Das Königreich ist in Finsternis

Doch das Licht der Wahrheit wird zurückkehren

Die historische Entscheidung für den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, getragen von der Mehrheit derer, die an der Volksabstimmung teilnahmen, hatte gewaltige Auswirkungen für das Vereinigte Königreich Großbritannien und seine geistliche Verantwortung für die Aufrechterhaltung seiner unumschränkten Unabhängigkeit. Die Leute, die am 5. Juni 1975 mit "ja" stimmten - sie waren eine Minderheit der gesamten Wählerschaft - wurden durch die Propaganda verblendet und hatten keine Vorstellung, welche Art von geistlichem Kampf hier wirklich geführt wird: ein Kampf um die Herrschaft ihrer historischen Monarchie und Regierung. Erst jetzt beginnt das Licht der Wahrheit über der Nation aufzugehen.

Es war eine geistliche Ablehnung des göttlichen Willens für die britische Nation, was vor 16 Jahren geschah. Die Leute wählten mit ihrer Stimme statt Gott den Mammon und drückten somit das oberflächliche Denken dieser Epoche aus. Dies wurde am allerschlimmsten in den höchsten religiösen Kreisen der Nation offenbar, die der geistlichen Leitung in Wahrheit beraubt war und immer noch ist.

Fünf Bischöfe der Kirche Englands sandten Briefe aus, um die Geistlichkeit insgesamt zu beeinflussen, für Europa Stellung zu beziehen, bevor der Volksentscheid stattfand, einschließlich des Bischofs von Manchester, der in seinem Diözesanbrief sagte: "Für mich ist es schwer zu verstehen, wie eine vernünftige Person für den britischen Ausstieg aus der EWG stimmen könnte." Welche biblische Grundlage wurde geboten, um diese extreme Aussage zu unterstützen? Gar keine, denn dieser Geistliche kannte das Wort Gottes für sein Volk nicht, gerade jetzt, als es geistliche Führung gebraucht hätte wie niemals zuvor in seiner Geschichte.

Der neue Herr, Mammon, hat sich als grausam erwiesen, als die Nation im Laufe der Jahre den Preis bezahlen mußte. Der Vertrag von Rom, der ohne die Änderung eines Punktes oder Kommas ratifiziert wurde, löste die Treue zur Krone im Parlament unter Gott ab. Das Vereinigte Königreich trat nun in einen Schatten und in einen Zustand der Finsternis als souveräne Nation ein. Es war, wie es nun zunehmend augenscheinlich wird, nicht mehr ein Staat, sondern wurde zur Provinz eines Systems, das mit den Grundlagen des Erbes und des Charakters dieses großen Volks nichts gemein hat.

Großbritannien ist eine Weltmacht

In keiner Weise berücksichtigt der Vertrag von Rom irgendwelche verfassungsmäßigen Erfahrungen des Vereinigten Königreichs, noch drückt er die nationalen Bestrebungen des Landes aus, welche weltweit sind. Dieses Inselvolk, eine seefahrende und kaufmännische Rasse, hat seinen Blick auf das Meer gerichtet und sich mit Kind und Kegel in alle Ecken des Erdballs verbreitet; zu den großen entdeckten Kontinenten nach Nordamerika, Südafrika, Australasien genauso wie in dreißig Kronkolonien.

Als Ergebnis davon sehen nun die Briten, die Ahnherren einer stabilen, parlamentarischen Regierung, eben ihre Freiheiten und alten Gesetze von einer aufkommenden Flut arroganter und bürokratischer Herrschaft überschwemmt. Der tragische und unakzeptable Aspekt von alledem ist, daß die meisten anderen der zwölf Länder in den letzten fünfzig Jahren neue Verfassungen bekommen haben, während die britische parlamentarische Regierung über 700 Jahre alt ist!

Die großen Kämpfe für Glauben und Freiheit in der britischen Nation sind in schrecklichen Auseinandersetzungen - geistlichen Auseinandersetzungen - ausgefochten worden, die in den Kämpfen für die Gedankenfreiheit zum Ausdruck kamen. Sie erstreckten sich von den Zeiten der Verfolgung und der Märtyrer im eigenen Land bis zu den großen Schlachten zwischen Großbritannien und dem Kontinent. Das englische Gewohnheitsrecht, welches bis auf die Magna Charta zurückgeht und ursprünglicherweise aus vorchristlicher Zeit kommt, hat bis jetzt gegenüber dem römischen bürgerlichen Recht überlebt. Die Religionsfreiheit nach der Reformation beendete die Tyrannei heidnischen Aberglaubens über das Leben der Nation.

Viele sagen heutzutage, daß man die Konflikte der Geschichte am besten vergessen soll. In Wirklichkeit war es niemals wichtiger als heute, darauf hinzuweisen, daß diejenigen, die die Geschichte vergessen, dazu verurteilt sind, sie zu wiederholen. Derjenige, der keinen richtigen Wert auf die britische Geschichte legt, kann keinen Sinn für Schicksal in seinem Leben haben und macht sich dadurch selbst bedeutungslos für die Nation. Besonders trifft das heute auf den protestantischen Christen zu, denn er kann die Tiefe von Gottes Wirken im Leben seiner Mitbürger und in der Nation im allgemeinen nicht erkennen. Er ist deshalb für Täuschungen auf allen Ebenen offen, welche, wenn sie mit Tausenden, ja Millionen von Leben multipliziert werden, eine verheerende Wirkung auf die gesamte Nation haben.

Als die Wähler 1975 zu den Urnen gingen, gab es einen grundlegenden Aspekt politischer Einflußnahme in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, von welchem die Wähler wenig oder keine Ahnung hatten. Dies ist die politisch-religöse Dimension der römisch-katholischen Kirche. Es war Frau Shirley Williams, zur Zeit des Wahlkampfes eine römisch-katholische Kabinettsministerin in der Wilson-Regierung, die in einer Rede an eine katholische Innungsversammlung sagte:

"Wir werden uns einem Europa anschließen, in welchem die katholische Religion der beherrschende Glaube und in welchem die Anwendung der katholischen Sozialdoktrin ein Hauptfaktor im täglichen politischen und wirtschaftlichen Leben sein wird."

Der politische Einfluß der römisch-katholischen Kirche in den EWG-Ländern und innerhalb der Regierungsstruktur der EWG-Institutionen ist ohne Zweifel beträchtlich, und es ist ein trauriges Spiegelbild von Großbritanniens geistlicher Führerschaft heute, daß ein fast völliger Mangel an Urteilsvermögen zu Tage tritt. Es gibt keinen, der die geistliche Dummheit des britischen Volkes, sich dem Vertrag von Rom zu unterwerfen, aufdeckt (siehe die Beilage zu dieser Ausgabe).

Als Ergebnis der neuen ökumenischen Maßnahmen, die nun in der Nation am Wirken sind, eilt der britisch-reformatorische Glaube auf einer Einbahnstraße in die Arme des römischen Systems, was nur geistigen Tod für die einst von der Knechtschaft befreiten Nation bedeuten kann. Ein Ende des Reformationszeugnisses auf dieser Grundlage bedeutet in Wirklichkeit ein Ende der Reformationswahrheit, für welche es keinen anderen Ersatz gibt als ein Herabsteigen in Dunkelheit und Niederlage. Ohne Wahrheit kann es keine siegreiche Zivilisation und sicherlich keine Freiheit geben - wie der Erlöser des Dienervolkes erklärte: "Und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen" (JOHANNES 8:32).

Glaube und Unabhängigkeit, Wahrheit und Freiheit sind untrennbar. Der Gang der Ereignisse seit dem Volksentscheid vor 16 Jahren ist in gewisser Hinsicht erzieherisch gewesen, aber bis jetzt kann die gegenwärtige Generation nicht erkennen, wie hoffnungslos schwach unsere Ideologie und unser Glaube geworden sind. Wenige verstehen heutzutage, daß - sieht man auf das einzigartige nationale Schicksal Großbritanniens - der Protestantismus für bürgerliche und religiöse Freiheit steht und ein christliches Erbe ist, welches fast sechs Jahrhunderte, bevor die römisch-katholischen italienischen Missionare in Canterbury in England eintrafen, begründet wurde.

Dies ist eine äußerst wichtige Tatsache, die solchen Führungskräften in der anglikanischen Kirche bewußt gemacht werden muß - denn sie scheinen nur zu denken, daß es beim Protestantismus darum geht, zu protestieren und negativ zu sein. Er ist aber das genaue Gegenteil, da er für das Testament des Bundes der Schrift eintritt, in welchem "der Gerechte aus Glauben leben wird."

Inmitten der heutigen Bewegungen in Richtung Einheit und Einigung mit europäischen politischen und religiösen Systemen findet ein fortwährender Kampf geistlicher Kräfte darum statt, die souveräne Autorität des protestantischen Königsthrones und des Parlaments des Vereinigten Königreichs zu kontrollieren. Es ist ein Kampf, der über die Jahrhunderte angedauert hat, der jedoch in unseren Tagen viel raffinierter und kraftvoller durch wirtschaftliche Verschwörung an höchster Stelle geführt wird.

Der gegenwärtige Zustand der Finsternis wird jedoch nicht ewig bestehen. Genauso, wie bei der Dunkelheit während einer totalen Sonnenfinsternis, bricht das Licht bald wieder hervor. Das Licht der Wahrheit wird zurückkommen. JESAJA 13:10 und MATTHÄUS 24:29 werden in unseren Tagen erfüllt. Die Dunkelheit, die die britischen Freiheiten bedeckt, kann nur solange bestehen, wie das Volk sich der großen nationalen Bündnisse der Bibel nicht bewußt ist, die zwischen dem allmächtigen Gott und den Vorfahren der Briten und ihren in der Welt zerstreuten Verwandten gemacht wurden.

Tief im nationalen Unterbewußtsein ist diesen Leuten klar, daß mit dem europäischen Abenteuer nicht alles in Ordnung ist. Und wenn das Licht in nicht allzu ferner Zukunft wiederkehrt, wird sich das Herz des Dienervolkes freuen und fröhlich sein.

Michael A. Clark

Quelle: Wake up! Juli/August 1991