Der Tag, uns gegeben, zum Ende sich neigt, Herr

Aus „Leite, freundlich Licht...“ (Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „This England“)

John Ellerton (1826 – 1893)

Am 20. Juni 1897 wurde die oben erwähnte Hymne von allen Kirchengemeinden in Groβbritannien und seinem Weltreich gesungen. Diese Hymne des Lobpreises mit ihrem Thema der weltweiten, christlichen Gemeinschaft wurde eigens von Königin Viktoria für die Feierlichkeiten ihres Diamant-Jubiläums ausgewählt.

Der Schreiber dieser Hymne, John Ellerton, erlebte diese Ehre nicht, weil er bereits vier Jahre zuvor verstorben war.

John wurde in London geboren und in seinen jungen Jahren stark von dem literarischen Talent seiner Mutter und ihrer Liebe zur Literatur und Kunst beeinfluβt. Er wurde in Cambridge ausgebildet, wo er Gedichte schrieb und es nur knapp verfehlte, daß ihm die Chancellor Medaille für ein englisches Gedicht verliehen wurde. Er hätte ein akademisches Leben wählen können – seine natürlichen Neigungen müβten ihn zumindest in diese Richtung gezogen haben – aber stattdessen entschied er sich für eine Karriere innerhalb der Kirche. Hierfür wollte er sein ganzes Herz und seine Erkenntnisse als Dichter voll einsetzen.

Er wurde für „die Anmut seines Predigens“ bekannt, weil er genauso aufrichtig und einfach sprach, wie er schrieb. Während er zu seiner Gemeinde niemals herablassend sprach, hatte er auf seine gebildeten Besucher die gleiche Wirkung wie auf das einfache Volk. Seine Kräfte waren in diesem Lebensabschnitt unerschöpflich. Er half dabei, Abendschulen für Männer des örtlichen Eisenbahnbetriebs einzurichten. Er lehrte in diesen Kursen Englisch und Geschichte und gründete eine der ersten Chorgesellschaften in den Midlands in England. Während der ganzen Zeit schrieb, übersetzte und bearbeitete er Hymnen. Es war immer sein Ziel, die gewöhnliche Arbeiterklasse zu erreichen und ihnen die Welt der Kunst und der Buchstaben zugänglich zu machen.

Ellerton steuerte viel dazu bei, den Standard der Hymnen, die in seinem Zeitalter geschrieben wurden, anzuheben. Oft wurden viele kraftlose und sentimentale Hymnen beim öffentlichen Lobpreis benutzt. Er bestand jedoch darauf, daβ „Hymnen eine Form der Anbetung sein müssen. Es genügt nicht, daβ sie Hingabe andeuten, vielmehr müssen sie in der Lage sein, diese auszudrücken... Hymnen dürfen die Menschheit niemals dazu verleiten, mit oberflächlichen Gefühlen und unechten Worten vor den Gott der Wahrheit zu treten.“

Ellerton schrieb und übersetzte insgesamt etwa 76 Hymnen, wobei sein tief religiöser Geist durch seine Worte scheint. Er hatte ein eindeutig groβes Verlangen danach, ein perfektes christliches Leben zu führen und in fester Verbindung mit Gott zu sein. Der Wortlaut seiner berühmtesten Hymne (auch in unseren „B“-Blättern zu finden), ist folgender:

Der Tag, uns gegeben, zum Ende sich neigt, Herr
Die Dunkelheit fällt auf Dein Geheiβ.
Unser Morgengesang nun zu Dir aufsteigt er,
Uns’re Ruhe geheiligt durch Deinen Lobpreis.

Für Deine Kirche wir Dank Dir sagen
Während die Welt sich drängt zum Licht.
Für Dich hält sie Wache in Nächten, an Tagen;
Sie ist unermüdlich und ruhet nicht.

So wie neue Tage aus Nebeln aufsteigen
Über Länder und Inseln – ein Neubeginn,
Der Klang von Gebeten zu Dir wird nicht schweigen,
Dein Anrecht auf Lobpreis nie schwindet dahin.

Die Sonne, uns zur Ruhe schickend
Weckt uns‘re Brüder im Westen auf.
Und Stund‘ um Stund‘ neue Stimmen verkünden
Deine Wunder und Taten bis zum Himmel hinauf.

So sei es, Herr; Dein Thron soll nimmer
Wie die stolzen Reiche der Welt vergeh‘n.
Dein Königreich steht und wächst für immer
Bis all Deine Geschöpfe Deine Herrschaft gesteh‘n.