Das Londoner Exemplar des Archaeopteryx

 

''Der Archaeopteryx ist wieder in den Nachrichten. Diesmal sorgen seine Federn für helle Aufregung. Wurden sie zur selben Zeit geprägt wie der Abdruck des knochigen Gerippes? Oder wurden sie erst angefertigt, nachdem das Fossil vom Menschen gefunden wurde?''

Eine fachliche Untersuchung der Federabdrücke

 Der Archaeopteryx ist wieder in den Nachrichten. Diesmal sorgen seine Federn für helle Aufregung. Wurden sie zur selben Zeit geprägt wie der Abdruck des knochigen Gerippes? Oder wurden sie erst angefertigt, nachdem das Fossil vom Menschen gefunden wurde? Dies ist die große Frage, aber es geht dabei noch um viel mehr. In der Vergangenheit haben Wissenschaftler das Aussehen der Federn des Archaeopteryx, wie z.B. ihre Ausrichtung, ihre Anzahl und ihre Symmetrie, in Frage gestellt. Sie haben auch ihre Meinung über deren perfekte Struktur geäußert und darüber, ob die Flügel in ihrer Anordnung Diastataxie aufweisen (d.h. die fünfte Armschwinge fehlt, obwohl ihre große Deckfeder vorhanden ist) oder nicht. Doch bis zum Juli 1980 wurde niemals offiziell die Echtheit der fossilen Abdrücke bezweifelt. Damals wandte sich Dr. Lee M. Spetner an orthodoxe jüdische Wissenschaftler, die sich in Jerusalem trafen.

Das Erste, was ich über die Behauptung erfuhr, daß die Gefiederabdrücke auf "dem beeindruckendsten Beweis für die Tatsache der Evolution" eine Fälschung seien, stand in einem Brief von Dr. Moshe Trop, der im September 1983 veröffentlicht wurde. Er berichtete über die Arbeit von Dr. Spetner, der das Londoner Exemplar sehr sorgfältig mit einem Vergrößerungsglas und einem binokularen Mikroskop untersucht hatte. Spetner vermutete, daß jemand eine dünne Schicht des Kalksteins am Schwanz und im Bereich der Flügel herausgemeißelt und diese Schicht dann wieder mit Zement aufgefüllt hatte, bevor er vorsichtig Federeindrücke einritzte, die dann härten konnten.

Spetners Aussage beruht auf zwei Anhaltspunkten. Erstens sind die verdächtigen Gefiederabdrücke auf der Hauptplatte tiefer eingesunken als das umgebende Gestein, besonders im Bereich des Schweifes. Zweitens ist auf dem Gegenstück ein kleiner Tropfen anscheinend gehärteten Zementes. Dieser Tropfen liegt abseits der Flügel und des Schweifes und enthält dennoch die Prägung einer Flügelfeder. Doch gibt es keine entsprechende Vertiefung auf der Hauptplatte.

Als nächstes wurde meine Aufmerksamkeit auf einen Artikel von Dr. Spetner und fünf weiteren Autoren der Universität von Cardiff gelenkt. Sie wiederholten einige der Aussagen von Dr. Spetner, die ich bereits erwähnt habe. Doch die vielsagendste Zusatzinformation war, daß der gefiederte Schwanz (welchen sie fälschlicherweise "Schwanzfeder" nannten) circa zwei Millimeter tiefer eingesunken war als die umgebende Oberfläche der Hauptplatte. Auch hier wurde keine entsprechende Erhebung auf dem Gegenstück gefunden.

Ihre restlichen Aussagen waren bestenfalls nebensächlich und in den schlimmsten Fällen bloße Anspielungen. Zum Beispiel wurden Verdächtigungen auf der Grundlage aufgebaut, daß beide mit Federn versehene Exemplare des Archaeopteryx von der gleichen Familie zu ihrem finanziellen Vorteil zur Verfügung gestellt wurden. Dr. Karl Haberlein belieferte das Londoner Museum und sein Sohn Dr. Ernst Haberlein das Berliner Museum. Es wurde auch angeführt, daß die Entdekkung des ersten gefiederten Archaeopteryx kurz nach der Veröffentlichung von Darwins "Entstehung der Arten" stattfand. Überdies tauchte das erste Fossil auf, kurz nachdem seine Existenz mit einer Skizze von T.H. Huxley vorausgesagt wurde. Desweiteren wurde es als bezeichnend angesehen, daß der Archaeopteryx das einzige unbestrittene Fossil darstellt, daß einen Übergang zwischen zwei Wirbeltierklassen zeigt.

Bevor wir Spetners Beweismaterial bewerten, wollen wir die nötigen Arbeitsschritte betrachten, die für die angebliche Fälschung auszuführen waren. Möglicherweise liegt die folgende Auflistung nahe an dem, was der Fälscher getan haben könnte:

1. Ein fossiles Skelett eines geeigneten Reptils erwerben.

2. Frische Federn eines noch vorhandenen Vogels verschaffen (die erste und zweite Federnreihe an ihrem Platz lassen, während die meisten anderen Flügelfedern entfernt werden).

3. Den Kalkstein in den Bereichen der gewünschten befiederten Flügel und des Schwanzes herausmeißeln.

4. Zement mischen.

5. Den Zement auf die vorbereiteten vertieften Flächen der Hauptplatte und auch auf die entsprechenden Stellen des Gegenstückes auftragen.

6. Die Federn auf den feuchten Zement drücken.

7A. Entweder: Die Hauptplatte mit dem Gegenstück zusammenlegen, während die frischen Federn dazwischengeklemmt waren und der Zement fest genug war, um nicht zu tropfen.

7B. Oder: Nachdem die Federn von der Hauptplatte genommen wurden, ihre Rückseite auf das Gegenstück drücken.

8. Die echten Federn von den zementierten Flächen heben.

9. Die Ausrichtung der Federabdrücke auf der Hauptplatte mit denen auf dem Gegenstück vergleichen.

10. Wenn nicht zufriedenstellend wieder bei Punkt 6 oder einem früheren Arbeitsschritt beginnen.

Im Hinblick auf die Methodik des Fälschers, wie wir sie uns oben vorgestellt haben, könnten die folgenden Fragen Antworten hervorbringen, die die Wahrheit über diese Federabdrücke des Archaeopteryx erhellen.

(I) Gäbe es eine völlige Übereinstimmung zwischen dem Haupt- und dem Gegenstück, wenn die Federabdrücke echt wären?

(II) Obwohl eine verräterische Lücke unvermeidbar wäre, wenn Schritt 7A durchgeführt worden wäre, wäre der Spalt zwischen den Oberflächen der beiden Platten auch feststellbar, wenn der Fälscher die Alternative Schritt 7B gewählt hätte?

(III) Weisen irgendwelche der mit Federabdrücken versehenen Bereiche zusätzliche Druckstellen auf, von denen man sagen könnte,sie wurden durch die Fingerspitzen des Fälschers verursacht, als er die neuen Federn in den feuchten Zement eindrückte?

(IV) Welche Art von Zement war in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in Bayern erhältlich, und wie gut paßt dieser zur Farbe und Beschaffenheit des Gesteins im Bereich der Spitzen der dritten und vierten Deckfeder des rechten Flügels, die direkt an die originale Haupt- beziehungsweise Gegenplatte angrenzen? (Eine Untersuchung dieser Stellen mit einem abtastenden Elektronenmikroskop könnte die Zementanschuldigung ein für allemal zerschlagen, doch würde es eine Fälschung durch Einätzen nicht aufdecken.)

(V) Wie konnte der Fälscher das Gebiet um die schwanzartigen Wirbelknochen herausgemeißelt haben und später die unteren Federkielenden so geschickt angepaßt haben, daß sie überzeugend die verbindenden Sehnen und Bänder vortäuschen, wie Sir Gavin De Beer berichtet?

(VI) War dem Fälscher eine bessere und raffiniertere Methode zur Bearbeitung von Lithographie-Kalkstein bekannt, so daß er entweder ohne die Knochenabdrücke zu beschädigen in den Stein ätzte, oder über eine Methode verfügte, die in Zement ätzt?

Doch nehmen wir für einen Augenblick an, daß die Gefiederabdrücke auf dem Fossil unecht sind. Wo läßt sich dann die Gattung des Archaeopteryx zuordnen? Könnte er einfach unbemerkt in die Klasse der Reptilien zurückgehen, wenn er die folgenden vogelähnlichen Merkmale in den nicht befiederten Teilen des Skeletts aufweist?

(I) Das Hirn ist zweifellos vogelähnlich.

(II) Das Schlüsselbein ist übermäßig groß.

(III) Die Schambeine sind lang und nach hinten gerichtet.

(IV) Der dritte Metacarpale ist mit dem Karpus verschmolzen.

(V) Die erste Zehe ist den anderen Zehen entgegengesetzt.

Zu welcher Unterklasse der archosaurischen Reptilien könnte der Archaeopteryx eingestuft werden,
wenn es bewiesen wäre, daß er kein Vogel ist? Die beliebteste Möglichkeit ist, daß der Archaeopteryx vom coelurosaurischen Theropoden, der zu der Gattung der Saurischia gehört, abstammt. Trotzdem gibt es verschiedene Einwände gegen diese evolutionäre Verbindung.

(a) Die Beckengürtel des Archaeopteryx und der Vögel weisen nach hinten, wohingegen die der ceolurosaurischen saurischia Reptilien nach vorne gerichtet sind.

(b) Der Archaeopteryx besitzt eine zurückgebogene, entgegengestellte erste Zehe, wobei die angeblichen Vorfahren diesen nicht haben.

(c) Der Tibiotarsusknochen des Archaeopteryx und der Vögel ist dem Astragalknochen der Theropoden nicht homolog.

(d) Das Gehirn des Archaeopteryx ähnelt dem der Vögel und lediglich krokodilartigen Reptilien.

(e) Experten wie z. B. Ostrom behaupten, daß der Theropode an jeder Hand nur die Finger 1, 2 und 3 besitzt, während Vogelembryos nur die Finger 2, 3 und 4 an jedem Flügel aufweisen.

Schließlich stellte sich bei meiner Untersuchung heraus, daß der Ornitharhynchus anatinus (eher bekannt als Schnabeltier mit einem Entenschnabel) nicht wie der Archaeopteryx Elemente von zwei, sondern von drei Wirbeltierklassen besitzt. Allerdings erweckte das Schnabeltier in den Wissenschaftlern im gleichen Maße Mißtrauen gegenüber der noch vorhandenen Spezies, wie auch auf den Archaeopteryx Zweifel fallen. Während die Federn des Archaeopteryx von einigen orthodoxen Juden als gemeißelte Bilder eingeschätzt worden sind, wurde das erste ausgestopfte Exemplar eines Schnabeltiers, das in Europa untersucht wurde, als "Schwindel eines Tierpräparators" bezeichnet!

von Gerald Haddon Duffet

Quelle: "Bible Science Newsletter: Contrast", Juli-August 1986