Österreichs christliche Geschichte

Österreich unter heutiger Betrachtung erinnert uns daran, dass es nicht immer ein so kleines Gebiet darstellte. Seine Grenzen verschoben sich im Laufe der Jahrhunderte. Vorher umfassten sie ganz Ungarn, Norditalien und Teile des vormaligen Jugoslawien, der Tschechei und der Slowakei.

Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III.Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III.

In der Geschichte erschien der alte Begriff „Ostarrichi“ erstmals im Jahre 996 n.Chr. in einer Schenkungsurkunde von Kaiser Otto III. an das Bistum Freising, wobei er 30 Königshufen „in regione vulgari vocabulo Ostarrîchi dicitur“ (in der Volkssprache Ostarrichi genannt) meinte. Der Ursprung des Namens ist ansonsten unbekannt.

Bis zum Jahre 996 hatte die Babenberger Dynastie schon über 20 Jahre in diesem Gebiet regiert, das das „heilige römisches Reich“ genannt wurde. Den Babenbergern folgten 1273 die Habsburger, deren Herrschaft erst nach dem ersten Weltkrieg im Jahre 1918 endete. Leider war es im Sinne der Habsburger, viele christlichen Gruppen zu zerstören und deren Mitglieder in Österreich und zu töten.

Rückblickend müssen wir erkennen, dass die Menschen hauptsächlich nach der Religionslehre der römisch-katholischen Kirche erzogen wurden. Kaiser Flavius Valerius Constantinus I. Maximus (der Große) regierte von 307-337 und machte die katholische Kirche zur offiziellen Staatskirche im römischen Reich, zu dem auch Süddeutschland und Österreich gehörten. Sowohl die Hunnen als auch deutsche Stämme wie die Lugier, Ostgoten und Bajuwaren (Bayern) strömten im 5. und 6. Jahrhundert ins Land und vertrieben die Römer. Der größte Teil der Bewohner Süddeutschlands und Österreichs stammt von diesen Stämmen. Es gab aber auch wahre Christen, die sich gegen die katholische Kirche mit ihrer Falschlehre und Abweichung von der Bibel auflehnten.

Das 12. bis 15. Jahrhundert

Zu dieser Zeit lebten die Katarer und Waldenser. Letztere wurden von Pierre Valdo (1140-1217) aus Lyon gegründet, der sich 1176 zum wahren Christentum bekehrt hatte und seine Lehren direkt und ausschließlich aus der Bibel bezog. Im ganzen Alpengebiet bildeten sich kleine Gruppen. Zur Zeit der Inquisition und des albigensischen Krieges (1209-1229) wurden die Katarer zusammen mit den Waldensern verfolgt und aus den deutschsprachigen Gebieten vertrieben. Um 1397 ereignete sich in Niederösterreich das „Blutgericht von Steyr“, bei dem etwa einhundert Waldenser lebendig am Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Das 16. bis 18. Jahrhundert

1525 wurden die Brüdergemeinden oder Wiedertäufer gegründet, die sich im ganzen Land ausbreiteten. Viele ihrer Führer wie Konrad Grebel, Felix Mantz, Jörg Blaurock und Balthasar Hubmaier sowie ihre Nachfolger starben in der Verfolgung durch die katholische Kirche am Scheiterhaufen.

Die Gemeinden der Wiedertäufer hielten an der Lehre der Bibel fest und lehrten die Bevölkerung Gottes Wege. Die Wiedertäufer tauften Erwachsene unter Wasser und nahmen das Abendmahl zum Gedenken an das Opfer des Herrn. Sie stellten sich entschieden gegen die Falschlehren der katholischen Kirche wie zum Beispiel das Besprengen von Babies mit Wasser, das Taufe genannt wurde. Sie predigten auch gegen die Lehre der „Transubstantiation“ (die Behauptung, dass eine körperliche Verwandlung von Abendmahlbrot und Wein in das echte Fleisch und Blut von Jesus auf wunderbare Weise durch den katholischen Priester in der Messe vollzogen würde).

Die Hutterer

J. Hutter - GedenkplaketteJ. Hutter - Gedenkplakette

1529 schloss sich der gelernte Hutmacher Jakob Hutter (geboren in Moosim Pustatal, etwa einen Kilometer von Bruneck entfernt) einer Wiedertäufergruppe in Tirol an. Bald darauf wurde er als Prediger ausgewählt und widmete sich ganz dem Dienst am Evangelium. Jakob Hutter legte den Grundstein für die hutterische Lebensweise, in der die Mitglieder auf „Bruderhöfen“ zusammenlebten und alles miteinander teilten. Diese Höfe kann man heute noch finden. Basierend auf der APOSTELGESCHICHTE 2:44-47 glaubten die Hutterer, dass das Teilen der Güter das höchste Gebot der Liebe sei.

Tirol war das Hauptgebiet von Hutters Wirken. Später, nachdem die Verfolgung begonnen hatte und 1533 ein Preis auf seinen Kopf ausgesetzt worden war, floh er nach Mähren. Als die Verfolgung dann Mähren erreichte, musste ihn die Gemeinde nach Tirol zurückschicken. Am 29. November 1535 wurde er in Klausen verraten, gefangengenommen und geknebelt nach Innsbruck gebracht, wo er im Gefängnis verhört und gefoltert wurde.

Am 2. Februar 1536 wurde er verurteilt und lebendig am Scheiterhaufen vor dem „Goldenen Dachl“ verbrannt, weil er sich weigerte, seinen Glauben zu widerrufen. Hutterers letzte Worte waren:

„Kommt näher, ihr Widersprecher, lasst uns den Glauben im Feuer probieren“.

 Goldenes Dachl InnsbruckGoldenes Dachl Innsbruck In den darauffolgenden Jahren wurde seine Frau Katharina viermal gefangengenommen und schließlich in einem Wassertrog ertränkt. In den nächsten hundert Jahren gab es bis zu 125 Gemeinden der Hutterer in Tirol.

Die protestantische Reformation (1517-1648)

Nach dem „Reichstag zu Worms“ erreichten die Lehren von Martin Luther auch Österreich. Luthers Schriften wurden hauptsächlich von Bergarbeitern, Soldaten, Handwerkern und Händlern mitgebracht und unter dem Volk verbreitet.

Seit 1520 verbreitete sich der Protestantismus schnell in diesem Teil Europas mit Hilfe der beiden österreichischen Adelsfamilien Jörger und Starhemberger. Österreich war zu einer bestimmten Zeit sogar über achtzig Prozent protestantisch.

Durch die „Gegenreformation“ wurde Österreich wieder zurück unter den Katholizismus gebracht. Dies geschah oft mit Gewalt. 1528 wurden zum Beispiel Wolfgang Brandhuber und siebzig seiner Nachfolger wegen ihres Glaubens an die Bibel in Linz hingerichtet. Andere mussten sich aufgrund der Verfolgung verstecken. Etwa einhunderttausend Protestanten mussten nach Ungarn und Siebenbürgen (Transsylvanien) in Rumänien fliehen (siehe Christliche Geschichte von Ungarn).

Auf der „Münchner Konferenz“ von 1579 entschlossen sich Karl von Mittelösterreich, sein Bruder Ferdinand II. von Tirol und sein Schwager Wilhelm von Bayern, den Protestantismus in ihren Ländern systematisch zu bekämpfen. Daraus resultierten die folgenden Maßnahmen:

• Sie versuchten die protestantische Infrastruktur zu zerstören, indem sie die Prediger vertrieben, protestantische Schulen und Kirchen schlossen, Bücher (hauptsächlich von Luther) verbrannten und Beamtenstellen mit Nichtprotestanten besetzten.

• Missionare und alle Bürger wurden durch die Reformkommission untersucht. Es wurde zu einer befristeten Rückbekehrung aufgerufen. Das war oft mit strengen Vergeltungsmaßnahmen verbunden, weil ein Viertel der Soldaten in den Häusern der Protestanten untergebracht wurde.

• Alle, die sich nicht zum Katholizismus bekehren wollten, wurden ausgewiesen. In diesem Fall mussten alle jüngeren Kinder der protestantischen Familien zurückbleiben. Die Familien mussten zwischen 5% und 10% „Wegzugsteuer“ bezahlen.

In den folgenden zweihundert Jahren gab es besonders während der Herrschaft von Karl VI. und seiner Mutter Maria Theresa große Verfolgung. Es galt als ein Verbrechen, Protestant zu sein. Schwere Geldstrafen und im günstigsten Fall Gefängnisstrafen in „Bekehrungsgefängnissen“ wurden auferlegt, meistens aber die Todesstrafe. Maria Theresa wurde für den grausamen Tod Tausender Protestanten in ihrem Kaiserreich verantwortlich. Von einem dieser Massaker lesen wir, dass die Soldaten die Donau auf ihren Pferden überquerten, indem sie über Tausende protestantischer Leichen ritten.

Maria TheresaMaria Theresa

Einige Beispiele für die Gesetze, die von Maria Theresa 1778 eingeführt wurden, sind:

  1. Lutheranische Bücher waren verboten.
  2. Niemand durfte zu Hause christliche Versammlungen abhalten.
  3. Man durfte nur Katholiken heiraten.
  4. Niemand durfte ein Haus ohne schriftliche Glaubensbestätigung durch einen katholischen Priester kaufen.

Die meisten Bauern gaben vor, Katholiken zu sein, hielten aber heimlich Luthers Lehre, versteckten protestantische Bücher in Ställen, Mühlen, Höhlen und Bäumen und versammelten sich von Zeit zu Zeit auch an solchen Orten. Diese Leute waren als die „heimlichen Protestanten“ bekannt.

Die finsteren Zeiten der christlichen Geschichte Österreichs endeten erst am 13. Oktober 1781, als Kaiser Josef II., bekannt als der „Kaiser des Volkes“, das „Toleranzpatent“ verkündete. Diese Erklärung brachte Religionsfreiheit für Protestanten, obwohl die katholische Hochburg Tirol diese Erklärung erst über hundert Jahre später umsetzte.

Das 19. und 20. Jahrhundert

Seit dem 19. Jahrhundert festigte sich die protestantische Kirche, verlor gleichzeitig und über die folgenden Jahre jedoch ihr Feuer, so dass sie keine Bedrohung für die katholische Kirche mehr darstellte. Heute ist sie Teil der ökumenischen Bewegung und steht dadurch nicht mehr für die biblische Wahrheit ein.

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts, etwa um 1926, kamen Missionare der Heilsarmee nach Österreich und begannen dort ihre Arbeit. Heute, achtzig Jahre später, gibt es nur noch etwa 30 aktive Mitglieder dieser einst so mächtigen christlichen Arbeit, die im 19. Jahrhundert von William Booth gegründet worden war.

Leider überlebten nicht viele protestantische Gruppen, die österreichischen Boden betraten. Heute glaubt nur noch eine Minderheit der Bevölkerungs an die Bibel. Es bestehen einige charismatische Gemeinden und Pfingstgemeinden im Land, die oft von den USA oder der Schweiz unterstützt werden. Leider gibt es nur wenige Gläubige, die ihre Knie vor Gott beugen wollen und so leben, wie es die Bibel befiehlt.

„bestimmt er abermals einen Tag, ein «Heute», und spricht nach so langer Zeit durch David, wie gesagt Ist: Heute, wenn ihr seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht.“ HEBRÄER 4:7