - Schweizer Bekenntnis" hervor, worin das Papsttum als der prophezeite Antichrist genannt wird. Die lutherische Erklärung, die in den "Smalcald Articles - Smalcaldstatuten" enthalten ist, sagt aus: "Der Papst ist der tatsächliche Antichrist, der sich selbst über Christus erhebt und sich Ihm widersetzt, weil er es nicht zuläßt, daß Christen ohne seine Macht, die doch keine ist, und weder von Gott bestimmt noch angeordnet ist, gerettet werden ..." Diese Glaubensbekenntnisse verkörperten den Glauben von vielen Tausenden.

Als in Amerika Kirchen errichtet wurden, hatte man genau dieselbe Ansicht über das Papsttum. Im Jahre 1680 verfaßten die Kirchen von Neuengland ein Glaubensbekenntnis, das besagte, daß Jesus Christus das Haupt der Kirche ist und nicht der Papst von Rom, der tatsächlich der Antichrist und der Sohn des Verderbens ist. "Das war", so schreibt Froom, " der allgemein akzeptierte amerikanische Standpunkt." (s.o., Band 3, Seite 111) Ebenso sagte Samuel Lee (1625-1691), ein gelehrter Pastor aus New Bristol, Rhode Island: "Alle Verfechter der evangelischen Kirche sind sich einig darüber, daß der römische Papst der Antichrist ist." ("The Cutting Off of Antichrist - Der Ausschluß des Antichristen", Seite 1, Lee)

John Cotton (1584-1652), ein puritanischer Geistlicher aus Plymouth und Boston, lehrte, daß OFFENBARUNG 13 ein Bildnis des Papsttums sei. Cotton wird als der erste prophetische Ausleger Amerikas betrachtet. Roger Williams (1603-1683), Gründer von Rhode Island und Pastor der ersten Baptistenkirche in Amerika, sprach ebenso vom Papst als "dem vermeintlichen Stellvertreter Christi auf Erden, der als Gott über dem Tempel Gottes sitzt, der sich selbst nicht nur über alles, was Gott genannt wird, erhebt, sondern auch über die Seelen und Gewissen all seiner Vasallen, ja, über den Geist Christi, über den Heiligen Geist, ja, und Gott selbst ... spricht gegen den Gott des Himmels und denkt, Zeiten und Gesetze zu ändern: aber er ist der Sohn des Verderbens (2. THESSALONICHER 2)." (s.o., Band 3, Seite 52, Froom)

Cotton Mather (1663-1728), ein unabhängiger Theologe, stellte in seinem Buch "Fall of Babylon - Der Untergang Babylons" die Frage: "Ist der Papst von Rom als 'Der Antichrist' anzusehen, dessen Aufkommen und Herrschaft durch die alten Seher vorausgesagt wurde?" Darauf antwortete er: "Die Seher Gottes sagten das Aufsteigen eines Antichristen in der christlichen Kirche voraus; und in dem Papst von Rom haben sich all die Merkmale des Antichristen auf so phantastische Weise erfüllt, daß auf jedem, der die Heilige Schrift liest und es nicht erkennt, eine unwahrscheinliche Blindheit liegt." (s.o., Band 3, Seite 113)

Samuel Cooper (1725-1783) sagte, während er eine Reihe von Vorträgen an der Harvard Universität hielt: "Wenn der Antichrist nicht auf dem Stuhl des Heiligen Petrus gefunden wird, dann ist er nirgendwo zu finden." Er glaubte, daß der Antichrist die Folge von Bischöfen in Rom war. ("A Discourse on the Man of Sin - Eine Abhandlung über den Mann der Sünde", Seite 12, Cooper)

Jonathan Edwards (1703-1758), ein berühmter Erweckungsprediger und dritter Präsident von Princeton, erkannte den "Papst und seinen Klerus" als die Macht, die in 2. THESSALONICHER 2, DANIEL 7 und OFFENBARUNG 13 und 17 prophezeit wird. Sein Enkel, Timothy Dwight (1752-1817), ebenfalls ein Pastor, sprach darüber, wie die Päpste "sich selbst in die Kirche oder den Tempel Gottes gesetzt und gezeigt haben, daß sie Gott wären, indem sie sich Vollmachten anmaßten, die nur Gott zueigen sind: Zum Beispiel die Vollmachten, Gesetze zu machen, die das Gewissen der Menschen bindet; oder Sünden zu vergeben; religiöse Einrichtungen zu gründen; neue Gesetze für die Verwaltung und Leitung der Kirche einzuführen ... auf diese Weise haben sie sich selbst über alles, was Gott genannt wird oder was als Gott verehrt wird, erhoben." ("A Sermon Preached at Northampton - Eine Predigt, die in Northampton gehalten wurde", Seite 27, Dwight)

Nach seitenlangen, sorgfältig belegten Beweisen für seinen Standpunkt bemerkt Froom abschließend: "Die futuristische Ansicht eines einzelnen ... Antichristen war vor dem 19. Jahrhundert unter den Protestanten aus Nordamerika unbekannt"! (s.o., Band 3, Seite 257, Froom)

Wenn also über die Jahrhunderte hinweg die großen Christenführer und Reformatoren glaubten und lehrten, daß die Prophezeiungen über den Antichristen ihre Erfüllung im Papsttum gefunden hatten - wodurch kam es dann, daß diese Wahrheit in unserer heutigen Zeit so sehr verborgen wurde? Offensichtlich ist irgendwo irgendwie irgendetwas passiert! Wir wissen wo. Wir wissen wann. Wir wissen, warum. Dieser Beweis ist es, den wir im folgenden Kapitel ansprechen werden.