Die britische Kirche - aus Rom oder aus Jerusalem?

Eng im Zusammenhang mit dem Streit über den Anspruch Roms, von Petrus abzustammen, steht die gleichsam falsche Ansicht, daß Großbritannien den christlichen Glauben direkt vom Papst empfangen hätte, indem der Mönch Augustinus abgesandt wurde, um König Ethelbert und das Volk von Kent zu bekehren. Jedes britische Schulkind hat zweifellos schon die Geschichte gehört, daß Gregor als junger Priester sah, wie einige blonde, blauäugige Sachsen auf dem römischen Sklavenmarkt verkauft wurden, und ihm gesagt wurde, als er nach ihrer Nationalität fragte, sie wären Angeln. "Keine Angeln, sondern Engel", entgegnete der zukünftige Papst, und nachdem er Bischof von Rom geworden war, sandte er unverzüglich Augustinus aus, um dem heidnischen Volk unserer Inselheimat das Evangelium zu bringen.

Obwohl an der Geschichte etwas Wahres dran sein könnte, ist es eine Tatsache, daß die britischen Inseln innerhalb der ersten zehn Jahre nach Golgatha das reine apostolische Evangelium empfingen; und es existierte eine blühende chaldäische oder keltische Kirche in voller Tätigkeit, die Missionare ins kontinentale Europa schickte, jedoch die Autorität des Papstes, des angeblichen Nachfolgers von Petrus, nicht anerkannte. Augustinus kam nicht in ein heidnisches, unevangelisiertes Land, sondern wurde von einer bestehenden britischen Kirche angetroffen, die ihm zu verstehen gab:

"Wir kennen keinen, den du Papst oder Bischof der Bischöfe nennst, der von uns irgendeinen Gehorsam abverlangen kann."

Erst auf der verhängnisvollen Synode von Whitby im Jahre 664 nach Christus entschied König Oswy von Northumbrien zugunsten der Kirche von Rom, und die bestehende britische Kirche wurde gezwungen, sich dem Papst zu unterwerfen. Aber selbst dann existierten noch Übriggebliebene der chaldäischen, keltischen Kirche in Teilen von Schottland, und aufgrund einer solchen anhaltenden Existenz gab der Papst Irland unter die Oberherrschaft des englischen Königs Heinrich II., damit dieser Irlands alte Kirche und sein Volk dem Papst unterwerfen sollte. Nachfolgend werden Beweise für die Tatsache gebracht, daß die frühe britische Kirche apostolischer Abstammung war, die ihre Wurzeln in Jerusalem und nicht in Rom hatte.

1) TERTULLIAN (155-222 n. Chr.) schrieb:

"Die äußersten Gebiete Spaniens, die verschiedenen Teile Galliens und die Gebiete Britanniens, in die niemals römische Streitkräfte eingedrungen sind, haben den Glauben an Christus empfangen." (Tertullian Def. Fidei, Seite 179)

2) EUSEBIUS (260-340 n. Chr.) - der große Kirchenhistoriker, schrieb:

"Die Apostel zogen über das Meer zu den Inseln, die Britannische Inseln genannt wurden." (De Demonstratione Evangelii)

3) DOROTHEUS, BISCHOF VON TYRUS, schreibt 303 nach Christus:

"Aristobulus, den Paulus in seinem Brief an die Römer (RÖMER 16:10) grüßt, war Bischof von Britannien." (Synopsis De Apostol)

Weiterhin führt er an:

"Simon Zelotes predigte Christus in ganz Mauretanien und im jüngeren Afrika. Zuletzt wurde er in Britannien gekreuzigt, getötet und begraben." (Synopsis De Apostol)

4) CHRYSOSTOMOS, PATRIARCH VON KONSTANTINOPEL (347-407 n. Chr.), erklärt:

"Du solltest dennoch über das Meer zu den Britischen Inseln fahren, dort solltest du hören, wie alle Menschen überall über Dinge aus der Schrift reden, zwar mit einer anderen Stimme, aber nicht mit einem anderen Glauben." (Chrysostom Orat O Theos Xristos)

5) GILDAS (425-512 n. Chr.), ein frühzeitiger britischer Historiker, schrieb:

"Christus, die wahrhaftige Sonne, spendete unserer Insel letztes Jahr Sein Licht, nämlich die Erkenntnis Seiner Grundsätze, wie wir von Kaiser Tiberius (37 nach Christus) wissen." (De Excidio Britanniae, Abschnitt 8, Seite 25)

6) WILLIAM OF MALMESBURY (1080-1143) - hielt in seinem Werk "De Antiquitate Glastonie" fest, daß Joseph von Arimathea das reine apostolische Evangelium nicht lange nach der Auferstehung unseres Herrn nach Glastonbury brachte.

7) POLYDORE VIRGIL (1470-1555), ein gelehrter italienischer Historiker, berichtet:

"Britannien war teilweise durch Josef von Arimathea unter allen Königreichen das erste, welches das Evangelium empfing."

8) ERZBISCHOF USSHER (1581-1656) stellt fest, daß

"die Mutterkirche der Britischen Inseln die Kirche auf der Insel Avalon ist, die von den Sachsen Glaston genannt wird."

Selbst unsere Gegner mußten die Wahrheit öffentlich schon soweit eingestehen, daß die römischen Kirchenkonzilien von Pisa (1409), Konstanz (1417), Sienna (1424) und Basel (1434) alle folgendes zugaben:

"Die Kirchen von Frankreich und Spanien müssen in Punkten wie Alter und Ranghöhe hinter der von Britannien zurückstehen, da letztere direkt nach der Kreuzigung von Christus durch Josef von Arimathea gegründet wurde."

Tatsächlich erklärt sogar ein Jesuitenpriester, Robert Parsons, in seinem Buch "Drei Bekehrungen Britanniens":

"Der christliche Glaube fing in Britannien innerhalb der ersten fünfzig Jahre nach Christi Himmelfahrt an."

Eben dieselbe Britische Kirche brachte Märtyrer wie Alban und Missionare wie Patrick, Aidan und Columba hervor. Sie wußten weder etwas von römischen Dogmen und Aberglauben, noch erkannten sie den vermeintlichen Vorrang von Petrus in der Person des Papstes an. Mit dem Ausbruch der glorreichen Reformation begann die Rückkehr zum einfachen neutestamentlichen Christentum, und der im Gesetz verankerte Artikel XXXVII aus den 39 Artikeln der protestantischen, reformierten Staatskirche von England erklärt richtig:

"Der Bischof von Rom hat in diesem Königreich keine Gerichtsbarkeit."

Oder wie der Durchschnittsprotestant es noch grundlegender ausdrücken würde:

"KEIN PAPST HIER."

Quelle: "Wake Up!" Magazine