Britisch-Israeliten
Die zehn verlorenen Stämme Israels
Britisch-Israeliten, Vertreter der Anglo-Israel Theorie, welche erklärt, daß die "Englischen" und ihre ethnischen Mitvölker auf der ganzen Welt von den verlorenen 10 "Stämmen Israels" abstammen. Diese Theorie ist gegründet auf bizarre theologische und sprachwissenschaftliche Voraussetzungen. Der christliche Anspruch, das "Neue Israel" zu sein, wird verstärkt durch die Legende, daß Joseph von Arimathea noch vor der römisch-katholischen Kirche eine englische Kirche gründete und durch den Glauben, daß britische Monarchen, bei ihrer Krönung auf dem "Stone of Scone", dem Stein von Scone sitzend, geheiligt werden. Dies sei der Stein des Patriarchen Jakob aus Bethel. Hinzu kommt der alte puritanische Gedanke, daß England Israels Kämpfe gegen Gottes Feinde weiterführte.
Durch eine ausgewählte und gemäß allgemein akzeptierten Kriterien total unwissenschaftliche Interpretation der Bibel können britische Israeliten "beweisen", daß japhetitische Cymri oder Cymmerier die alten Briten (British = Berit-Ish oder "Volk des Bundes") und die Sachsen (Isaac's Sons) sind. Die Wanderungen des "verlorenen" Stammes Dan können vom Dnjeper bis nach Dänemark und die der Gaditer von Gotland bis Cambria zurückverfolgt werden.
Die erste Manifestation über Anglo-Israel wurde vom puritanischen Parlamentsmitglied John Sadler, Autor des Buches "Rechte des Königreiches" (1649), herausgegeben, aber die Bewegung begann erst am Ende des 18. Jahrhunderts an Macht zuzunehmen, als Richard Brothers, ein messianischer Prophet und selbsternannter "Neffe des Allmächtigen" begann, eine Serie Traktate zu veröffentlichen.
Ein späterer Schriftsteller, Edward Hine, veröffentlichte den Bestseller "47 Identifikationen der Britischen Nation mit den verlorenen 10 Stämmen Israels" (1871). Zu dieser Zeit entwickelte sich der "Anglo-Israelismus" zu einer organisierten Bewegung. Der Britisch-Israel-Weltbund, mit Hauptquartier in London, behauptet, hunderttausende Unterstützer in englischsprachigen Ländern zu haben; aber eine gleichgesinnte Organisation in den USA, die angelsächsische Vereinigung Amerikas benutzte den Antisemitismus, um ihren Anspruch zu fördern. Anglo-Israelismus ist Teil der Lehre verschiedener christlicher Sekten, zum Beispiel der Mormonenkirche, geworden.
G.E.S.
Bibliographie:
- Hyamson, in JQR. 15 (1902/03), 640-76;
- A. Heath, A Reply (to) H.L. Goudge, The British Israel Theory (1933);
- C. Roth, The Nephew of the Almighty (1933);
- J.C. James, Hebrew and English; Some Likeness, Psychic and Linguistic, (1957)
