Blindheit zum Teil

In unserem Studium von Römer Kapitel 10 verbrachten wir in der letzten Ausgabe die meiste Zeit damit, Ausdrücke zu definieren, die von Paulus benutzt wurden. Dabei ist es besonders wichtig zu wissen, was er mit den Begriffen "Jude", "Heide" und "die Welt" meint.

Das Wort "Jude" steht als Kurzform für einen Judäer oder Judahiter. "Heide" hat die Bedeutung Nation, wobei nicht unmittelbar ersichtlich ist, ob diese Nation Juda, Israel, Syrien oder irgendeine andere darstellt. Welche Nation in einem Abschnitt gemeint ist, kann nur dem Kontext entnommen werden.

Man muß verstehen, daß Paulus in RÖMER 9-11 Zeitalter und Geschichtsdatierung berücksichtigt, wenn er von "Israel" spricht. Israel lehnte in der Vergangenheit Jahwe-Gott ab (das ist Jesus Christus, noch bevor Er auf die Erde kam und Fleisch wurde). Dies geschah in zwei Schritten. Zuerst wies Ihn das nördliche Haus Israel ab. Als Folge darauf wurde es 745-721 v.Chr. vertrieben. Schließlich verließ Ihn auch Juda, die Nation, die bald darauf ebenfalls vertrieben werden sollte (im Jahre 70 n.Chr., etwa 12 Jahre, nachdem Paulus den Brief an die Römer geschrieben hatte).

Damit hatte ganz "Israel" Christus den Rücken zugekehrt und den mosaischen Bund verletzt. Der mosaische Bund - das Alte Testament - wurde deswegen anulliert. Er kann mit einem Ehebund zwischen Christus und Israel verglichen werden. Er endete mit einer Scheidung Gottes zuerst mit dem nördlichen Haus Israel und danach mit Juda.

Die Israeliten wurden in alle Richtungen verstreut und bildeten in Europa und der restlichen Welt zahlreiche verschiedene Nationen. Sie wurden geradezu "dem Heidentum überlassen". Ihr eheliches Verhältnis zu Christus nach der Scheidung bestand nicht mehr. Damit waren sie rechtlich gesehen nicht mehr begünstigt gegenüber den anderen Nationen. Der einzige ihnen verbleibende Vorteil lag in Gottes Selbstverpflichtung, dieses Volk noch einmal zu heiraten (HOSEA 2:20). Er achtete jetzt darauf, daß ihnen das Wort Gottes gegeben wurde, damit ihre Herzen auf den neuen Ehebund vorbereitet würden.

Israel wird verglichen mit einem Schatz, der auf dem Feld ("der Welt") vergraben lag. Um sich diesen Schatz anzueignen, mußte Gott dieses Feld erwerben. Auf diese Weise sah es Gott als notwendig an, in Gestalt des Menschen Jesus Christus zu kommen. Er gab alles, was Er hatte, hin, damit dieses Feld in Seinen Besitz überging. Er liebte die Welt so sehr, daß Er sich für sie hingab und starb. In 1. JOHANNES 2:2 steht geschrieben:

„Und derselbe ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.“

Wie schon gesagt, verwendet Paulus die zeitliche Abfolge der Geschichtsereignisse. In der Vergangenheit hatte Israel Gott abgewiesen. Aber mit dem Kreuz im Neuen Bund kam die Erkenntnis, daß die Erlösung in ihrer Weite die gesamte Welt miteinschließt. Die Welt selbst definiert sich als Summe aller Nationen, einschließlich der vertriebenen Judahiter und Israeliten.

Im Verlauf unseres Studiums wird uns hier manches klarer, besonders bei Betrachtung von RÖMER 9:30-33.

30 „Was wollen wir nun hierzu sagen? Das wollen wir sagen: Die Heiden [alle Nationen, einschließlichdes vertriebenen Israel und Juda], die nicht haben nach der Gerechtigkeit getrachtet, haben die Gerechtigkeit erlangt; ich rede aber von der Gerechtigkeit, die aus dem Glauben kommt.

31 Israel [als es in der Vergangenheit das Erstgeburtsrecht noch besaß und es nicht verloren hatte] aber hat dem Gesetz der Gerechtigkeit nachgetrachtet [nach dem alten Bund] und hat das Gesetz der Gerechtigkeit nicht erreicht.

32 Warum das? Weil es sie nicht aus dem Glauben sucht, sondern als ob sie aus des Gesetzes Werken komme. Sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes, (KJV)

33 wie geschrieben steht: 'Siehe da, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses; und wer an ihn glaubt, der soll nicht zuschanden werden."

Viele meinen, daß Paulus von der Nation Juda spricht, wenn er sagt, daß Jesus sie abgewiesen hätte. Paulus zitiert jedoch JESAJA 28:16, um seine Aussage zu bekräftigen. Dieses Kapitel spricht von "Ephraim" (JESAJA 28:1), dem führenden Stamm des nördlichen Hauses Israel. Offensichtlich meint Paulus wirklich das nördliche Israel, wenn er in RÖMER 9:31 diesen Namen nennt. Die Ablehnung durch Jesus Christus zu Jesajas Zeiten geschah nicht wegen Judas Untaten, sondern wegen Israel.

Jesus mußte vor Israel nicht auf der Erde in Erscheinung treten, um ihm Seine Abweisung kundzutun. Er war Israel bekannt als Jahwe, als der Gott des Alten Testaments. Er präsentierte sich in JESAJA 49:26 mit den Worten: "alles Fleisch soll erfahren, daß ich, der Herr [Jahwe], dein Heiland bin und dein Erlöser, der Mächtige Jakobs."

Als das nationale Israel Jahwe ablehnte, lehnte es gleichzeitig Jesus Christus ab, weswegen es vertrieben wurde. Aus demselben Grund wurde später Juda vertrieben. Somit wurde Jesus Christus durch die beiden israelitischen Nationen verworfen. Gott mußte sich von ihnen trennen, sie aus Seinem Haus verweisen und ihnen ihren ehelichen Namenstitel Israel wegnehmen.

Von diesem Zeitpunkt ab konnte man sie bestenfalls Ehemals-Israeliten nennen, denn sie waren unter die übrigen Nationen verstreut. Sie hatten Erlösung nötig, wie alle anderen auch.

Paulus beschreibt uns den Plan der Erlösung durch den Neuen Bund genau. Erlösung soll nicht mehr nach dem Alten Bund erfolgen, der auf dem menschlichen Eid zum Gesetzesgehorsam stand (2. MOSE 19:5-8). Eide von Menschen wurden so leicht gebrochen. Wenn der Segen der Erlösung durch Gott aufgrund von menschlichen Eiden oder "Entscheidungen für Christus" in Kraft treten würde, dann würde die Erlösung jedesmal verlorengehen, wenn der Schwur durch die Begehung einer Sünde gebrochen worden wäre. Ich erinnere mich noch genau daran, daß ich in meiner Jugend am Ende des Tages jedesmal "gerettet werden" mußte. Damals verstand ich nicht, daß ich dabei war zu versuchen, durch die Mittel des Alten Testaments gerettet zu werden, indem ich Gerechtigkeit durch gesetzliche Werke erlangen wollte.

Paulus erklärt, daß der Neue Bund (der auf den bedingungslosen Verheißungen Gottes an Abraham nach 1. MOSE 15:8-21 bestand) ausschließlich durch Glaube erfüllt würde. JEREMIA 31:31-34 zeigt, daß der Neue Bund nicht auf menschlichem Willen, sondern auf dem Willen Gottes beruht.

Damit würden "Wenn-Fälle" oder Bedingungen, die Menschen zu erfüllen hätten, ausgeschlossen. Es braucht keinen abgeleisteten Eid mehr vom Menschen, um gerettet zu werden. Auch gute Werke oder ein bestimmter Gerechtigkeitsstandard sind zur Errettung durch Gott nicht mehr vonnöten.

Natürlich sollten wir alle eine bewußte Entscheidung treffen (oder einen Eid ablegen), um Jesus Christus zu folgen. Jedoch müssen wir verstehen, daß uns das nicht zur Errettung führen kann - es sei denn, daß wir fähig sind, unseren Eid auch selbst zu halten und nicht mehr zu sündigen. Aber ich kenne keinen, der zu solcher Gerechtigkeit fähig wäre. Der Neue Bund gründet sich auf den Willen Gottes, nicht auf den Willen des Menschen, genau, wie es uns JOHANNES 1:12 und 1:13 sagt:

12 „Wie viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben,

13 welche nicht von dem Geblüt noch von dem Willen des Fleisches noch von dem Willen eines Mannes, sondern von Gott (das heißt Gottes Willen) geboren sind.“

Gott führt zur Errettung, indem Er Sein Wort zum Menschen spricht. Das ist der "Same des Wortes", der in der Lage ist, unser Seeleninneres zu befruchten, wenn wir das Wort hören. Da Glaube durch das Hören des Wortes kommt (RÖMER 10:17), ist der Glaube des Menschen die natürliche Resonanz auf das von Gott gesprochene Wort. Es ist der Glaube, der unsere Errettung ausmacht, sagt Paulus. Gehorsam zum Wort (Gesetz) ist natürlich der nächste Schritt, weil man immer aufgrund dessen handeln wird, was man wahrhaftig glaubt.

Unsere fleischlichen Schwächen halten uns oft insbesondere am Anfang von völligem oder wahrem Gehorsam ab. Doch sobald wir in Gnade und geistlicher Stärke wachsen, fangen unsere Werke an, unserem Glauben an Gott zu entsprechen. Ungeachtet dessen, was einige Kirchen lehren mögen, können uns darüberhinaus unsere derzeitigen Gebrechen und Schwächen des Fleisches nicht dazu bringen, unsere Errettung zu verlieren, weil unsere Errettung nicht durch menschlichen Willen erlangt worden ist.

Der zuerst errettete Überrest

Unseren ersten Bericht beendeten wir mit einer Einführung in das Thema des Überrestes. Gott starb für die ganze Welt, aber derzeit hat nur ein Überrest Glaube an Gott. Paulus sagt uns auch im 1. KORINTHER 15:22 und 23, daß alle, die in Adam gestorben sind, in Christus lebendig gemacht werden sollen - doch jeder Mensch in seinem eigenen Geschwader.

Gott arbeitet derzeit mit dem Überrest der Gnade. Wenn er einmal diese kleine Truppe in die Fülle der Verheißung gebracht hat, dann werden sie vom Geiste Gottes völlig ermächtigt werden, dem Rest der Welt die göttliche Gegenwart und den Charakter von Christus zu bezeugen. Ihr Zeugnis und Werk wird dann den Rest der Kirche und die Welt in die Segnungen des Königreiches Gottes bringen. Das wird zweifellos eine sehr lange Zeit in Anspruch nehmen, aber das letztendliche Ziel und die Hoffnung aller Schöpfung ist es, daß alle Dinge Jesus Christus untergeordnet werden (1. KORINTHER 15:27; HEBRÄER 2:8).

Zu jeder Zeit hat es einen Überrest gegeben. Jesajas Sohn wurde "Shehar-jashub" genannt, was bedeutet: der Überrest soll zurückkehren. Diese Truppe von Übriggebliebenen werden die ersten Leute sein, die Gottes Ehre manifestieren. Sie entsprechen dem Teil Gerste, der zuerst reift. Doch sogar, bevor sie reif zur Ernte sind, stehen sie schon zu jedem Zeitalter als Zeugnis für die Wahrheit des Wortes Gottes da. Denn sie sind diejenigen, die Ohren haben, um die besondere Botschaft zu hören, die Gott für jede Ära hat.

Und so sagt uns Paulus in RÖMER 9:27-29:

27 „Jesaja aber ruft aus über Israel: »Wenn die Zahl der Kinder Israel würde sein wie der Sand am Meer, so wird doch nur ein Rest gerettet werden;

28 denn er wird die Arbeit beenden, sie in Gerechtigkeit verkürzen, denn ein kurzes Werk wird der Herr auf Erden tun. (KJV)

29 Und wie Jesaja zuvor gesagt hat: 'Wenn uns nicht der Herr Zebaoth hätte lassen Nachkommen Übrigbleiben, so wären wir wie Sodom geworden und gleichwie Gomorra.'“

Verse 27 und 28 zitieren JESAJA 10:22-23, die Passage, die von uns am Ende unseres letzten Berichtes in bezug auf Jesajas Sohn Shejar-jashub erwähnt wird. Aus dieser Passage geht klar hervor, daß Israel so zahlreich wie der Sand am Meer ist, aber von ihnen heute nur ein Überrest "zurückkehren" und "gerettet werden" wird.

Gottes Arbeit mit dem kleinen Überrest der Gnade negiert nicht die größere Arbeit mit Israel oder der Welt. Gott wird diese umfassende Arbeit zu seiner Zeit auch tun. In der Zwischenzeit ist die gegenwärtige Arbeit eine vergleichsweise kurze. In meinen Augen ist die gegenwärtige Arbeit eine kurze Arbeitswoche von sechs Tagen (das sind 6.000 Jahre, denen die Sabbatruhe der nächsten 1000 Jahre folgen wird).

Die Wichtigkeit der Präsenz der Überrest-Truppe in der Welt erkennen wir im zuvor zitierten RÖMERr 9:29. Wenn nicht um des Überrestes Willen, wäre die Welt wie Sodom und Gomorra und müßte durch das Gesetz eher zerstört als gerettet werden. Jedoch stellt die Präsenz des Überrestes in der Welt sicher, daß der göttliche Plan der Errettung erfüllt wird.

Erinnert euch, wie Abraham sich um Lots willen für Sodom und Gomorra einsetzte. Gott sagte ihm letztendlich, daß Er die Städte um nur zehn gerechter Männer willen verschonen würde, wenn man sie dort finden könnte. Interessant ist folgender Vergleich zu diesem Bericht, besonders wenn man die Bedeutung von Zahlen in der Bibel kennt. Gott würde sagen, daß Er Sodom nicht zerstören würde, wenn Er

50 Geisterfüllte (Pfingstler/...), oder

45 Bewährte, oder

40 Erprobte, oder

30 Hingegebene, Reife, oder

20 Erlöste, oder selbst wenn Er einfach nur

10 Gesetzestreue finden könnte.

Bevor wir in unserem Studium von RÖMER 10 fortfahren, laßt uns wiederholen, was wir gelernt haben. Paulus sagt, daß Israel, d.h. die Israeliten zur Zeit des Alten Testamentes Christus abgelehnt haben, weil sie dachten, daß sie durch ihre eigenen gerechten Werke nach dem Gesetz Gottes gerettet werden könnten. Unter dem Alten Bund, der an Bedingungen geknüpft ist, erfüllte das Volk nicht seinen Gehorsamseid gegenüber Gott und wurde dafür gerichtet und unter die Heiden verstoßen.

Im göttlichen Errettungsplan würde zu dieser Zeit nur ein Überrest zu Gott zurückkehren, während die anderen blind gemacht worden wären und auf ein späteres Zeitalter zu warten hätten, nachdem der Überrest vollständig in Sein Erbe eingegangen wäre. Und so sehen wir bis zum heutigen Tag wie das blinde Israel versucht, seine eigene Gerechtigkeit unter dem Alten Testament aufzurichten.

Von den orthodox-jüdischen Kreisen wird offen erklärt, daß man unter dem mosaischen Bund steht. Heimtückischer ist die Irrlehre in den israelitischen Nationen, wo die Kirche lehrt, daß ein Mensch durch menschlichen Willen gerettet wird, wenn er zum Altar geht und schwört, in irgendeiner Form Gott gehorsam zu werden. Während die Kirche immer für sich in Anspruch genommen hat, daß sie die Leute unter den Neuen Bund bringt, setzt sie in Wirklichkeit die alttestamentarische Lehre der Errettung fort.

Paulus sagt in RÖMER 10:

1 „Liebe Brüder, meines Herzens Wunsch ist, und ich flehe auch zu Gott für Israel, daß sie gerettet werden.

2 Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, daß sie eifern um Gott, aber mit Unverstand.

3 Denn sie sind ignorant gegenüber der Gerechtigkeit, die Gottes ist, und trachten, ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und haben sich so nicht der Gerechtigkeit Gottes unterworfen (KJV)

4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt (Glaube hat), der ist gerecht.“

Paulus erkannte klar, daß die Anbetung im Jerusalemer Tempel ein alttestamentarischer Versuch war, die eigene Gerechtigkeit ohne Glaube aufzurichten. Bei diesem Paradebeispiel für Paulus’ Zeit muß man im Sinn behalten, daß er über Israel sprach. Sein Arbeitsbereich umfaßte zu seinen Lebzeiten weit mehr als nur Judäer und Galiläer. Er schloß das Haus Israel mit in seine Gedanken ein, das zu dieser Zeit schon dabei war, nach Europa einzuwandern - und schon durch Kleinasien gezogen war (die moderne Türkei) oder über die Nordroute das Kaukasusgebirge überquert hatte. Egal, welcher Religion sie in ihrer Gefangenschaft auch nachgegangen waren, sie suchten immer, durch ihre eigenen Werke und durch den Willen des Menschen gerecht zu werden.

Sie waren in Unkenntnis über Gottes Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt. Sie verstanden nicht, daß Gott das Alte Testament durch einen Scheidebrief außer Kraft gesetzt hatte und daß sie jetzt auf einem neuen und lebendigen Weg zu Gott kommen müßten, wobei ihre Gerechtigkeit nur auf Glaube beruhte. Wie Paulus in Vers 4 und 5 sagt:

4 Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht.

5 Mose nämlich schreibt von der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt (3. MOSE 18:5) "Welcher Mensch sie TUT, der wird durch sie leben."

Das bedeutet nicht, daß der Standard von Gottes Gerechtigkeit sich verändert hat. Nein, Sünde ist immer noch die Übertretung des Gesetzes (1. JOHANNES 3:4). Paulus sagt deutlich in RÖMER 3:20: "Denn durch das Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde." Folglich ist es nicht so, daß sich Gottes Definition von Sünde geändert hat. Es ist vielmehr so, daß man nicht im biblischen Sinne gerecht werden kann, indem man einen aufrichtigen Versuch unternimmt, aus dem Willen des Fleisches (d.h. dem Willen des Menschen) heraus Gott gehorsam zu sein. Man kann jeden Tag schwören, vollkommen zu sein und den Körper die ganze Zeit mit todernster Selbstdisziplin kasteien, aber danach werden wir immer wieder herausfinden, daß wir gegenüber der Herrlichkeit Gottes zurückgeblieben sind.

Sie kann einfach nicht auf diese Weise erlangt werden. Wenn wir durch unsere Ausführung und Fähigkeit, den Eid des Gehorsams gegenüber Gott zu halten, gerettet werden müssen, dann sind wir alle ruiniert. Es kann uns nicht besser gehen als dem alten Israel.

Wenn Paulus also sagt: "Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an den glaubt, der ist gerecht", dann sagt er nicht, daß das Gesetz aufgehört hat. Er sagt, daß wir, wenn wir unter dem Neuen Bund zu Christus kommen, durch Glaube gerettet werden, nicht durch die Werke des Gesetzes. Gott spricht, wir hören. Glaube kommt, und der Geist Gottes bezeugt Christus in Dir, die Hoffnung der Herrlichkeit.

Das Wichtigste zu wissen ist, daß es Gott (d.h. Jesus Christus) ist, Der die Errettung bringt - nicht der Mensch. Wir sprechen einfach auf Sein Werk an. Unser Wille ist eine Reaktion auf Seinen Willen. Unser Glaube ist eine Reaktion auf Sein Wort, wenn Er zu uns spricht. Es gibt eine Verschiebung von der Errettungsreligion des Alten Testamentes durch den Willen des Menschen zu der neutestamentarischen Errettung durch den Willen Gottes in Christus.

Wie schon gesagt, ist sie primär durch den Bund Abrahams illustriert, als Gott Abraham in Schlaf versetzt und ihm ein einseitiges bedingungsloses Versprechen gibt. Abraham hat seinerseits keine Eide geleistet, die den Bund auf den Willen des Menschen oder das Erfüllen von Gehorsamseiden auf die Stärke des Fleisches zurückführen könnten. Es handelte sich einfach nur um einen Bund, bei dem Abraham Gottes Wort nur GEHÖRT hat und daran glaubte, daß Gott fähig war, all das zu tun, was Er für ihn - Abraham - und seine Nachkommen vorausgesagt hatte.

Also, was bedeutet dies alles für dich und mich in unserer Beziehung zu Gott? Es bedeutet, daß unser Gehorsamseid und unsere Absicht, das Richtige zu tun, gut ist, aber uns nicht retten kann. Wir sind nicht gerecht genug, tatsächlich zu tun, was wir versprochen haben. Vor Jahren versuchte ich, diesen Weg zu gehen, nur um herauszufinden, daß ich nicht dazu in der Lage war.

Viele Jahre habe ich nun das Wort gehört, das Gott zu mir in mein Herz gesprochen hat. Das Wort wurde mir mit der Zeit immer klarer und verständlicher. Weil ich das Wort glaubte und mit Gehorsam auf Es reagierte, bin ich in meinem Wandel gewachsen. Meine Reaktion ist oft begrenzt gewesen, so wie ein Kind, dem befohlen wird, sein Zimmer sauberzumachen oder ein Vogelhaus zu bauen. Und doch hat Gott mich wie ein Kind trainiert, ohne auf meine Fähigkeiten zu schauen. Er hat meinen Glauben, manifestiert durch die Reaktion auf Sein Wort, höher bewertet als mein Vermögen zur Durchführung.

Ich habe es erfahren und durch Lesen der Schrift erkannt, daß Glaube das einzige ist, was Gott wirklich schätzt. Denn Glaube ist eine Beziehung zu Ihm. Ein Kind, das nicht auf das Wort seines Vaters reagiert, hat keine Beziehung zu ihm. Unser Vater spricht und gibt womöglich dann dabei einen Befehl. Die Arbeit, die darauf zu tun ist, ist von zweitrangiger Wichtigkeit gegenüber dem eigentlichen Glauben im Kind, das den Vater hört und auf seine Stimme reagiert.

Das bedeutet nicht, daß die Arbeit an sich wertlos ist. Ich meine nur, daß ohne Glaube sie dem Vater nichts bedeutet. Ein Mann mag ein schönes Schloß bauen. Doch wenn ihm sein Vater sagte, daß er einen Stall für die Pferde bauen sollte, kann das Schloß den Zweck nicht erfüllen. Wenn der Sohn mit dem Vater darüber diskutiert, daß das Schloß in Wirklichkeit ein viel besseres Projekt sei als die Scheune, mag der Vater vielleicht einfach das Schloß abbrennen lassen, um die Aufmerksamkeit seines Sohnes zu erlangen. Der Sohn muß lernen, seinem Vater zu vertrauen und Glaube an ihn zu haben, daß jener weiß, was er tut. Dann, wenn er gehorsam ist, wird er beginnen, die Gründe seines Vaters zu verstehen. Er wird beginnen, den Sinn seines Vaters anzuziehen. Er wird nicht nur erfahren, WAS der Vater wünscht, sondern auch, WARUM er es wünscht. Dann wird er nicht mehr nur ein Diener sein, sondern ein Sohn, mit dem der Vater als zu einem Freund von Angesicht zu Angesicht reden kann (2. MOSE 33:11 und JOHANNES 15:15).

Quelle: Foundation for Intercession, Issue 104 - September 1997, Stephen E. Jones, God's Kingdom Ministries