Australiens christliches Erbe

Das Südland des Heiligen Geistes

Fast einhundert Jahre bevor Captain Cook Australien entdeckte, verkündete der portugiesische Kapitän Pedro Fernández de Quirós im Jahre 1606 die Bestimmung dieses Kontinents. Hier ein Exzerpt aus der auf Tahiti gegebenen Prophezeiung:

„Laßt die Himmel, die Erde und die Wasser samt all ihrer Geschöpfe und alle, die zugegen sind, Zeuge sein, daß ich, Kapitän Pedro Fernández de Quirós ... im Namen Jesu Christi ... dieses Symbol des Heiligen Kreuzes hisse, an dem Sein Leib gekreuzigt wurde und an welchem Er Sein Leben zur Erlösung und zum Heil der Menschheit gab ... An diesem Pfingsttag des Jahres 1606 ... nehme ich im Namen Jesu dieses ganze Südgebiet bis hin zum Pol in Besitz ... welches von nun an das Südland des Heiligen Geistes (La Australia del Espiritu Santo) heißen soll ... und dies für immer und ewig ... auf daß allen Einheimischen im gesamten besagten Land das heilige und göttliche Evangelium eifrig und freimütig gepredigt werden möge.“

Die Prince of Wales – eines der Schiffe der First FleetDie Prince of Wales – eines der Schiffe der First Fleet Bis 1788 blieb der australische Kontinent unzivilisiert, obgleich er bei vielen Völkern bekannt war und u.a. schon von Indonesiern, Holländern, Franzosen und Spaniern besucht worden war. Zweifellos hatte der Herr Seinen eigenen Zeitplan hinsichtlich der Erfüllung von de Quirós’ Prophezeiung.

Mit dem Anlegen der britischen „First Fleet“ (mit etwas über 1.000 Menschen an Bord) im Port Jackson (dem späteren Sydney) am 26. Januar 1788, begann nach 8monatiger Seereise die geordnete Besiedlung des Landes. Die First Fleet wurde begleitet von Rev. Richard Johnston, welcher aus den evangelikalen Erweckungen in Großbritannien hervorging und einen brennenden Eifer für verlorene Seelen besaß. Sein Assistent Samuel Marsden (später bekannt als Apostel von Neuseeland) war der Überzeugung, daß die Australier von Gott dazu auserkoren waren, Sein Wort zu nehmen und die umliegenden Nationen zu evangelisieren. 

Eine auf christlichen Werten gegründete Gesellschaft

Das frühe Australien verzeichnete eine große Anzahl von Männern Gottes, darunter Forscher wie Matthew Flinders, William Lawson, Captain Charles Sturt, Edward John Eyre, Friedrich Wilhelm Ludwig Leichhardt, John McDouall Stuart, Peter Warburton, Ernest Giles, Sir John Forrest und Sir George Grey. Diese Männer waren Glaubensriesen, die durch ihr Vertrauen auf Gott und auf den in Seinem Wort enthaltenen Verheißungen das Unerreichbare erreichten und das Unmögliche ermöglichten.  

Auch viele australische Gouverneure waren Christen. Lachlan Macquarie (zuweilen auch der „Vater Australiens“ genannt) erließ den Befehl, daß alle Strafgefangenen dem sonntäglichen Gottesdienst beiwohnen sollten. Er initiierte außerdem die British and Foreign Bible Society sowie die Sonntagsschulbewegung. Sir Thomas Brisbane (ein Freund des Dukes of Wellington, der bei Waterloo Napoleon besiegte) unterstützte Bibel- und Traktatgesellschaften und half bei der Gründung der Church Missionary Society. Andere Gouverneure, darunter Richard Bourke, Lt. Col. George Arthur sowie Sir George Gipps waren ebenfalls tiefgläubig. 

Neben den etwa 160.000 Strafgefangenen, die nach Australien geschifft worden waren, setzte sich die restliche Bevölkerung aus freien Siedlern zusammen. Australien blieb Teil des Britischen Commonwealth of Nations und erfüllt als solches biblische Prophetie (siehe 1. MOSE 35:11, KJV). Die britischen Vorväter der Australier stammen von den Stämmen Israels ab (siehe Die christliche Geschichte Britanniens). 

StaatenbundBlaue Flagge des Australischen Staatenbundes mit einem Löwen, der auf einer Krone steht

Es entstanden verschiedene Kolonien, und als gegen Ende des 19. Jh. eine mögliche Föderation zunehmend ins Gespräch kam, wurden in ganz Australien öffentliche Versammlungen abgehalten und Petitionen eingereicht, um Gott in der Verfassung anzuerkennen.Picture of Alfred Deakin Alfred Deakin

Alfred Deakin war der Hauptverantwortliche für die Verabschiedung der australischen Verfassung durch das englische Parlament. Deakin betete unaufhörlich über den vorgeschlagenen Gesetzestext und war hocherfreut, als der Verfassungskonvent einstimming folgende Präambel annahm: „Die Bürger von New South Wales, Victoria, South Australia, Queensland und Tasmanien sind darin übereingekommen, sich in demütigem Vertrauen auf den Segen des allmächtigen Gottes zu einem unauflösbaren, föderativen Staatenbund unter der Krone des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland zusammenzuschließen, gemäß der hiermit eingesetzten Verfassung ...“

Deakin, ein christlicher Barrister und Staatsmann, war der erste Kronanwalt der Föderation (sowie Gründer von Australiens Oberstem Gerichtshof). Während seiner drei Legislaturperioden als Premierminister wurden zahlreiche Commonwealth-Gesetze verabschiedet. Neben seinem geistlichen Tagebuch schrieb Deakin zwischen 1884 und 1913 ein Gebets- und Gesangbuch mit fast 400 Gebeten, die oftmals wichtige politische Entscheidungen betrafen und seine völlige Abhängigkeit von Gott offenbaren. 1905 schrieb Deakin: „Möge es genügen zu sagen, daß die Religion Jesu Christi das Leben der Gegenwart, das Licht der Zukunft und die Hoffnung der Welt ist.“ Von solchem Format waren die australischen Gründerväter. Noch heute wird in Australien jede Parlamentssitzung mit einem Gebet zu Gott dem Allmächtigen eröffnet.

Picture of Sir Henry ParkesSir Henry Parkes Sir Henry Parkes, fünfmaliger Ministerpräsident von New South Wales und als Vater der australischen Föderation bekannt, sagte: „Wir sind ein in überaus hohem Maße christliches Volk – denn unsere Gesetze, unser ganzes Rechtssystem, unsere Verfassung ... basieren auf und sind verwoben mit unserem christlichen Glauben ...“ (Sydney Morning Herald, 26. August 1885). 

South Australia – der christliche Staat

Der Staat South Australia wurde in erster Linie von Christen dieser Art besiedelt und dient als gutes Beispiel für den damaligen Siedlergeist. Die Hauptstadt Adelaide ist bekannt für ihr geordnetes Stadtbild und wird auch die „Stadt der Kirchen“ genannt. Einer der wichtigsten Personen bei der Gründung von South Australia war George Fife Angas. Er sagte: „Mein großes Ziel war es ... einen Zufluchtsort für fromme, britische Dissidenten zu finden, eine neue Heimat, in der sie bei ziviler und religiöser Pflichterfüllung ihrem Gewissen vor Gott gerecht werden konnten ... auf daß South Australia zum Zentrum für die Verbreitung des Christentums auf der südlichen Hemisphäre wird.“

Picture of George Fife AngasGeorge Fife Angas Gottes Vorsehung für die Gründung von South Australia offenbarte sich dadurch, daß „... innerhalb von 10 Jahren über die Hälfte der Bevölkerung einer der beiden Konfessionen angehörte ... und neue Kirchen gebaut werden mußten. Während der Besiedlung zwischen 1836 und 1915 wurden weitaus mehr Kinder in Sonntags- als in Tagesschulen aufgenommen!“ (Pike, D.)

Schulen

Das Bildungssystem in Australien wurde wie in vielen anderen Ländern nicht vom Staat, sondern in erster Linie von der christlichen Kirche ins Leben gerufen. Bis um das Jahr 1880 gab es streng genommen überhaupt keine staatlichen Schulen.

„Australiens erstes Kirchengebäude diente gleichzeitig als Schule. Es scheint weitgehend unbekannt, daß die meisten in der Erstkolonie gegründeten Schulen durch den Klerus begonnen und mit bescheidenen Mitteln von Missionswerken und Kirchengruppen unterstützt wurden.“ (Partridge, P.H.)

Der durch die christliche Erziehung entwickelte Moralkodex besaß eine solch starke Wirkung auf die Bevölkerung, daß Peter Cunningham über die australische 1820er Generation schrieb: „... sie sind nahezu frei von den Lastern, die zu Zeiten ihrer Eltern verbreitet waren! Trunksucht ist bei ihnen gänzlich unbekannt und Redlichkeit gang und gäbe ...“ Die lange Tradition des kirchlichen Schulsystems in Australien war ausschlaggebend für die vergleichsweise geringe Analphabetenquote gebürtiger Australier

Evangelisation

Gemäß Samuel Marsdens als auch George Angas’ Visionen bewies sich Australien tatsächlich als Angelpunkt der Christenmission auf der Südhalbkugel. Zunächst beschränkten sich die missionarischen Aktivitäten vor allem auf die bestehenden oder in der Entwicklung befindlichen europäischen Siedlungen sowie auf oftmals sehr entlegene Aboriginegemeinden. Doch schon bald gründeten australische Missionare Kirchenwerke in vielen Ländern, darunter Afrika, Palästina, der Iran, China, Pakistan, Indien, Bangladesch, Assam, Burma, Borneo (Indonesien), der West-Iran, Papua-Neuguinea und die Philippinen.

Heute wie damals arbeiten australische Missionare unter der Schirmherrschaft verschiedener Kirchen und Missionswerke in etlichen Ländern der Welt.

Erweckungen

Während des 19. Jh. erlebte Australien über 70 örtliche Erweckungen, und das 20. Jh. wurde Zeuge von mehr Erweckungen als je zuvor:

„Australien begann das neue Jahrhundert mit dem größten Evangelisationsfeldzug in seiner Geschichte. Nach erfolgreichen Evangelisationen in Japan und China erreichte R. A. Torrey im April 1902 Melbourne. Die wöchentlichen Teilnehmerzahlen beliefen sich auf ¼ Million bei einer Gesamtbevölkerung von nur 1 Million in gesamten Staat Victoria. Während der Zeltevangelisationen in New South Wales (1902/03) wurden 25.000 Besucher aus 200 Ortschaften gemeldet ...“ Klick auf diesen Link, um mehr über Erweckungen in Australien und die Pfingstbewegung im allgemeinen zu erfahren.

Australien heute

Australien befindet sich derzeit in einem Klima des moralischen Verfalls. Gebete sind in öffentlichen Schulen untersagt, obgleich Religionsunterricht als Wahlfach angeboten wird (sofern sich jemand von der örtlichen Kirche oder Gemeinde bereit erklärt, diesen abzuhalten). Prostitution wurde legalisiert und gleichgeschlechtliche Beziehungen sind inzwischen gesetzlich anerkannt.

Die Einwanderungspolitik sorgt für einen starken, nicht-christlichen Immigrantenzustrom, der heidnische Religionen nach Australien führt. Diese Einwanderungsgruppen arbeiten darauf hin, jedweden christlichen Einfluß im Lande zunichte zu machen. Sie werden dabei unterstützt von einer wachsenden Zahl postmoderner, humanistischer und politisch korrekter Anhänger, was die Gesetzgebung dazu antreibt, herabwürdigende und diskriminierende Gesetze zu erlassen, die jetzt zur Christenverfolgung benutzt werden.

Persönliche Flagge Ihrer MajestätPersönliche Flagge Ihrer Majestät Queen Elizabeth II. ist nach wie vor Staatsoberhaupt trotz wiederholter Versuche, Australien zu einer Republik zu machen. Die Rolle der Königin, die bei ihrer Krönung einen feierlichen Eid vor Gott abgelegt hat, ist grundlegend für die christlichen Mechanismen, die von den australischen Gründungsvätern in das Regierungsgefüge eingewoben wurden. Leider verliert sich dieses Wissen in der jüngeren Generation immer mehr: „Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit. Ein gutes Verständnis haben alle, die seine Gebote tun ...“ (PSALM 111:10).

In einer Zeit ohne wirkliche Gottesfurcht, in der die meisten Australier nur noch Namenschristen sind, zeigt sich ihr Mangel an Einsicht sehr klar. Ohne echte Buße wird ihr Pfad durch die Verheißungen Gottes bestimmt: „Wenn du aber nicht gehorchen wirst der Stimme des Herrn, deines Gottes, daß du hältst und tust alle seine Gebote und Rechte, die ich dir heute gebiete, so werden alle diese Flüche über dich kommen und dich treffen ...“ (5. MOSE 28:15-68). Die Nation muß sich wieder zurück zu Gott kehren: „... und mein Volk sich demütigt, das nach meinem Namen genannt ist, daß sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren werden: so will ich vom Himmel hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen“ (2. CHRONIK 7:14).

Quellen:

Clark, Prof. M., A History of Australia, (3 Bände) MUP.
Clark, Prof. M., A History of Australia, Ashton Scholastic, 1988.
Clark, Prof. M., A Short History of Australia, Penguin Books, 1994.
Cunningham, P., Two Years in New South Wales, London, Colburn, 1828, 2: S. 47-49.
Good, H.G., A History of American Education, (2. Ausg.) New York, 1962.
Humphreys, R. und Ward, R., Religious Bodies in Australia: a comprehensive guide, New Melbourne Press, 1995, S. 180-181, 189, 247.
McLennan, Dr. G., Understanding our Christian Heritage, Christian Heritage Research Institute, Orange, NSW, 1989.
Partridge P. H., Society, Schools And Progress In Australia, Sydney, Pergamon Press, 1969.
Piggin, S., Local Revivals in Australia, Renewal Journal #2 (93:2), Brisbane, Australien, S. 3542.
Pike, D., Paradise of Dissent: South Australia, 1829-1857, MUP, 1957.
Stringer, C., Discovering Australia’s Christian Heritage, Col Stringer Ministries, 2001.