Der Hase

In der Lutherübersetzung wird das hebräische Wort arneweth mit Hase übersetzt. Dies scheint die richtige Wiedergabe zu sein. Das hebräische Wort arneweth hängt mit dem akkadischen Wort annabu zusammen, was soviel wie Springer bedeutet. Außerdem finden wir in der lateinischen Vulgata für Hase den Gattungsnamen lepus. Im Talmud finden wir weitere Hinweise darauf, daß arneweth ein Hase ist. Die orthodoxen Juden hielten den arneweth immer für einen Hasen. Schließlich finden wir auch im Jerusalemer Bibelzoo bestätigt, daß arneweth der Hase ist.

Im Heiligen Land gibt es zwei Arten von Hasen – den lepus syriacus und lepus ägtiacus. Beide Hasen unterscheiden sich ein wenig vom Kaninchen. Hasen werden mit offenen Augen und einem vollständigen Fell geboren. Hasen haben einen anderen Schwanz als Kaninchen, ähneln sich jedoch sehr in ihren Freßgewohnheiten.

Die Bibel gebraucht aber auch das hebräische Wort gera, um den Hasen zu beschreiben. In den meisten Übersetzungen wird das Wort mit "Wiederkäuer" wiedergegeben. Nach dem Talmud ist der Hase ein Wiederkäuer (Hul. 59a). Der Targum versteht unter wiederkäuen, daß die Nahrung breiig wird (B.Kam 28b).

Der Hase hat keinen Magen mit drei oder vier Kammern, wie es für Wiederkäuer typisch ist. Er kaut die Zellulosenahrung jedoch zweimal, die dadurch noch einmal verdaut wird, so daß die Nährstoffe, die beim ersten Mal nicht erfaßt wurden, nun nutzbar gemacht werden. Der Magen des Hasen ist anders als der Magen der Rinder mit den drei oder vier Kammern, doch seine Funktion ist ähnlich.

Der Hase scheidet zwei verschiedene Stoffe aus. Zu den normalen Exkrementen sondert er eine zweite Art von Kügelchen ab, die man Caecotroph nennt. Dieses Caecotroph frißt der Hase wieder. Es wird im allgemeinen während der Nacht oder in den frühen Morgenstunden ausgeschieden, so daß der durchschnittliche Beobachter diesen Vorgang nicht zu sehen bekommt. Sobald das Caecotroph gründlich gekaut und geschluckt ist, sammelt es sich im Magen, wo es ein zweites Mal verdaut wird.

Das Caecotroph wird im Caecum (Blinddarm) gebildet und ist reich an Vitamin B, besonders dem Vitamin B1. Dies ist für die Ernährung des Hasen wichtig. Der Hase kaut die Nahrung nicht nur wieder, sondern die bakterielle Zersetzung der Zellulose hat die gleiche Aufgabe wie bei den Wiederkäuern unter den Paarhufern. Es ist kein Irrtum der Bibel, den Hasen als Wiederkäuer zu bezeichnen, sondern wissenschaftlich gerechtfertigt.

Die Bildung des Caecotrophs wurde 1882 zuerst in der französischen Tierärztezeitung beschreiben. Seit dieser Zeit bezeichnen viele Zoologen diesen Vorgang als wiederkäuen. Auch im Grzimeks Tierleben werden Hasen und Kaninchen im Buch 12 auf Seite 421 und 422 den Wiederkäuern zugeordnet. Die Zuordnung des Hasen zu den Wiederkäuern gründet sich hauptsächlich auf die Bildung des Caecotrophs und die bakterielle Zersetzung der Zellulose. Dies sind die wichtigsten Vorgänge des Wiederkäuens.

In 3. MOSE 11:6 wurde verboten, den Hasen zu essen. Dieses Gebot bestand wahrscheinlich, weil Blutparasiten durch den Umgang mit dem toten Tierkörper übertragen werden können. Diese Gesundheitsregel war ihrer Zeit sehr weit voraus.