Der Morgen ist angebrochen

Aus „Leite, freundlich Licht...“ (Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „This England“)

Eleanor Farjeon (1881 – 1965), in ihrer Familie auch als „Nellie“ bekannt, war die einzige Tochter einer sehr talentierten und künstlerischen Familie. In ihrer Kindheit lebte sie oftmals in einer Art Phantasiewelt. Während die Bücherei ihres Vaters aus über 8000 Büchern bestand, verbrachte Eleanor, wenn sie nicht gerade las, ihre Zeit mit Phantasiespielen, welche sie sich, zusammen mit ihrem ältesten Bruder Harry, ausdachte. Erst als Eleanor bereits Ende zwanzig war, weigerte sich Harry, weiterhin mit ihr zu spielen, da er feststellte, welcher Schaden durch diese Spiele entstanden war. Im Zuge dessen entließ er seine Schwester aus der Welt der Phantasie in die reale Welt, was zur Folge hatte, daß Eleanor außerhalb ihres engen Familienkreises sehr scheu und in ihrem Auftreten sehr befangen war.

Bereits im Alter von fünf Jahren begann Eleanor zu schreiben. Hierzu wurde sie von ihrem Vater ermutigt, welcher, trotz der Belastung durch seine eigene Arbeit, immer Zeit zu finden schien, seine Kinder mit ihren erstaunlichen Talenten anzuleiten. Im Zuge dessen bekam jedes Kind von ihm ein Buch, in welches es ein Gedicht, ein Stück oder andere Geschichten schreiben konnte. Wenn jemand etwas besonders gut geschrieben hatte, durfte er es in ein großes Buch übertragen, welches der Vater auf seinem Schreibtisch behielt. Eleanor hatte die gleiche Leidenschaft für Theater, Musik und Literatur wie ihr Vater, den sie sehr liebte und bewunderte.

Obwohl Eleanor zu Hause ein geistreicher, lebhafter und gewandter Gesprächspartner war, hatte sie kein großes Selbstvertrauen. Erst als sie fast dreißig war, zeigte sie Interesse am Heiraten. Während einer ihrer Brüder sie einigen seiner Freunde vorstellte, kam sie allmählich aus ihrem Schneckenhaus heraus.

In ihrem späteren Leben war sie eine angesehene und beliebte Schriftstellerin, umgeben von Freunden, der Familie und ihren geliebten Katzen. Eleanor war ein sehr lebensfroher Mensch und da andere sich in ihrer Gegenwart besonders wertgeschätzt fühlten, hatte sie viele Freunde.

Obwohl Eleanor in einem gottesfürchtigen Haushalt aufwuchs, wurde sie nie in einer speziellen religiösen Glaubensrichtung unterrichtet. Auch wenn ihre Schriften oft geistliche Themen beinhalteten, so hatte sie doch erst später im Leben das Gefühl, ihren eigenen Glauben allmählich zu verstehen. Während sie sich persönlich danach sehnte, ein „seriöser“ Dichter zu sein, wird sie doch immer vor allem für ihre Kinderbücher und Gedichte sowie für die Hymne „Morning has Broken“, bekannt sein. Da sie fest daran glaubte, daß „Kindheit eine Form von Ewigkeit besitzt“, hielt sie ein Leben lang an ihrer kindlichen Herzenseinstellung fest. (Siehe MATTHÄUS 18:2-4).

Der Morgen ist angebrochen

Der Morgen ist angebrochen,
Wie der erste Morgen,
Die Amsel pfeift
Wie der erste Vogel.
Gepriesen sei der Gesang,
Gepriesen sei der Morgen,
Gepriesen sei alles,
Was vom Wort geschaffen ist.

Süß ist der neue Regenguß,
Wie Sonnenlicht vom Himmel,
Wie der erste Tau
Auf dem ersten Gras.
Gepriesen sei die Schönheit
Des nassen Gartens,
Der in Perfektion entsprungen ist,
Wo Seine Füße liefen.

Mir gehört das Sonnenlicht!
Mir gehört der Morgen,
Geboren von dem einen Licht
Eden sah das Spiel!
Preise mit Freude,
Preis jeden Morgen
Gottes Schöpfung
Eines neuen Tages!